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Ausstellungseröffnung und der große Hunger

Ausstellungseröffnung und der große Hunger

Das Landesmuseum Niederösterreich bringt derzeit eine Retrospektive des Werks von Hermann J. Painitz in der Sheldhalle. Die Ausstellung ist besuchenswert, das Museumscafé ist es weniger.

Hermann J. Painitz. Selbstverständlich. Landesmuseum Niederösterreich

Pünktlichkeit ist eine Zier und so fahre ich – ohne geplanten Halt zwecks Essensaufnahme – wegen eines Staus von Wien direttissima nach St. Pölten. Mit meiner Erinnerung an ein kleines Café im Landesmuseum beruhige ich meinen knurrenden Magen, und tatsächlich die Erinnerung trügt nicht.
Eine halbe Stunde vor Ausstellungseröffnung sollte reichen, etwas Essbares zu bekommen, um bei den Reden zu Beginn nicht durch lautes Knurren unangenehm aufzufallen. Im Café drei Frauen und ein Mann hinter der Theke – es herrscht strenge Selbstbedienung. Auf meine Frage, ob es denn eine Kleinigkeit zu essen gebe, herrscht zuerst Ratlosigkeit, man muss die Chefin fragen, die dann auch erscheint, um mir in einem leicht unfreundlichen Ton mitzuteilen: „Nur Kleinigkeiten". Na, wunderbar, mehr wollte ich sowieso nicht und auf die Frage, welche Kleinigkeiten es denn gäbe, kann ich mich immerhin zwischen Toast und Würstl entscheiden.

Hermann J. Painitz. Selbstverständlich. Landesmuseum Niederösterreich

Toast klingt wunderbar. Ganz einfach in Schinken und Käse gehalten. Ich höre noch die Worte der Chefin bei ihrem Abgang in die Küche „oba kassier glei!" – Schnell noch um ein Cola gefragt und alles brav bezahlt. Ich beziehe einen Platz in der Nähe der Theke, um zu sehen ob auch an meiner „Kleinigkeit" gewerkt wird. Der Einsatz von ziemlich viel Alufolie macht mich zwar schon ein bisschen misstrauisch, aber was solls, andere Länder, andere Schinken-Käse-Toast-Rezepte.
Zeit vergeht und vergeht – ich beginne zu überlegen, wie lange ich zu Hause für die Herstellung eines Toast benötige. Der Mann hinter der Theke erkennt meinen flehenden Blick und meint, dass es noch ein bisschen dauert, der Toaster muss erst warm werden. Ich warte weiter…

Hermann J. Painitz. Selbstverständlich. Landesmuseum Niederösterreich

Doch dann geht es Schlag auf Schlag. Außer meinem Lieblingsmann hinter der Theke haben sich inzwischen alle „Fräuleins" in den Nebenraum verabschiedet. Mit der nahenden Eröffnung kommen nun immer mehr Besucher, die – Überraschung – doch auch gerne vorab noch einen Kaffee oder ein Glas Mineral trinken möchten. Mein Herr schwitzt und versucht die Bestellungen nach der Reihe abzuwickeln. Ich erschnuppere einen leicht verbrannten Geruch und ein fürchterlicher Verdacht keimt in mir hoch. Gespannt beobachte ich die Szene. Obwohl weitere Besucher ihrer Getränke harren, plötzlich ein schneller Schritt in Richtung Toaster und dann ein noch schnellerer Richtung Küche. Ein blonder Engel erscheint und beginnt gemütlich irgendetwas (meinen Toast?) von der Alufolie zu kratzen und in ebensolcher Gemütsruhe neue Toastscheiben zu belegen. Inzwischen erfolgt die Lautsprecher-Durchsage, dass die Eröffnung beginnt und das Publikum in den Saal gebeten wird. Mein Fräulein hantiert wieder mit jeder Menge Alufolie beim Toaster, legt zwei Toast auf ihre Alufolien und schließt das Gerät.

Hermann J. Painitz. Selbstverständlich. Landesmuseum Niederösterreich

Mir reicht es, ich begehre zu wissen, was aus meinem Toast geworden ist und erfahre, dass er leider verbrannt ist – dachte ich mir doch – und dass sie eh schon einen neuen machen. Fein, wann der denn wohl fertig werden wird und für wen? Ich erkläre doppelknurrig (einmal mein Magen, einmal ich) meinen Rücktritt von der Bestellung, erhalte eine Entschuldigung des Herrn und mein Geld zurück, während der blonde Engel irgendwie fassungslos in die Gegend schaut, und verschwinde in die Ausstellung. Mein Magen knurrt noch immer und wird sich erst in Wien bei einem gemütlichen Abendessen spätnachts zu Hause beruhigen.

Hermann J. Painitz. Selbstverständlich. Landesmuseum Niederösterreich

Klar können Fehler immer passieren und es soll schlimmeres geben als verbrannten Toast (nämlich gar keinen), aber seien Sie gewarnt und bringen Sie Zeit mit. In 25 Minuten können hier doch auch kleine Kleinigkeiten schief gehen…
Übrigens: Die Ausstellung ist beeindruckend und wer moderne Kunst liebt und sich auch für die Verbindung zwischen Mathematik und Kunst interessiert, sollte sie nicht versäumen. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, schauen Sie einfach bei www.ask-enrico.com vorbei.

Performance, Ausstellung, Film …
Viva Flamenco!
 

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