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Die tanzenden Derwische

Die tanzenden Derwische

​In der sogenannten Unterirdischen Höhle in Avanos konnten wir einem besonderem Schauspiel zusehen: den berühmten tanzenden Derwischen. Natürlich hatten wir von den Derwischen schon gehört. Ich hatte eigentlich so etwas Ähnliches wie die Auftritte der Shaolin-Mönche erwartet. Obwohl auch die Tanzenden Derwische schon einiges dem Tourismus zuliebe zu tun scheinen, ist es doch anders. Zumindest in der Aufführung die wir gesehen haben.

Die tanzenden Derwische

Die tanzenden oder drehenden Derwische sind Anhänger des Mevlana Ordens (über Mevlana berichte ich später noch mehr) Der Tanz, bei dem sie sich drehen und den sie heute auch den Touristen vorführen ist und bleibt jedoch in wesentlichen für sie ein Gottesdienst und diesen Umstand sollte und muss man als Besucher respektieren.

Der Zeremonienraum in der Unterirdischen Höhle in Avanos

Diese Zeremonie – auchSemagenannt – besteht aussieben unterschiedlichen Teilen, die alle eine andere Bedeutung besitzen. Dererste Teilbeginnt mit der Lobpreisung der Propheten, der die göttliche Liebe darstellt. Mit der Lobpreisung des Propheten werden zur gleichen Zeit auch alle vorhergehenden Propheten und Gott, der alles erschaffen hat, gelobt.

Nach dieser Lobpreisung beginnt derzweite Teilmit einem „Kudüm"-Schlag. Er stellt den Befehl Gottes bei der Erschaffung des Kosmos dar.
Imdritten Teilhört man die Flöte spielen. Sie steht für den göttlichen Atem, der allen Dingen das Leben einhaucht.
Imvierten Teilkommen die Semanzen (die Tänzer) in den Raum und marschieren im Kreis. Sie begrüßen sich gegenseitig dreimal. Es ist die Begrüßung des geheimen Geistes mit dem Geist des Menschen.

Begrüßungszeremonie

Zu Beginn desfünften Teilszieht der Semanze nun seinen schwarzen Umhang aus und wird dadurch symbolisch in die Realität hineingeboren. Der schwarze Umhang steht für das Grab, die Kopfbedeckung (Sikke) für den Grabstein und das weite weiße Gewand die Leichentücher des Ego. Nach der Segnung durch den Scheich und somit der Auferstehung aus dem Grab legen sie das Leichentuch ab und beginnen zum Klang der Ney – einer Längsflöte – zu kreisen. Dieses Kreisen soll den Urzustand eines jeden Atoms bis hin zu den Galaxien des Universums symbolisieren. Eine bestimmte Fußtechnik sorgt für fast gleichmäßiges Kreisen.

Begrüßungszeremonie

Durch die Haltung seiner Arme symbolisiert er die Zahl „Eins" und bezeugt dadurch die Einzigartigkeit Gottes. Indem er die Hand des Scheichs küsst, erhält er die Erlaubnis an der Sema teilzunehmen. Bei einer richtigen Zeremonie steht der Scheich auf einem roten Fell, das den Mittelpunkt der Welt darstellt (bei Touristenvorführungen gibt es nur das Fell ohne Scheich). Das Fell oder der Pelz (Seyh) symbolisiert die höchste spirituelle Position. Seine Farbe stellt die Geburt und die Existenz dar.

Die tanzenden Derwische

Während sich der Derwisch im Kreis dreht sind seine Arme ausgebreitet, der rechte Arm weist in Richtung Himmel, um die Gunstbeweise Allahs entgegen zu nehmen, während die linke Hand, auf die auch seine Augen schauen, zur Erde zeigt, um den Segen in der Welt zu verteilen. Der Derwisch dreht sich immer von rechts nach links um seine eigene Achse – sein Herz – und umschließt so die ganze Menschheit in Liebe.

