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CAFe Festival in Budapest

CAFe Festival in Budapest

Budapest ist nicht nur reich an Thermen, Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Höhepunkten, sondern auch an Festivals. Im Oktober war es wieder so weit, das CAFe Festival (Contemporary Arts Festival) startete mit jeder Menge an interessanten Aufführungen.

Vom 7.-23. Oktober gab es an 16 Tagen mehr als 100 Veranstaltungen an 32 verschiedenen Orten mit einer großen Vielfalt an Musikstilen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr meine bessere Hälfte, der sich noch viel mehr für moderne Musik interessiert, es bedauerte, nicht mitkommen zu können. Wenn ich seinen Empfehlungen nachgekommen wäre, hätte ich wahrscheinlich die ganzen 16 Tage, die das Festival dauerte, in Budapest verbringen müssen (was ja auch nicht sooo schlecht gewesen wäre).

Bunte Sessel im Zuschauerraum

​Leider ist der Oktober für mich ein sehr arbeitsintensiver Monat und so habe ich es gerade noch geschafft, ein paar Tage gegen Ende des Festivals nach Budapest zu reisen, wobei es mich doch ziemlich geärgert hat, den Kunstmarkt nicht mehr mitnehmen zu können. Auf der anderen Seite wäre mein Konto beim Besuch des Kunstmarktes sicher geschmälert geworden… Und auch einige andere Veranstaltungen wären für mich super interessant gewesen, aber leider kann man nicht alles haben.

Schon von außen beeindruckend: Der Schlossgarten Bazar...

Das ganze Festival stand unter dem Thema der 60 Jahre-Gedenk-Feier an den ungarischen Volksaufstand gegen die Regierung der kommunistischen Partei und die sowjetische Besatzungsmacht 1956.

Blick ins Innere ...

Ich hatte Béla Bartók gewählt: Das Programm versprach im Várkert Bazár ein Concerto und das Streichquartett Nr.5 – mit Ballett.

Blick ins Innere ...

Zu allererst muss ich noch ein wenig den Várkert Bazár beschreiben. Das Gebäude ist mir schon aufgefallen, als ich mit der Straßenbahn vorbei zum Gellert Bad gefahren bin: wunderschön renoviert und das Innenleben wurde teilweise ganz modern gestaltet, teilweise gibt es Galerien und die alten Gemäuer mit ihren Bogen wurden roh belassen. Ein wunderbarer Gegensatz.

Auch die Ausstellung war beeindruckend ...

Vor dem Konzert habe ich auch noch die Chance ein wenig die Bildergalerie anzuschauen – auch diese Gemälde stehen im Zusammenhang mit dem Gedenken und obwohl manche nur schemenhaft ausgeführt ist, sieht und vor allem fühlt man sofort worum es geht. Meine Nackenhaare stellen sich auf, das Schrecken und Leiden der abgebildeten, teilweise schemenhaften Personen wird fühlbar.

Beeindruckende Bilder ...

Eine Ausstellung, die zum Nachdenken einlädt, zum Reflektieren über die derzeitige politische Situation und die daran erinnert, wie schlimm und grausam es sein kann, wenn sich Menschen gewaltbereit gegenüber stehen.

Menschen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen, sich gegenseitig quälen, noch dazu Landsleute gewesen sein konnten – Parallelen zum österreichischen Bürgerkrieg und die Auseinandersetzungen vor dem Zweiten Weltkrieg fallen mir ein.

Schnell weg mit diesen Gedanken und wieder raus in den Aufenthaltsraum – noch ein kleiner Rundgang und die Türen zum Konzert gehen auf. Bunte fröhliche Sessel erwarten das Publikum, die Aufführung ist gut besucht.

Bald beginnt das Konzert ...

Ich sitze direkt an der „Bühne" – in der Ecke stehen sparsam beleuchtet, die Sessel und die Notenständer für die Streicher. Plötzlich sind sechs Männer in grünen Hosen auf der Bühne und ein Tanztheater beginnt.

.. und eine beeindruckende Tanzvorstellung (Foto © Pályi Zsófia / CAFe Budapest)

Ich bin teilweise so von der Choreographie und vom Tanz fasziniert, dass ich die Musik gar nicht so richtig mitbekomme. Es ist – wie man hier sagt – großes Theater, aber besser gesagt: eine ganz tolle Performance.

Beeindruckend ... (Foto © Pályi Zsófia / CAFe Budapest)

Wir Zuschauer bekommen durch die Tänzer eine Geschichte erzählt: Wie es damals war, vor 60 Jahren. Was alles passiert ist und passieren konnte und es ist kaum Positives dabei. Für mich untermalt Bartóks Musik die Tanzerzählung.

Mit großem Orchester geht es weiter ...

Auch der zweite Teil – mit großem Orchester – ist grandios. Aber auch hier wieder fasziniert mich der Tanz – diesmal beiderlei Geschlechts – sehr. Auch die großen LKW-Räder, die in den Tanz mit „eingearbeitet" wurden, zeigen wie alles niedergerollt werden kann, wie sie kaum gestoppt werden konnten, aber auch wie man sich den Rädern entgegenstellte. Es ist keine leichte Kost, die hier das Publikum vorgesetzt bekommt, obwohl einige Lacher im Auditorium auf anderes schließen lassen.

Es war eine gelungene Veranstaltung ...

Für mich war es eine rundum gelungene Aufführung - auch wenn Bartók für mich noch etwas ungewohnt klingt - die auch mit viel Beifall bedacht wurde. Einziger kleiner Kritikpunkt war die Verstärkung der Musik. Ob es wirklich notwendig war, das Orchester zu verstärken?

Das wunderschön erleuchtete Parlament ...

Nachdenklich wandere ich jedenfalls durch das nächtliche Budapest heim, erfreue mich am erleuchteten Parlament, das sich wunderschön in der Donau spiegelt und der Kettenbrücken, die ebenfalls hell strahlt und hoffe, dass weder in Österreich noch in Ungarn eine Revolution oder ein Kampf gegeneinander je wieder stattfinden wird….

Die Kettenbrücke ...

Es spielte das Bujtor Kvartettund das Ungarische Studio Orchester unter der Leitung von Balázs Bujtor.
Das Quartett setzte sich aus Balázs Bujtor und Erika Kovács – Violine, László Móré – Bratsche und Bálint Maróth – Cello zusammen.
Die Tänzer waren Borbála Blaskó, Gergely Csiby, Bea Egyed, Lásló Fehér, Máté Hegymegi, Barnabás Horkay, Csaba Krisztik, Blanka Mészaros, Norbert Nagy, Márton Pallag, Vera Sipos, Kristóf Widder, Emőke Zsigmond. Choreografie: Csaba Horváth.

 Weitere Informationen unter www.cafebudapestfest.hu

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Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile ….
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