Enricos Reisenotizen

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Mein Pressburg

Mein Pressburg (Foto © Josef Wallner)

Die Kapuzinerstraße geht über in die Schlossstraße (Zámocká), neben dem Palisadenweg (Palisády) meine bevorzugte Route hinauf zum Schloss. Auch hier besaßen die Pálffy einst ein prächtiges Palais mit berühmten Gärten. Geblieben sind davon lediglich ein langgezogener Teil des Gartentrakts, der für verschiedene Veranstaltungen genützt wird, und eine bildliche Rekonstruktion der Gärten an der Fassade.  

Die Schlossstraße zählte, Sie erinnern sich vielleicht, über Jahrhunderte zum jüdischen Viertel der Stadt. 1599 gestatten die Pálffy den Juden, sich unterhalb der Pressburger Burg anzusiedeln. Einige Jahrzehnte vorher hatten die jüdische Bevölkerung nach der Schlacht von Mohács aus Angst um Leib und Leben, Hab und Gut Pressburg verlassen. Eine Rückkehr wurde ihnen auf Druck der Pressburger Bevölkerung nicht gestattet. Dieses Verbot wurde erst 1848 aufgehoben.  

Das Zentrum des so reichen jüdischen Lebens der Stadt lag daher traditionellerweise am Schlossgrund, in der Schlossgasse und der von ihr abzweigenden Judengasse (oder Schlossgrundgasse, Židovská). Viel ist von ihr nicht geblieben, so wie vom Rest des Schlossgrunds. Die Kommunisten haben, es sei noch einmal erwähnt, mit der Assanierung des seit dem großen Brand zu Beginn des Jahrhunderts heruntergekommenen Viertels Pressburg ein bleibendes Geschenk gemacht. An das noch immer staunend machende reiche jüdische Pressburger Leben (und auch das in anderen Städten des ehemaligen Oberungarns wie Senitz-Senica) wird im jüdischen Museum in der Zsigray-Kurie (Židovská 17) erinnert. Bis zur Verfolgung durch den slowakischen Vasallenstaat des Deutschen Reichs und die Nazis selbst lebten in Pressburg rund 15.000 Juden. Sie stellten damit ungefähr zehn Prozent aller Pressburgerinnen und Pressburger. Nur wenige von ihnen konnten nach dem Krieg in ihre Heimatstadt zurückkehren, so wie Selma Steiner, deren Geschichte ich Ihnen schon in der Venturgasse erzählt habe.  

Zwei Jahrhunderte vor dem Naziterror galt die Stadt an der Donau, oder besser gesagt das Ghetto am Schlossgrund, als ein Zentrum des Judentums in Europa, zunächst als Handels- und Finanzplatz, später, im 19. Jahrhundert, als genius loci, was vor allem mit dem aus Frankfurt/Main stammenden Oberrabbiner Chatam Sofer (Mosche Schreiber) und seinen ebenfalls als Oberrabbiner fungierenden Nachkommen in drei Generationen zu tun hatte. Pressburg erwarb sich den Beinamen ungarisches Jerusalem. Seine berühmte Jeschiwa (Hochschule) hatte einen weit über die Stadt hinausreichenden Wirkungskreis. Den Schreibers, den Steiners und anderen jüdischen Familien hat die Stadt viel von ihrem geistigen Kapital zu verdanken, erfreulicherweise wird das in den vor einigen Jahren angebrachten Gedenktafeln ein wenig sichtbar gemacht.  

Viele Pressburger Juden waren treue Anhänger der Monarchie, bewegte Bilder dafür liefert eines der letzten filmischen Dokumente Österreich-Ungarns. Es berichtet vom Besuch Kaiser-König Karls und seiner Frau Zita in Pressburg im Oktober 1918, bei dem auch eine Huldigung der Pressburger Juden auf dem Programm stand. Die Monarchie genoss über ihr Ende hinaus die Sympathie vieler, sehr vieler Juden in Pressburg. Angeblich verglichen sie ihren Untergang mit dem 9. Av, dem Tag, an dem die Juden alljährlich die Zerstörung des Jerusalemer Tempels beklagen.  

