Enricos Reisenotizen

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Essen – Wien. Meine erste Abenteuerfahrt in einem Fernbus

Ich verbringe öfter einige Tage tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, also im Ruhrgebiet. Da diese Strecke von Wien aus, die durchaus ambitionierte Länge von fast 1.000 Kilometern aufweist, überlegt man sich natürlich, wie man dies am komfortabelsten bewältigen könnte.

Erste Variante: Flugzeug.

Fliegen stellt sicher die bequemste Lösung dar und auch die schnellste. Leider ist diese Lösung aber nicht gerade umweltfreundlich und wenn man dann noch die Kosten des Taxis zum und vom Flughafen dazurechnet, auch die teuerste. Und wer weiß schon vier Monate vorab, dass er wohin fahren möchte.

Zweite Variante: Bahn

Hier wird die Reisezeit schon ziemlich lange und die Möglichkeit das Gepäck einzuchecken, fällt auch weg. Meine schweren Koffer aber in den letzten (ich habe meinen Platz irgendwie immer im letzten) Wagon zu hieven, ist durchaus auch eine Herausforderung. Mit den Preisen ist es ähnlich wie beim Fliegen: Wer sich nicht drei, vier Monate im Voraus entscheiden kann oder gar Umsteigen scheut, wird merken, dass Bahn fahren nicht viel billiger kommt als Fliegen.

Dritte Variante: Mit dem Auto selbst fahren

Das ist die flexibelste Variante, aber leider auch die Anstrengendste. Neun bis zehn Stunden Autofahrt ist kein Honig lecken. Wenn es schneit, was ich auch schon erlebt habe, können daraus schon mal 12 Stunden und mehr werden. Die ständig steigenden Benzinpreise tragen auch nicht gerade zur Begeisterung bei und so oder so: ein ganzer Tag ist verloren.

Da mich keine der obigen Varianten so richtig zufrieden stellte, war ich schon die ganze Zeit auf der Suche wie ich meine An- und Abreise verbessern könnte.Günstig sollte es sein (ich will ja öfter fahren), wenn möglich auch umweltfreundlich, wenn es schon lang dauert, möchte ich wenigstens entspannt sitzen und lesen oder noch besser: arbeiten können, und – da ich immer mit viel und schweren Gepäck reise, man muss ja schließlich das halbe Büro mit sich führen – kein Umsteigen auf der Strecke, sondern in einem Zug durch

Anscheinend bin ich mit diesen Anforderungen nicht alleine. Des längeren schon verfolgte ich die Entwicklungen der Fernbus-Angebote. Letzte Woche war es dann soweit! Es wurde gebucht!

Die großen, grünen MeinFernbus-Busse waren mir schon einige Male bei den Fahrten auf der Autobahn aufgefallen. Grün leuchtend und alle recht neu aussehend. Bei meiner Recherche durch das Internet kam ich auch auf deren Website und war sehr erfreut.Es wurde eine Tagesfahrt angeboten: Essen-Wien um 34 Euro finde ich ausgesprochen wohlfeil. Die Abfahrt in Essen ist zwar einigermaßen früh mit 5:40 Uhr, Ankunft in Wien 20:20 Uhr. Da kann man auch noch ohne Probleme die U-Bahn benutzen. Also gebucht, die Karten ausgedruckt, die – für mich – Stopps noch in Köln und in Frankfurt ankündigten.

Die Fahrt – Teil 1

Montag war es dann soweit. 4:15 Tagwacht. Koffer, Rucksack und Handtasche ins Auto und nach Essen zum Hauptbahnhof. 

Der Busparkplatz ist zu finden, vielleicht nicht sofort, aber wenn man den Bahnhof gefunden hat, gibt es nicht sehr viele Möglichkeiten. Beim Einbiegen sehen wir bereits die grünen Busse warten.Mein Bus nach Wien ist ebenfalls bereits da und einstiegsbereit. Ein netter Fahrer scannt mit seinem Handy den QR-Code meiner Buchungsbestätigung, die ich Gott sei Dank mitgenommen habe. Eigentlich dachte ich, dass die ausgedruckten Fahrkarten reichen. Dann ab in den Bus und los geht es. Der Fahrer ist ein sehr höflicher Mann, der sich vorstellt, kurz einige Details zur Reise bekannt gibt und die Gäste herzlich an Board von MeinFernbus begrüßt.

Wir alle schmunzeln über die Bitte, dass sich auch die Männer beim Pinkeln niedersetzen möchten.Ich habe eine Bank alleine ergattert, kann mich also mit meinem „Büro" ausbreiten und bin äußerst guter Stimmung und aufgekratzt.Bald merke ich allerdings, dass es mit den Stopps nicht ganz so läuft wie ich es mir gedacht habe. Es wird nicht nur Köln angefahren, sondern auch Düsseldorf, der Bus füllt sich mehr und mehr und ich verliere leider den freien Platz neben mir an einen Fahrgast. Nicht mehr ganz so bequem, aber durchaus erträglich. Ich beginne mit meinem Netbook zu arbeiten und stelle fest, dass das WLAN zwar nicht immer, aber im Großen und Ganzen super funktioniert. Ich kann meine Emails abrufen und beginne weitere Artikel über meine Kappadokien-Reise zu schreiben. Das Netbook passt zwar nicht auf das herabklappbare Tischchen, aber in Kombination damit lässt es sich ganz bequem schreiben.

