Enricos Reisenotizen

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Ein Herz, ein Spiegel und Kindheitserinnerungen …

Slowenien ist das Land der Legenden, Sagen und vieler Geschichten, aber auch der alten Handwerkskünste, die auch heute noch liebevoll gepflegt werden. Lebkuchen backen gehört allseits dazu und da tauchen schon einmal auch bei mir Erinnerungen an früher auf …

Bei Lectar erfährt man alles über die Lebkuchenherzen

Radovljica

Best Press Stories entführte uns im Jänner nach Radovljica, ein wunderschönes mittelalterliches Städtchen, knapp über 50 km von Villach entfernt. Es war zugegebener Maßen „arschkalt" und so freute es uns besonders die Lebkuchen-Werkstatt von Lectar besuchen zu dürfen. Hier war es gleich heimelig warm und wir konnten nicht das Verzieren der Lebkuchen live miterleben – und später auch selbst versuchen – sondern erfuhren auch viel über die Tradition der Lebzelter und da kann man bei Lectar eine ganze Menge lernen, schließlich wird dieses Handwerk hier bereits seit 1766 ausgeübt.

So viele schöne Herzen und wir dürfen beim Verzieren auch gleich zusehen ...

Kirtag in Jedlesee

Ich kann mich noch gut an die Jedleseer Kirtage in meiner Kindheit erinnern. Es war jedes Mal ein richtiges Fest. Bereits am Freitagnachmittag wurden einzelne Straßen auf dem Weg zur Lorettokirche gesperrt und der Aufbau der Standl begann. Früher begann der Weg bereits in der Denglergasse gleich bei der Prager Straße und führte anschließend über die Wiener Gasse und Anton Boschgasse zur Lorettokirche. Auf der großen Wiese neben der Kirche gab es am Sonntag einen Gottesdienst, aber keine „Wilde Maus" oder Schießbuden.
Ein kleines Ringelspiel und sogenannte „Hutschen", die wie Boote aussahen war das höchste der Gefühle. Aber es gab kaum etwas Tolleres als die „Boote" allein oder zu zweit oder im Wettbewerb hoch hinauf zu treiben. Noch etwas anderes ließ mein Kinderherz schneller schlagen, die Überaschungspackerl um 5, später um 10 Schilling. Und natürlich jede Menge Zuckerwatte, Türkischen Honig und dann noch die Lebkuchenherzen: Für Dich. In Liebe Dein. Zur Erinnerung. Mein Schatz. I mog di …. Und noch vieles mehr an peinlichen oder weniger peinlichen Texten.
In verschiedenen Farben, mit verschiedenen Verzierungen und dann gab es noch meine ganz speziellen Favoriten als Kind: Die Lebkuchenherzen mit einem Spiegel!
Für mich war das damals – genauso wie die Farben – einfach Dekoration. Ich musste fast 60 Jahre alt werden, um nun – auf meiner Reise ins slowenische Radovljica zu erfahren, was es denn so alles mit dem Spiegel und den Farben auf sich hat. Es ist schließlich Jahrhunderte alte Tradition! Eine Art Geheimsprache zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten…

Die Herzen in "Rohform" ...

Und damit ihr jetzt wisst, was ihr da so alles sagt, wenn ihr ein Herzerl beim nächsten Kirtag verschenkt, sei es hier erzählt.

Lebkuchen backen ist Tradition in Slowenien

Martina zeigt uns wie es geht ...

Die Herstellung von Lebkuchen ist ein altes Handwerk. Schön Hänsel und Gretel gehen zum Pfefferkuchenhaus, Lebkuchen oder Pfefferkuchen war ein Lebensmittel, das sich lange aufheben ließ ohne zu verderben, daher auch für die Schiffsfahrt sehr wichtig. In Slowenien war die Herstellung so verbreitet, dass es im 18. Jahrhundert wahrscheinlich mehr Lebzelter als Schmiede gab. Das Handwerk wurde reglementiert – das bedeutete, man musste (ähnlich wie beim Bier brauen) eine offizielle Lizenz besitzen. Jakob Krivic besaß eine, kam 1766 nach Radovljica und schon sind wir wieder in der Lebkuchen Werkstatt Lectar.