Als böses Omen für das Grauen, das wenige Jahrzehnte später über die Juden hereinbrach, mögen im Nachhinein manche jüdischen Pressburger den großen Brand von 1913 empfunden haben. Es war der schwarze Sabbat von Pressburg. Binnen vier Stunden legte das Feuer das Schlossgrundviertel in Schutt und Asche. Die Ungarländische Jüdische Zeitung konstatierte trocken: „Um sechs Uhr hatte das Pressburger Ghetto aufgehört zu sein". Der Brand ließ fast 4 000 Obdachlose zurück. Der Feuerwehrmann Franz Huber starb an einer Rauchgasvergiftung und an die 70 Häuser waren zerstört, darunter auch die berühmte Talmudschule. Jozef Tancer, ein Pressburger Historiker und Germanist, die viel zur Geschichte seiner Heimatstadt forscht, berichtet über die mediale Berichterstattung zu dieser Pressburger Katastrophe: „Der Funkenflug aus der Petőfigasse entzündete nicht nur die Dächer, sondern im übertragenen Sinne auch das Papier. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vom Brand in Pressburg in der periodischen Presse der Doppelmonarchie, von Schlesien bis zum Adriatischen Meer, von Westböhmen bis nach Galizien. Berichte über den Brand brachten Blätter in Deutschland, England, sogar in den Vereinigten Staaten und in Mozambique. Die Katastrophe blieb mehrere Wochen lang ein zentrales Thema in den Pressburger Periodika." 

Die Judengasse lädt so nah an der Starometská, welche die Ihnen schon bekannte Schneise durch die Altstadt schlägt, nicht zum längeren Verweilen ein, auch die Stadtmauer, rekonstruiert in den 1970er Jahren, interessiert mich nicht. Ich laufe zurück, um wieder Deckung zu finden, in irgendeinem Altstadtgassl. Dabei muss ich aufpassen, nicht mit ein paar jungen Leuten zusammenzulaufen, die im Gehen lesen. Sie haben richtig gelesen, nicht am Handy tippen, sondern ein Buch lesen. Ich gehöre eher zu den Handytippern. Das überrascht Sie jetzt, oder?  

Pressburger Jugendstil (Foto © Josef Wallner)

So einfach ist das gar nicht, mit dem stillen Gasserl. Ein kurzes Stück die Pilárikova entlang, vorbei an der ehemaligen königlich-ungarischen Realschule am Eck der Turnergasse (Zochova), einem protzigen Bau mit mächtigem, säulengeschmücktem Mittelrisalit, heute studiert man hier an der Hochschule für Musik und Tanz, und dann links einbiegen in die Gaisgasse (Kozia ulica) – geschafft. Ich weiß, ich habe es Ihnen schon erzählt, dass ich dieses Grätzel sehr mag. Gestatten sie mir, es trotzdem noch einmal zu sagen: Zwischen der grauslichen Staromestská und der Tolstoi-Gasse (Tolstého) bin ich Pressburger. Die Palais, Zinspaläste und die vielen kakanischen Schulen, Sinnbild eines aufstrebenden, bildungsbewussten Bürgertums, sind meine kleine große Stadt.  

Ich schlendere in die Gaisgasse, durch die einst die Ziegen vor die Stadt getrieben wurden. In Zeiten der Magyarisierung war der Name für die Gasse vielleicht nicht mehr nobel genug, man benannte sie nach dem Begründer des ungarischen Nationaldramas, Kisfaludy Károly, der in den 1810er Jahren in Pressburg studiert hatte. Daran erinnert eine Inschrift am Palais auf Nr. 16 der seit der ersten Republik wieder Gaisgasse genannten Straße, die einst zum Gais- (Gaiß-) oder Ziegentor führte. Heute mündet sie in den Palisadenweg (Palisády). Links geht's hinauf zum Schlossberg, rechts hinunter zur Stefaniestraße (Štefánikova) und gerade hinüber zum Friedhof am Gaistor.  

Der Friedhof am Gaistor (Foto © Josef Wallner)

Ja, auch von dem habe ich Ihnen schon erzählt. Seine Mauern bröckeln, den Eingangsbereich hat man verschandelt, aber sonst stört mich nichts hier, im Gegenteil. Hier finden mich die Pressburger Geschichten.  

