Die Unterirdischen Städte von Kappadokien - Enricos Reisenotizen

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Die Unterirdischen Städte von Kappadokien

Die Unterirdischen Städte von Kappadokien

Wann genau die ersten unterirdischen Städte in Kappadokien entstanden, kann noch nicht wirklich gesagt werden. Noch zu wenig erforscht sind diese einzigartigen menschlichen Behausungen. Als sicher gilt jedoch, dass zur Zeit der Christenverfolgung, also vom 1. bis zum 4. Jahrhundert, eine große Anzahl an Menschen christlichen Glaubens in Kappadokien lebte und diese in den Höhlen zumindest bei Verfolgungen Zuflucht suchten. Auch später noch wurden die Höhlen genutzt: obwohl der christliche Glaube danach nicht mehr verfolgt wurde, waren es die Einfälle der Araber, die die Bevölkerung vor Ort Schutz suchen ließen.

Unser Führer erklärt uns die unterirdische Stadt von Saratlı..

Man schätzt, dass es in ganz Kappadokien ungefähr 150 dieser unterirdischen Behausungen gibt. Während der Großteil allerdings nur Platz für zwei, drei oder maximal 5 Familien bietet, kann man ungefähr 36 als unterirdische Städte bezeichnen.

Der Eingang zur unterirdischen Stadt

Man nimmt an, dass zuerst einige 70 bis 85 Meter lange Luftschächte bis zum Grundwasserspiegel in die Erde getrieben wurden und dann die weiteren Bauarbeiten von diesen Schächten an weitergeführt wurden. Durch diese Schächte wurde auch das Aushubmaterial an die Oberfläche gebracht, wo es – meistens in Flüssen – verteilt wurde. Mit dem Bau der Luftschächte war sichergestellt, dass ausreichend Sauerstoff für die weiteren Arbeiten zur Verfügung stand. Das Tuff- und Lavagestein der Vulkane Erciyes und Hasan, aus deren Material die unterirdischen Städte sind, ist relativ leicht zu bearbeiten. Tuffstein wird erst nach Berührung mit Luft nach einiger Zeit sehr fest. So kann man heute noch feststellen, dass die Stockwerke der einzelnen Städte zu verschiedenen Zeiten gebaut wurden.

Ein Luftschacht in Saratlı

Das Belüftungssystem der Städte folgt einem bestimmten Plan, der sicherstellt, dass in allen Etagen eine gute Luftzirkulation stattfindet, anders wäre das Leben der Menschen in den Höhlen nicht möglich gewesen.
In der Nähe der Luftschächte herrscht Sommer wie Winter eine ungefähre Temperatur von 7°-8°C, an entfernteren Stellen wird es bis zu 15°C warm.
Um nicht entdeckt zu werden, musste man auch beim Kochen und dem dadurch entstehenden Rauch vorsichtig sein. Es sind daher in den unterirdischen Städten nur sehr wenige Küchen zu finden. Man nimmt an, dass das Essen in einer großen Gemeinschaftsküche für alle zubereitet wurde.

Die Stallungen mit den Futterkrippen

Erst langsam finden archäologische Grabungen statt, man hat noch lange nicht alles gefunden und bewertet. Einige Erkenntnisse gelten aber heute als einigermaßen gesichert: 

1. Die Steintore
Die runden Steine, die vor den Gangabgängen in die unteren Etagen der Städte gerollt werden konnten, wurden aus einem anderen, viel härteren Material hergestellt. Die Steintore wurden als an anderen Orten hergestellt und dann wahrscheinlich mit Ochsenkarren zur jeweiligen unterirdischen Stadt gebracht. Mit ihnen konnte man bei Verfolgung die Eingänge zur Stadt verschließen. Die großen, runden Steinscheiben waren 55 bis 65 cm dick, hatten einen Durchmesser von 170 bis 175 cm und waren 300 bis 500 kg schwer. Manche von ihnen haben ein kleines Loch, durch das die Verteidiger spähen und so alles vor dem Tor beobachten oder mit Speeren oder Pfeilen die Angreifer abwehren konnten. Über manchen Toren befinden sich Nischen, mit Hilfe deren man die Aggressoren mit heißem Wasser oder Öl übergießen konnte. Es ist also anzunehmen, dass die Städte in erster Linie als Schutz vor Angreifern genutzt wurden. Außerdem waren die engen Zugänge oft mit Sträuchern und Büschen getarnt, sodass sie nicht so leicht entdeckt werden konnten.

