Erinnerung an vergangene Zeiten: Büdchen

Erinnerung an vergangene Zeiten: Büdchen

Auch wenn meistens Trinkhalle oder hin und wieder auch Kiosk drüber steht – die Büdchen sind ein Wahrzeichen des Ruhrgebiets, die man auch als Besucher der Region bald zu schätzen weiß. Die Büdchen sind vielleicht am ehesten noch mit dem Wiener Greißler vergleichbar.
Früher, als es noch keine Tankstellenshops gab und die Öffnungszeiten streng reglementiert waren, waren Büdchen die Anlaufstelle – egal ob Milch oder Brot, Zigaretten, Salzgurken oder Klopapier, Brausepulver oder Verbandspflaster.
Hier konnte man noch ein Bonbon (in Wien Zuckerl) kaufen oder eine Lackritzstange. Hier wurde angeschrieben, wenn wieder einmal mehr Monat als Geld übrig geblieben war. In Bochum konnte man auch die Zigaretten für den Vatta hier einzeln kaufen. Ein Büdchen hatte einfach alles, was man eben so braucht.

Büdchen im Kirchviertel in Bochum

Historisch sind sie an türkische Pavillons angelehnt, einem Ort, in dem die Besucher von Parks kleine Feste feierten. Bis ins 13. Jahrhundert geht der Ursprung der „Kioske" zurück. Im Mittelalter etablierten sich die Kioske dann in Wien – hier nannte man ihn dann Tabaktrafik, obwohl nicht nur Tabakwaren gehandelt wurden. Allerdings war die Vielfalt im Angebot der Wiener Tabaktrafiken nie so groß wie der Büdchen im Ruhrgebiet. 

Im Ruhrgebiet entstanden die ersten Kioske um 1870 mit der Industrialisierung: bevorzugte Standplätze der Trinkhallen waren in der Nähe der Werkstore der Kohlezechen oder der Stahlwerke, in Werkssiedlungen oder an belebten Straßenbahnhaltestellen oder Kreuzungen. Und die Büdchenbesitzer waren über die Geschehnisse vor Ort (um es auch gleich deutsch zu sagen) besser informiert, als es die Kronen Zeitung oder die Bild je sein werden. Sie waren die Psychologen der Umgebung, sie wussten ihre Kundschaft zu trösten und wieder aufzuheitern. Manche waren sogar der Schlüsseldienst – immer erreichbar. Nicht, dass sie gewusst hätten, wie man versperrte Türen öffnet, sie hatten einfach den Zweitschlüssel vom Besitzer zur Aufbewahrung erhalten.

Büdchen (Foto: Rike, www.pixelio.de)

Ein Päckchen wird geliefert und niemand ist zu Hause? Erraten – auch das war ein Fall für ein Büdchen. Hier wurde die Sendung einfach abgegeben und dann später vom Empfänger abgeholt. Man glaubt es gar nicht, was hier alles auf engsten Raum untergebracht werden kann. Und doch sind sie im Schwinden begriffen, nur mehr wenige haben – umringt von den Supermärkten, bedrängt von den neuen Öffnungszeiten und von den Tankstellenshops – noch immer geöffnet.
Es ist hart geworden das Geschäft und die Menschen in der Umgebung kommen immer weniger auf einen kleinen Schnack vorbei. Es wird auch hier anonym, im Ruhrgebiet. Mit jeder Zechenschließung starben auch die Büdchen im Umkreis… 

Dennoch: die Büdchen sind ein Wahrzeichen vom Ruhrpott! So gibt es sogar eine geführte Büdchen-Tour durch Bochum. Leider gibt es die Führung nur für Gruppen – was bei einem Preis von 330 Euro für Gruppen bis zu 25 Personen auch wohl anders nicht bezahlbar wäre … 

Und die Black Fööss haben darüber sogar ein Lied geschrieben – und ja, auch das ist Deutsch…

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