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Monet, Gauguin, van Gogh … Inspiration Japan

Das Museum Folkwang ist eine Institution in Essen und weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Warum das so ist, kann man noch bis 18. Jänner 2015 in einer wunderbaren Ausstellung erleben… 

„Monet, Gauguin, van Gogh … Inspiration Japan" heißt die derzeit laufende Ausstellung und wer in der Nähe von Essen ist und über die Weihnachtsfeiertage ein wenig mehr Zeit hat, sollte diese zu einem Museumsbesuch nutzen. Ich liebe die Impressionisten und daher war es für mich ein Muss die Ausstellung zu besuchen. Was oder warum aber „Inspiration Japan" war mir bis dato nicht bekannt.

Katsushika Hokusai, Kanagawa Oki Nami, Fugaku sanjûrokkei, um 1831, Die große Welle vor der Küste bei Kanagawa,Aus der Serie Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuj, Mehrfarbiger Holzschnitt (nishiki-e), 25,2 x 37,6 cm (ôban), Privatsammlung, © Foto: Museum Folkwang

Mir war jedenfalls nicht klar, welche Bedeutung die japanische Kunst auf die Entwicklung der europäischen Moderne hatte. Auch nicht, dass sich nahezu alle großen Meister, von Degas, Manet, Monet über Gauguin bis van Gogh und Henri Toulouse-Lautrec sich von japanischen Bildmotiven und Stilmittel begeistern und inspirieren ließen. Es ist ein Verdienst des Folkwang Museums (und seiner großen Sammlung) ausgezeichnete Beispiele in dieser Exhibition zu zeigen: am herausragendsten und deutlichsten sieht man es wahrscheinlich bei der Kurtisane, die sich van Gogh zum Vorbild nahm.

Pierre Bonnard, Promenade des nourrices, frise des fiacres, 1894/1897, Wandschirm: Spaziergang der Ammen, Fiakerfries, Paravent mit vier Lithographien in fünf Farben, je 143 x 46 cm, Privatsammlung, courtesy Städel Museum, Frankfurt am Main, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014, © Foto: Horst Ziegenfusz

Die Entwicklung begann 1854, als sich Japan nach einer über 200jährigen Abschottung wieder der restlichen Welt öffnete und ein reger Waren- und Informationsaustausch mit dem Westen einsetzte. Dies löste besonders in Frankreich eine regelrechte Japan-Begeisterung aus, viele Künstler begannen sich für die japanische Kunst zu interessieren, kauften sie, sammelten sie und dekorierten damit ihre Wohnungen und Studios. Monet gestaltete 1893 sogar sein Grundstück in Giverny mit Teich und Brücke unter anderem nach japanischen Vorbildern. Auch die Auswahl der Pflanzen zeigte sich mit Schwertlilien, fernöstlichen Mohn, Azaleen und Chrysanthemen „japanisch".

Claude Monet, Le bassin des nymphéas, 1899, Der Seerosenteich, Öl auf Leinwand; 93 x 74 cm, The Metropolitan Museum of Art, H. O. Havemeyer Collection, Bequest of Mrs. H. O. Havemeyer, 1929, © Foto: bpk; The Metropolitan Museum of Art

Matisse war besonders an der nicht-beschreibenden Farbgebung der Japaner interessiert und van Gogh berichtet seiner Schwester 1888 aus der Provence: „Ich brauche hier keine Japandrucke, denn ich sage mir immer, dass ich hier in Japan bin".

Vincent van Gogh, Le Semeur, 1888, Sämann bei Sonnenuntergang, Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich, © Foto: SIK Zürich (J. P. Kuhn)

Wer mit offenen Augen durch die Ausstellungsräume geht, kann noch viele andere Übereinstimmungen entdecken. Die Ausstellung zeigt nicht nur hervorragende und bekannte Arbeiten der Impressionisten, sondern auch viele ausgezeichnete und schöne Werke japanischer Künstler. Sie werden über die Farbgebung, Ausdrucksstärke und Komposition der einzelnen Bilder, Holzschnitte und Drucke staunen. Freuen Sie sich auf Katsushika Hokusai, Utagawa Hiroshige, Ikeda Eisen und viele andere.

Paul Cézanne, Montagne Sainte-Victoire, um 1890, Montagne Sainte-Victoire, Öl auf Leinwand, 65 x 92 cm, Musée d’Orsay, Paris, donation de la petite-fille d’Auguste Pellerin, 1969, © Foto: bpk / RMN – Grand Palais / Hervé Lewandowski

Insgesamt werden in 12 Räumen, auf einer Ausstellungsfläche von 1400 Quadratmetern 83 Künstler präsentiert, darunter 54 aus Frankreich und 29 aus Japan. Darunter nicht nur Gemälde und Pastelle, Druckgrafiken und Plakaten, sondern auch Japanische Holzschnitte, Katagami (Fächerschablonen) und verschiedene Objekte.

Vincent van Gogh, Les Bateaux Amarrés, 1888, Rhonebarken, Öl auf Leinwand, 51,10 x 66,20 cm, Museum Folkwang, Essen, © Foto: Museum Folkwang

Die Sonderausstellung ist Dienstag bis Donnerstag von 10:00 bis 20:00 Uhr, Freitag von 10:00 bis 22:00 Uhr, sowie Samstag und Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Montag ist das Museum geschlossen. Am Heiligen Abend und an Silvester ist die Ausstellung ebenfalls geschlossen.

Paul Gauguin, Petit chat mangeant dans une écuelle, 1888, Kleine Katze an einer Schüssel, Gouache auf Papier, 20 x 42,5 cm, Privatsammlung, © Foto: Leihgeber

Neben öffentlichen Führungen, die Donnerstag/Freitag jeweils um 18:00 Uhr, Samstag/Sonntag um 11:00 und um 15:00 Uhr stattfinden ist auch ein Audioguide in Deutsch, Englisch und Niederländisch erhältlich.
Zur Ausstellung gibt es außerdem noch einen Katalog in der Edition Folkwang/Steidl: „Monet, Gauguin, van Gogh … Inspiration Japan", herausgegeben vom Museum Folkwang mit 376 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen und ca. 90 Textabbildungen.

„Monet, Gauguin, van Gogh … Inspiration Japan" bis 18.1.2015
Museum Folkwang
451 28 Essen, Museumsplatz 1
Tel: +49 201 8845 000
www.inspiration-japan.de

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