Ein Ausflug in der Schweiz - Enricos Reisenotizen

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Ein Wochenende in der Schweiz

Ein Wochenende in der Schweiz

Es ist schön, wenn man Freunde hat – noch schöner ist es, wenn diese in der Schweiz wohnen und man sie besuchen kann. Obwohl die Schweiz nicht zu meinen Haupt-Reisedestinationen gehört, freute ich mich sehr auf diesen Trip in den Tessin. Was gibt es Schöneres als Freunde „heimzusuchen", Erinnerungen aufzufrischen, Neues auszutauschen und von ihnen die Gegend gezeigt zu bekommen.

Anreise

Also machten wir uns auf, um zuerst ins kleine Mezzovico zu gelangen, von Bochum aus doch ein weiter Weg, aber wenn man zu zweit unterwegs ist und sich beim Fahren ablösen kann, kein größeres Problem.

Zuerst war noch alles blau - obwohl: Die Wolkenwand sieht schon drohend aus ...

Zuerst empfing uns die Schweiz mit ihrem schönsten Wetter: Blau strahlte der Vierwaldstättersee, die ersten Berge grüßten und von weitem konnte man schon den Gotthard erkennen, durch dessen Tunnel wir uns ins Tessin bewegen wollten.

Es tröpfelt bereits und nur über den Pass zeigt die Ampel grün ...

Doch bald tauchten im Blau die ersten Wolken am Himmel auf und auch der erste Stau. Langsam und sehr gemächlich ging es voran bis wir endlich den Gotthard-Tunnel (immerhin mit fast 17 km der viertlängste Tunnel der Welt) erreichten. Kurze Zeit stauten wir hinter einem Postbus mit offenen Wlan – sehr freundlich, diese Schweizer Post. Leider verdunkelte sich um diese Zeit auch der Himmel und die ersten Regentropfen klopften an unsere Scheiben….

Obwohl ich mich zuerst ein wenig über die Schweizerischen Vignettenpreise erregt hatte – (40 Schweizer Franken – ungefähr 39 Euro – ist zwar für ein Jahr nicht viel und um etliches günstiger als in Österreich - aber dafür gibt es auch keine Vignetten für kürzere Zeiträume) – musste ich dann den Schweizern doch Abbitte leisten: immerhin sind damit auch die Tunnel, wie eben der Gotthard inkludiert und wer durch dies Meisterwerk der Technik schon mal gefahren ist, wird dem zustimmen.

Im Tunnel ...

Normalerweise hasse ich es durch lange Tunnel zu fahren und bekomme Beklemmungen, doch dieser ist so hell und irgendwie freundlich gebaut, dass miese Stimmung eigentlich gar nicht aufkommt. Unser Navi war gut eingestellt, die Ausfahrt war die Richtige, bald kurvten wir durch den Ort (er ist größer als ich dachte, jedoch mit einigen „Industriebauten" verwöhnt, also nicht unbedingt ein touristisches Zentrum) und schon ging es bergauf.

Blick vom Haus unserer Freunde auf Medeglia

Diese Strecke wäre für mich - vor allem im Winter bei Glätte oder Schnee – ein absolutes no Go, aber es war ja Sommer und meine bessere Hälfte am Steuer und so erreichten wir auch unbeschadet das Haus unserer Freunde. Der Ausblick allerdings ist natürlich wunderbar!

Das kleine Dörflein Medeglia nach einem langen steilen und kurvigen Anfahrtsweg

Locarno

​ Der nächste Tag empfing uns so wie der Anreisetag geendet hatte: Regen wechselte mit kurzen Pausen. Nachdem uns Lugano mit einem Regenschwall, aber einem ausgezeichneten Espresso empfangen hatte, hofften wir auf weniger Nass in Locarno, wo wir auch wirklich einen kleinen, trockenen Spaziergang an der Strandpromenade des Lago Maggiore machen konnten.

Kurz hörte es auf zu regnen, aber auch hier hatte es geschüttet ...

Für jemanden wie mich, der mit der Schweiz nur hohe Berge und Skifahren verbindet, waren vor allem die Palmen und die mediterrane Atmosphäre eine ziemliche Überraschung.

Die Trattoria del Lago

Da es aber bereits wieder zu Tröpfeln begann und sich auch ein kleines „Hüngerchen" in der Magengegend breit machte, suchten wir die Trattoria del Lago auf, um den Hunger mit Pasta e fagioli (sehr köstlich) und Gnocchi Pomodoro (ebenfalls sehr schmackhaft) echt italienisch zu vertreiben.

Pasta e fagioli oder
Gnocchi Pomodoro

Nun prasselte es wieder so richtig schön auf die Dächer der Häuser und Autos, sodass wir beschlossen, den Tag gemütlich zu Hause ausklingen zu lassen.