Ewige Ruhe am Gaistorfriedhof (Foto © Josef Wallner)

Die deutschen bürgerlichen Weingärtnersgattinnen, die ungarischen akademischen Lehrer, der junge Pressburger, die im Ersten Weltkrieg mit seinem Flieger in Görz abstürzte, die prächtigen Gräber an der Friedhofsmauer im Besitz der alten Pressburger Bürgerfamilien wie der Ludwig, hier ist das multinationale Pressburg noch lebendig, verzeihen Sie, aber diese absurde Assoziation wollte einfach geschrieben sein. 

Im Villenviertel (Foto © Josef Wallner)

Es ist nun die rechte Zeit für eine der berühmtesten Anekdoten aus dem alten Pressburg: Als eine Abordnung der Donaustadt aus irgendeinem Grund beim Kaiser in Wien in Audienz erscheint, fragt dieser, ob sie Ungarn oder Deutsche seien. „Mir san halt Pressburger", so die einfache und doch sehr komplexe Antwort. Immer lauter wurde den Menschen ein nationales Bekenntnis abverlangt und nicht selten entschieden sich selbst enge Verwandte für verschiedene Seiten. Baron Czoernig aus Mähren, Präsident der k.k. Statistischen Verwaltungskommission und bedeutender Ethnograf der Monarchie, irrte daher, wenn er glaubte, so etwas könne nur im österreichischen Küstenland vorkommen: „Daß viele Namen mit der Nationalität ihrer Träger nicht im Einklang stehen oder daß Kinder unter dem Druck der sie umgebenden Verhältnisse sich zu einer anderen Nationalität bekennen lernen, als es bei ihren Eltern der Fall war, kommt in sprachlich gemischten Ländern genugsam vor; daß aber von unter ganz gleichen Lebensbedingungen aufgewachsenen und erzogenen Brüdern beispielsweise der eine italienisch empfindet, der andere slavisch fühlt, dürfte schwerlich an anderen Orten angetroffen werden." Die Pressburger konnten da locker mithalten. 

Zwei von ihnen blieb diese Entscheidung verwehrt. Es waren die Buben der Familie Imhof, der eine hieß Gyula, der andere Fritz. Beide starben, bevor sie fünf waren. Was wäre in diesem verrückten 20. Jahrhundert aus ihnen geworden, dem ungarischen Gyula und dem deutschen Fritz? (Der Wiener Volksschauspieler Fritz Imhoff hat mit der Pressburger Familie nichts zu tun, er hieß in Wirklichkeit Jeschke.)  

Zurück auf den Palisadenweg. Die Seitengassen rechts stadtauswärts führen ins Pressburger Villenviertel, hier regiert nicht mehr der Wiener-Cottage-Stil wie unterhalb des evangelischen Friedhofs, sondern erste tschechoslowakische Republik und neuer slowakischer Kapitalismus, durchaus interessant, wie die Gedenkvilla an Tomáš Tvarožek, einem slowakischen Finanzexperten der ersten Republik, in der Tvarožkova ulica 4. Im heutigen Villenviertel hatten einst die Pressburger ihre Weingärten. Ein einträgliches Gewerbe, denn der Pressburger wurde geschätzt. Ob es stimmt, was ein Herr Ján Čaplovič 1829 geschrieben hat? In seinem Gemälde von Ungern (sic!) behauptet er: „Nach einem alten Sprichwort ist das Preßburger Weingebirg das größte, das St. Georger das beste, Bösinger das prächtigste; Modrer das tragbarste." St. Georgen ist Svätý Jur, Bösing Pezinok und Modern Modra. Alle drei waren, so wie Pressburg, königlich-ungarische Freistädte, was sie – bis auf Pressburg – ihrem reichen Weinbau zu verdanken hatten. Mein Liebling von den dreien ist Modern, nicht so herausgeputzt wie Rust, aber mit vielen verlockenden Winkeln, einem für Kakanier sehr interessanten Friedhof, guten Wirtshäusern und einer bekannten slowakischen Keramikproduktion.  

