Otello darf nicht platzen in Kobersdorf - Enricos Reisenotizen

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Die 3K und Lachen ohne Ende

Die 3K und Lachen ohne Ende

Kultur, Kulinarik und Kobersdorf: Bei den Schloss-Spielen finden diese drei K's wieder einmal zusammen. Wer einen wahrlich unterhaltsamen Abend verbringen möchte, sollte – nein, muss – sich ganz schnell Karten besorgen.

Otello darf nicht platzen, eine Komödie von Ken Ludwig, wurde heuer von Intendant Wolfgang Böck auf den Spielplan gesetzt und dieses Stück, das vom 5.-31.7.2016 in Kobersdorf von jeweils Donnerstag bis Sonntag gezeigt wird, garantiert Lacher ohne Ende.

Intendant Wolfgang Böck begrüßt das Publikum

Der Inhalt ist schnell erzählt: Der Operndirektor von Cleveland erwartet den italienischen Startenor Tito Morelli, den er für einen Auftritt in seinem Opernhaus engagiert hat, um den Otello zu singen, doch dieser kommt und kommt nicht. Als er endlich mit seiner, nicht zu Unrecht eifersüchtigen Gattin erscheint, ist man zwar glücklich, den Sänger hier zu haben, doch der Star ist schwierig. Anscheinend hat er bei der Anreise viel zu viel gegessen (den Grund dafür erklärt seine Ehefrau) und nun kämpft er mit Magenweh und Blähungen.

Max und seine angebetene Maggie

Max, dem Assistenten des Direktors, wird aufgetragen ihn nicht aus den Augen zu lassen, doch der Star ist schwierig zu betreuen. Mit einigen Überredungskünsten und ein paar Pillen schafft es Max, Morelli ins Land der Träume zu schicken.

Wolfgang Böck und Gerhard Kasal bei der "Übungsstunde" (Foto © Wolfgang Voglhuber)

Die nächste Katastrophe nimmt ihren Lauf: anscheinend waren es der Tabletten zu viele. Tito, der Göttliche wacht von seinem Nickerchen nicht mehr auf – Ersatz wird gesucht. Das ist die große Chance von Max, der seit langem von einer Sängerkarriere träumt und die Rolle auch einstudiert hat. Eine kleine Übungssession mit dem Meistersänger hat ihm anscheinend das notwenige Selbstvertrauen gegeben, sein Auftritt als Otello gelingt, das Publikum ist begeistert und jubelt dem falschen Tito Morelli zu.

Wolfgang Böck und Gerhard Kasal - Wer ist der richtige und wer ist nun der falsche Otello? (Foto © Vogus)

Damenbesuche in seiner Hotelsuite (Maggie, die Tochter des Direktors, Diana, die Desdemona des Abends, aber auch Julia, die Vorsitzende der Cleveland Opera Gesellschaft) könnten den Betrug noch auffliegen lassen. Außerdem ist auch noch die Leiche des richtigen Tito Morelli verschwunden und dann ist noch dieser Irre, der als Otello verkleidet von der Polizei gejagt wird, da er unbedingt ins Opernhaus eindringen wollte …

Kasal, Böck, Schleyer, Futterknecht, Roll, Jung, Kramer, Braunshör (Foto © Vogus)

Das Ensemble ist wieder in Höchstform! Erich Schleyer, einst ein unvergesslicher Frank N Furter in der Rocky Horror Show, gibt den cholerischen Direktor der Cleveland Opera, dessen Nervenkostüm nicht nur vom Sängerstar, sondern auch von seiner Tochter immer wieder herausgefordert wird. So gilt seine Sorge nicht nur seiner Karriere, dem Opernhaus, sondern auch immer wieder seiner Tochter, die so richtig schön auf seiner Nase herumtanzt.

Gerhard Kasal und Erich Schleyer (Foto © Wolfgang Voglhuber)

Unterstützt in all seinen Bemühungen wird der durch Max, seinen Assistenten, der von Gerhard Kasal köstlich gespielt wird. Kasal steht dem Intendanten im italienischen Akzent als Morelli-Kopie in nichts nach. Allein die Lockerungsübungen der Beiden bei der kleinen „Übungsstunde" zwischen Startenor und Sangesnovizen sind eine Herausforderung für die Lachmuskeln. Überzeugend wie Gerhard Kasal den verkrampften, unsicheren, unterdrückten, unglücklich verliebten Max spielt und dann – zumindest teilweise – als Star und Otello auf die Bühne zurückkehrt.

Wolfgang Böck und Erich Schleyer (Foto © Vogus)

Herrlich auch seine „Verlobte" (die Herrschaften sind sich nicht ganz einig) und Tochter des Direktors Maggie, die wiederum Tito Merelli anhimmelt und gar nicht sieht, was sie eigentlich an ihrem Max hätte.

Wolfgang Böck und Anna Kramer (Foto © Wolfgang Voglhuber)

Den italienischen Star gibt – wie könnte es anders sein – der Intendant der Schloss-Spiele persönlich. Fast hätten wir ihn in seinem Bühnen-Outfit nicht erkannt. Perfekter italienischer Akzent und eine Gelenkigkeit in den Knochen (wie bereits vorher geschildert), die mir jedes Mal Bewunderung abringt, und die Lacher immer wieder auf seine Seite bringt. Ein perfekter Star mit all seinen Ecken, Kanten und seiner Überheblichkeit, der aber auf der andern Seite Verständnis für den armen und unterdrückten Max zeigt und ihm bei der Stimmentwicklung hilft (eine der vielen köstlichen Szenen) und auch seine Ehefrau liebt, aber bei den Damen (und beim Essen und Trinken) leider nicht immer nein sagen kann.

