Sternderl schauen in Zselic - Enricos Reisenotizen

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Sternderl schauen in Zselic

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 Unbemerkt von den meisten von uns, nimmt die Lichtverschmutzung immer mehr zu. Wir Laien erkennen sie am besten daran, dass es in unseren Großstädten immer schwieriger wird die Sterne zu beobachten und es gibt nur noch wenige Orte, an denen man mit freien Auge den nächtlichen Sternenhimmel beobachten kann.

 Die Hügellandschaft von Zselic bei Kaposvár in Ungarn gehört zu diesen wenigen Orten. Wer also einmal eine romantische Sternennacht mit Ausblick auf die Milchstraße genießen möchte, sollte sich auf den Weg machen.

Foto © Rafael Schmall
Foto © Rafael Schmall

Am besten ihr bucht im Hotel Kardosfa gleich für mehrere Nächte, schließlich ist man beim Sternderl schauen ja auch von den Wetterbedingungen abhängig und erkundigt Euch gleich bei der Buchung, ob eine der geführten Führungen durch den Wald zur Sternewarte stattfindet.

Hotel Kardosfa
Hotel Kardosfa

 Wenn dann auch noch der Wetterbericht stimmt, ist der Fahrt nach Ungarn keine Grenze mehr gesetzt. In diesem Hotel kann man auch einige Tage Urlaub verbringen: mitten im Wald gelegen ist es nicht nur der optimale Ausgangspunkt für eine Nachtwanderung zur Sternenwarte, sondern auch für Wanderungen tagsüber und sollte es mit dem Wetter für Outdoor-Aktivitäten nicht so passen, kann man immer noch den hoteleigenen Wellness-Bereich besuchen. Auch ein Ausflug ins nahe Kaposvár lohnt.

Doch wir wollen jetzt Sternderl schauen …

Es beginnt (je nach Einbruch der Dämmerung) um halb acht Uhr, gestärkt nach einem köstlichen Abendessen im Restaurant des Hotels, mit einem kleinen Vortrag über die Fauna und Flora der Umgebung und einer Einführung über das Ausmaß und die Auswirkungen der Lichtverschmutzung. 

Der Vortrag informiert auch über den Sternenpark
Der Vortrag informiert auch über den Sternenpark

Ich bin überrascht, dass auch hier an Menschen mit Handicap gedacht wurde. Sie können anhand von Tafeln die, die Himmelsgestirne tastbar machen, die Sternenbilder am HImmel nachvollziehen. 

Mit diesen Platten können auch Blinde den Sternenhimmel
Mit diesen Platten können auch Blinde den Sternenhimmel "begreifen"...

Dann machen wir uns – ohne Taschenlampe! – auf den Weg. Gleich zu Beginn wird uns versichert, dass sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnen werden, dass wir aber auf jeden Fall ohne Blitz fotografieren sollen, da sonst diese Anpassung immer aufs Neue vorgenommen werden muss und unser Sehvermögen im Dunkeln beeinträchtigt wird. Wer also keine Spezialausrüstung hat, kann seinen Fotoapparat damit getrost im Hotelzimmer zurücklassen – daher auch die dunklen Bilder in diesem Blog.  

Wir starten unsere Nachtwanderung ...

Zuerst erinnern mich ja die Aufnahmen an die „blaue" Stunde, die Dämmerung fällt rasch ein, dennoch ist noch alles gut sichtbar und irgendwie in seltsames blaues Licht getaucht.

Die Silberlinde dreht ihre silbrige Unterseite tagsüber zur Sonne und reflektiert so deren Licht
Die Silberlinde dreht ihre silbrige Unterseite tagsüber zur Sonne und reflektiert so deren Licht

Wir wandern über die Wiese hinterm Hotel, bekommen noch Wissenswertes über die Silberbuche erklärt und dann geht es weiter in den Wald. – Und es wird immer dunkler. Scherze mit Fledermäusen, Vampiren und Untoten werden von den Mitwanderern häufiger. Wir bemühen uns, den Anschluss an den Vordermann nicht zu verlieren. Irgendwie ist es schon ein bisschen gruselig. In der Gruppe ist es kein Problem, aber alleine möchte ich jetzt nicht in dieser Gegend wandern.

Es wird immer dunkler, kaum ist noch etwas zu erkennen
Es wird immer dunkler, kaum ist noch etwas zu erkennen

Ohne Führer weiß man eigentlich nicht, in welche Richtung man sich bewegen soll. Ich sehe zwar den Boden und meinen Vordermann, aber that's it.  