Die Weingärten nahe dem Pressburger Stadtzentrum mussten wie erwähnt Wohnhäusern und Villen weichen, aber am Stadtrand, in den ehemaligen Dörfern wie Ratzersdorf (Rača) wächst er noch, der Pressburger. Verschwunden ist, jedenfalls in der Stadt, die zum Pressburger Wein gehörende Heurigenkultur. Einst war auch hier ausg'steckt in den Höfen der Winzer, die sich vor Hunderten von Jahren außerhalb der Inneren Stadt in Schöndorf ansiedelten. 

Die alte Tradition neu belebt (Foto © Josef Wallner)

Der Ort war strategisch gut gewählt, weil nahe an den Rieden gelegen. Weniger gut war allerdings, dass er außerhalb des inneren Befestigungsgürtels lag. Das führte dazu, dass 1683 die mit den Türken verbündeten Krieger Thökölys, des kuruc király (Kuruzenkönigs), das Dorf rund um die Schöndorfer Straße (Schöndorfská ulica, heute Obchodná) abbrannten. Daher sind die heute noch bestehenden Pressburger Höfe der bürgerlichen Weingärtner nicht ganz so alt wie ihre Pendants in manchen österreichischen Weinbaugebieten. Es sind keine Bauern- sondern Bürgerhäuser, was dem Selbstverständnis ihrer einstigen Besitzer entspricht.  

Ein Stück Fassade blieb von den bürgerlichen Pressburger Weingärtnern (Foto © Josef Wallner)

Durch eine schmale Einfahrt gelangt man in einen langgezogenen, ebenso schmalen Hof. Keine große Maler- oder Steinmetzkunst kündet vom ertragreichen Gewerbe seiner Besitzer, nur an manchen Häusern in der Schöndorfer Gasse entdecke ich als Fassadendekor noch Weinblätter oder Trauben über der Hauseinfahrt. Sie sind das Einzige, was auf den ersten Blick noch an den Pressburger Weinbau erinnert.  

Weinbaustadt Modern-Modra-Modor (Foto © Josef Wallner)

Meist sind die Häuser der Weingärtner ganz verschwunden, in der Bohnengasse (Fazuľová ulica), der Windgasse (Veterná ulica) und der Reichardsgasse (oder Richardsgasse, Rajská ulica), und nichts erinnert mehr an die lauen Abende in den Oleander geschmückten Höfen, wie sie Karl Benyovskzky genossen hat: „Wollen wir das Bild heraufbeschwören, wie sich das Leben in den Weingärtnerhäusern und in den Höfen entwickelte? Dann müssen wir uns an die ‚Kästenbrater', den ‚Pagacserlbub', die Wurstbratereien, die ‚Knofelbrote' und die verschiedenen anderen Delikatessen erinnern, die dem Weinbeißer angeboten wurden. Wir müßten gar vieles aufzählen und dürften nicht die von Schrammeln und ‚Wanzenquetscher' oder ‚Maurerklavier', einer ‚Schunken' (Guitare) und einem ‚süßen Holz' (Flöte) hervorgerufene Stimmung vergessen. Bis zur Sperrstunde, die nicht immer ganz genau eingehalten wurde, besonders wenn der kontrollierende Polizist seine Aufmerksamkeit mehr dem ihm angebotenen Glas als seiner Uhr zuwenden mußte, ging es hoch her."  

Die Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg setzten der Idylle ein Ende. Mittlerweile sprießt in der Stadt das eine oder andere Pflänzchen, wie die Prešporská viecha. Die Weinstube in der Michaelergasse wirbt damit, ein Heuriger zu sein. Der Wein kommt aus Theben (Devin) und dem auf Pressburger Stadtgebiet liegenden Orten Weinern (Vajnory) und Ratzersdorf (Rača). In letzterem scheint nicht nur der Wein guten Boden vorzufinden, auch Künstler von Weltrang wuchsen hier auf: Edita Gruberová muss man kein Attribut beifügen, Ignaz Schnitzer bedarf wahrscheinlich einer Erläuterungen. Er schrieb das Libretto zum Zigeunerbaron

Letzte Ruhe für die stolzen bürgerlichen Weingärtner (Foto © Josef Wallner)

In der einst bekanntesten Pressburger Weingärtnergasse, der Hochstraße (Vysoká), erinnert heute nichts mehr an Weinseligkeit. Sie ist schiach, aber ich mag sie. Die paar Pubs, deren Gestaltung nicht umwerfend gut mit der alten Architektur harmoniert, das kleine Hotel samt Film-Café, das schwule Kellerlokal, ein Ethnorestaurant und ein hipper Smoothie- und Coffeeshop ergeben eine recht bunte Mischung, so im Sinne von wir pfeifen auf eure Vergangenheit, Altstadterhaltung und was man landläufig geschmackvoll nett. Auch solche Gassen braucht eine Stadt.  

