Enricos Reisenotizen

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Mit einem alten Pressburger durch das alte Pressburg

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Es ist an der Zeit, Ihnen meinen Reisebegleiter vorzustellen: Karl Benyovszky, Kriminalbeamter der Budapester Polizei im Ruhestand. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er in seine Heimatstadt Pressburg zurück, wurde Journalist, Biograf von Johann Nepomuk Hummel, Pressburger wie er, und populärer Chronist des alten Pressburgs.  

Sein Buch Spaziergang durch Alt-Pressburg, vor einiger Zeit neu aufgelegt, sei Liebhabern der Stadt empfohlen, nicht zuletzt wegen der Illustrationen von Karl Hugo Frech. Benyovszky emigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bad Aussee, Maler und Grafiker Frech, den es 1914 der Liebe wegen nach Pressburg gezogen hatte, nach Steyr.

Abseits der Touristenströme (Foto © Josef Wallner)

Ich beginne meinen virtuellen Stadtrundgang beim Michaelertor, genauer beim Michaelertorturm, als dem stadtseitigen Michaelertor, dem letzten noch erhaltenen Tor der Stadtbefestigung. Die übrigen befestigten Zugänge in die Innere Stadt, Weidritzer Tor, Fischertor und Laurenzertor, sind wie die Tore der äußeren Umwallung der Stadt, Gaistor, Dürre Mauttor, Schöndorfer Tor, Donautor und Spitaltor, schon in Maria Theresias Zeiten verschwunden. Das Michaelertor erinnert mich wegen seiner barocken Haube an einen Kirchturm. Die Touristen erklimmen seine sechs Stockwerke, um ein typisches Pressburg-Pic an ihre Freunde in aller Welt zu senden. Von oben schauen sie auf ihre Gefährten, die sich erst durch die Michaelergasse zu dem vom heiligen Michael gekrönten Turm schieben müssen. Dort angelangt erregt ihre Aufmerksamkeit der in den Boden der Durchfahrt eingelassene Null-Kilometerstein, der die Entfernung von diesem Punkt in alle möglichen Hauptstädte der Welt anzeigt.  

Mich zieht's in Gedanken in die entgegengesetzte Richtung, die Michaelergasse (Michalská ulica) stadteinwärts. Eigentlich genügt mir der Blick hinunter nach rechts zum ehemaligen ungarischen Landhaus, heute Sitz der Unibibliothek. Die Magnaten tagten hier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also in einer Zeit, in der sie nicht unbedingt viel zu reden hatten. Aber immerhin wurde hier 1825 auf Antrag (und mit dem Angebot großzügiger finanzieller Unterstützung) eines sehr weisen Ungarns, Gróf Széchenyi István, die ungarische Akademie der Wissenschaften begründet.  

Der Michaelertorturm (Foto © Josef Wallner)

Széchenyi war Ungar und dem österreichischen Kaiser loyaler Untertan. Das hat ihm bei Metternich nichts genützt, der den Reformer, viele nennen ihn bis heute den größten Ungarn – und mir ist er jedenfalls weit sympathischer als sein Konkurrent um diesen Titel, Lajos Kossuth – stets misstrauisch beäugt hat. Metternichs Epigonen taten es ihm gleich und drohten dem seit Jahren in einem Döblinger Sanatorium weilenden ungarischen Wiener, er ist in der Herrengasse Nr. 5 im heutigen Palais Wilczek geboren, seine Verbringung in eine staatliche Irrenanstalt an. Der große Förderer der ungarischen Modernisierung, unvergessen sein Einsatz für die Errichtung der Kettenbrücke zwischen Ofen (Buda) und Pest, wählte daraufhin den Freitod.  

