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Auf nach Linz ins Lentos

Das Lentos in Linz

Im Rahmen des Ars Electronica Festivals 2018 gibt es im Lentos zwei sehenswerte Events: Featured Artist Elisabeth Schimana and the IMAfiction Series und The 4D Box – A Holigraphic Live Stags, aber da ist noch mehr ...

Während die Ausstellung von Elisabeth Schimana bis 30.9.2018 läuft, ist The 4D Box leider nur bis zum 10.9.2018 zu sehen. Wenn es sich also irgendwie ausgeht, dann nichts wie hin nach Linz ins Lentos. Und wenn ihr schon einmal da seid, solltet ihr euch auch gleich die Ausstellung von Nilbar Güreş anschauen, die ebenfalls nur bis zum 10.9. läuft. Aber der Reihe nach…

Der Eingang zum Lentos (Foto © Dagmar Postel)

In Linz beginnt's ist ein alter Slogan der Stadt, die kaum zwei Stunden von Wien entfernt ist und die ich zum letzten Mal vor Jahrzehnten besucht hatte.

Der Aufbau zur Klangwolke ist am Mittwoch in vollem Gang (Foto © Dagmar Postel)

Ja, Ars Electronica und damit die Klangwolke hatte ich im Kopf, auch das Lentos war mir zumindest namentlich bekannt, aber es hat doch einige Zeit gedauert, bis ich mich „aufgeschwungen" habe, einfach einmal einen Kurztrip nach Linz zu machen. „Schade", muss ich rückblickend sagen, denn das könnte ich wirklich öfter machen.

Linz ist auch einen Tagesausflug wert: Über das Lentos an sich und über die Stadt mit ihrem Dom und einer kleinen bezaubernden Innenstadt werde ich noch auf askEnrico berichten. Jetzt geht's hier aber mal um die aktuellen Veranstaltungen.

The 4D Box – A Holographic Live Stage 

Wer – so wie ich – Hologramme liebt und auch das schwarze Theater in Prag mag, sollte unbedingt in diese Produktion. Ich habe zwar bei der Pressekonferenz nur einen kurzen Teil gesehen, aber auch dieser hat mich schon überzeugt – und vielleicht schaffe ich es ja am Weekend nochmal die anderen Programme zu sehen.

Aber was ist die 4D Box eigentlich? 

Es ist eine multimediale digitale Live-Bühne, die Hologramm-Technologie, Sound und Live-Performance vereint und zur interdisziplinären Blackbox wird. Damit hat „The Culture Yard" eine völlig neue künstlerische Medienplattform geschaffen. Dabei werden die Grenzen zwischen der physischen Performance und den 3D-generierten Universum gesprengt. 3- oder 4D (?) –Brille aufgesetzt und die Vorstellung beginnt.

Es ist nicht leicht, die 4D Box zu fotografieren (Foto © Dagmar Postel)

Mikael Fock (ein Däne) begrüßt uns in einem holografischen Zimmer auf der Bühne – kurz frage ich mich: „Steht er wirklich auf der Bühne oder nicht", dann kommt auch noch ein Kollege dazu. Ja, doch – beide sind aus Fleisch und Blut.

Dann schweben Bläschen auf uns zu, zwei menschliche Tänzer betreten die Bühne und die Bläschen verformen sich, reagieren auf ihre Bewegungen, verdichten sich zu Lebewesen, die die Figuren der Tänzer (nach)tanzen. Ich sitze wieder einmal fasziniert und kann gar nicht genug davon sehen. Leider ist die Performance schnell vorbei und ich muss mir jetzt überlegen, ob ich vielleicht doch noch einmal nach Linz fahre um auch die anderen Stücke zu sehen.

Während des Ars Electronica Festivals sind nämlich drei Produktionen zu sehen:  

Silicium – eine elektronische Konzertperformance – in Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Carl Emil Carlsen und dem Performer und Musiker Bjørn Svin.

