Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen.
Schriftgröße: +

Heilender Schlamm und Jugendstiljuwelen

Heilender Schlamm und Jugendstiljuwelen

Es ist wohl das berühmteste Heilbad in der Slowakei und gleichzeitig ein Jugendstil-Juwel, wenn auch noch einiges zu tun ist, um die alte Größe und Berühmtheit wieder auferstehen zu lassen.

Kleine Teiche im Kurpark auf der Kurinsel

Es ist schon spät im Herbst bei unserem Besuch. Das Wetter ist bewölkt und windig, die Blätter an den Bäumen verfärben sich gerade und segeln zu Boden. Herbststimmung. Eigentlich wartet man nur auf die ersten Nebelschwaden.

Blick auf die Waag

Wir überqueren die Waag, biegen noch ein, zweimal kurz ab und mir bleibt der Mund vor Staunen offen stehen: ein tiptop-renoviertes Jugendstil-Juwel steht vor uns.

Das Danubius Health Spa Resort Thermia Palace

Gepflegte Grünanlagen, in denen noch die letzten Blumen blühen, umrahmt von Steinfiguren, die anscheinend auch – schon eine ganze Weile – das Hotel betrachten. Wir sind angekommen – an der ersten Adresse von Piešťany – dem Thermia Palace Hotel.

Blick vom Hotel Thermia Palace auf den Kurpark

Dieses Gebäude solltet ihr Euch auf keinen Fall entgehen lassen. Allein die Bar und vor allem der Speisesaal sind sehenswert!

Im Speisesaal des Hotel Thermia Palace mit Blick auf das Bild von Alfons Mucha

Über dem Eingang ein Bild eines meiner Lieblings-Jugendstil-Maler Alfons Mucha – einfach unverkennbar. Auch er war einer der berühmten Gäste, die bereits hier zur Kur waren.

Auch Hugo Portisch kurte schon im Hotel Thermia Palace

Die Liste ist lang und viele bekannte Namen sind dabei: neben Ban Ki-moon waren auch Right Said Fred, Status Quo oder Hugo Portisch um nur einige zu nennen, waren im Heilbad, um sich zu erholen und auszukurieren.

Das Kurhaus Irma - eine weitere Jugendstilperle

Wer hier Unterkunft nimmt, hat noch einen weiteren (Jugendstil)-Vorteil. Mit einem direkten Gang verbunden kommt man nämlich ins daneben liegende Irma und kann so seine Anwendungen, wie zum Beispiel ein Schlammbad ebenfalls in Jugendstil-Atmosphäre genießen.

Im Schlammbad des Kurhauses Irma

Hier taucht man ein ins warme Heilwasser, aber Achtung: Der Schlamm lauert am Grund und allen, die schon ein Schaudern durchfährt, wenn sie nur an den Neusiedler See denken, werden sich hier wahrscheinlich nicht so wohl fühlen. Wer sich allerdings überwindet, kann kurz nach unten greifen und sich schmerzende Stellen mit dem heilenden Schlamm einschmieren.

Blick in die Kuppel des Schlammbades

Lange darf so ein Aufenthalt sowieso nicht dauern, es wäre auch für einen gesunden Kreislauf zu anstrengend. Daher ist nach ca. 10-15 Minuten Schluss, es geht ab in die Dusche und danach nimmt man noch ene, fest eingewickelte, Ruhepause. Einfach toll entspannend.

Hier ruht man - fest eingepackt - nach dem Schlammbad

Später ist es Zeit für einen Rundgang durch den Park. Er wurde schon vor langer Zeit angelegt und so sind viele alte, manche bereits über 200 Jahre alte Bäume zu sehen, auch exotisches – wie Ginkos – wurden hier angepflanzt.

Victoria Regia - sie blühen auch noch spät im Herbst - wenn auch nur kurz ...

Sehenswert sind auch die kleinen Teiche: in manchen tummeln sich Kois, die meisten sind mit einer ganz speziellen Art von Seerose bewachsen. Die Victoria Regia blüht angeblich nur ganz kurz: in der ersten Nacht weiß und in der zweiten rosarot.

Victoria Regia

Auf jeden Fall ist sie eines: wunderschön und auch die großen Blätter und die Verzweigungen, die über das ganze Wasser miteinander verbunden sind, sehen wunderschön aus.

Sie ist moderner gestaltet - die Bühne beim Kursalon

Der Park lädt so richtig zum Herumflanieren ein und man kann sich vorstellen, dass es im Sommer ein sehr sehr angenehmer Ort zum Chillen und Entspannen ist. Im alten Kursalon ist nun ein Café-Restaurant untergebracht, in der Hauptsaison gibt es hier Tanzveranstaltungen und Konzerte, auch Jazzfestivals – und sollte es wirklich an einem Tag regnen kann man sich ins Balneologische Museum begeben, Land und Leute, einst und jetzt, und vieles mehr kennen lernen.