Der ungarischen Nation waren aber selbst in den vormärzlichen Landtagen von Pressburg Erfolge beschieden. So wurde in diesem Haus in den 1840er Jahren Ungarisch als Amtssprache in der gesamten Landesverwaltung und als Unterrichtssprache anerkannt. (Viele stolze magyarische Aristokraten beherrschten damals Ungarisch nicht ausgesprochen gut.) Ein paar Jahrzehnte später schlug das Pendel in die andere Richtung aus und die Ungarn übertrieben es, gerade in den Schulen, mit ihrer Magyarisierung. Das hätte einen großen Slowaken, Ľudovít Štúr, der 1847 am letzten Pressburger Landtag teilgenommen hat, sehr geschmerzt. Er klagte schon ein paar Jahrzehnte früher in einer Schrift über Die Beschwerden und Klagen der Slaven in Ungarn über die gesetzwidrigen Uebergriffe der Magyaren

Fast über jedes Haus in der Michaelergasse weiß mein Begleiter Benyovszky (und andere) viel zu erzählen. Aber was bleibt von all diesen Geschichten, was merke ich mir nur ein paar Minuten über das Lesen hinaus? Und dennoch möchte ich weiter eintauchen in die vielen Geschichten der Häuser und der Menschen, die sie bewohnt haben. Waren die Segner stolz auf ihr Renaissancepalais, fertiggestellt in dem Jahr, in dem der Dreißigjährige Krieg zu Ende ging? Ich vermute, ja. Immerhin ist es das schönste Haus in der Michaelergasse, und ihr Name prangt noch an der Fassade. Sie kamen aus St. Georgen (Svätý Jur), dem berühmten Weinort in den Kleinen Karpaten, heute in weniger als einer halben Stunde von Pressburg zu erreichen. Prominentester Spross dieser Pressburger Bürgerfamilie ist Johann Andreas von Segner, Erfinder des Segner-Rads, das zur Grundlage für die moderne Turbine wurde. (Wieder was gelernt…) 

Die Michaelergasse war immer ein guter Boden für zuagraste Pressburger. So ließ sich gegenüber vom Segnerhaus der Siebenbürger Sachse Simon Peter Weber nieder, der erste freisinnige Buchdrucker der Stadt, wie man das damals nannte und ein Stück weiter oben, neben dem Michaelerturm, wohnte der aus den böhmischen Ländern stammende Johann Nepomuk Batka. Dieser wollte gar nicht lang in der Stadt bleiben, er sollte nur die neue Orgel in der evangelischen Kirche in der Nonnenbahn ausprobieren. Aber wo die Liebe hinfällt oder auf wen man sein Auge wirft, was in diesem Fall besser passt, denn Komponist Batka verliebte sich in die Tochter eines Pressburger Optikers und blieb in der Stadt picken, was für die Pressburger Geschichte nicht unwesentlich war, den sein Sohn gleichen Namens wurde ein bedeutender Stadtarchivar.

In der Nähe des ehemaligen Batka-Hauses bieg ich auf meinem Stadtspaziergang in Gedanken in die Schlossergasse (Zámočnícka) ein, nicht ohne zuvor noch der Venturgasse (Ventúrska) meine Referenz zu erweisen. Pálffy, Zichy, Erdödy – eine feine Auslese der ungarischen Aristokratie residierte in der Venturgasse. Hinter den Mauern ihrer Palais wird sich manches des Erinnerns werte abgespielt haben wird, am Pálffy-Palais, erster Sitz der österreichischen Botschaft nach Gründung der unabhängigen Slowakei, weist eine Gedenktafel darauf hin: Mozart war hier! Das Zichy und vor allem das Erdödy sind heute als Ort eines manchmal auch künstlerischen Handwerks, des Kochens, bekannt. Das Erdödy ist obendrein das schönste Rokoko-Palais der Stadt.