Viele Formen für den Lebkuchen ...

Die Bedeutung des Spiegels

Wenn auch heute vielleicht nicht mehr vorstellbar: es gab Zeiten, in denen der Besitz von Spiegeln im Haushalt nicht selbstverständlich war. Wer wenig Geld besaß, hatte andere Sorgen, als einen Spiegel zu kaufen, um zu sehen, ob vielleicht die Frisur richtig sitzt. Dennoch: auch damals schon, war gutes Aussehen für Mädels wichtig und einen Spiegel zu besitzen, vielleicht so wichtig wie heute ein bestimmtes Smartphone. Lebkuchen waren damals wie heute ein beliebtes Geschenk, um seiner Angebeteten zu sagen, dass man sie liebt. Eine Art Emoji des 18. Jahrhunderts und so kam ein findiger Lebkuchenbäcker auf die Idee, einen Spiegel auf seine Lebkuchen zu montieren. Seitdem können romantische Liebhaber (und die gab es auch damals schon und gibt es hoffentlich noch heute) ihren Liebsten damit ihre Liebe und Verehrung zeigen.

Lebkuchenherzen ohne Ende ...

Sich im Spiegel des Lebkuchenherzens zu sehen, bedeutete auch im Herzen des Schenkers – also des Verehrers – zu sein. Doch auch die Antwort der Beschenkten war aufschlussreich: Liebte das Mädchen auch den Burschen, dann wurde das Lebkuchenherz nicht gegessen, sondern als Ganzes mit Spiegel aufbewahrt, um ihn und seine Liebe immer in Erinnerung zu halten. (Ein Lebkuchenherz hat übrigens eine Haltbarkeitsdauer von mehreren Jahrzehnten). War die Liebe allerdings einseitig, und das Mädchen nicht in den Mann verliebt, so aß sie das Lebkuchenherz auf (natürlich ohne den Spiegel) und konnte die Süße des Lebkuchens genießen.

Viele kleine rote Herzen ...

Die Farben

Doch auch auf die Farben und ihre Zusammenstellung sollte man das nächste Mal vielleicht achten. Es gilt folgendes: Rot steht natürlich für die Leidenschaft und die Liebe, Gelb zeigt die Unendlichkeit, Grün ist das Gras, die Natur, aber auch Entwicklung, Schönheit und Geburt.

Bei Lectar in der Lebkuchen-Werkstatt

Lectar

Unsere Gruppe beim Verzieren der Lebkuchen...

Wer mehr über Lebkuchen, seine Herstellung, die Tradition erfahren möchte und vielleicht auch einmal sein ganz besonderes Herz selbst anfertigen möchte, sollte einen Ausflug nach Radovljica planen. Im wunderschönen alten Gebäude der Lebkuchen Werkstatt, wo man auch verschiedene Workshops besuchen kann, ist auch noch eine Gostilna und eine Pension untergebracht, womit neben dem Wissenswerten auch gleich für ausgezeichnete Kulinarik und Übernachtung gesorgt ist.

Ein guter Birnenschnaps im Flakerle und ausgezeichneter Speck und Käse am Brot. So kann man "arbeiten" ...

Und manchmal kommt auch noch der Chef persönlich vorbei und bringt seine Mundharmonika mit:

Lectar Gaststätte, Pension, Museum und Lebkuchen Werkstatt
4240 Radovljica, Linhartov trg 2
Tel: +386 4 537 48 00
Mobil: +386 31 644 604
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.lectar.com


Mehr über Slowenien, Veranstaltungen und Radovljica und andere Sehenswürdigkeiten erfahrt ihr auf askEnrico und hier am Blog in Altösterreich Revisited

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