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Besuch bei der Techagro in Brünn

Besuch bei der Techagro in Brünn

Brünn kann Messen veranstalten, das haben wir ja schon öfter berichtet. Nicht nur Fachmessen werden auf dem Messegelände, das auch architektonisch sehenswert ist, veranstaltet, sondern auch viele Publikumsmessen. Trotzdem war ich etwas skeptisch als ich zur Techagro eingeladen wurde.

Die Techagro ist die flächenmäßig größte Messe in Brünn und beschäftigt sich mit landwirtschaftlichen Produkten: vom Traktor über die Mähmaschine ist hier alles und noch viel mehr vertreten. Außerdem finden immer gleichzeitig die Animal Vetex, die internationale Veterinärmesse, die Silvia Regina, eine Jagdmesse und die Biomass – nomen est omen – statt.

Nun ja, ich bin weder der große Techniker und auch die Jägerschaft zählt nicht unbedingt zu meinen Freunden, unter einer Biomasse und Veterinärmedizin konnte ich mir auch nicht viel vorstellen – daher eben meine Skepsis. Doch dann: schon bei unserer Ankunft in Brünn strömten die Menschen zu den Toren. Männer, Frauen! und Kinder! Ich war mehr als überrascht. Was machen denn die Zwutschkerln da? Beim ersten Spazieren durch Hallen und im Freigelände war mir aber klar: Unsere tschechischen Nachbarn verstehen es, Messen zu organisieren und so wird der Messebesuch zum Ausflug für die ganze Familie!

Wer je eine frühere Wiener Herbstmesse besucht und gemocht hat (ehe sie in die verschiedenen Fachmessen zerlegt wurde) sollte sich schnellstens nach Brünn aufmachen – bis7.4. 2016sind die Tore noch geöffnet. Dann gibt es die großen Brummer erst wieder 2018 – nur die Animal Vetex wird auch schon im Mai 2017 zu sehen sein. Doch nun der Reihe nach…

Techagro

Die Fachausstellung für Landtechnik Techagro feierte heuer bereits ihr 22. Jubiläum und beschäftigt sich mit revolutionären Technologien – elektronischen Steuereinrichtungen, Navigationssystemen, Automation und diversen intelligenten Lösungen für die sogenannte Präzisionslandwirtschaft. Auch für einen ganz normalen Konsumenten ist es jedoch interessant durch die Hallen zu streifen. Es ist fast ein wenig gigantisch, was hier alles geboten wird: riesige Traktoren, von den Mähdreschern will ich gar nicht reden, Sämaschinen und/oder Düngemaschinen, die wie beleuchtete Oktopusse aussehen, Maschinen mit einer Einstiegstür und einer Gateway wie bei einem Flugzeug.

Räder größer als man selbst ist, von den Kettenfahrzeugen, die eigentlich Traktoren sind will ich hier gar nicht reden.

Und plötzlich bemerke ich, warum so viele Kinder und Jugendliche (und nicht nur Buben, die Emanzipation ist teilweise schon angekommen) gerne auf dieser Messe sind. In fast jedem Führerhaus sitzt ein(e) zukünftige(r) LandwirtIn, dreht am Steuerrad und versucht Hand an die verschiedenen Knöpfe, Hebel und Schalter zu legen. Wenn diese Begeisterung weiter anhält, braucht sich der Bauernstand um den Nachwuchs keine Sorgen zu machen.

Neben, manchmal auch unter den Traktoren, sieht man dann meistens die Herren der Schöpfung im Gespräch vertieft oder vorm Motorraum beeindruckt auf Maschine und Kabel blickend. Manchmal blicken Sie natürlich auch auf die schönen Frauen, die bei manchen Aussteller noch einen zusätzlichen Blickfang zur „Motorisierung" abgeben dürfen/müssen.

