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Fließe, Gurken, Meerrettich, Störche und ein Märchenwald

Fließe, Gurken, Meerrettich, Störche und ein Märchenwald

Wer über das Wochenende in den Spreewald fährt, weiß danach eines ganz sicher: Dieser Ausflug war viel zu kurz …
Dabei – eigentlich waren wir ja schon am Donnerstag angereist und doch – was habe ich nicht alles gesehen und was nicht alles verpasst. Keine Frage, da muss ich wieder hin.

Der Spreewald und die Lausitz?
Um ehrlich zu sein, hatte ich davon rein gar keine Ahnung. Daher war ich auch ein wenig skeptisch, als meine bessere Hälfte mir vorschlug, diesmal dort einige Tage zu verbringen und ihn auf einer Reise zu begleiten.

Eine Fahrt auf den Fließen

Als ich aber zufällig einige Zeit später einen Spreewaldkrimi im Fernsehen sah, war mein Interesse geweckt: mystisch ging es dort zu, ursprünglich sei die Bevölkerung auch heute noch, die Aufnahmen zeigten versteckt Plätze in einem Wald, mehr Urdschungel als Auwald. Mein Interesse war geweckt. Auch die Libelle, die auf einem Foto auf dem Haupte von Walter saß und von seiner ersten Reise herrührte, war beeindruckend.

Auf den Fließen geht es durch den Spreewald ...

Dann war es soweit, wir fuhren los. Keine kurze Strecke von Bochum aus und auch mein erster „wirklicher" Aufenthalt auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Wir fahren von der Autobahn bei Cottbus ab, und ich bin schon fasziniert von den schönen alten Häusern, die eine interessante Innenstadt versprechen. Leider geht sich hier eine Besichtigung nicht aus - ein Grund mehr noch einmal den Weg hierher zu finden.

Im Spreewald

Dann geht es entlang auf engen Landstraßen, die durch Wald, Wiesen und Felder führen nach Burg. Es dauert einige Zeit, bis ich begreife, dass von keiner Burg im Sinne eines Gebäudes die Rede ist, sondern dass der Ort so heißt. Schließlich bin ich auf Urlaub – da kann man seinen grauen Zellen auch einmal Erholung gönnen.

Spree Balance Hotel

Wir wohnen im Spree Balance, einem sogenannten Kur & Wellness Haus, an der Ringchaussee, das uns freundlich begrüßt. Die Zimmer sind hell und zweckmäßig eingerichtet, das Bad, das vom Raum nur durch eine Glaswand (allerdings mit Holzverkleidung) getrennt ist, glänzt durch eine Rainforest-Dusche.

Unsere Unterkunft - das Spee Balance Hotel

Eine Gurke kommt selten allein...

Das Restaurant ist äußerst empfehlenswert und schon bei den Vorspeisen lerne ich die ersten Spezialitäten kennen: Gurken. Die Spreewald-Gurken sind das A und O in dieser Gegend und wer nur Gewürzgurkerl und vielleicht noch Salzgurken kennt, wird überrascht sein, welche unterschiedlichen Varianten es hier zu verkosten gibt.

Der Spreewalder Gurkenteller

Meine Empfehlung: Senfgurken! Ein Traum: richtig schön knackig, und von exzellenter Würze. Im Hotel-Restaurant „Konrad" gibt es das empfehlenswerte Spreewälder Gurkenteller, das Gewürz-, Senf- und Salz-Dillgurken mit einer Griebenschmalzstulle (=Grammelschmalzbrot) vereint und das köstlich schmeckt. Einzig und allein bei den Gewürzgurken muss ich der Znaimer Würzmischung den Vorzug geben, aber die Senfgurken sind ein richtiger Traum.

Gurken werden uns auch noch in den nächsten Tagen des Öfteren begegnen. Egal ob im Supermarkt, am Töpfermarkt oder in den Spezialitätenshops oder auf Standln an der Straße, überall gibt es Gurken zu verkosten und natürlich zu kaufen. Offen aus dem Fass oder bereits schön abgepackt im Glas.

