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Mevlana und seine Lehre

Mevlana und seine Lehre

Jelaluddin Rumi, so der richtige Name Mevlanas, wurde am 30. September 1207 in Balch, Chorasan (im heutigen Afghanistan) geboren und zählt zu den drei größten Mystikern in Anatolien. Der Name Mevlana ist eigentlich ein Ehrentitel und bedeutet so viel wie unser Herr, unser Meister. 

Bereits sein Vater, Muhammad Bahaeddin Walad (Veled) ist ein berühmter Gelehrter, dem der Titel „Sultan der Gelehrten" verliehen wird. Eifersüchteleien, politische Quereleien, aber auch die Auseinandersetzung mit den Mongolen, veranlassen den Vater Mevlanas Balch 1211 zu verlassen, um nach Mekka zu pilgern. Eine Legende besagt, dass eines Tages Staatsbeamte an seine Tür klopfen, um ihm den Torschlüssel zur Burg zu übergeben mit dem Hinweis, dass nicht zwei Sultane auf einem Sessel oder zwei Löwen in einem Wald leben sollen. Veled versteht die Aufforderung und macht sich mit seiner Familie auf den Weg. Wahrscheinlicher ist jedoch die Variante, dass er den Überfall der Mongolen unter Dschingis Khan vorausahnt. Schließlich tötet der Choresm-Schah einige Kaufleute der Mongolen, so dass ein Racheakt zu erwarten ist. Mevlana ist am Beginn der Reisefünf oder sechs Jahre alt.
In Nişabur trifft die Familie auf einen bekannten Sufi, Ferideddin Attar, der bereits damals von Mevlanas Kenntnissen und Intelligenz beeindruckt ist. Die Familie reist nach Bagdad weiter, erfüllt ihre Wallfahrtspflicht in Mekka und Medina und kommt schließlich über Damaskus nach Anatolien, das damals von den Rum-Seldschuken beherrscht wird. Daher auch der Beiname Rumi. 

In Laranda, dem heutigen Karaman, stirbt Mevlanas Mutter – ihr Grab ist heute als Aktekke Moschee bekannt, auch einer seiner Brüder kommt hier ums Leben. Hier befinden sich noch die Gräber von 21 anderen Mitgliedern der Familie.
Mevlana heiratet Gevhur Hatun, die wie er ein Flüchtling aus dem Osten ist.  Die Familie zieht weiter nach Konya. 

Zwei Jahre lebt und predigt Baha Veled in Konya, dann stirbt er und wird im heutigen Grab im Rosengarten des Alaedin Keykubat begraben. Sein Grab schmückt kein Grabmal (Tube), da sich Mevlana dagegen ausspricht: schließlich könne man kein schöneres Grabmal als das Himmelsgewölbe selbst bauen.

Mevlana und Şems treffen aufeinander

Ein Jahr nach dem Tod seines Vaters kommt Burhaneddin Sewyyid, ein gottesgläubiger Wissenschaftler und Mystiker und Freund seines verstorbenen Vaters nach Konya und beeinflusst Mevlana.
1244 macht er die Bekanntschaft von Muhammed ŞemseddinTebrizi (Şems/Schems). Nach einem Disput, ob der Prophet Mohammed oder Bistamlı Bayezit der Größere sei, schließen sich die beiden sechs Monate lang in einer Zelle ein. Nach dieser Frist sind die beiden echte Freunde, aber diese Zeit trennt Mevlana von seinen Vorlesungen und vom Volk. Mevlana verbringt mit seinem neuen Freund den ganzen Tag und erfährt von ihm die Tiefe seiner wissenschaftlichen Lehre. Mit der Freundschaft zu Şems ändert sich aber sein ganzes Leben. Mevlana hat bereits große Berühmtheit erlangt und lebt und handelt wie es sich für einen gestandenen und hoch angesehenen Gelehrten gehört. Doch mit der Freundschaft zu Şems verändert sich ab 1244 sein Leben von Grund auf und damit auch sein Verhalten. Şems selbst ist ein Schüler des großen Hadschi Baktasch Wali, der zur gleichen Zeit lebt und eine starke Persönlichkeit mit großen spirituellen Fähigkeiten ist. Die spirituelle Bindung der beiden Freunde ist zeitweise so stark, dass Mevlana der Welt entsagt und sich ganz den Geheimnissen des Freundes verschreibt. Şems heiratet Kimya Hatun, die Adoptivtochter von Mevlana und bindet sich so noch mehr an die Familie. Einigen Menschen ist jedoch die tiefe Freundschaft zwischen den beiden ein Dorn im Auge. Eines Nachts wird Şems getötet und in einen Brunnen geworfen. Bei Untersuchungen des Mausoleums von Şems wird festgestellt, dass es tatsächlich über einen Brunnen errichtet wurde.

