Enricos Reisenotizen

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Ein Ausflug in die Steiermark

Ein Ausflug in die Steiermark

Vor Jahren war ich zu einer Pressefahrt nach Loipersdorf und zum anschließenden Besuch bei ein paar steirischen Kulinarikspezialisten eingeladen. Seitdem zieht es mich immer wieder ins grüne Herz von Österreich.

Der Blick ins Land vom Hof der Schinkenmanufaktur..

Letzten Donnerstag war es wieder soweit. Einen Tag einmal nichts tun, das schöne Wetter genießen und endlich die Weihnachts-Gutscheine einlösen. Meine bessere Hälfte war stolzer Besitzer eines Gutscheins für eine Führung beim Schinkenspezialisten Vulcano. Ich war stolze Begleiterin und freute mich die Tour einmal abseits einer Presseführung mitmachen zu können. Denn dies kann ja manchmal zu unterschiedlichen Eindrücken führen.

So fing und fängt die Geschichte der Vulcano Schinkenmanufaktur an

Und da wir schon einmal da waren, wollten wir auch gleich unseren Bestand an Essigspezialitäten beim Gölles aufstocken.

Feine Edelbrände und wunderbarer Essig

Los ging es. Es ist ja gar nicht soweit, wie man oft denkt und als Tagesausflug auch leicht zu machen (kommt nur darauf an, wie viele Führungen man mitmachen möchte). Es sind um die 170 km, also ungefähr zwei Stunden Fahrt (für uns Frauen, die Entfernungen ja lieber in Stunden und nicht Kilometer angeben) mit dem Auto. Es ist vielleicht ein bisschen tricky um auf den Berg, auf dem die Schinkenmanufaktur liegt, hinaufzufinden und unser Navy (Handy mit App Sygic, die ich eigentlich sehr empfehlen kann) hat uns auf schmalen Weg meiner Meinung nach nicht auf den kürzesten, aber auch einen sehr schönen Weg ins Schinkenparadies geführt.

In der Vulcano Schinkenmanufaktur

Darf ich vorstellen: Herr Haberl - er hatte die Idee zum Schinken ...

Gleich zu Beginn: hier ist alles beim Alten und das ist gut so. Die Videopräsentationen (vor allem der köstliche Zeichentrickfilm über die Entstehung von Vulcano) wurden ein bisschen überarbeitet, wenn ich mich recht erinnere, sind aber nach wie vor 1A.

Die verschiedenen Schweinerassen

Dann geht es auch gleich runter in den Hof, wo man von den unterschiedlichen Schweinerassen und den Fütterungsmethoden hört und irgendwie ist es schon beruhigend, dass es den Vulcano-Schweinen doch gut zu gehen scheint, und sie länger und auch schweinegerechter leben dürfen. Und dann geht es zu den Schweinen.

Noch sind sie bei der Begrüßung der Besucher noch schüchtern ...

Zu meiner großen Freude war auch Max noch da. Er war der „Star" der Journalistenführung: Kam auf Zuruf des Herrl, setzte sich wie ein Hund hin und schmatzte dann die Eier, die Herr Haberl, der Besitzer bei der Führung für ihn mitgebracht hatte. Unsere Führerin hatte keine Leckereien für ihn mit, wahrscheinlich war das der Grund, warum er zwar kurz das Haupt hob, aber ansonsten seine schweinische Ruhe nicht unterbrach und zufrieden im Heu weiter büselte ….

Rechts vorne liegt Max, der Star im Schweinestall, dahinter der eigentlich "Herr" Im Haus und auf der linken Seite Vulcana, die aber ihren Aufgaben als Testimonial nicht immer zufriedenstellend nachkam ..