Meerrettich oder Kren

Die Wurzel ist seit langer Zeit die zweite Spezialität in diesen Landen und auch sie gibt es in unzähligen Varianten. Während ich zu Silvester immer mühselig Kren reibe und dann zur Freude aller eingeladenen Fondueliebhaber mit Joghurt, Sauerrahm und Preiselbeeren mische, gibt es dies hier bereits fertig zu kaufen. Nicht nur die bei uns übliche Mischung mit Apfel, hier hat die Vielfalt Einzug gehalten. Kleine Auswahl: normaler Kren, Apfelkren, Kren mit Preiselbeeren, Sanddorn, Honig, Ingwer, Apfel-Curry, Knoblauch, Sahne, Teufelchen (?), und natürlich gibt es auch Meerrettich-Senf….

Köstlich - das Meerrettich-Schnitzel

​Und natürlich spielt der Meerrettich auch bei anderen Gerichten eine Rolle. Das Spreewalder Meerrettichschnitzel (eine Art Wiener Schnitzel, das unter der Panier mit Kren „behandelt" wurde) und mit Bratkartoffel, einem kleinem Salat und natürlich mit Spreewälder Gurken serviert wird, schmeckt ausgezeichnet – und wird ganz sicher in Wien nachgekocht….

Leinöl

Fast hätte ich es vergessen, da ich auch damit anfänglich nicht unbedingt etwas anfangen konnte: Leinöl. Auch diese Spezialität hat hier eine lange Tradition: Leinöl wird aus dem Flachs gewonnen und bis 1950 kamen in den Wintermonaten die Mädchen zusammen, um Flachs zu Leingarn zu spannen.

In der Lausitz gehört Leinöl zu den Grundnahrungsmitteln. Es enthält bis zu 60% mehr gesättigte Fettsäuren und ist somit gesünder als Olivenöl.

Die Fließe

Am nächsten Tag geht es dann auf eine ganz besondere „Schifffahrt".
Die Spree, so heißt der Fluß, der durch den Spreewald fließt, bildet hier im Oberspreewald viele Verzweigungen, Flüsschen, Abzweiger, - eben Fließe, wie es hier genannt wird, auf denen man per Kahn (in Wien würden wir wahrscheinlich Zille dazu sagen) durch die wunderschöne Landschaft fahren kann.

Der Hafen auf Hagens Insel

Es ist fast wie in Venedig, allerdings ist hier die Natur die Sehenswürdigkeit – der „Gondoliere" stackt durch das Fließ und berichtet wie es früher war und jetzt ist, worauf man achten soll, welche Tiere wo wohnen oder das Fließ gequert haben und auch der eine oder andere Witz zur Unterhaltung ist dabei. Zumindest wenn ihr mit Hagen unterwegs seid. Dazu gibt es auf Wunsch Kaffee und Kuchen.

Die Schifffahrt mit Hagen ...

Es ist wunderschön so langsam und leise durch die Gegend zu gleiten, Libellen und Schmetterlinge zu beobachten und das eine oder das andere Mal auch zu versuchen, zu fotografieren.

Durch den Spreewald ...

Die Ausflugsboote starten nicht nur von Hagens Insel ( www.hagens-insel.de ), sondern auch z.B. vom Spreehafen in der Ortsmitte von Burg. Dort scheint mir aber alles schon touristischer zu sein, wer das ursprüngliche liebt, sollte sich zu Hagen begeben – seine „Insel" liegt zwar ein wenig versteckt, aber allein sein „Hafen" ist viel uriger, die Kähne sind kleiner, familiärer…

Auch Paddler sind auf den Fließen unterwegs ...

Übrigens: die Kahnfahrten gibt es auch im Winter – manchmal auch als Eisflitzer.

Die Störche in Dissen

Dissen ist ein kleines Dorf, nicht weit von Burg entfernt, das als eines der „storchenreichsten" Dörfer Deutschlands gilt. Immerhin sollen jedes Jahr 8-10 Storchennester im Dorf belegt sein.

Die Dorfkirche von Dissen

Wir haben zwar einige Nester gesehen, Meister Adebar war aber anscheinend gerade auf Ausflug oder auf Futtersuche unterwegs.

Im Inneren der Kirche

Dafür haben wir eine kleine Führung in der Dorfkirche mitgemacht und auch gleich einiges über die Geschichte hier im Spreewald erfahren. An der Kirchendecke sind hunderte verschiedene Pflanzen, aber auch Tiere und Symbole zu sehen und an den Emporen finden sich sorbische/wendische und deutsche Inschriften neben der gemalten Lebensgeschickte Jesu.