Ich bin konzentriert am Arbeiten, wir sind inzwischen in Frankfurt gelandet. Wieder steigen Gäste zu und aus, der Platz neben mir bleibt besetzt. Als ich nach einiger Zeit wieder aus dem Fenster schaue, merke ich, dass wir anscheinend noch immer in Frankfurt sind. 

Während ich noch versuche, mir davon ein Bild zu machen ob das wirklich sein kann, eilt ein Passagier zum Fahrer mit der Frage, ob er ihn aus der Stadt rauslotsen soll, da wir augenscheinlich im Kreis fahren.Es stellt sich heraus, dass auf Grund eines Unfalls die A3 komplett gesperrt ist, sodass der Fahrer die Sperre umfahren wollte, doch anscheinend ist sein Navi dagegen. Es lotst ihn immer wieder zur A3 zurück. Mit gemeinsamer Anstrengung landen auf der A43 und dann auf der A45. Es geht wieder weiter. Allerdings sind wir hier zwei Stunden im Kreis gefahren. Wahrscheinlich wären wir schneller gewesen, wenn wir die normale Umleitung und den Stau in Kauf genommen hätten. Gegen einen Unfall kann man nichts machen, dass das Navi aber nicht „funktioniert", ist schon ein wenig peinlich. Aber egal es geht wieder weiter …

Die nächsten Stopps finden in Nürnberg und in Regensburg statt, die Autobahn ist wie immer ein bisschen verstopft, aber es geht voran. Ein Fahrerwechsel wird angekündigt.

Die Fahrt – Teil 2

Mit diesem beginnt die Fahrt etwas skurril zu werden. Eine ältere Dame steigt ein, ohne eine Begrüßung oder sonstiges Wort – man hört nur ihre Worte zum scheidenden Fahrer: „Na, wir werden das Kind schon schaukeln".Dann geht's los – im wahrsten Sinne des Wortes. 

Statt einer netten Begrüßung hören wir im Stakkato welche Pflichten wir als Mitreisende haben.

Kleiner Auszug gefällig?

Anschnallpflicht (auf die auch der Fahrer in höflicher aber bestimmter Form hingewiesen hat):„Lt. Gesetz vom xx besteht Anschnallpflicht. Wichtig vor allem in Österreich. Die Polizei hat umgebaute Wohnwagen und da fahren Sie damit mit einer Infrarotkamera neben dem Bus her und können feststellen, wer angeschnallt ist und wer nicht. Die Strafe müsst ihr dann zahlen, ich hab es Euch hiermit gesagt."

„Im Bus dürfen keine offenen (?) Lebensmittel gegessen werden, wie Burger oder Döner. Das habt ihr mit den AGBs unterschrieben. Wer mit einem offenen Lebensmittel erwischt wird, muss 50 Euro bezahlen." Einem Fahrgast wird der Einstieg in den Bus nach einer Pause mit einem Mayonnaise-Salat im Becher (?) verwehrt = offenes Lebensmittel. Ich finde in den AGBs nur den Hinweis, dass man beim Verschmutzen des Buses 50 Euro bezahlen muss.

„Gepinkelt wird nur auf der Autobahn. Auf Landstraßen, im städtischen Bereich und bei einem Halt ist das Klo gesperrt! Sollte es trotzdem wer benutzen (wie ist das möglich, wenn es eigentlich versperrt ist?) und das Klo dadurch verstopfen, dann gibt es halt kein Klo mehr bis Wien. I putz es net." (hat eigentlich auch niemand angenommen).Diese Anweisung bringt mich in einen besonderen Gewissenskonflikt: eigentlich muss ich angeschnallt sein auf der Autobahn – wenn ich aber nur auf der Autobahn aufs Klo gehen kann?? Hmm.., was wird dazu die Infrarotkamera der österreichischen Polizei sagen?

„In Passau wird 30 Minuten Pause gemacht, da steigen alle aus, ich muss den Bus zusperren, das ist gesetzlich so vorgeschrieben." Die Pause ja, das alle aussteigen müssen – na ich weiß nicht, aber gut.

Bei einem Stopp, an dem auch Fahrgäste ausgestiegen sind, um sich die Füße zu vertreten – nach Anlassen des Motors: „Also I fahr jetzt weiter – I was net was ihr jetzt mochts …"

„Diejenigen, die bei der nächsten Station aussteigen, sollen sich schon mal fertig machen. Und wir machen dann eine Zigarettenpause."