Zurück in die Renaissance und zur hohen Wissenschaft (Sie erinnern sich in Mathematiker Segner) bringt mich ein anderer Ort in der Venturgasse: Das alte Münzhaus, in dem – Überraschung! – die städtische Münze ihren Sitz hatte, nachdem Pressburg 1430 das Münzrecht erhalten hatte. Das Haus interessiert mich nicht wegen Gold und Silber, sondern der Universitas Istropolitana wegen, jener von Papst Paul II. 1465 gegründeten ersten ungarischen Universität. Hinter der Gründung stand Matthias Corvinus Ungarns bedeutender König aus dem siebenbürgischen Geschlecht der Hunyadi, der zeitweise nicht nur über ungarische Gebiete, sondern auch über österreichische Erblande herrschte und in Wien residierte, nachdem er die Stadt bei ihrer dritten Belagerung endlich einnehmen konnte. Auch über weite Gebiete der böhmischen Krone wie Mähren und Schlesien gebot Corvinus. Das belegt aufs Neue: Die Einigung Mitteleuropas haben die Habsburger weder erfunden noch waren sie die ersten, nur die mit dem längsten Atem – und einem guten Marketing.  

Zum Freund seines habsburgischen Kollegen, Kaiser Friedrich III., haben Corvinus seine Ambitionen nachvollziehbarerweise nicht gemacht. Beider Streit begann schon mit dem Kampf um Ungarns Krone: Die Westungarn wollten Friedrich, die im Osten den Raben (corvus, lat. Rabe). In Wien ist Corvinus, Europas wichtigster Renaissancefürst nördlich der Alpen, 1490 gestorben. Eine schöne Leich konnten ihm die Wiener nicht bereiten, er ist in Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) begraben.

Im Jahr von Corvinus' Tod schloss auch schon die Istropolitana (Istropolis bedeutet Donaustadt) wieder ihre Pforten. Als ihr Erbe sieht sich die 1919 gegründete Comenius-Universität. Wobei: Eine Universität wurde in Pressburg schon ein paar Jahre früher gegründet. Es war 1910, als in den Budapester Zeitungen die Errichtung einer dritten ungarischen Universität – mit Sitz in Pressburg – besprochen wurde. In der Preßburger Zeitung tat man dies vorerst als „schöne Erdichtung" ab. Es mussten sich dann nur ein paar andere ungarische Städte für die Uni interessieren, dass man in den Pressburger Medien doch hellhörig wurde. Der Magistrat war ohnehin an der Sache dran. Es wurde diskutiert, lange und immer wieder.

In ihren Motiven für Pressburg als Unistadt einzutreten, unterschieden sich die Nationalitäten. Die Ungarn wollten das Magyarische an der Grenze des Reiches (aus österreichischer Sicht war es nur die Hälfte des Reiches) gefestigt wissen, ganz so sicher konnten sie sich Pressburg doch nie sein. Die Deutschsprachigen wollten die Universität wegen des „intelligenten Elements der deutschen Gegenden", wie Monika Gletter in ihrer Studie zum Pressburger und Budapester Bildungswesen des Fin de Siècle schreibt. Ungarns Regierung plante in den Zehnerjahren eine wahre Bildungsexplosion (zumindest versuchte man der Bildungspolitik diesen medialen Dreh zu geben). Für Pressburg waren eine katholische und eine evangelische Fakultät geplant, Fünfkirchen (Pécs) sollte eine katholische und die calvinistische Hochburg Debreczin (Debrecen) eine reformierte theologische Fakultät bekommen. Führende Pressburger Kreise wollten aus Anlass des 80. Geburtstags ihres Königs Franz Josef eine Hochschulstiftung von 100 000 Kronen anlegen. „Die Preßburger Bürger hielten – weniger euphorisch – eine Lehrlingsheimstiftung für eine bessere Idee, solange die Universitätsfrage nicht entschieden war", resümiert Gletter.  