Im Museum

Der Führer erzählt interessant über die frühe Geschichte der Sorben und Wenden, ein slawischer Menschenschlag, der sich in der Vergangenheit hier ansiedelte, aber heute nur mehr wenige Mitglieder zählt. Heute wird allerdings das Brauchtum wieder hochgehalten und es gibt einige Feste, die wieder an die Tradition und auch an die Kleidung der Sorben erinnern. Auch einen Verein gibt es, der sich auch um die Erhaltung der Sprache kümmert.

Im Museum

Wer darüber mehr wissen möchte, dem empfehle ich den Besuch des Heimatmuseums, das gleich neben der Kirche untergebracht ist. Hier kann man auch Geschichten und Sagen von früher kennen lernen, aber auch manche Sprüche sind es wert, beachtet zu werden. Alte Krüge, Werkzeug, Kleidung und viel Lesenswertes vervollständigen die Ausstellung.

Der Sagen- und Kurpark in Burg

Schließlich machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Kur- und Sagenpark. Hier kann man viele Skulpturen finden, die der sorbisch/wendischen Sagenwelt entspringen.

Die Lutken im Park

Tafeln erklären, um welche Figur es sich handelt und welche Geschichten ihr nachgesagt werden. Selbst am Kinderspielplatz kann man Ritter mit grimmig dreinschauenden Gesichtern sehen und auf einigen nicht ganz einordenbarem Getier reiten. Den Kindern gefällt es auf jeden Fall.

Der Kinderspielplatz wird bewacht

Beim Eingang des Parks findet ihr auch den Kräutermühlenhof, der ein originalgetreuer Nachbau eines Umgebindehofes ist, der typisch für diese Gegend war. Die Mühle ist in kleinerer Form als die Originale der einstigen Bockwindmühle nachempfunden, die in einer Chronik von 1850 erwähnt wird und auf dem Windmühlenberg stand, aber später einem Brand zum Opfer fiel.

Die Kräutermühle

Der Bismarckturm

Er steht auf einer Anhöhe – dem einstigen Schlossberg – etwas außerhalb von Burg-Dorf an der Straße nach Byhleguhre, man sieht das Bauwerk schon von weitem. Auch der Schlossberg, wobei Berg für einen Menschen aus den Alpen mehr als eine leichte Übertreibung scheint, ist auch bemerkenswert.

Der Bismarckturm

Nicht nur, dass er als größter Rundwall der Mark Brandenburg gilt, hier wurden auch zwei Deichselwägelchen aus Bronze gefunden, die zwar nur 20 Zentimeter groß aber dafür 3000 Jahre alt sind.

Das Bismarck-Denkmal im Inneren des Turms

Der Bismarckturm wurde von 1915 bis 1917 aus roten Calauer Klinkersteinen gebaut und diente im Zweiten Weltkrieg als Beobachtungsposten der Luftwaffe. Während der DDR-Zeit, in der Bismarck als Reaktionär verpönt war, wurde er auf „Turm der Jugend" umgetauft. 137 Stufen müssen all jene hinaufsteigen, die die Aussicht in 29 Meter Höhe genießen wollen.

Die Aussicht vom Turm

Man hat allerdings auch dazwischen in verschiedener Höhe die Möglichkeit ins Land, oder besser in den Wald hineinzuschauen. Aber – um ehrlich zu sein – man sieht ohne Fernrohr - Bäume über Bäume und sonst nicht sehr viel.

Der interessanteste Schatz der Ausgrabungen

Im Inneren befindet sich noch eine kleine Ausstellung über die Funde, die man hier am Burgberg gemacht hat und ein wunderschönes Jugendstil-Denkmal für Bismarck.

Der Töpfermarkt

Am „Hauptplatz" der Stadt bei der alten Feuerwehr hinter dem alten Bahnhof (auf den ich noch später zurückkomme) fand an unserem Besuchswochenende auch noch ein Töpfermarkt statt.

Naja, nicht nur Töpfer, aber viele – und da musste ich natürlich auch hin, und so findet ihr hier auch ein paar Impressionen davon.

Kunsthalle Burg

Das Gebäude der Kunsthalle liegt ganz in der Nähe des Hauptplatzes und es lohnt sich, hier einen kleinen Besuch abzustatten. Wer Kunst schätzt, findet hier sicher ein Souvenir, das seine Wohnung bereichert und wer selbst künstlerische Ambitionen besitzt, kann hier auch den einen oder anderen Workshop besuchen.