Wolfgang Böck und Gertrud Roll (Foto © Wolfgang Voglhuber)

Allein die Szene, in der er Max zeigt, wie man als Star über die Bühne stolziert, ist einen Besuch der Vorführung wert.

Hier liegt der Star noch am Bett - Böck, Kramer, Roll, Braunshör (Foto © Vogus)

Köstlich auch Marie-Therese Futterknecht als Gattin von Tito Merelli, auch ihr nimmt man die eifersüchtige Italienerin ohne Probleme ab, Sarah Jung als Diana versucht den Opernstar als Karrierebooster zu nutzen und Gertrud Roll ist eine überzeugende Vorsitzende der Cleveland Opera Gesellschaft. Ziemlich genauso kann es schon mal in der Organisation zugehen.

Der Star und seine Gattin - Wolfgang Böck und Marie-Therese Futterknecht (Foto © Vogus)

​Keineswegs vergessen möchte ich Alexander Braunshör als Pagen, der sich ebenfalls als Opernfreund outet.

Das Bühnenbild erstrahlt dann im Dunkeln in wunderschönen Farben...

Toll das Bühnenbild und die Lichtgestaltung von Erich Uiberlacker, manche mögen es vielleicht ein bisschen kitschig finden, aber für mich passt es einfach genau so. Im Prinzip findet das ganze Geschehen in der Hotelsuite des Stars statt, die ziemlich spartanisch eingerichtet sind, ein Bett, eine Bank, aber dann wird mit Spiegeln bei den Türen gearbeitet und mit viel Licht und genau das macht die Stimmung aus. Wenn dann noch die Bögen des Schlosses in blau ausgeleuchtet werden – einfach schön.

Assistent Max, der Herr Direktor und seine Tochter

Auch die Inszenierung von Michael Gampe und die Kostüme von Gerti Rindler-Schantl überzeugen. Alles in allem ein wunderbarer Abend, den wir sehr genossen haben und uns schon auf das nächste Jahr freuen.

Kulinarik

Auch die Kulinarik soll nicht vergessen werden: Gönnen Sie sich vor dem Theaterabend einen Besuch (Reservierung unbedingt notwendig!) im Restaurantzelt Horvath. Es empfängt Sie auch hier eine kompetente und sehr freundliche Truppe, die fantastisch aufkocht.

Das Restaurant Horvath lädt ins Zelt-Restaurant

Wir haben uns für das dreigängige Menü entschieden: schon der Gruß aus der Küche mit einem köstlichen Aufstrich, grünen und schwarzen Oliven, Butter und drei verschiedenen knackigen Brötchenvarianten erfreute.

Fast wäre ich nicht zum Fotografieren gekommen - die Hälfte der Vorspeise ist hier bereits verspeist ...

Als Vorspeise folgten Miniparadeiser mit Mozarella im Glas mit einer (Senf-Balsamico?) Sauce und frischen Sprossen.

Einfach köstlich: das Beiried und die Pfeffersauce (und die Eierschwammerl musste ich auch noch schnell probieren... hmmmm)

Dann die große Auswahl der Hauptgänge am Buffet: Gebratenes Schweinsfilet mit Eierschwammerlsauce, rosa gebratene Rinderbeiried, Zanderfilet vom Rost mit Kräuterbutter, gekochter Tafelspitz mit Apfelkren, rosa gebratene Entenbrust, gegrilltes Maishähnchenbrüstchen, Lasagne a la Italia, dazu verschiedene Gemüse (unter anderem knackig gekochte Fisolen) und Beilagen und Salat vom Buffet.

Immer wieder ein Genuss: Der Zander ...

Wir haben uns für den Zander, das Rinderbeiried und den Tafelspitz entschieden und waren voll begeistert, außerdem möchte ich auch noch den knackigen Salat und einen hervorragenden Gurkensalat nicht unerwähnt lassen.

Ein seitlicher Blick auf die Dessert-Köstlichkeiten, die der Nachwuchs ganz charmant präsentierte ...

Auch das Dessertbuffet hat uns nicht enttäuscht. Machen Sie keinesfalls den gleichen Fehler wie ich und bitten Sie um eine ganz kleine Portion vom Schokomousse – ich empfehle eher das Gegenteil. Mit frischen Früchten kombiniert – ein Traum, aber auch die Profiteroles und das Tiramisu waren ausgezeichnet. Zur Auswahl standen noch Topfen-Joghurtnockerln mit Fruchtsaucen, die Schokomousse gab es mit dunkler und weißer Schokolade, Panna cotta, frischer Obstsalat und die hausgemachten Crèmeschnitten über die wir bereits einmal begeistert berichtet haben

Im Garten des wunderschönen Schlosses

Fazit: Ein ganz toller Sommerabend, bei dem einfach alles passte. Und da ein leichter Wind auch noch die Hitze erträglich machte, müssen wir uns auch beim Wettergott bedanken. Einfach Sommertheater wie es sein soll

Otello darf nicht platzen
Schloss-Spiele Kobersdorf
Schloss Kobersdorf
7332 Kobersdorf, Prof. Martha-Bolldorf-Platz 1 (ehemalige Schlossgasse 1)
www.schlossspiele.com

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