Silicium (Foto © Bo Jensen)
Silicium (Foto © Bo Jensen)

Chronicle of Light Year – eine Koproduktion mit Very Mainstream Studio & Very Theatre – eine künstlerische und anthropologische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Glücks.

Foto © Carl Emil Carlson
Foto © Carl Emil Carlson

The Ultimate Battle – eine Tanzperformance von Noora Hannulla & the Nordic Beasts & The Culture Yard & Bora Bora. 

The Ultimate Battle (Foto © Noora Hannula, Soren Meisner)
The Ultimate Battle (Foto © Noora Hannula, Soren Meisner)


Weitere Infos und die Performance-Zeiten findet ihr hier: https://ars.electronica.art/error/de/4dbox/

Hidden Alliances
Elisabeth Schimana and the IMAfiction Series 

Elisabeth Schimana, Musikerin und Komponistin ist seit den 1980er Jahren eine der österreichischen Pionierinnen der elektronischen Musik und diesjährige Featured Artist des Ars Electronica Festivals.

Elisabeth Schimana (Foto © Reinhard Mayr)
Elisabeth Schimana (Foto © Reinhard Mayr)

Im Untergeschoss des Lentos zeigt sie das Ergebnis ihrer Recherche, wo eigentlich die Frauen in der elektronischen Musik sind. Gleich vorweggenommen: sie hat sie gefunden!

Bei der Pressekonferenz in der Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)
Bei der Pressekonferenz in der Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)

Bereits Ende der 90er Jahre begann Elisabeth Schimana mit ihrer Suche. Künstlerisch fand diese Recherche ihren Ausdruck in der Performance Portrait 01 – Die Futuristin und mündete zudem in die Gründung des „IMA Institut für Medienarchäologie", das sich seit 2005 den akustischen Medien an der Schnittstelle analog/digital sowie den Themen Frauen, Kunst und Technologie widmet.

Blick in die Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)
Blick in die Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)

IMAfiction ist die Portraitserie des Institus, die nun im Lentos Untergeschoss fünf österreichische und fünf internationale Künstlerinnen aus allen Bereichen der elektronischen Kunst mit Schwerpunkt auf Klang gezeigt wird. Bisher erschienen sind die Portraits von Liesl Ujvary, Rebekah Wilson aka Netotschka Nezvanova, Heidi Grundmann, Eliane Radigue, Andrea Sodomka, Maryanne Amacher, Anne La Berge, Electric Indigo und Beatriz Ferreyra. Mit dem 10. Portrait über Elisabeth Schimana, das im Rahmen der Ars Electronica Festivals – Soundbrunch - präsentiert wird, ist nun die Serie abgeschlossen.

Davon gibt es nur ein Exemplar (Foto © Dagmar Postel)
Davon gibt es nur ein Exemplar (Foto © Dagmar Postel)

In Hidden Alliances erzählen nun all diese Künstlerinnen ihre Geschichten und entwerfen gemeinsam ein spannendes Beziehungsgeflecht. Während des Ars Electronica Festivals wird die Ausstellung auch noch durch ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Performances und Künstlerinnenführungen ergänzt.

Blick in die Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)
Blick in die Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)

Ich gebe ja auch gerne zu, dass ich mit moderner Musik (Zwölfton und "höher") nicht so richtig warm werde. Mit Schaudern erinnere ich mich noch immer einer Aufführung eines Stückes von Xenakis im Rahmen von Wien modern. Allerdings kann das auch meiner Abneigung für Mathematik geschuldet sein. ich bin eher der Typ der bei Madame Butterfly oder Boheme oder Carmen große Krokodilstropfen weinen kann. Dennoch: nehmt auch die Zeit und hört euch die Ladys an - es ist schon ziemlich interessant, was sie erzählen. Schließlich soll man sich ja auch weiterbilden und neue Ufer erschließen ...