Es regnet ohne Unterlass, es regnet immer zu....

Neuer Tag, neues Glück, doch neuer Regen. Dennoch starteten wir nochmals einen Versuch Lugano doch ein bisschen näher kennen zu lernen. Schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung.

Lugano

Lugano ist auch bei Regen schön. Alte Häuser, die mich sofort an Wien und die Jahrhundertwende erinnern. Eine Fassade schöner als die andere.

Lugano im Regen

Enge Gassen mit Arkaden, viele kleine Geschäfte und natürlich Schmuck- und Uhrenauswahl ohne Ende: „Schweizerisch eben".

Ein Schmuck- und Uhrengeschäft nach dem anderen ...

Eigentlich glaubt man an einem italienischen Urlaubsort zu sein: der See liegt friedlich da, die Promenade ladet zum Bummeln ein und dabei vergisst man fast, dass Lugano aber auch hinter Zürich und Genf der drittgrößte Finanzplatz der Schweiz ist.

Auch hier brüllt der Bulle über die Börsenkurse

Einzig und allein der Bulle vor der Banque de la Suisse Italienne scheint darauf hinzuweisen. Wenn man allerdings bei den schönen alten Häusern die Fassaden genauer betrachtet, kann man ganz dezent und passend auch noch einige andere Bankaufschriften finden. Aber lassen wir uns in Zeiten wie diesen nicht die gute Laune durch Finanz- oder Bankgeschäfte trüben.

Modern trifft alt - auch in Lugano

Wir parken in der Parkgarage (hier genannt Autosilo) des LAC, des Kunst und Kulturhauses von Lugano, das ein riesiger moderner Bau ist, der in die Altstadt hineinragt und fast direkt an die Arkadengänge des ehemaligen Klosters und der Kirche di Santa Maria degli Angeli anschließt.

Wunderschöne Fresken in den Säulengängen ...

Sehenswert sind beide: die Fresken sind einfach wunderbar und einige Blicke wert.

Die Kirche di Santa Maria degli Angeli

Aber Lugano hat noch einiges mehr aufzuwarten: Das Rathaus, die Kathedrale San Lorenzo oder San Rocco, den Palazzo Riva, die Casa Laurenti und vieles mehr.

Aber auch ungarische Pick-Salami findet sich hier :-)

Außerdem sollte man bei seinem Aufenthalt auch nicht den Luganer See und die umgebenden Berge vergessen. So eine Schifffahrt bei schönem Wetter ist sicher auch eine empfehlenswerte Sache. Aber auch die Umgebung lockt!

Blick auf den Luganer See, die Berge Wolken verhangen...

Bellinzona

Wir lassen Lugano und den Regen hinter uns und machen uns auf nach Bellinzona.

Bellinzona

Man vermutet, dass die Stadt seit 4000 Jahren bewohnt ist, erstmals erwähnt wurde sie jedenfalls um 590 als ad Bilitionem. Vor allem die Lage der Stadt zwischen St. Gotthard, Lukmanier und San Bernardino war schon in der Vergangenheit von großer Bedeutung, das zeigen auch die drei Burgen, die die Stadt früher schützen sollten.

Die Stadt der Burgen: Bellinzona

Die erste Festung wurde bereits im Römischen Reich errichtet, die Langobarden bauten auf dem Hang des heutigen Castelgrande eine erste, größere Befestigungsanlage. 1340 belagerten Giovanni und Luchino Visconti zwei Monate lang die Stadt und eroberten sie schließlich. Dank dem Gotthardpass wurde die Stadt als Handelsort immer wichtiger. Da die Eidgenossenschaft immer mächtiger wurde und die Herzöge von Mailand die Stadt nicht verlieren wollten, wurde sie mit einer Verteidigungslinie gegen Norden aufgerüstet und so entstanden das Castelgrande, das Castello di Montebello und das Castello di Sasso Corbaro.

Blick auf die Burgen

1499 wurde die Stadt von französischen Truppen erobert, doch heimlich von den Einwohnern an die Eidgenossen verkauft, die vier Jahre später – im Vertrag von Ascona – dann wirklich in den Besitz der Schweizer kam. 1803 wurde der Kanton Tessin gegründet und die drei gut befestigten Burgen um Bellinzona gingen in den Besitz des Kantons über. Bellinzona, Locarno und Lugano wechselten sich anfangs als Hauptstädte des neuen Kantons ab, 1878 wurde Bellinzona schließlich Sitz der Kantonsregierung und des Kantonsparlaments.

Blick von der Burg auf den Hauptplatz der Stadt

Schon gleich beim Einparken und während eines Rundgangs in der Stadt kann man die Mauern und die Türme der Kastelle, die auch auf der Liste des Unesco Weltkulturerbes stehen, sehen.