Begrüßung der Mevlana Familie durch den Seldschuken Sultan am Eingang von Konya

Nach dem Tod seines Freundes verfasst Mevlana immer wieder Gedichte, die seine große Trauer ausdrücken. Sein bekanntestes Werk heißt Mesnevi und umfasst 25.618 Doppelverse. In ihm erzählt Mevlana seine Ideen, Anschauungen und Ereignisse seines Lebens in Form einer Geschichte. Einige der schönsten mystischen Verse, die jemals geschrieben wurden sind darin zu finden. 

Nach dem Tod von Şems freundet sich Mevlana mit Selahassin Zerkubi an. Die Legende erzählt, dass er eines Tages an dem Goldschmiedeladen von Selahaddin vorbeiging und sich so am Hämmern, das aus dem Laden drang begeisterte, dass er begann die Sema zu tanzen. Da kam Selahaddin aus dem Geschäft und tanzte mit Melvana. Zehn Jahre währt die Freundschaft bis Selahaddin 1258 stirbt und neben Mevlanas Vater begraben wird. Nach seinem Tod soll Mevlana folgende Worte geschrieben haben: „Für dich wurde das Herz mit Blut gefärbt; wimmern Vernunft und Seele."
Danach wählt Mevlana Ḉelebi Hüsameddin als seinen Nachfolger, es ist auch ihm tief verbunden.
Am 17. Dezember 1273 verstarb Mevlana in Konya und wurde hier auch begraben.

Das Grabmal von Mevlana

Mevlana war nicht nur unter den Mohammedanern beliebt, sondern auch unter den Christen und Juden, die damals gemeinsam in den Städten lebten. Er wurde im Rosengarten an der Kopfseite seines Vaters begraben. Einer Legende nach hat seine Katze nach seinem Tode nichts mehr gegessen und getrunken und ist so nach sieben Tagen ebenfalls gestorben. Sie wurde von seiner Tochter in ein Grabtuch gelegt und an seiner Seite in einem Grab in der Nähe des Mausoleums in einem kleinen Sarkophag begraben. Diese Geschichte stimmt allerdings nicht. Die Inschriften des Sarkophags wurden analysiert und es stellte sich heraus, dass darin ein kleines Mädchen begraben liegt. Die Freunde und Anhänger von Mevlana sehen aber seinen Tod nicht als Abschied, sondern als eine Liebesnacht mit seinem Gott – an diesem Tag hat er seinen Gott wieder gefunden – deshalb wird diese Nacht auch als Hochzeitsnacht (Şeb-i Arus) bezeichnet.

Hier finden Sie einige weise Sätze von Mevlana, die zum Nachdenken anregen:

„Gebe dich entweder so wie du bist, oder sei so wie du dich gibst."
Mevlana wollte, dass die Menschen immer hoffnungsvoll waren, für ihn bestand immer
und jederzeit Hoffnung:
„Unser Orden ist kein Orden der Hoffnungslosigkeit;
und hast du hundert Mal geschworen
und deine Eide gebrochen,
komm, komm wieder, komm …" 

Auch die Bestattungszeremonie von Mevlana wurde ein Dialog zwischen den Religionen. Zu seinem Begräbnis waren Menschen aller Religionen gekommen, auch Juden und Christen. Da so viele Menschen anwesend waren, verlangten die Muslime, dass die Angehörigen aller anderen Religionen gehen sollten, doch diese sagten: „Mevlana war eures Glaubens, doch wir haben durch ihn auch vieles über Moses und Jesus erfahren. Wir bleiben."