Weitere Informationen unter https://ars.electronica.art/error/de/hidden-alliances/ und https://ars.electronica.art/aeblog/de/2018/08/09/featured-artist-elisabeth-schimana/

Blick in die Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)
Blick in die Ausstellung (Foto © Dagmar Postel)

Wenn ihr dann schon im Lentos seid, solltet ihr auch gleich die Möglichkeit nutzen und dem Obergeschoss einen Besuch abstatten. Die Sammlung ist einen Besuch wert und wer während des Ars Electronica Festivals das Museum besucht, kann auch noch die Ausstellung Overhead von Nilbar Güreş anschauen.

Nilbar Güreş - Overhead 

In der Retrospektive werden rund 40 Arbeiten von 2006 bis heute gezeigt, darunter vier neu entstandene Werke, die extra für die Ausstellung entstanden sind.

Nilbar Güreş (Foto © Reha Arcan )
Nilbar Güreş (Foto © Reha Arcan )

Güreş entwirft und inszeniert witzig herausfordernde Gegenbilder und –figuren, in denen sie gängige Rollenzuweisungen der Geschlechter unterläuft. So beschäftigt sie sich auch mit der westlichen Welt und deren Abwehrhaltung gegenüber den Kleidervorschriften religiös geprägter Kulturen. Oft sind ihre Bilder und Objekte mit einem erotischen Inhalt aufgeladen, regen zum Nachdenken über die „richtige" Wirklichkeit an.

Nilbar Güreş, Headstanding Totem, 2014, Courtesy Galerie Martin Janda Wien
Nilbar Güreş, Headstanding Totem, 2014, Courtesy Galerie Martin Janda Wien

In ihren Collagen kombiniert sie Zeichnungen, Stoffe und Stickereien.

Nilbar Güreş, Double Headed Snake: Queer Desire is Wild, 2015, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien
Nilbar Güreş, Double Headed Snake: Queer Desire is Wild, 2015, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien

Sehenswert auch die Videoinstallationen Undressing und Open Phone Book.Undressing gehört zu ihren ersten gefilmten Performances – zu sehen durch die Fassade im Eingangsbereich des Lentos – bei dem die Künstlerin ihren Kopf mit unzähligen, übereinander gelegten Tüchern verhüllt. Sie legt eines nach dem anderen ab, wobei sie bei jedem Kopftuch einen Frauennamen nennt. Zum Ende taucht sie selbst unter den Stoffschichten auf.

Nilbar Güreş, Alisan is Calling aus der Serie Open Phone Booth, 2011, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien
Nilbar Güreş, Alisan is Calling aus der Serie Open Phone Booth, 2011, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien

Open Phone Book wiederum spielt in einer Region in der Osttürkei, die aufgrund von Konflikten unter einer schlechten Infrastruktur leidet. Der Zusammenbruch der dortigen Telefonzentrale und die unzureichende Versorgung mit Sendemasten machen telefonieren fast unmöglich. Die BewohnerInnen sind daher gezwungen – auch im Winter – auf die umliegende Hügel zu steigen, um eine Telefonverbindung zu bekommen.

Nilbar Güreş, Wildness, 2014, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien
Nilbar Güreş, Wildness, 2014, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien

Nilbar Güreş wurde 1977 in Istanbul geboren, studierte an der Fakultät für bildende Künste an der Marmara Universität in Istanbul und an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Sie lebt in Wien und Istanbul.

Nilbar Güreş, Non-Sex-Belt, 214, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien
Nilbar Güreş, Non-Sex-Belt, 214, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien

Weitere Infos über die Ausstellung findet ihr hier: http://www.lentos.at/html/de/4746.aspx und hier gibt es weitere Infos über die Künstlerin: http://www.martinjanda.at/de/kuenstler/nilbar-gueres/biografie/ 

Wien im Ausstellungsfieber...
Revolution!!!
 

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