Die tanzenden Derwische

Es folgen vier Begrüßungszeremonien:
Dieerste Begrüßungist die Wahrnehmung des allmächtigen Gottes und des Unterworfenseins.
Mit derzweiten Begrüßungbewundert man den mächtigen Gott, indem man die Anordnung des Gemüts und der Herrlichkeit beobachtet.
In derdritten Begrüßungwandelt sich das Bewunderungs- und Dankbarkeitsgefühl des Menschen in Liebe um. Somit wird die Vernunft Opfer der Liebe, ein vollkommenes Ergeben, das Zusammenkommen mit Gott, das Vergehen beim Geliebten. Diese höchste Stufe, ähnlich dem Nirvana im Buddhismus, heißt im Islam Fenafillah.
Nach dervierten Begrüßungbeendet der Mensch seine moralische Reise und willigt in sein Schicksal ein. Er kehrt wieder in die Pflicht seines Gemüts und des Unterworfensseins zurück. An diesem letzten Part nehmen auch der Scheich und der Semanzen-Führer teil. In diesem Moment ist der Semanze glücklich, da er an Gott und seine Engel, die heiligen Bücher und die göttlichen Befehle geglaubt hat, er kennt nun die Gründe seiner Erschaffung und genießt es.
Nach der Sema-Zeremonie kehren der „Dede" und die „Derwische" ohne mit jemanden zu sprechen wieder an ihren Platz zurück.

Die tanzenden Derwische

Imsechsten Teilgeht es mit Versen aus dem Koran weiter. Es heißt: „Gott ist überall. Wohin ihr euch auch dreht, ist Gottes Gesicht, denn Gott ist der Pfleger, der Weise." Imsiebenten und letzten Teilwird für die Seelen der Propheten, der Märtyrer und für die Menschen gebetet. Es endet mit einem Gebet für die Türkei.

Die tanzenden Derwische

Als das wichtigste Merkmal des Rituals gilt nach dem Selbstverständnis Mevlanas, dass es die drei grundlegenden Komponenten der menschlichen Natur in sich vereint: Verstand, Herz und Körper. 
Der Tanz ist eine Art Himmelfahrt, ein Aufstieg der Seele in den Himmel und wieder zurück. Begleitet wird die Zeremonie von Flötenspielern und Trommlern, die während der Zeremonie die Werke des Mevlevi-Komponisten spielt. Die Musik hat hier eine ganz wichtige Funktion.

Der Tanz der Derwische wurde 2005 in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.
Als Besucher sollte man sich diese Tatsachen bewusst machen, bevor man eine Sema besucht. Es hat auch für Außenstehende etwas Mythisches, Geistiges und Religiöses an sich. Die tanzenden und sich drehenden Derwische erscheinen dem Besucher bald als wären sie wirklich in eine andere Welt entrückt und bei einem von ihnen bin ich mir ziemlich sicher, dass er in Trance verfallen ist. Es passiert eigentlich nicht viel – es ist dieses Begrüßen, Verneigen und dann die Drehungen und trotzdem starrt man irgendwie gebannt in die Mitte des Raumes.
Aber man muss sich darauf einlassen können. Manchen Zuschauern war es anscheinend zu gleichtönig, sie verließen früher den Raum.

Das Motiv Kultural Center in Avanos

Vielleicht noch ein paar Worte zur Bezeichnung Derwisch: Das Wort stammt vom persischen darwisch ab, das normalerweise einen asketischen Mönch bezeichnet. Es wird auch verwendet um seine gleichgültige Haltung gegenüber Besitz auszudrücken, die volle persische Übersetzung ist daher Bettler. Allerdings ist dies nicht unbedingt wörtlich zu verstehen: der Begriff gilt auch als Symbol dafür, dass derjenige, der sich auf dem Weg des Sufismus befindet, seine eigene Armut gegenüber Gottes Reichtum erkennt.

Im Vorhof des Kulturzentrums

Die Sema-Zeremonien waren unter Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) per Gesetz verboten. Seit 1954 durften sie alljährlich anlässlich des Todestages von Rumi am 17. Dezember wieder aufgeführt werden und heute beginnen sie mehr und mehr zu einer touristischen Attraktion zu werden. 

Wir folgten der Aufführung im 

Motiv Cultural Center
Kommunikation und Transport Information
50500 Nevşehir/Avanos, Yeni Mah. Hasan Kalesi Mevkii No 1
Tel: +90 384 511 48 59
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