Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken

Die Täler

Die Täler

Kappadokien ist reich an Tälern. Die meisten können durchwandert werden und eigentlich alle bieten herausragende Plätze, um sich auf bei kurzem Aufenthalt an der Schönheit der Feenkamine, an bizarren Felsformationen, faszinierenden Felswohnungen und an wunderbaren Fotomotiven erfreuen zu können. Bei diesem Angebot an Naturschönheiten ist man über die Entwicklung der digitalen Fotografie sehr froh. Es kann geblitzt, eingestellt und geknipst werden, was das Zeug hält.

Die „Seehunde“ Im Derbental

Da allerdings die Täler in einander übergehen, teilweise auch mehrere Namen haben, werden Sie wahrscheinlich zu Hause mit den gleichen Schwierigkeiten wie ich zu kämpfen haben, wenn sie Ihre Bilder richtig zuordnen wollen. Welches Foto stammt aus welchem Tal? Einige der Formen sind allerdings so außergewöhnlich und herausragend, dass sie sich gut zu ordnen lassen. Da wir aber zum Teil die Täler an unterschiedlichen Tagen nochmal an unterschiedlichen Plätzen besucht haben, streiche ich nun die Zuordnung zu den einzelnen Reisetagen. Ersatzlos ….

Im Paşabağı Tal

Paşabağı Tal (auch Tal der Mönche genannt), Liebes-Tal und Tauben-Tal

Hier im Paşabağı finden sich die meisten und höchsten Feenkamine, die natürlich als Fotomotive besonders beliebt sind. Der Name stammt von den Weinbergen in der Gegend, die einem Pascha gehörten.
Gleich am Anfang gibt es die erste Kuriosität: Die Jardama (die Gendarmerie) ist ebenfalls in einem Tuffstein untergebracht.

Die Gendarmerie im Feenkamin

Hier gibt es ein reiches Angebot an Souvenirshops und Läden, erschöpfte Touristen können sich bei einem Bierchen vom Rundgang in einem Café erholen.

Der Kater bewacht die Souvenirs

Planen Sie genügend Zeit ein, es lohnt sich durch die Feenkamine zu schlendern und auch auf die weiße Plattform zu steigen um ins Tal hinein zu schauen. Hier kann man auch gut die Entstehungsgeschichte der Feenkamine an den einzelnen Formationen ablesen. Man sieht den alten Schichtenverlauf und die einzelnen Gesteinsschichten sind an den hohen Türmen zu erkennen. Kaum in einem anderen Tal gibt es so viele schöne Hütchen, die den Feenkaminen ihr besonderes Aussehen verleihen. Sie bestehen aus harten Material und schützen das darunter liegende weiche Material. Fällt das Häubchen ab, ist es meistens auch mit dem Turm bald geschehen. Er schwindet dann durch die Erosion innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem kleinen Stumpf.


Fast in der Mitte des Areals befindet sich der Simeonturm. Im unteren Teil befindet sich eine Kapelle, die jedoch gesperrt ist. Die Felsenwohnung im ersten Stock kann man über einen etwa 5 Meter hohen, fast senkrechten Schacht erreichen. Allerdings sollte man etwas klettergewandt sein, um in die seitlichen Einbuchtungen des Schachtes hineingreifen und hinauf klettern zu können. Die Wohnung besteht aus zwei Räumen und ist mit einem Bett und einem Sitzplatz, dass aus dem Felsgestein herausgeschlagen wurde, ausgestattet. 

An das Paşabağı Tal schließt das Tal der Liebe an, das ebenfalls viele bizzare Felsformationen bietet. Den Namen hat es angelblich von den Römern erhalten, die durch die Formen der zahlreichen Felskegeln anscheinend an die Liebe erinnert wurden und deren Aussehen heute auch noch für zahlreiche Spekulationen Anlass bieten.


Das Taubental (Güvercinlik)

In der Nähe von Uchisar liegt das Taubental. Wer an einem seiner berühmtesten Aussichtspunkte Halt macht, wird nicht nur die verschiedenen Souvenirstände, in denen man auch Futter für die Tauben kaufen kann vorfinden, sondern ebenso viele der Vögel – und deren Taubenschlägen, die dem Tal seinen Namen geben.

Im Taubental

Bemerkenswert ist auch ein Baum, an dem viele der blauen Talismänner (Augen) hängen, die gegen den Bösen Blick helfen und einer schlechten Nachrede vorbeugen sollen. Diese Augen sind viel verbreitetes Souvenir, das Sie fast in jedem Souvenirladen erwerben können. Angeblich stammt dieser Brauch noch aus vorchristlicher Zeit und steht mit Medusa in Zusammenhang, deren Blick jeden, den er traf in Stein verwandeln konnte.

Man findet sie überall: Die Talismänner gegen den bösen Blick

Das Tal der Drei Schönen

Auch hier gibt es wieder beeindruckende Fotomotive: die Drei Schönen oder Vater, Mutter, Kind sind drei Feenkamine, die nebeneinander stehend, wie eine kleine Familie wirken und aus dem Tal förmlich „heraus stechen".