Ein Steintor

2. Die Bewohner waren Christen
In einigen der Städte fanden sich christliche Kirchen, Andachtsräume und Taufbecken. So fand man z.B. in der siebenten Etage von Derinkuyu eine Kreuzkirche, eine Missionarsschule und ein Taufbecken. Ob sie allerdings die ersten Bewohner und auch Erbauer aller Städte waren ist noch nicht gesichert. 

3. Die Menschen legten auf Tierzucht und Weinbau großen Wert
In allen unterirdischen Städten fanden sich in der ersten Etage Tierställe, Futterlager und Weinkeller. Manchmal kann man sogar Durchbohrungen für das Anbinden der Tiere erkennen.
Fraglich ist noch wie mit dem entstandenen Abfall umgegangen wurde, ob es wirklich Toiletten gab und wie diese entsorgt wurden. Auch die Frage wie man mit Toten umging, ist noch nicht endgültig geklärt.

Saratlı

In den unterirdischen Städten wohnte man nur zu Kriegszeiten oder wenn Gefahr drohte. Allerdings ist anzunehmen, dass die Weinherstellung und der Weinkeller immer unter Tage durchgeführt wurden und da es in manchen Städten auch Mühlen unterirdisch gab, ist nicht anzunehmen, dass im Dorf eine zweite Mühle für Friedenszeiten errichtet wurde. Bewiesen sind diese Annahmen allerdings nicht.

Die unterirdische Stadt Saratlı

Als Höhepunkt des 2.Tages – nach der langen Busfahrt – landen wir bei der ersten großen Sehenswürdigkeit Kappadokiens, einer unterirdischen Stadt. Obwohl Saratlı mit ihren sieben Stockwerken eher zu den kleineren gehört, kann man hier sehr gut – teilweise besser als bei den anderen – den Verteidigungscharakter erkennen. Da die Dorfbewohner einen Teil der unterirdischen Stadt auch heute noch als Lagerraum benutzen, kann nicht genau gesagt werden, wie groß diese Stadt wirklich gewesen ist.

Ein- oder Ausgang Saratlı

In Saratlı sind derzeit (Stand 2014) drei Ebenen für die Besucher freigegeben. In der ersten Etage liegen die Küchen- und Vorratsräume, sowie die Stallungen, in der zweiten Etage gibt es zellenähnliche Räume, wahrscheinlich Lagerräume und ein 15 Meter tiefer Brunnen mit 80cm breiten Seitenwänden, Röhren zur Belüftung und die Steintüren, von denen manche ein Loch in der Mitte haben.
Gleich beim Eintritt in die Stadt kann man die Futterkrippen der Ställe erkennen, die in den Fels gehauen wurden. Auch den Brunnen, voll mit Regenwasser, findet man bei der Besichtigungstour. Schräg vis à vis war der Weinkeller, es folgt der Getreidespeicher und daneben liegen jene zwei Räume, die als Küche benutzt wurden.

Blick in den Brunnenschacht

Ein Raum in der dritten Etage scheint ein Kontrollraum oder Beobachtungsplatz gewesen zu sein. Ein sich nach oben öffnendes Loch zeigt in einen entfernteren Raum, der in der Mitte eine runde Öffnung hat, die den Blick auf eine Steintür öffnet. Durch einen engen Gang kommt man zu den Schlaf- und Wohnräumen. Schränke, Bänke – alles wurde in Stein gehauen. Gesessen und geschlafen wurde damals wahrscheinlich auf Teppichen, die auf den Steinboden gelegt wurden.

Vor dem Eingang zur unterirdischen Stadt wartet ein großer Souvenirshop auf Kunden und die Bäuerinnen des Ortes haben sich anscheinend auf die Herstellung von „Hochzeitspuppen" spezialisiert, die sie mit großer Lautstärke den Besuchern anpreisen. Was es mit diesen Hochzeitspuppen allerdings auf sich hat, konnte ich nicht klären. Hinweise werden gerne entgegengenommen und hier auch publiziert .

Hier noch einige Impressionen aus der unterirdischen Stadt Saratlı:


Suhan Hotel, Kappadokien
Nasreddin Hoça

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