1912 war es schließlich so weit, die Königlich-Ungarische Elisabeth-Universität, wie sollte eine Universität zu jener Zeit in Ungarn sonst heißen, wurde gegründet. Die ersten Vorlesungen, an der juridischen Fakultät, wurden erst 1914 gehalten. „Der Wunsch der Slowaken nach einem Lehrstuhl für slowakische Sprache und Literatur oder auch für Slawistik blieb Utopie. Allerdings mußten - von Seiten der Slowaken selbst - alle Möglichkeiten, die ihnen die Regierung in dieser Richtung bot, abgelehnt werden, da noch im Jahre 1913 von der Budapester Universität nicht ein einziger Privatdozent für Slawistik gefunden werden konnte." (Gletter)

Schön ist sie, die Venturgasse. Hier wohnte das noble Pressburg, zu dem auch der Namenspatron der Gasse, deren Name im Unterschied zu fast allen anderen Gassen der Innenstadt in den letzten Jahrhunderten nicht geändert wurde, zählte: Bonaventura oder Venturinus de Salto, Italiener von Geburt und einer der reichsten Pressburger seiner Zeit, der in der damaligen Neugasse Häuser und Grundstücke besaß.

Fast ein Wahrzeichen in der Venturgasse (Foto © Josef Wallner)

Durch den Schwibbogen (Podjazd) beim Haus der ungarischen Kammer, der heutigen Unibibliothek, komme ich auf meinem virtuellen Spaziergang in einen anderen, nicht ganz so vornehmen, dafür sehr pittoresken Winkel der Stadt. Es ist die Klarissergasse. Die Klarissinnen sind schon lang weggezogen, die Kirche ist keine Kirche und das Ende der Gasse bei der Breiten Stiege kein Sauwinkel mehr, in dem die Pressburger ihren Dreck entsorgten. Ich mag die Gasse und das schmale gotische Kirchenschiff mit dem eleganten Turm, der ist allerdings nur neogotisch.  

Die kurze Sattlergasse (Sedlárska ulica) führt von der Ventúrska auf den Hauptplatz. Die Sattlergasse kann ich nicht ausstehen. Hier generiert sich die Stadt als Partyslava, was nur langweilig ist.  

Am Hauptplatz. Karl Benyovszky würde leicht irritiert sein: Sag mir, wo die Bäume sind? Denn vor hundert Jahren war ein großer Bereich des Platzes als Park gestaltet, mit verschlungenen Wegen, säuberlich geschnittenen Bäumen und Sträuchern rund um den Brunnen. Die Geschichte zum sagenumwobenen, von einem Steinmetz aus Deutsch-Altenburg geschaffenen Röhrbrunnen erspar ich Ihnen, Reiseführer widmen sich seiner Geschichte und den Geschichten zur Genüge, außer vielleicht, dass er nicht Rolandbrunnen, sondern Maximilian-Brunnen, nach seinem Auftraggeber Kaiser Maximilian II., heißt. Auch über das Café Mayer im Palais Jeszenak, das so gern als Pressburgs Demel apostrophiert wird, kann ich mir, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, viele Worte ersparen. (Erst recht, nachdem die schöne Einrichtung, die wirklich Demel-like war, hinausrenoviert wurde.) Ja, natürlich war der Mayer auch Hoflieferant, immerhin residierten in der Stadt mit Erzherzog Friedrich und seiner Gemahlin Isabella sehr prominente – und reiche – Mitglieder des Erzhauses. (Und geht es nach ihrer Leibesfülle, dürften sie den süßen Mayerschen Genüssen auch nicht abgeneigt gewesen sein).  

Beim Mayer, der erste Mayer, Julius hieß er, wanderte übrigens aus Wien nach Pressburg zu, kaufte auch Österreichs letzte Kronprinzessin Stefanie ein. Elf Jahre nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf ehelichte sie im Schloss Mirarmar bei Triest Elemér Graf (später Fürst) Lónyay. Stefanie, die geborene Prinzessin von Belgien, erwarb ein paar Jahre darauf die Herrschaft Karlburg, von ihr und ihrem Mann mit dem ungarischen Namen, Oroszvár (slowakisch Rusovský kaštieľ) genannt. Schließlich lag das Schloss damals in Ungarn, und der frühere Diplomat Lónyay war wie die meisten seiner Standesgenossen dieser Zeit ein sehr nationalbewusster Magyar.  