Das Rote Tal

Nördlich von Ortahisar (Artikel dazu folgt) befindet sich Aussichtpunkt zum Panorama Tal, der vor allem bei Sonnenuntergang die wunderbare Kulisse des Tals zeigt. Hier befindet sich auch der Einstieg zum Roten Tal, in dem sich unter anderen die Traubenkirche befindet.

Das Derbental oder Tal mit dem Camel

Das Kamel im Derbental

In diesem Tal gibt es die unterschiedlichsten Tuffformationen zu sehen, die für die Ahhs und Ohhs der Touristen sorgen: während man bei der einen glaubt, ein Kamel erkennen zu können, gibt es andere auf denen sich Delphine tummeln oder aber man glaubt die Mutter Gottes in einem Feenkamin erkennen zu können. Hier kann man sich staunend von einem Felsen zum nächsten begeben und mit seinen Mitreisenden zu erraten versuchen, was die Natur in jenem darzustellen versucht hat.


Exkurs: Die Entstehung der Feenkamine

Es begann vor langer, langer Zeit. Intensive vulkanische Tätigkeit prägte das Gebiete des heutigen Unesco-Weltkultur- und Naturerbe. Die beiden Vulkane Erciyes Daği und der Hasan Daği sorgten mit heftigen Eruptionen seit dem Neogen, dass neben der Lava auch große Mengen an vulkanischer Asche in das ca 10.000 km2 große Gebiet geschleudert wurden. Neue Vulkanberge entstanden ebenso wie die Schichten vulkanischer Tuffe, die die tiefer liegenden Sumpf und Seenplatten zuschütteten. 

Durch die Jahrhunderte verdichteten sich diese Tuffschichten zu einem relativ festen Gestein, das je nach Lage und Eruptionshorizont bis heute sehr schnell abgetragen wird.

In den tieferliegenden Hängen bilden sich durch die Erosion und die unterschiedlichen Härtegraden der Gesteinsschichten nun die einzigartigen Formationen dieser Landschaft, die Tufftürme der berühmten Feenkamine von Kappadokien. Sie werden durch die härtere, obere Schicht der vulkanischen Tuffe eine Zeit lang geschützt. Nach dem Abrutschen der schützenden Bedeckung jedoch, zerstört die Erosion relativ schnell den darunter liegenden Kegel. Daran ist heutzutage nicht nur die Einwirkung von Wind und Wetter, von Vögel und Insekten schuld, sondern auch (leider) die Touristen und die Luftverschmutzung. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass viele der Kamine über Jahrtausenden ausgehöhlt wurden, sei es zu Wohnzwecken, Kirchen oder dass sie auch für Taubenschläge, die oft bis in die höchsten Spitzen der Tuffkegel reichten, genutzt wurden.

Kappadokien

Im Prinzip kann man die Entwicklung oder das Leben der Feenkamine in fünf Abschnitte teilen:

1. Der Tafelberg

Mit hohem Druck und großer Hitze wurden die Ascheschichten aufeinander gepresst und versteinern zum Tuff. Eine härtere Gesteinsschicht deckt das weiche Gestein ganzflächig zu und schützt es.

2. Abkalbung

Risse in der harten Gesteinsschicht entstehen durch die Wasser eindringen kann. Das Wasser gräbt kleine Kanäle in die weichere Gesteinsschicht wodurch sich langsam „Kamine" aus dem Berg herausbilden.

3. Gruppierung

Erste Feenkamine fallen der Erosion zum Opfer und verschwinden. Noch bleiben Turmgruppen bestehen, deren einzelne Türme sich gegenseitig gegen die Winderosion schützen.

4. Vereinzelung

Immer mehr Schutzsteine fallen herunter, bis nur mehr vereinzelte Türme übrig bleiben, die der Winderosion nun schutzlos ausgeliefert sind.

5. Einebnung

Der weiche Tuff wird nun innerhalb kürzester Zeit abgetragen und die Landschaft eingeebnet. 

In der Landschaft von Kappadokien kann man noch heute bei aufmerksamer Betrachtung diese verschiedenen Entwicklungsstufen sehen. Das ist es wahrscheinlich auch, was neben der Nutzung der Feenkamine als Wohnstätte oder Kirchen die große Faszination dieser Landschaft ausmacht. Obwohl die Entwicklungsschritte für menschliche Begriffe sehr langsam vor sich gehen, kann man ihnen beim Reisen durch das Land förmlich zu sehen.

Ballonfahrt über Kappadokien
Dede Efendi Restaurant

Die beliebtesten Posts...

Die Donau ist seit langem Verkehrsweg, Fischgrund, Lebensraum für viele Lebewesen und seltene Pflanz...
Slowenien ist das Land der Legenden, Sagen und vieler Geschichten, aber auch der alten Handwerkskün...
Sie ist die zweitgrößte Höhle der Welt, mit Recht meistbesucht in Europa und nun gibt’s auch noch Dr...

Werbung

Anzeigen

Zum Seitenanfang