Der wunderschöne Innenhof des Rathauses

Beim Weg zur Burg kommen wir beim Rathaus vorbei, das mich nicht nur durch den Arkadenhof – und seine Kanonen – sondern vor allem durch die wunderschönen Jugendstil-Glasfenster im Stiegenaufgang mehr als beeindruckt.

So schön - die Glasfenster im Stiegenaufgang

Der Hauptplatz der Altstadt beeindruckt durch die wunderschönen Häuserensembles und die dominante Kollegiatskirche. Hier findet auch jeden Samstag am Vormittag der Markt von Bellinzona statt.

Es wurde gelacht - und nicht scharf geschossen

Dann sind wir schon beim Aufzug, der uns auf den Berg zur Burg bringt. Hier, von hoch oben, haben wir nicht nur einen schönen Ausblick auf die anderen Burgen, sondern auch auf die Stadt.

Der Innenhof des Rathauses

Leider ist die Aussicht heute auch etwas Wolken-, Nebel- und Regen verhangen und da es bereits wieder zu regnen beginnt, beenden wir unseren Burgrundgang. Das Wochenende ist damit fast schon vorbei, am nächsten Tag machen wir uns bereits wieder auf den Heimweg.

Attila in Ruheposition

Jetzt ist der Himmel wieder ganz blau, die Regenwolken sind abgezogen. Unser „Schweizer" Weekend war zwar sehr vom Regen geprägt, dennoch haben wir auf jeden Fall genug gesehen, um es hier herrlich zu finden.

Auch Adelina muss hin und wieder ein Schläfchen halten ...

Franco und Alexandra, Attila und Alina - danke für die Gastfreundschaft. Wir kommen wieder! Es war schon sehr schön bei Regen, fast unvorstellbar wie schön die Gegend erst bei Sonnenschein sein muss ...

Bei Sonnenschein geht es wieder zurück ...

Natürlich kann ich meinen Schweiz-Bericht nicht abschließen, ohne von einem hervorragenden Restaurant zu erzählen. Wenn ihr in die Gegend kommt, solltet ihr unbedingt in der Locanda del Giglio vorbei schauen, die im Übrigen auch Zimmer vermietet.

Die Locanda del Giglio

Das kleine Lokal liegt zwar ziemlich versteckt in den Bergen, bietet aber mit seiner Panoramaterrasse eine wunderbare Aussicht auf den Luganer See und ein hervorragendes Essen.

Der Blick auf den Luganer See von der Restaurant-Terrasse aus

Keinesfalls sollte man sich durch die doch etwas ungewohnte Kombination von indischer und italienischer Küche abschrecken lassen, die die Locanda auf ihrer Speisekarte vereint. Auch die Einrichtung des Restaurants lässt den Hang zu beiden Welten erkennen.

Einfach köstlich - meine Vorspeise war in Null Komma Josef weg und vorbei

Dennoch nutzt die Chance beides auf den Tisch zu bekommen. Ich habe als Vorspeise einen Zincarlin Val Muggio (ein spezieller Käse aus dem Tessin) mit Birnen, Honig und Feigenkompott gegessen, ein Gedicht. Einfach nur köstlich.

Ein Tomaten-Mozarella-Burger

Aber auch der „Tomaten-Mozzarella-Burger" auf Schinken war nicht vom Teller zu weisen. Da es an diesem Tag ein indisches Buffet zur Auswahl gab, das uns schon gleich beim Eintreten angelacht hatte, mussten wir dann einfach „Indisch" als Hauptgericht wählen und wir wurden wahrlich nicht enttäuscht – egal ob Linsen oder Curry-Huhn, Kichererbsen oder Mungobohnen. Seit Wochen versuchen wir das Curry-Huhn nachzukochen und scheitern.

Sehr sehr passend und fein: Die Weinbegleitung

Die Locanda del Giglio wurde nicht nur vom „Slow Food Guide" Gutes Essen 2008 empfohlen und trägt das Qualitätslabel für ausgewogene Ernährung „Fourchette Verte", sondern hat auch ein Herz für alle jene, die sich vegetarisch oder vegan ernähren wollen. Auch der Rotwein, der unser Essen begleitete war von herausragender Qualität: „Selbstverständlich, wie erwartet", bin ich geneigt zu schreiben.

Habe ich übrigens erwähnt, dass zu dem Restaurant auch ein Hotel dazu gehört? Mit Swimming-Pool im Garten??

Das Swimmingpool im Garten ..

Locanda del Giglio
Fausto Foletti e Mina Bamert
6957 Roveredo, Capriasca/TI
Tel: +41 91 930 09 33
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.locandadelgiglio.ch

 

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