Die Menschen auf der österreichischen Seite nannten die Herrschaft Karlburg. Noch heute rufen ältere Leute aus Berg oder Kittsee, wenn sie von den Zeiten bis 1945 sprechen, Bewohner aus der Gegend von Rusovce die Karlburger. Für die Kroaten war Oroszvár Rosvar. Ja, Kroaten gab es hier auch. Sie siedelten im Nachbarort von Karlburg, dem heute ersten Ort auf slowakischer Seite, wenn man über Kittsee nach Pressburg fährt. Er heißt Jarovce, deutsch Kroatisch Jahrndorf. Sein Nachbarort auf österreichischer Seite ist Deutsch Jahrndorf. Das Pendant zum nahen (Bad) Deutsch Altenburg liegt übrigens nach wie vor in Ungarn. Es heißt, wenig überraschend, Ungarisch Altenburg (Magyaróvá) und ist schon lange mit dem Nachbarort Wieselburg (Moson) zu einer Stadt vereint – Mosonmagyaróvá.

Dieses Spiel lässt sich auch mit Orten anderer Bundesländer bzw. Kronländer fortsetzen. Dem österreichisch-steirischen Deutschfeistritz steht ein slowenisch-steirisches Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica) gegenüber und selbst die steirische Landeshauptstadt Graz (slowenisch Gradec) hat in der slowenischen Untersteiermark ihren Namensvetter Windischgraz (Slov. Gradec). Andere Orte auf österreichischer Seite haben nach dem Ende der Monarchie den Namenszusatz, der auf aktuelle oder vormalige ethnische Zugehörigkeit ihrer Bevölkerung schließen ließ, entfernt, wie Kroatisch Haslau, das an der Pressburger Bahn zwischen Fischamend und Hainburg liegt. Deutsch Haslau, zwanzig Kilometer weiter östlich gelegen, hat seinen vollen Namen beibehalten.

Warum hat sich Prinzessin Stefanie für Karlburg entschieden? Landschaftlich hätte es wohl im weiten Ungarland attraktivere Plätze gegeben. Vielleicht wegen der Nähe zu Wien und ihrer Tochter Elisabeth Marie, der späteren roten Erzherzogin, mit der sie damals noch nicht zerstritten war? Oder vielleicht weil Schloss Karlburg im 19. Jahrhundert im gleichen Stil umgebaut worden war, in dem Schloss Miramar von ihrem (angeheirateten) Onkel Max und ihrer Tante Charlotte errichtet wurde - à la Tudor. Stefanie machte aus ihrem Oroszvár ein kleines Paradies, vor allem der riesige Park, der sich zur Donau zieht, erregte weit und breit Bewunderung, auch bei Cousin Franz Ferdinand. Mit diesem teilte Stefanie nicht nur ihre Liebe zu Rosen, sondern auch zu nicht standesgemäßen Partnern, wie man weiß. Es ist schon eine gewisse Ironie oder vielleicht sogar kleine Rache der Geschichte, dass sich die beiden ihrer hohen Geburt sehr, sehr bewusst gewesenen Kaiser- beziehungsweise Königskinder unter ihrem Stand verliebten – und erstaunlicherweise auch dazu standen. Da muss die Liebe schon sehr groß gewesen sein, denn beide gaben dafür viel auf, weil sie selbst (im Falle Stefanies) oder ihr Partner (bei Franz Ferdinand) in der so hierarchisch gegliederten ersten Gesellschaft der Monarchie nicht mehr eindeutig in eine der Schubladen einordenbar waren, was für Brösel sorgte. Stefanie verarbeitete das auf sehr sublime Art und Weise, in dem sie auf Karlburg als Herrscherin auftrat und Gäste wie Bedienstete ihrem Zeremoniell unterwarf. Sie selbst war der Überzeugung, das Leben einer weltoffenen englischen Sportslady zu führen (was immer das auch gewesen sein mag). Nach den Jahren in der (zu ihr) schrecklich netten Kaiserfamilie sei ihr die friedliche Karlburger Welt vergönnt gewesen.

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