Der Rest der Schweine, gerade mal 3 bis 4 Monate alt, gab sich noch ein bissl verschreckt, da sie erst neu „eingestellt", also in ihr „Quartier" übersiedelt waren und daher die Besucher noch nicht so gewohnt. Doch das Fressen und Sonnenbaden machte ihnen wie man sah schon ziemlichen Spaß. Und einige Neugierige wagten sich schon in der Nähe der Stufen, die ins weiche Heu hinunterführen. Wahrscheinlich probieren sie aber die ersten Schritte lieber ohne Besucher.

Noch wird Abstand gehalten ..

Weiter geht's zum Speisekastl und auch das ist eine Besonderheit, die man nicht so schnell findet: hier sind viele regionale Spezialitäten ausgestellt. Die jeweiligen Erzeuger kooperieren miteinander, im Prinzip schickt einer die Besucher zum nächsten weiter. So findet man im Speiskastel (und dann auch – noch wichtiger – im Shop) von Vulcano auch die Weine von Georgiberg, Essig und Schnäpse vom Gölles, Schokolade vom Zotter, Bier und Briskey (also eigentlich Whiskey) vom Lava Bräu, Kernöl von der Berghofer Mühle und noch einiges mehr …

Das Speiskastl präsentiert die Spezialitäten der Region

Ein kurzer, wunderschön gemachter Film erklärt anschließend wie der Schinken produziert werden und unser Guide erklärt dann noch welche Stücke vom Schwein zu welchen Schinken oder Speck verarbeitet werden.

Und schon sind wir beim Höhepunkt: Der Verkostung. Ein Teller mit den verschiedenen Schinkensorten und neu! der Salami steht schon mit Brot zur Verkostung bereit. Ich gönne mir – als Fahrer - einen Hollersaft gespritzt, mein Mann entscheidet sich für ein Glas Sauvignon blanc vom Georgiberg (was später auch gleich die Mitnahme von zwei Flaschen zur Folge hat).

Eine reiche Auswahl - da fällt die Wahl richtig schwer ...

Es ist köstlich und ich ahne schon: Das wird wieder einmal teuer – und siehe da: genauso war es. Wir stehen im Shop und gustieren, was wir nicht alles mitnehmen sollen – und man kann sich wirklich kaum entscheiden.

Gölles Edelbrände und Essigmanufaktur

Dennoch treten wir mit zwei großen vollen Taschen sehr glücklich die Weiterreise zum Gölles an. Auch hier führt uns das Navy wieder durch kleine Wege (und zu guter Letzt) auf einer Privatstraße zur Edelbrand- und Essigmanufaktur. Beim Gölles hat sich einiges getan und man sieht es gleich wenn man ankommt.

Ein neues Haus wartet auf die Besucher und Kunden

Ein großer, neuer Bau ragt nun in die Landschaft. Der Parkplatz ist relativ neu (dieser war schon bei unserem letzten Besuch gebaut, allerdings war damals der Eingang noch ein Stück weiter oben).

Das Kupfer der "Schnapskessel" gibt den Ton an ...

Über die Treppe geht's zum Eingang und allein schon das Tor zeigt, jetzt kommt Edles. Die Schiebetür geht auf und ein „Wow" macht sich breit. Kupfer, Holz und Glas sind die Materialien, die hier bei der Innenausstattung sofort ins Auge stechen.

Der Treppenaufgang zur Information und zum Shop

Im Erdgeschoss ist ein kleines, feines Museum eingerichtet, und eine Glaswand gibt auch den Blick auf die vielen Glasgefäße im Nebenraum frei. Leider konnte ich nicht erkennen, ob sie schon gefüllt sind, oder noch auf ihre Befüllung mit den edlen Tropfen des Schnapses, der hier erzeugt wird, warten.

Museum ist vielleicht zuviel gesagt ....

Über die Treppe geht es dann hoch in den Shop, der eigentlich gar nicht wie einer aussieht. In der Mitte eine Theke, die als Information und als Kasse fungiert, daneben einige Tische und dann – wie zufällig verstreut ein paar Regale in denen die wunderbaren Essige und Schnäpse, solo oder in Geschenkpaketen verpackt, auf ihre Käufer warten. Neu – und ebenfalls ein hervorragender Gedanke ist eine Verkostungsstrecke, an der man die verschiedenen Essige verkosten kann. Auch die wunderbaren Gelees, die es beim Gölles gibt, können hier probiert werden.