Blick in die Kunsthalle Burg

Reklame-Café und Alte Ladenstrasse

Marketing-, Werbeleute und Nostalgiker müssen hier auf jeden Fall einen Stopp einlegen. Schon im Café im Erdgeschoß habe ich vor lauter Staunen den offenen Mund kaum zubekommen, aber das Größte ist die Alte Ladenstrasse im 1.Stock. Wenn auch der Eintritt nicht ganz billig ist, das lohnt sich.

Die Alte Ladenstraße im ersten Stock

Es ist ein Eintritt in die Zeit um 1920-1950 (schätze ich), manches ist vielleicht sogar von noch früher – ich jedenfalls habe viel gefunden, an das ich mich erinnern konnte. Es war ein Ausflug in die Zeit meiner Kindheit, in der ich tagsüber bei meiner Oma aufgewachsen bin, es den Greissler um die Ecke noch gab und auch der Fleischhacker in der Nähe mit eigener Schlachtung seine Ware vertrieb.

Alte Werbefiguren ohne Zahl ...

Allein die alten Werbeschilder (z.B. mit Kathreiner Malzkaffee) bringen alte Erinnerungen wieder hoch, von Maggi und Co. will ich gar nicht reden. Auch die Agfa-Filme sind hier noch, neben Dr. Oetker, Knorr und Sunlicht, vertreten.

Die Rahma war damals schon buttergleich ...

Die Rama wurde noch mit einem „h" geschrieben, bei Schokolade und Kaffee war immer ein „Mohr" der Spezialist und es hat mich doch überrascht, dass ein Käse damals schon Milkana genannt wurde. Persil gab's natürlich auch damals schon und Zuckerl oder Schokolade konnte man noch einzeln kaufen. Erinnert sich noch wer an die 50 Groschen Bensdorp? Köstlich.

So schick war man damals ...

Und natürlich freut es mich als Wiener, dass auch der Meinl Mohr in dieser Sammlung in der Lausitz vertreten ist.

Julius Meinl war auch damals schon in der Lausitz ...

Wer also eine nostalgische Ader hat, sollte auch das relativ hohe Eintrittsgeld nicht scheuen und sich in das Werbe- und Einkaufswunderland von Einst begeben.

Die Tschu-Tschu-Bahn oder Rumpel-Guste

Was in großen Städten die Hopp On Hopp Off Busse sind, ist hier die Tschu Tschu Bahn, oder die Burger Rumpel Guste: Ein Bummelzug der durch die drei verschiedenen Teile von Burg fährt.

Mit der Tschu Tschu-Bahn geht es durch den Dorf ...

Wenn ihr so wie ich, wenig Zeit habt, die Gegend und den Ort zu erkunden oder vom Wandern, Radfahren und Paddeln auf den Fließen schon müde seid, aber noch etwas unternehmen möchtet, dann ist diese Rundfahrt die Lösung für euch.

In ungefähr zwei Stunden lernt ihr Burg näher kennen, es gibt live Erklärungen wie bei einer Führung durch das Dorf und man sitzt bequem und wird von einem Platz zum anderen gefahren. Außerdem kann man dann gleich feststellen, welche der Sehenswürdigkeiten man später (so man noch Zeit hat) besuchen möchte.

Das DDR Museum

Leider habe ich bei der Rundfahrt gemerkt, dass mir viel zu viel zum Anschauen und viel zu wenig Zeit bleibt. Ähnlich wie am Ende jeden Monats, wo noch sooo viel Monat und soo wenig Geld da ist.

Am Alten Bahnhof

Es wäre also in Zukunft angesagt, diese Rundtour immer am Anfang eines Aufenthalts in einer fremden Stadt zu machen und nicht am letzten Tag – aber das wisst ihr ja sicher auch. Ich kann daher eigentlich nur mehr aufzählen, wo ich noch überall vorbei gekommen bin und was ich mir jetzt für das nächste Mal aufgehoben habe:

Die Spreewald-Therme

Da wären unter anderem das DDR-Museum, eine Besuch im Restaurant im Alten Bahnhof (hier kommt das Essen angeblich mit Modell-Eisenbahnen), eine genauere Betrachtung des Waldschlösschens und seines Hafens, die Spreewaldmühle, die künstliche Salzgrotte, ein Besuch der Spreewald-Therme, eine Töpferei, die Holzpantoffelmacherei, der Barfußpark, der Badesee, und dann noch eine Radtour, eine Wanderung, Cottbus …..

Beim Waldschlösschen ...

Ach egal, ich komme einfach wieder und dann schauen wir mal ….

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