Die sieben wichtigsten Ratschläge Mevlanas für die Menschen:

1. Sei wie das Wasser bei der Großzügigkeit und beim Unterstützen anderer
2. Sei wie die Sonne bei Mitleid und Barmherzigkeit
3. Sei wie die Nacht beim Verschleiern der Fehler anderer
4. Sei wie ein Leichnam bei Zorn und Heftigkeit
5. Sei wie die Erde bei Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit
6. Sei wie ein Meer wo Toleranz gebraucht wird+
7. Sei so wie du (in Wahrheit) bist, oder sei (in Wahrheit) so wie du dich gibst.

Mevlana

Die Lehre Mevlanas

Mevlana sieht in der Liebe die Hauptkraft des Universums und dieses als Harmonisches Ganzes, in dem jeder Teil in einer Liebesbeziehung mit allen anderen steht. All das ist wiederum einzig und allein auf Gott gerichtet und nur durch seine Liebe kann alles Bestand haben. Daher kann auch der Mensch, der ein Teil dieses Ganzen ist, nur die Harmonie mit sich selbst und Gott erreichen, wenn er lernt, Gott zu lieben. Diese Liebe wird ihn dann dazu befähigen, nicht nur seine Mitmenschen, sondern alles von Gott Geschaffene zu lieben. Gott durch Liebe näher zu kommen, ist für Mevlana, wie für die meisten Sufis, der Weg zur wahren Erfüllung.
Die Einzigartigkeit Mevlanas besteht aber in seiner Fähigkeit seine Gedanken und seine Lehre in Poesie auszudrücken. Sprachgewandt beschrieb er die Freude Gott näher zu kommen und die Trauer von Gott getrennt zu sein. Wie andere mystische Dichter bezeichnet er Gott als den Geliebten und die menschliche Seele auf ihrer Suche nach Gott als die Liebende. 

Nach seinem Tod wurde Mevlana in einem Mausoleum in Konya beigesetzt, das dem Orden bald als Versammlungsort diente. Das Mausoleum ist seit dem das Wahrzeichen der Stadt und dient bis heute als Wallfahrtsort gläubiger Muslime und Anhänger Mevlanas aber auch als besuchenswerte Sehenswürdigkeit vieler Touristen. 1925 verbot Atatürk öffentliche religiöse Handlungen, womit auch der Mevlevi-Orden und die Sema betroffen waren. Das Mausoleum, das von der Regierung in ein Museum umgewandelt wurde, verlor aber dennoch nie an Bedeutung. Für die Besucher ist es heute noch Brauch, kleine Amulette in Form des Grabmals zu kaufen. 

Das Jahr 2007 erklärte die UNESCO zu Ehren seines 800. Geburtstages als das Jahr von Rumi-Balkhi. Rumi, wie er in den USA genannt wird, ist der meistverkaufteste Poet in den Staaten.

Hier zum Abschluss noch ein Gedicht von Mevlana:

„Wer von Lieb´ nicht Farbe hat,
Ist bey Gott nur Stock und Stein.
Liebe lockt aus Steinen Wasser,
Liebe glättet Spiegel rein.
Gauern krieg´risch, Gläub´ge friedlich;
Krieg und Friede weicht der Liebe.
Liebe thut des Herzens Mund auf
Und verschlinget beyde Welten. Wie ein Löwe ist die Liebe,
Ist bald Fuchs, bald Leopard.
Nur die Liebe hilft der Seele
Aus des Körpers finstrem Kerker.
Lieb´ ist Anfangs nur Verwirrung,
Seele und Vernunft sind irr.
Bey Tebrisi ist mein Herz,
Ostwind! Grüß ihn unverweilt." (Divan´e Shams´e Tabrizi) 

Weitere Informationen über Mevlana, die Derwische und die Sema finden Sie auf http://mevlana.net . Die Website ist in englischer Sprache.

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