Die Rückkehr des alten Namens in der Hochstraße (Foto © Josef Wallner)

Zwischen Hochstraße und Kollárovo námestie verläuft die Živnostenská ulica. Eine ganz kurze Gasse mit nur einem, sehr guten, Bau, dem funktionalistischen Gewerbehaus (Živnostenský dom), 1927 - 1930 von Klement Šilinger auch mit einem Theatersaal, der Nová scéna, früher Volkstheater genannt, errichtet. 

Und wieder bin ich abgeschweift, von den bürgerlichen Weingärtnern zum Funktionalismus. Ich beame mich zurück auf den Palisadenweg zur Deutschen Schule Bratislava im ehemaligen III. Evangelischen Lyzeum, das im Jahr des ungarischen Millenniums 1896 fertiggestellt wurde. Was für ein Pomp in Neorenaissance für eine Schule! Die drei Pressburger evangelischen Lyzeen waren nicht nur für die evangelischen Deutschsprachigen von Bedeutung, auch viele Angehörige der slowakischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts wurden hier ausgebildet. 

Das ehemalige Lyzeum (Foto © Josef Wallner)

Weiter geht's stadteinwärts in Richtung Stefaniestraße. Rustizierte Fassaden, Kuppeln und Stuck, Kakanien begleitet mich auf Schritt und Tritt. Diesbezüglich toppt die parallel zum Palisadenweg angelegte Tolstoigasse (Tolstého), die frühere Erzherzogin Isabella-Straße, diesen noch. Die Häuser mögen niedriger sein als in Wien oder Budapest, man wusste, was sich für eine Provinzstadt, geziemt, atmosphärisch steht die Provinz den Zentren aber um nichts nach, im Gegenteil. Weil eben noch nicht alles perfekt getüncht ist, mancher Hof, sofern man einen Blick hinein erhaschen kann, noch ein wenig räudig aussieht, liegt ein Hauch von Bohème in der Luft – und ein wenig Wehmut, keine Zwanzig mehr zu sein. Ich würd mich sonst liebend gern unter die Studenten des Pressburger Konservatoriums im Gebäude des ehemaligen evangelischen Internats mischen, mit ihnen in eines der Cafés in dieser Gasse oder der Gaisgasse ziehen und die Party für den nächsten Samstag planen. Aber: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis… 

Rasch ist die Štefánikova ulica erreicht, jene einstige Landstraße, welche die Stadt mit der nach Mähren führenden Chaussee verband. Als Stefaniestraße wurde sie zur historistischen Prachtstraße gemacht, die den Pressburger Hauptbahnhof mit der Stadt verband. Der Bahnhof ist derzeit alles andere als prächtig. Meine Pressburger Freunde fahren daher weit lieber mit dem Zug von Engerau (Petržalka) oder mit einer der beiden sich derzeit hart konkurrierenden Buslinien (das Singleticket ist derzeit schon ab einen Euro zu haben) nach Wien.  

An der Stefaniestraße errichteten wie erwähnt die Pressburger Bürger ihre Palais und Zinspaläste, einer davon war ein gewisser Herr Svetlík, der in der Wiener Lotterie so viel gewonnen hatte, dass er sich hier an der Ecke zur Isabellastraße ein stattliches Haus bauen konnte. Gegenüber, am anderen Eck Stefaniestraße - Isabellastraße, logierten die Besucher der Stadt im noblen Hotel Deák. Das Haus hatte eine wunderschöne Jugendstilfassade, deren figurative Malerei nach dem Umbruch 1918 entfernt wurden, weil sie unmoralisch seien. Heute dient das Gebäude, allem Dekor beraubt, als Polizeistation.

Mein Pressburg - Habsburg und Esterhàzy
Mein Pressburg - In die Vorstadt!
 

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