Ein kleiner, aber feiner Shop und es ist alles da und noch viel mehr ..

Wir sind schon wieder überwältigt, können uns wieder kaum entscheiden – und es wird natürlich – wieder teuer. Dennoch gehen wir auch hier mit unserem Karton glücklich zum Auto und treten die Heimreise an. Vielleicht mache ich hier das nächste Mal auch wieder eine Führung mit. Ich bin mir sicher, auch da hat sich auch wieder etwas geändert.

Diesmal haben wir nur Essig und Schokolade (Zotter) mitgenommen, aber vielleicht wird es ja nächstes Mal auch wieder ein Edelbrand ...

Abschließend noch ein Wort zu teuer: 

Natürlich können die Produkte der Steirer nicht mit den SuperSonderAngeboten der Diskonter ums Eck mithalten. Müssen und sollen Sie auch nicht. Wer bedenkt, wie diese Sonderangebote zustande kommen und dann sieht wie hier in der Steiermark gearbeitet wird, kann nachvollziehen, dass das eben mehr kosten muss.
Doch: Ich kann mich mit der Philosophie unserer Steirischen Spezialitätenproduzenten eigentlich recht gut identifizieren. Das ist vielleicht ein bisschen mehr „Zurück zum Ursprung". Es sollte uns mehr wert sein, wenn unsere „Nutztiere" (allein das Wort ist schrecklich) auch etwas von ihrem – noch immer kurzen – Leben haben dürfen. Abgesehen davon, dass man es auch schmeckt.
Außerdem ist das Lohnniveau und die Abgaben in Österreich eben ein bisschen höher als anderswo und das ist gut so. Produkte aus Österreich – mit relativ kleinen „Produktionseinheiten" - haben auch eine andere Kostenstruktur als ein Riesenschweinezuchtbetrieb in Holland oder Polen. Nur - dort darf sich die Sau auch nicht bewegen, wird mit Medikamenten vollgestopft und kommt so schnell wie möglich unter grauslichen Umständen zum Schlachter und wird manchmal auch noch quer durch Europa transportiert, damit alle Förderungen genutzt werden können. Wollen wir das wirklich?
Ist es da nicht wirklich besser, sich eben mehr von regionalen, aber saisonalen Obst und Gemüse zu ernähren, Fleisch vielleicht ein wenig spärlicher, dafür aber von besserer Qualität auf den Speiseplan zu setzen? Die Restlküche von Oma und Opa wieder zu entdecken? Weniger einzukaufen, dafür aber mehr davon zu verwerten und weniger wegzuschmeissen?
Nur um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich muss mir mein Geld auch sehr gut einteilen. Ich gehöre also nicht jener Gattung an, die es sich leisten kann, über Sonderangebote großzügig hinwegsehen zu können, Bio zu propagieren und nicht auf den Preis achten zu müssen. Das muss ich sehr wohl, wobei es mir noch immer sicher weitaus besser geht, als Bezieher der Grundsicherung.
Trotzdem: Lasst uns mal darüber nachdenken. Es müssen nicht immer exotische Früchte aus der ganzen Welt sein und auch nicht die Äpfel aus Chile. Lasst uns auf die burgenländischen Erdbeeren warten und auf den Spargel aus dem Marchfeld – und ab und zu machen wir dann einen Ausflug in die Steiermark. 

PS: Übrigens: Die Steirer kommen jedes Jahr nach Wien auf den Rathausplatz. Diesmal bereits vom 14.-17.April. Zotter, Berghofer Mühle, Vulcano und Gölles sind auch mit dabei! Weitere Informationen unter www.steiermarkdorf.at

Blumen einst und jetzt
Dumme Gans? Ganz und gar nicht!
 

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