„Wer in Passau aussteigt, soll sich schon fertig machen – und net vergessen: Die Rückenlehne grad stellen, den Sitz reinschieben und die Fußablage hochklappen."Die Pause in Passau verbrachten wir dann in einer Shell-Tankstelle, da die Raststation im Autohof geschlossen war. Leider musste dann auch noch eine andere Tankstelle angefahren werden, da die GO-Box hier nicht mehr erhältlich war. Bis zum Einparken bei der ersten Tankstelle, sind wir locker gegen zwei Einbahnen gefahren, aber war ja eh nur auf dem Rastplatz.

„In Österreich müssen alle Sitze, die in den Mittelgang hinausgeschoben wurden, wieder zurückgeschoben werden. Wenn die Polizei kontrolliert und ein Sitz ist im Fluchtgang, dann kostet das 5000 Euro und das zahlt der Fahrgast, weil ich hab Euch des jetzt gesagt. Und das muss gleich bezahlt werden."

Dann gab es noch ein zwei Aussagen, die mich als österreichischer Fahrgast besonders gefreut haben:„Also wir kommen jetzt an die österreichische Grenze. Ich hoffe, Ihr habt's alle Eure Ausweise mit… und schön lächeln, das sollte ja nicht so schwer sein. Wir lachen ja sonst auch immer über die Österreicher…"

„Und jetzt kommen wir ins Land der Wegelagerer …." – das war der Hinweis, dass noch die GO-Box gekauft werden muss.

In Passau steigen viele Fahrgäste aus – ich habe wieder meine Bank alleine.Nun geht es ohne weitere besondere Vorkommnisse und Ansagen weiter bis nach Wien. Hier zeigt sich allerdings die nächste Navi-Schwäche. Bis wir am Busbahnhof beim Stadion Center angekommen sind, haben wir wieder eine kleine Stadtrundfahrt hinter uns gebracht, was zwar an und für sich eine nette Möglichkeit für Neuankömmlinge ist, die Stadt kennen zu lernen, aber um diese Zeit und mit einer Verspätung von über drei Stunden eher kontraproduktiv.

Madame Fahrerin steigt aus, öffnet die Türen zum Gepäck, zündet sich eine Zigarette an und hilft natürlich nicht beim Gepäck ausladen. Macht nichts. Die meisten Fahrgäste sind sowieso junge Leute, die nach Wien zum Studieren kommen und ich bin noch gut erhalten und in Schuss, ich kann mir meinen Koffer schon noch selbst rausheben.

Ob sie wohl noch grübelt, warum ich sie nach ihrem Namen gefragt habe???

Zusammengefasst:

Die Idee ist gut, die Ausführung eigentlich auch. Autobahnsperren und Staus kann man dem Unternehmen wirklich nicht zum Vorwurf machen. Navis, die etwas umständliche Strecken vorschreiben oder den Bus im Kreis schicken, schon. Als Entschuldigung kann man vielleicht anführen, dass die Strecke nach Wien noch relativ neu ist, umso mehr muss sich der Fahrer dann eben auf das Navi verlassen können.

WLAN funktioniert in Deutschland überraschend gut, dafür gibt es ein Bravo. Auch dass man daran gedacht hat, Stecker einzubauen, um den nötigen Saft für Handy und Laptop zu erhalten verdient großes Lob. Von der Verpflegung – vor allem Kaffee – war nichts zu merken. Einen kleinen Hinweis der Fahrerin, dass sie auch Getränke an Bord hat, gab es. Von Snacks und Kaffee war wie gesagt keine Rede, es wurde aber auch nicht danach gefragt. 

Wir hatten unsere „offenen" und „geschlossenen" Lebensmittel mit an Bord.Die Sitze bieten auch bei voller Belegung bei normalgewichtigen Fahrgästen Platz genug – auch wenn der Sitz nicht zur Mitte ausgefahren wird.

Woran man wirklich noch arbeiten muss, ist die Freundlichkeit einzelner Fahrer. Der Ton und einzelne Aussagen, die man sich während der Fahrt von der Fahrerin anhören musste, war schon starker Tobak. In Wien nennt man so eine Persönlichkeit Kuchldragoner, allerdings sollte der dann in der Küche und nicht in der Bedienung der Gäste eingesetzt sein. Zu hoffen ist, dass diese Begegnung eine Ausnahme ist – und/oder – auch Bayern lernfähig sind.

Ich werde es auf jeden Fall noch mal probieren und berichten. Vielleicht probiere ich ja mal eine andere Strecke …

Infos zum Betreiber MeinFernbus

MeinFernbus ist laut eigenen Angaben der deutsche Marktführer in Fernbuslinienbetrieb. Die MeinFernbus GmbH ist das Markendach, das für einen einheitlichen Markenauftritt, die Linienplanung, die Preisgestaltung, das Marketing, die Buchung und Betriebssteuerung und den Kunden-Service sorgt. Die operativen Leistungen übernehmen regionale Bus-Partner auf einheitlich hoher Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Das bedeutet, die Fahrer und die Busse werden von Partnern gestellt. Dadurch kann es sein, dass man eigentlich auf jeder Strecke mit einem anderen Busunternehmen fährt.

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