Gleich neben dem Kursalon ist der Eingang zum Balneologischen Museum

Der einzige Platz, den man vielleicht meiden sollte, sind die Schlammbecken, die am hinteren Teil der Insel – beim Nebenarm der Waag liegen. Nicht, dass es gefährlich wäre, hier erhält der Schlamm in Verbindung mit dem Heilwasser seine Wirkung. Da dieses aber auch Schwefel beinhaltet, ist der Duft – naja, sagen wir, es lohnt sich nicht in dieser Ecke der Kurinsel all zulange zuzubringen….

Hier reift der Schlamm heran ...

Besser ihr spaziert über die längste überdachte Brücke der Slowakei in die Stadt Piešťany. Von der Kurinsel kommend, am Ende der Brücke, steht auch das Wahrzeichen der Stadt: der Krückenbrecher. Schließlich braucht man ja nach einer Kur in Piešťany keine Krücken mehr!

Das Wahrzeichen von Piešťany - der Krückenbrecher

Auch in der Stadt gibt es – vor allem in der Fußgängerzone – schon wunderschön renovierte, alte Häuser und im Sommer muss es wirklich schön sein, hier vor den Cafés in der Sonne zu sitzen und die Stadt zu genießen.

In der Stadt - am Anfang der Fußgängerzone

Wer sich für die Geschichte der Stadt und für die Menschen dahinter interessiert, bucht am besten eine Stadtführung oder liest auf askEnrico nach, wer die Natur genießen will und den Fluss, macht am besten eine Schifffahrt, die ihn bis zum nahe gelegenen Stausee und wieder zurück nach Piešťany bringt.

Blick auf den Golfplatz von Piešťany

Für die sportlichen Gäste gibt es – angefangen von Golf bis Yoga – ebenfalls fast unzählige Möglichkeiten etwas für seine Gesundheit und seinen Bewegungsdrang zu tun. Und sollten alle diese Alternativen noch nicht reichen, dann kann man einen Ausflug ins nahe Trnava, nach Nitra oder zu anderen Sehenswürdigkeiten buchen. Langeweile kommt in Piešťany sicher nicht auf.

Teile sind renoviert - Teile der Stadt warten noch auf die Wiederentdeckung

Leider warten noch ein paar Gebäude auf ihre Wiedererweckung – und man sieht ihnen an, welchen Glanz sie einst ausgestrahlt haben. Ob das nun das Hotel Slovan auf der Kurinsel oder das Haus von Ľudovít Winter ist, beide wären einer Renovierung würdig – ersteres, da es das erste Hotel war, das auf der Kurinsel gebaut wurde und auch heute noch – fast schon als Ruine – eine besondere Atmosphäre ausstrahlt, zweiteres weil sich das Haus jenes Mannes, der so viel für den Ort und den Ruhm der Bäder getan hat, es einfach verdient hätte.

Die Gedenktafel für Ludovit Winter wurde angebracht - sein Haus noch nicht renoviert ...

Klar ist natürlich, dass zuerst die finanziellen Mittel dafür verdient werden müssen, aber vielleicht kann man ja einmal mit der Planung beginnen. Vor allem dem Hotel Slovan scheint nicht mehr allzu viel Zeit zu bleiben, wenn man das Gebäude retten will.

Der Speisesaal im Thermia Palace

Auch wenn sich das Heilbad mehr als Kurort (sprich längerer Aufenthalt, ärztliche Untersuchung, genauer Behandlungsplan) sieht, kann man es ruhig riskieren einmal ein (verlängertes) Wochenende hier zu verbringen. Lasst es euch gut gehen, genießt den Schlamm, die Behandlungsangebote, den Jugendstil- und k.u.k-Flair, das eine oder andere Kurkonzert oder das Jazzfestival. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

Im Balneologischen Museum

Weitere Informationen über die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Geschichte und das Heilwasser findet ihr auf www.ask-enrico.com und unter www.visitpiestany.sk

Bewerte diesen Beitrag:
Zum Christkindlmarkt nach Bratislava
Ein Kurzstopp in Trnava
 

Die beliebtesten Posts...

Die Donau ist seit langem Verkehrsweg, Fischgrund, Lebensraum für viele Lebewesen und seltene Pflanz...
Slowenien ist das Land der Legenden, Sagen und vieler Geschichten, aber auch der alten Handwerkskün...
Sie ist die zweitgrößte Höhle der Welt, mit Recht meistbesucht in Europa und nun gibt’s auch noch Dr...
Am Wochenende war einiges los auf Schloss Asparn. Die Kelten waren zu Besuch im Mamuz, dem Museum fü...
Ok, ich gebe es zu: ich bin ein Sisi-Fan, irgendwie erinnert sie mich immer ein bisschen auch an Pr...
Zum Seitenanfang