Aber nicht nur die Hallen zeigen die neuesten Modelle. Unglaubliche 86.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche musste von der BVV geschaffen werden, um alle Platzbedürfnisse befriedigen zu können. Wer diese Riesenmaschinen gesehen hat, den wundert es nicht und sie sind wirklich sehenswert – auch für den Laien. 166 Aussteller aus dem Ausland, darunter auch ein Gemeinschaftstand österreichischer Aussteller unter der Federführung der Österreichischen Handelskammer, insgesamt 777 Aussteller aus 40 Ländern mit 1125 vertretenen Marken nehmen heuer an der Messe teil. Erstmals sind auch Vertreter aus Korea dabei, Landwirtschaftsexperten aus Weißrussland, Moldawien, der Ukraine, Usbekistan, Aserbeidschan und weiterer Länder wie auch ein Treffen der Euroasiatischen Wirtschaftskommission finden statt. Seminare und Vorträge werden abgehalten und noch vieles mehr.

Animal Vetex

Unter diesen Namen sind Technologien für die Nutztierhaltung, Futtermittel- und –mischungen, verschiedene Nahrungszusätze etc. zusammengefasst. Und auch hier staunt wieder Groß und Klein, ist doch auch eine Nutztierausstellung mit Rindern Schweinen, Schafen und Ziegen mit dabei.

In relativ kleinen Boxen, aber gut mit Heu versorgt, haben bei meinem Besuch die Schweine ihren Mittagsschlaf gehalten und fast schien es, als ob sich die Schafe und Ziegen über den Besuch der vielen Menschen freuten, zumindest ließen sie sich weder bei Fressen stören und auch durch Streicheleinheiten nicht aus der Ruhe bringen.

Ob die Kühe und Stiere aber so glücklich waren, kann ich nicht sagen. Einer zeigte uns zumindest deutlich, was er von der Veranstaltung hielt und war an Besuchern nicht interessiert.

Bei der Vorstellung von Milchkühen bei einer Vorführung in der Halle fielen mir ihre riesigen prallgefüllten Euter auf – und die Tiere schienen nicht gerade begeistert vor den Zuschauern im Kreis gehen zu müssen. Auch wenn man später dann die vollautomatischen Melkmaschinen sieht (so gut und schonend sie auch sein mögen) wird man sich schon sehr des Begriffes Nutztier bewusst und muss sich dabei fragen, ob das alles die richtige Entwicklung ist.

Auch etliche „Gatter" zur Tierhaltung waren ausgestellt, in denen sich dann kein Tier mehr nach links oder rechts bewegen kann, ich bin mir gar nicht sicher, ob es sich hinlegen kann – ob das der richtige Weg in die Zukunft ist, will ich hier einmal offen lassen. Für die kleinen Besucher ist die „Tiershow" auf jeden Fall eine riesige Attraktion und wo noch können sie sehen, dass Kühe nicht blau-weiß gefleckt sind, sondern braun, schwarz, weiß und viele unterschiedliche Schattierungen und Hörner haben können.

Ebenfalls toll ist ein Stück weiter die Pferdeshow. Obwohl ich leider der tschechischen Sprache nicht mächtig bin, war es mir trotzdem möglich, einem Märchen zu Pferde zu folgen. Die vielen kleinen Besucher neben mir waren jedenfalls sehr begeistert und manche durften sogar mitmachen. Außerdem gab es hier noch Extrem-Trail-Vorführungen, Pferde reiten und Kommunikationsspiele mit Pferden. Einfach toll.

Silva Regina – Die Jagdausstellung

Die Halle Z ist jedes Mal der Treffpunkt für Jäger und Förster, aber auch der Naturliebhaber. Während man im Erdgeschoss Gewehre, Messer, Zielfernrohre, aber auch Bekleidung, „Jägerkrawatten" und jede Menge etwas skurrile Einrichtungsgegenstände sehen könnte, kamen auf der Galerie die Naturschützer auf ihre Rechnung.

