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Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bochum

Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bochum

Je öfter ich ins Ruhrgebiet fahre, umso mehr stelle ich Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bochum, Essen und Co. Fest. Glaubt ihr nicht? Dann wollen wir einige hier aufzählen:

Einst und jetzt

Wien war einst Hauptstadt eines großen Reiches – der Habsburger Monarchie. Noch heute erinnern grandiose Bauten an diese Zeit und bestimmen auch den Charme der Innenstadt. Hier wurde getanzt und gefeiert, über Krieg und Frieden entschieden. Hier war der der Mittelpunkt der Monarchie.

Wiener Riesenrad im Prater

Bochum war einst einer der wichtigsten Orte des Bergbaus, der Stahl- und der Autoindustrie. Hier wurde Kohle abgebaut und Stahl verarbeitet. Rot leuchtete der Himmel über der Stadt, wenn der Hochofen abgestochen wurde. Schwarz waren die Gesichter der Kumpels, wenn sie aus dem Berg an die Oberfläche kamen. Das Opelwerk bestimmte lange Zeit das Geschehen der Stadt. .

Im Bergbaumuseum

Heute ist Wien die Hauptstadt eines der kleinsten Länder der EU und in Bochum gibt es kein Opelwerk mehr, man sieht gerade noch einen Teil der Ruinen der Werkshallen und auch der Kohlebergbau wurde als unrentabel eingestellt, auch die Stahlindustrie hat viel an Glanz verloren Die einstigen Wiener „Weltbürger" und die stolzen Bochumer Stahl- und Bergarbeiter mussten und müssen sich in einer anderen Welt zurechtfinden, die kleiner und unbedeutender ist, als ihre Vergangenheit. Und beide denken oft wehmütig an die guten alten Zeiten zurück.

Auftreten und Schmelztiegel

Das bringt uns gleich zu Gemeinsamkeit Nummer 2, die zuallererst wie ein Gegensatz wirkt. Auf den ersten Blick sind sie grundverschieden: Der Bochumer ist kurz angeboten und direkt in seiner Aussage. Es fehlt ihm fast gänzlich, was man in Wien Charme oder diplomatisches Geschick nennen würde. Diese Ausdrucksweise ist einem Wiener fremd. Hier versucht man diplomatisch allfällige Unstimmigkeiten vordergründig zu umschiffen und es kommt selten vor, dass man einander Unannehmlichkeiten ganz direkt ins Gesicht sagt. Was bei den Bochumern wieder als Hinterlistigkeit und Falschheit angesehen wird. Die unterschiedliche Ausdrucksweise kommt wahrscheinlich auch aus der Vergangenheit: In Wien war Diplomatie angesagt – nicht nur in Zeiten Metternichs – auch sonst mussten viele verschiedene – zum Teil nationale Strömungen – unter einen Hut oder eine Krone gebracht werden (was, wie wir wissen, ja später nicht mehr gelang). Wien heiratete, intrigierte, veranstaltete Bälle und Kongresse – zu all dem hatte ein Kumpel im Berg keine Zeit. Hier musste kurz und knapp gesagt werden, was Sache ist. Die Arbeit war hart und gefährlich. Man musste sich 100% auf den anderen verlassen können, wollte man eine schwierige Situation überleben.

Auch das ist Wien - in der Lobau

In Bochum ist es vor allem das Polnische, das in das Deutsch des Ruhrgebiets Einzug gehalten hat – kamen doch viele Kumpels ursprünglich als Polen.

Auch das ist Bochum - Chinesischer Garten

Doch dann beginnen die Gemeinsamkeiten: Wien war der Schmelztiegel der Monarchie und noch heute finden sich im Wiener Dialekt sowohl Tschechische, Jiddische, Ungarische, Kroatische Ausdrücke oder Wortkreationen, die in diesen Ländern ihren Ursprung hatten. Viele sind und gehen leider mehr und mehr verloren.

Glanz und Gloria und der Nabel der Welt

Gemeinsam ist beiden Städten/Regionen aber auch, sich nach wie vor für den Nabel der Welt zu halten oder zumindest so zu tun, beide sind manchmal sogar mehr als stolz auf ihre ganz besondere Kultur, beide wissen, dass vom einstigen Glanz und Gloria der Verputz etwas abgebröckelt ist.

In der Wiener Staatsoper

Erzählen Sie mal einem Ruhri wie gut und wie toll eine Aufführung der Wiener Philharmoniker war. Sie sind noch nicht fertig, wird er Ihnen schon von den Bochumer Symphonikern vorschwärmen, die wieder unter einem berühmten Dirigenten aufgetreten sind.

Die Wiener Festspiele haben heuer ein tolles Programm – tja, da hast Du jenes von der Ruhrtriennale noch nicht gesehen. Die Donauinsel ist wirklich ein tolles Erholungsgebiet mitten in der Stadt – ja, aber an der Ruhr ist es noch viel natürlicher …

Audimax in Bochum

Diese Beispiele funktionieren natürlich auch vice versa.

Die Gemeinsamkeit lautet: Meine Stadt ist mindestens genauso gut und schön und kulturell aufgestellt wie deine. Wenn nicht noch besser. Basta.

Es war einmal und es war einmal schön – oder?

Und das führt uns zu einer weiteren Gemeinsamkeit: Im Innersten trauern beide den vergangenen Zeiten nach. Es gibt Städte und deren Bürger, die schauen nach vorne, die „Ureinwohner" von Wien und Bochum schauen gerne zurück. Beide Städte und Regionen bemühen sich smart zu werden, Modernes zu fördern, das ganze Ruhrgebiet war sogar Kulturhauptstadt Europas.

Und doch: eigentlich hätten die Wiener noch gerne ihren Kaiser und wären der Nabel der Welt und die meisten alteingesessenen Bochumer trauern der Zeit nach, wo noch Bergbau und Stahlproduktion den Tagesablauf bestimmten und die Opels nur so vom Fließband liefen.

Natürlich sollten die Errungenschaften von heute erhalten bleiben! Ebenso klar ist, dass ich die junge Generation von diesen Gemeinsamkeiten ausnehme – da hat sich in beiden Gebieten eine Menge getan – aber die Generation der Babyboomer und eine danach: Tja, ich finde mal, die sind so wie oben beschrieben. 

Nachdem dies jetzt geklärt (oder zur Diskussion gestellt) ist, kommen wir nun zum eigentlichen Thema: Der Route der Industriekultur.

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