Plötzlich versammelt uns unser Führer bei einem kleinen Tümpel – eher eigentlich eine kleine Lacke –und erklärt uns, dass diese von Fröschen bewohnt ist. Ich glaube ihm, sehe aber kein einziges Tier. Er jedoch kniet nieder und nach dem dritten Versuch, hat er einen kleinen Frosch gefangen, den er uns zeigt. Ich bin mehr als baff.

Finster war's, obwohl der Mond helle schien ...
Finster war's, obwohl der Mond helle schien ...

Weiter geht es – tiefer in den Wald hinein – es wird immer dunkler. Für mich ist längst kein Weg mehr erkennbar, aber unser Führer stapft vor sich hin, als hätte er diesen vor Augen. Anscheinend ist das auch so, denn kurze Zeit später erreichen wir die Sternwarte und das Observatorium, das ich aber auch nur erkennen konnte, da der Eingang – speziell für uns? – beleuchtet ist.

Nur der Eingang der Sternwarte leuchtet im Dunkeln ...
Nur der Eingang der Sternwarte leuchtet im Dunklen ...

 Den Aussichtsturm, der hinter uns liegen soll (und laut Fotos beachtlich hoch ist) kann ich nicht erkennen. Wir überqueren eine Straße (woher kommt die so plötzlich her?) und treten in die Sternwarte ein.

Da ein Wolkenband angesagt ist, müssen wir uns beeilen, wenn wir mit unserer Besichtigung fortfahren wollen. Ein Blick durch das Fernrohr bringt uns wirklich den Saturn näher – wow – habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen. Schön langsam kann ich mir die Faszination für die Himmelskunde besser vorstellen, die seit Jahrtausenden jene Menschen beherrscht, die sich näher mit den Himmelskörpern beschäftigen.

Mit dem Laser wird auf bestimmte Sternenkonstellationen hingewiesen (Foto © Rafael Schmall)
Mit dem Laser wird auf bestimmte Sternenkonstellationen hingewiesen (Foto © Rafael Schmall)

Schließlich geht es wieder nach draußen, um noch schnell den Sternenhimmel zu sehen, bevor die Wolkenfront über uns hinweg zieht. Bald sitzt die ganze Gruppe im Gras und lauscht den Ausführungen des Astronomen. Mit einem Laserstrahler in der Hand bringt er uns die verschiedenen Sternengruppen und –haufen näher.

Blick in den Nachthimmel (Foto © Rafael Schmall)
Blick in den Nachthimmel (Foto © Rafael Schmall)

Erklärt ihre Namen, erzählt Sagen aus dem alten Griechenland, die zur Namensgebung beitrugen. Wahrscheinlich kann man in einer lauen sternenklaren Sommernacht hier bis zur Morgendämmerung sitzen und seinen Ausführungen lauschen. Der junge Mann macht den Eindruck, als wüsste er genügend Geschichten über den Himmel über uns und bei den 2.000 Sternen, die man von hier aus sehen kann, werden die Erzählungen wohl mehrere Nächte in Anspruch nehmen können.

Die Sternenwarte in der Dämmerung (Foto © Rafael Schmall)
Die Sternenwarte in der Dämmerung (Foto © Rafael Schmall)

Unser Ausflug wird jedoch durch die angesprochene Wolkenbank behindert, die sich immer weiter über den sichtbaren Sternenhimmel legt. Es wird noch dunkler. Schließlich beschließen wir den Weg über die Straße zurück ins Hotel anzutreten, das wir auch nach kurzem Fußmarsch erreichen. Es war ein einzigartiger Ausflug – mach ich doch glatt wieder – und die Wolken sollen dann einfach früher abziehen oder sich gar nicht in das Gebiet trauen ….

Foto © Rafael Schmall
Foto © Rafael Schmall

Sternenpark Zselic
7477 Zselickisfalud Parzellenzahl 064/2
Koordinaten: N: 46°14'12'' E: 17°45'56''
Tel: +36 82 505 180, +36 30 2182 734
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.zselicicsillagpark.hu 

Hotel Kardosfa
7477 Zselickisfalud 064/1 hrsz
Tel: +36 82 505190 oder +36 30 204 7278
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.kardosfa.hu

 Mehr über den Naturpark Zselic, das Hotel Kardosfa und Kaposvar erfahrt ihr mit einem Klick auf die jeweiligen Links auf www.ask-enrico.com.

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