Kinder und auch Erwachsene können sich über den Wald und seine Tiere informieren, Spiele werden angeboten und Präparatoren zeigen ihre Werke. Zusätzlich kann man die größte Sammlung an Förster-Uniformen begutachten und die Urkunde von der Anerkennung der Guiness Weltrekorde. Auch hier gibt es ein großes Rahmenprogramm: es gibt Bläserwettbewerbe, Vorführungen von Falknern und Kynologen, Musikdarbietungen und einiges mehr.

Ein Teil der Halle ist dem „Lobkowitz-Haus" gewidmet: man sieht Jagdtrophäen, historische Landkarten und Uniformen und sogar eine Kutsche, die 1820 in Berlin hergestellt wurde. Einige "Möbel" muten für mich als "Nicht-Jäger" doch etwas skuril an. Oder würden Sie sich diese Sessel ins Wohnzimmer stellen? Mich erinnern sie eher an Vampir oder Zombie-Filme ...


Auf der Galerie sind außerdem an die 200 Reproduktionen ausgestellt, die Bilder des genialen Malers Zdeněk Burians zum Vorbild haben. Burian hatte die Bücher des tschechischen Paläontologen Josef Augusta illustriert. Und so sind auch Mammuts und Säbelzahntiger in der Ausstellung zu bewundern.

Biomass

Dieser Themenbereich tangiert mehr oder weniger die Bereiche der Land- und Forstwirtschaft und präsentiert dem Fach- und Laienpublikum Rezepte, Anleitungen und Ratschläge für den bestmöglichen Umgang mit Biomasse mit Live-Vorführungen diverser Maschinen, wie Häckslern und Zerkleinerer. Zum Schwerpunkt gehört der Einsatz von Biomasse im Einklang mit dem Schutz der Umwelt und ihres natürlichen Gleichgewichts.

Die Imker

Auch rund um die Imkerei war ein eigener Bereich aufgebaut, auf dem nicht nur Produkte wie Met, Honig, Kerzen und Leckereien angeboten wurden, sondern auch Imkerbedarf, wie Honigschleudern und Imkerbekleidung und Imkerhüte, aber auch Bienenstöcke und vieles mehr.

„Verpflegung"

Natürlich gibt es am Messegelände einige Messerestaurants, aber immer wieder faszinieren mich die vielen Stände, die viele Leckereien anbieten. Und diese waren diesmal in besonders großer Anzahl und besonders großer Auswahl vertreten.

Da wurden die verschiedenen Würstel gebraten, und Käse verkauft (aber auch gebraten), es gab Fleisch am großen Spieß – sah fast so aus wie tschechischer Kebab – in großen Pfannen wurde kalorienmäßig große aufgekocht und an den großen Grills stehen die richtigen Männer mit der Zange in der Hand, die ihre Steaks oder Würste wenden und es so richtig rauchen lassen.

Doch auch in den Hallen gab es immer wieder Stände, bei denen man die eine oder andere Wurst (auch aus Wild) oder Käse, oder auch eine Flasche Wein käuflich erwerben und mit nach Hause nehmen konnte. Dazu gab es natürlich das gute tschechische Bier, aber auch für ein Gläschen Wein, oder für Naschkatzen gab es genügend Angebote.

Brünner Messen machen einfach Spaß, sind ausgezeichnet organisiert und sowohl für die Fachpresse als auch für „normale" Konsumenten immer wieder einen Besuch wert. Machen Sie doch einmal einen Ausflug nach Brünn und schauen Sie sich das an – zum Beispiel am21. oder 22.5.2016bei der Mineralienausstellung. Weitere Informationen dazu unter http://www.bvv.cz/de/mineralien-brunn/mineraly-brno-2016-05/ 

Weitere Informationen über die Sehenswürdigkeiten von Brünn finden Siehier auf askEnricound wenn Sie vielleicht übers Wochenende bleiben möchten, finden Sie hierÜbernachtungs- undRestauranttipps 

Hier noch einige weitere Eindrücke:

​Fahrradfreundliche Betriebe in der Tschechischen ...
Zur Salima nach Brünn
 

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