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Die Blume von Hawaii

Die Blume von Hawaii

Die Oper Dortmund startet ins neue Jahr mit einer sehr amerikanischen Fassung der Blume von Hawaii …

Aufführungen von Operetten von Paul Abraham sind auf österreichischen Bühnen rar geworden, auch bei den vielen Sommerfestivals ist mir kein Ort bekannt. Daher finde ich es schön, dass hier Dortmund in die Bresche springt.

Die Handlung

Die Handlung der Operette ist schnell erklärt, wenn auch ziemlich verwirrend. Neben den politischen Verwicklungen, die durch die amerikanische Besetzung der Insel entstanden sind, gibt es natürlich auch zahlreiche „menschliche" zu lösen, die wiederum fast alle auch politisch verstrickt sind. Die Einwohner von Hawaii freuen sich auf die Rückkehr ihrer Prinzessin aus Paris, die den Prinzen Lilo-Taro heiraten und dann zur Königin gekrönt werden soll.

Der umschwärmte Prinz in der Blume von Hawaii (Foto © Oper Dortmund)

Das bringt jedoch den amerikanischen Gouverneur auf die vielzitierte Palme, der diesem Unterfangen weder politisch noch privat zustimmen kann. Schließlich will er seine Tochter mit dem Prinzen verheiraten. Auf diese hat jedoch John Buffy, sein Sekretär, ein Auge geworfen. Doch damit der Schwierigkeiten nicht genug. Auf der Schiffspassage nach Hawaii verlieben sich Prinzessin Layla, die sich als Sängerin Suzanne Provence ausgibt und der Kapitän des Schiffes auch noch ineinander – das Kuddlmuddl wird also mit der Ankunft des Schiffes in Hawaii nicht kleiner, aber – zu guter Letzt - bekommen alle den passenden Partner. Es geht also rund, - in der Geschichte und auch auf der Bühne.

Die Inszenierung

Durch die vielen Verwicklungen in der Handlung kann ich mich mit der „Erweiterung" derselben von Regisseur Thomas Enzinger nicht so richtig anfreunden. Er kreiert zwei Doppelrollen: Der Komponist Paul Abraham erzählt/träumt die Geschichte und tritt gleichzeitig als Gouverneur von Hawaii auf, Jim Boy, ein afroamerikanischer Sänger und zugleich Partner von Suzanne Provence - hört dem Komponisten bei seinen Erzählungen zu und tritt am Ende als Arzt der Heilanstalt auf, in der Paul Abraham im wahren Leben untergebracht war.

Die Prinzessin alias Sängerin Suzanne Provence wird ebenfalls umschwärmt (Foto © Oper Dortmund)

Kurz wird auch des traurigen Schicksals von Abraham gedacht. An seine Flucht vor den Nazis, die ihn schließlich nach New York führt, wo sich bereits erste Schübe seiner Geisteskrankheit zeigen und er nie richtig Fuß fassen kann. Seiner Rückkehr 1956 nach Deutschland, seiner Unterbringung in einer Heilanstalt.

Emily Newton als Suzanne Provence (Foto © Oper Dortmund)

Dieser Kunstgriff von Enzinger führt zwar dazu, einen Moment in der stürmischen Geschichte inne zu halten und das „Bühnenspiel" sozusagen als Traum von außen zu sehen, allerdings passt er für mich weder zur turbulenten Handlung noch zur bunten Inszenierung.

Das Bühnenbild und die Kostüme

Bereits der Vorhang ist ins Spiel miteinbezogen – man tritt in den Zuschauerraum, blickt zur Bühne und glaubt, gleich an Bord gehen zu können: Ein Riesendampfer liegt am Hafen…

Die Blume von Hawaii (Foto © Oper Dortmund)

Dann geht es sehr bunt und sehr amerikanisch weiter: es glitzert und funkelt. Inmitten der Bühne befindet sich eine – nein, eigentlich zwei – Showtreppen, über die Sänger und Tänzer auf- und abgehen, laufen, jagen. Ich bewundere die Kondition, dabei auch noch singen zu können ohne ins Schnaufen zu kommen stelle ich mir herausfordernd vor.

Emily Newton als Prinzessin Layla (Foto © Oper Dortmund)

Zusätzlich dreht sich die Konstruktion auch noch (sehr oft). Palmen hängen von der Decke, die Kostüme sind grellbunt – alles passt ein wenig mehr zur Bar in Monte Carlo als zu Hawaii, aber man muss ja schließlich nicht jedes Klischee bedienen.

Kitsch ist angesagt – aber wer sagt denn eigentlich, dass Kitsch nicht sehr gut zu der Story passt und Kitsch auch mal so richtig schön sein kann? Ich mag es ...

Die Darsteller

Die Kondition der Darsteller ist bewundernswert. Es wird getanzt und gesungen und „Trepp auf, Trepp ab" gelaufen, - toll. Wunderbar auch die vielen Tanzeinlagen, die Ramesh Nair choreografierte. Es swingt so richtig auf der Bühne.

Die Showtreppen (Foto © Oper Dortmund)

Vor allem Karen Müller als Bessie Worthington sorgt für gute Stimmung und Lebenslust. Sie spielt hervorragend und stellt bei den vielen Tanzeinlagen auch mit den Profitänzern ihre Frau – einfach eine starke Performance und Präsenz. Da macht es gar nichts, wenn die Stimme in manchen Passagen vielleicht nicht ganz glockenhell rüberkommt.

Ein Wirbelwind:Karen Müller als Bessie Worthington (Foto © Oper Dortmund)

Verena Barth-Jurca als Raka überzeugt stimmlich und darstellerisch. Ich würde mich freuen, sie einmal in einer größeren Rolle zu sehen. Prinz und Prinzessin – Marc Horus und Publikumsliebling Emily Newton – liefern solide Leistungen ab, ebenso wie Fitz Steinbacher als Kapitän Reginald Harold Stone und Mark Weigel als Paul Abraham. Ian Sidden als Kaluna wirkte auf mich ein wenig blass, während Gaines Hall als Jim Boy spielerisch wie sängerisch beeindruckte.

Es wird getanzt (Foto © Oper Dortmund) (Foto © Oper Dortmund)

Nochmals seien das hervorragende Tanzensemble und die Choreografie hervorgehoben. Man kommt einfach nicht umhin, mit zu wippen und die Füße (zumindest leicht) zu bewegen – und so soll es bei Operette und Musical ja auch sein.

Ausgezeichnet auch Philipp Armbruster, der die Dortmunder Philharmoniker mit „Dampf", aber auch der nötigen Feinheit, durch die Operette führte.

Für wen wird sie sich entscheiden? (Foto © Oper Dortmund)

Mit einem Wort: ein bunter Abend, voll von schönen Melodien zwischen Jazz, Musical und Operette, ein bisschen Kitsch, ein wenig Wehmut und Besinnung – was will man mehr?

Die Blume von Hawaii von Paul Abraham ist noch zehn Mal in der Oper Dortmund zusehen und zwar am 5.2., 8.2., 11.2.,24.2., 18.3.,30.3.,8.4.,5.5. und 26.5.2017.

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