Enricos Reisenotizen

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Ostrau – die schwarze Perle Tschechiens

Ostrau – die schwarze Perle Tschechiens

Fast im Dreiländereck Tschechien-Polen-Slowakei erstreckt sich (Mährisch) Ostrau, die drittgrößte Stadt Tschechiens. Obwohl scheinbar unbekannt, ist diese Dreihunderttausendstadt auf zweiten Blick fast vertraut.

Blick auf Mährisch.Ostrau (Foto © Tomáš Horváth)

Jeder, der einmal von der Kaiser Ferdinands Nordbahn, dem Architekten Camillo Sitte oder der Unternehmerfamilie Rothschild hörte, der weiß bereits einiges über Ostrau. Das Ostrauer Kohlenrevier war in der Kaiserzeit das „Ruhrgebiet" Österreichs und gleich nach der Residenzstadt Wien der größte „melting pot" der Monarchie.

Der Hauptplatz (Foto © Tomáš Horváth)

Tschechen, oder besser tschechischsprachige Mährer und Schlesier mischten sich hier mit den Deutschmährern und Reichsdeutschen (die Stadtgrenze war damals zugleich Staatsgrenze zu Preußen), sehr viele Polen und auch Juden wurden in der Gründerzeit in der Stadt heimisch. All diese Menschen haben ihre unverwischbaren Spuren bis in die heutigen Zeiten hinterlassen.

Sikurov Brücke (Foto © Tomáš Horváth)

Die Architektur dieser Zeit wirkt nach wie vor wie eine dynamische Mischkulanz nationaler und supranationaler Baustile. Eine norddeutsche Backsteinkirche im Zentrum lässt sofort die Konfession der Auftraggeber erahnen.

Das Polnische Haus (Foto © Tomáš Horváth)

Bei dem nahen Polnischen Haus des Architekten Stanisław Bandrowski muss man wieder an Jugendstiljuwele von Krakau oder Lemberg denken. Und der Stadtteil Oderfurt (Přívoz) ist unverkennbar wienerisch, aus der Hand des Städteplaners Camillo Sitte.

(Foto © Tomáš Horváth)

Zweckmäßigkeit und Modernität bewundern die Gäste wiederum in Witkowitz (Vítkovice), dem alten Backsteinviertel der Bankierfamilien Rothschild und Gutmann. Genau hier in Vítkovice begann bereits 1828 die ganze Industriegeschichte Ostraus, als der aktive Habsburger, Olmützer Fürstbischof Erzherzog Rudolf Johann, der jüngste Sohn des Kaisers Leopold II., die ersten Hochöfen bauen ließ.

(Foto © Tomáš Horváth)

1843 kauft die Hütte Salomon Mayer Rothschild, der Erbauer der Kaiser Ferdinand Nordbahn, der ersten Dampfbahn Zentraleuropas. Hier in Witkowitz wurden die Schienen für die etwa 400km lange Magistrale von Wien über Ostrau nach Bochnia bei Krakau ergossen um galizisches Salz und Ostrauer Stahl sowie Koks nach Wien schnell zu transportieren.

(Foto © Tomáš Horváth)

Als Nebeneffekt brachte die neue Nordbahn mit einem Umstieg im oberschlesischen Annaberg bald auch die ersten Fahrgäste von Wien nach Berlin. Die ruhmreiche K.u.k.-Story, die man vielleicht noch mit der Tatsache würzen könnte, Hermann Dostal, Autor des berühmten Fliegermarschs, erblickte anno 1874 in Mährisch Ostrau das Licht der Welt, war nur eine wichtige Epoche in Ostraus Geschichte.

(Foto © Tomáš Horváth)

Wegen Relikte des Kommunismus fährt man heute auch als Tourist hierher in den Norden. Am liebsten nimmt man ein schickes Designhotel in einem Loft, denn man muss nicht unbedingt sämtliche Freuden der alten Ära am eigenen Körper testen und engagiert einen Stadtführer.

(Foto © Tomáš Horváth)

Nicht nur, dass man viel erfährt, aber es ist eine wahre Kunst sich in einer Stadt wie Ostrau auszukennen. Die Stadt ist trotz des ambitiösen Stadtplanens ziemlich wild gewachsen, an erster Stelle war hier immer der Gewinn: Steinkohle, Stahlwerke.

(Foto © Tomáš Horváth)

Heute gibt es praktisch nichts von dieser Produktion. Dies brachte in ersten Jahren recht schwere Probleme für die Bewohner mit sich, die Arbeitslosigkeit war die höchste tschechienweit. Ein Riesenschock für die Ostrauer.

Stolpersteine (Foto © Tomáš Horváth)

Im Kommunismus war nämlich ein Bergmann der Spitzenverdiener schlechthin. Und man bekam nicht nur einen guten Lohn. Die Partei hat für sie kurz nach ihrer Machtübernahme 1948 Poruba (früher Hannersdorf) – ein neues Stadtviertel im stalinistischen Stil erbaut.

Vitkovice (Foto © Tomáš Horváth)

Triumphbögen, sowjetischer Klassizismus, überlebensgroße Arbeiterstatuen säumen etwas plump die Boulevards. Heute ein Kuriosum, das man wohl sonst nirgends außerhalb der früheren Sowjetunion erleben kann. Man muss hier nicht nur flanieren.

Nova Radnice (Foto © Tomáš Horváth)

Wer Poruba recht stilvoll erleben möchte, der kann z.B. eine Spritztour mit dem kommunistischen Taxi unternehmen.

Im Zoo (Foto © Tomáš Horváth)

Am Abend wird man sicher nicht von Langeweile sterben – bestens in der Partystraße Stodolní, im Zentrum von Ostrau. Die „längste Theke Tschechiens" bietet eine Bar nach der anderen und es wird bis in die Morgenstunden gefeiert. Schon dieses Erlebnis allein wäre eine Reise nach Ostrau wert.

Vitkovice - Schule (Foto © Tomáš Horváth)

Am nächsten Tag kann man die lebenden Industriemuseen der Stadt erforschen. Absolutes Highlight befindet sich wieder in Witkowitz.

Vitkovice (Foto © Tomáš Horváth)

„Ostrauer Hradschin" nennt man den monumentalen Komplex der Eisenwerke, der seinerzeit sogar tschechoslowakische Briefmarken und Geldscheine zierte. Wer einmal z.B. das Weltkulturerbe Völklinger Hütte erlebt hat und vergleichen kann, der muss bestätigen, das Nationaldenkmal Dolní oblast Vítkovice steht dem Saarländer Pendant nicht nach.

(Foto © Tomáš Horváth)

Man bewundert nicht nur die verschiedensten Einrichtungen des alten Industrieviertels. Jung und alt kann sich auch in dem hypermodernen Science and Technology Centre austoben.

Důl Michal (Foto © Tomáš Horváth)

Einmalig ist ebenfalls das Bolt Café, das sich über einem früheren Hochofen eingenistet hat. Weiter kann man in Ostrau zwei Museumsbergwerke empfehlen: důl Michal und das Landek. Hier erlebt man von der Nähe das Leben der Bergleute. Meistens wird man sogar von alten Bergleuten geführt.

Stodolni (Foto © Tomáš Horváth)

Wie kommt man hin:Von Wien kommend nimmt man die A5 und ab Brünn die tschechische Autobahn D1 oder revidiert man die gute alte Nordbahn: mehrmals täglich kommt man in nicht mal 3 Stunden vom Wiener Hauptbahnhof direkt nach Ostrau.

Musik, Kulinarik und much more
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