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Die Oper in Dortmund

Die Oper in Dortmund

Eigentlich ist die Überschrift bereits falsch! In diesem Haus findet mehr statt als Oper, – auch Ballett und das Schauspiel haben hier eine Heimstätte, ebenso wie die Dortmunder Philharmoniker, die im 1966 eröffneten Haus ihre Konzerte. Aber auch Kinder- und Jugendtheater, wie auch die Junge Oper – alle sind hier zu Hause. Oper und Theater hat in Dortmund eine lange Tradition, allerdings ging das alte Theater-Gebäude wie vieles im Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg kaputt – ein neuer Anfang musste her…

Theater Dortmund (Foto: Wikipedia)

Das Gebäude beeindruckt den Besucher bereits von außen. 1966 erbaut, wirkt es bombastisch mit seiner Kuppel und dem langgezogenen Haus dahinter und doch auch irgendwie filigran und elegant.

Theater Dortmund – Pausenraum und Bar

Betritt man nun die Oper – um bei diesem Ausdruck zu bleiben – ist man vom modernen Ambiente überrascht. Orange Beleuchtung zieht sich durch das ganze Haus und bringt warme, erwartungsvolle Stimmung. Ein Ausblick auf den Hof, der mit Bonsai gestaltet ist, bringt die Natur ins Spiel und die Wände zum Teil mit gutem Stahl verkleidet, wirken dennoch nicht bedrückend. Für jemanden, der stolz auf „seine" Wiener Opernhäuser (die Wiener Staatsoper und das Theater an der Wien) ist es irgendwie ungewohnt einmal nicht „kaiserliche" Hofumgebung zu genießen. Aber es gefällt.

Theater Dortmund – Blick ins Grüne

Georges Bizet: Carmen

Die Aufführung der Carmen war genauso erfrischend! Während man in Wien noch immer der Zefirelli-Inszenierung huldigt (im neuen Spielplan ist sie gar nicht mehr im Programm), findet hier eine erfrischen neue Interpretation statt. Zwar war ich am Anfang über die orangenen Kittel der Zigarettenarbeiterinnen überrascht – man sieht, die Farbe Orange zieht sich vom Programmheft bis in die Inszenierung durch – aber ich war von der Umsetzung meiner Lieblingsoper begeistert.

Carmen Ileana Mateescu, Statisterie ©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Eine Carmen, die sowohl stimmlich als auch ausdrucksmäßig einfach Carmen ist: für mich in einer Linie mit Regina Resnik und Agnes Baltsa: Ezgi Kutlu. Eine kleine, zierliche Person, aber welche Persönlichkeit. Sie überstrahlte für mich alles. 

Bei ihr gibt es kein zu viel und kein zu wenig. Wenn sie sich bewegt, dann macht sie es richtig – und ihre Stimme bietet die Möglichkeit von tiefstem Timbre bis in sonnige Höhen, – alles aber mit einer großen Leichtigkeit gesungen. Christoph Strehl als Don José und Morgan Moody als Escamillo – die beiden weiteren Hauptakteure – hatten ebenso wie Christiane Kohl als Micaela ihre guten Momente, aber auch Phasen, die mich nicht so begeistern konnten. Christoph Strehl ist der – etwas patscherte (unbeholfene) – Soldat, der brav das macht, was ihm von Mama aufgetragen wird, und der von Carmen einfach überrollt wird.

Morgan Moody versucht den strahlenden Helden zu spielen, was ihm auch in manchen Passagen wunderbar gelingt – beim Torrero-Lied hat er es in meiner Aufführung leider nicht ganz geschafft. Wunderbar die Inszenierung – auf der einen Seite modern, aber doch noch immer im Kontext mit Inhalt und Musik. Behutsam in eine neue Zeit gebracht – wunderbar die Anspielung auf die Festung Europa in der Schmugglerszene. Es passte einfach.

Aglaja Camphausen (Mercédès), Anke Briegel (Frasquita), Fritz Steinbacher (Remendado), Ileana Mateescu (Carmen), Chor, Statisterie ©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Extra erwähnenswert ist der Kinderchor: es war unheimlich toll zu sehen, mit wieviel Engagement und Freude zu Werke gegangen wurde. Kinder, ihr seid spitze!

Anke Briegel (Frasquita, l.), Morgan Moody (Escamillo), Aglaja Camphausen (Mercédès), Herrenchor ©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Die Dortmunder Philharmoniker spielten unter der Leitung von Philipp Armbruster, solide – alles richtig gemacht, was soll man da noch sagen? Einzig und allein mit der Akustik des Saals hadere ich ein bisschen, aber um darüber zu meckern oder nicht, sind weitere Besuche unbedingt notwendig…

Theater Dortmund - Zuschauerraum

Ein wunderbarer Abend, in einem schönen Haus, mit einer guten Einführung oder Einstimmung vor der Oper durch den Dramaturgen. Wenn Sie also Oper lieben und in der Nähe von Dortmund Station machen, sollten Sie sich eine Aufführung in der Oper Dortmund nicht entgehen lassen.
Alle Wiener werden über die Preise der Tickets ebenfalls mehr als erfreut sein. Gönnen Sie sich was! 

Hier auch noch ein Video, das Szenen aus der aktuellen Produktion zeigt. Allerdings ist hier, ebenso wie auf allen Szenenfotos Ilena Mateescu als Carmen zu sehen.

Theater Dortmund
441 37 Dortmund, Theaterkarree 1-3, ehem. Kuhstraße 12
Tel: +49 231 50 – 25547 
www.theaterdo.de

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Bochum kulinarisch 3
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