Besuch beim Ötzi - Enricos Reisenotizen

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Besuch beim Ötzi

Besuch beim Ötzi

Im Mamuz in Mistelbach kann man noch bis 29.11.2015 dem Mann im Eis einen Besuch abstatten und eine Reise in jene Zeit machen, in der Stonehenge in England noch nicht erbaut war und auch die Pyramiden von Gizeh erst 600 Jahre später errichtet wurden.

Gleich am Beginn begrüßt die neueste Rekonstruktion von Ötzi die Besucher der Ausstellung

Ötzi ist mehr als nur Zeitgeschichte, seine Auffindung und Ausgrabung waren ebenso fast ein Krimi, wie wahrscheinlich sein Leben und fast hätte es ja auch noch politische Verstrickungen gegeben, ob er nun ein Österreicher oder ein Italiener ist …

Die Ötztaler Alpen, Foto © Südtiroler Archäologiemuseum Bozen

Die Bergung von Ötzi

Es war am 19. September 1991 als zwei deutsche Urlauber aus Nürnberg bei ihrem Abstieg vom Gipfel eine Leiche entdecken und diese Tatsache auf der Similaunhütte melden. Alpin-Gendarmerie und Bergrettung rücken aus und versuchen die Leiche zu bergen, scheitern aber, da der Tote zu fest im Eis steckt. Da man nicht an einen Sensationsfund glaubt, sondern an eine „ganz normale" ältere Leiche, geht man mit dem Toten auch nicht allzu vorsichtig um. Schließlich gelingt am vierten Tag endlich die Bergung, bei der zwar ein Gerichtsmediziner, aber kein Archäologe anwesend ist. Der Tote wird mit einem Hubschrauber ins Tal geflogen und kommt in die Gerichtsmedizin nach Innsbruck.

Erforschung der Fundstelle, Foto © Südtiroler Archäologiemuseum Bozen

Fünf Tage nach der Entdeckung kommt erstmals ein Archäologe ins Spiel und der Innsbrucker Professor Konrad Spindler schätzt den Toten auf „mindestens 4000 Jahre" alt – die archäologische Sensation beginnt sich abzuzeichnen. Schnell werden vor dem Wintereinbruch noch einige weitere Fundstücke sichergestellt, dann kann erst im Sommer an der Fundstelle wieder weitergearbeitet werden, wobei weitere Sensationen ans Tageslicht kommen.

Die Untersuchungen

Erstmals in der Geschichte der Medizin konnten an einer 5000 Jahre alten Mumie – Ötzi hat zwischen 3350 und 3100 vor Christus gelebt! – modernste Untersuchungsmethoden wie die Computer-Tomographie angewendet werden.

Hier kann der Besucher der Zeitlinie folgen

Durch seinen Tod in einer schützenden Felsrinne in der kalten Gletscherregion wurde Ötzis Körper mumifiziert und – durch die kalten Winter – legte sich Schnee über den Toten und er war wie in einem Gefrierfach aufbewahrt. Da sich die Rinne auch noch quer zur Fließrichtung des Gletschers befand, konnte Jahrhunderte lang das Eis über ihn hinwegströmen, ohne die Leiche zu zerstören.

Blick in die Ausstellung

Die dreidimensionalen Bilder der CT ermöglichen Einblicke in den Körper und konnten so Aufschlüsse über seine Lebensweise und auch über die dramatischen Ereignisse vor seinem Tod geben. Die sensationelle Entschlüsselung des Genoms aus der Kupferzeit gibt Hinweise auf seine Herkunft und auf seine Krankheitsanlagen.

Ötzis körperlicher Zustand

Die Zähne verrieten den Wissenschaftlern, dass Ötzi aus Südtirol stammte. Seien Jugend verbrachte er anscheinend im Eisacktal, seine letzten Lebensjahre im Vinschgau. Ötzi hatte Karies, Parondotose und nützte seine Zähne auch als Werkzeug. Überhaupt war er nicht mehr bei bester Gesundheit: die Gelenke waren verschließen, die Blutgefäße verkalkt, die Zähne abgeschliffen, der Darm von Peitschenwürmern befallen.

Blick in die Ausstellung

Ötzis Immunsystem war vor seinem Tod starken Stresssituationen ausgesetzt und man konnte auch einen gut verheilten Serienrippen- und einen Nasenbeinbruch nachweisen. Die 60 Tätowierungen, die seinen Körper zieren, dienten anscheinend nicht zum Schmuck, sondern sollten Schmerzen lindern. Sie sind nicht „gestochen", sondern kleine feine Schnitte, die überall dort angesetzt wurden, wo er anscheinend Schmerzen hatte: im Lendenwirbelbereich, am rechten Knie, an den Waden und an den Sprunggelenken.

Seine Ausrüstung

Ötzis Schuhe

In der Ausstellung kann man auch jede Menge über seine Ausrüstung und über die Welt von 5000 Jahren erfahren. Das Land war damals noch dünn besiedelt, 30 bis 60 Menschen lebten in einem kupferzeitlichen Dorf, jagten und betrieben Ackerbau und Viehzucht.

Das Kupferbeil

Ötzis Prunkstück dürfte sein Kupferbeil gewesen sein, das nicht nur ein Statussymbol war, sondern auch ganz praktisch zum Bäume fällen dienen konnte. In seiner Gürteltasche hatte er einen Zunderschwamm zum Feuermachen, sowie Klingen und Bohrer aus Feuerstein und einen sogenannten Retuscheur zum Bearbeiten der Klingen. Im Baumbast-Etui am Gürtel steckte ein Dolch und im Köcher steckten Tiersehnen, ein Bündel Geweihspitzen und 14 Pfeile, von denen zwei schussbereit und die anderen wie der Bogen noch unfertig waren.

Ötzis Ausrüstung

Und was gab's zum Essen?

Selbst seine „Henkersmahlzeit" konnten die Wissenschaftler herausfinden: fetthaltiges Fleisch und verschiedene Pflanzen, vor allem Getreide. Da sich im Darminhalt auch winzige Kohlestücke fanden, kann man darauf schließen, dass das Essen bei offenem Feuer gekocht wurde.

Ötzis letzte Stunden

Unser Mann aus dem Eis war anscheinend auf der Flucht. Darauf lassen die noch unfertigen Ausrüstungsgegenstände unter anderem schließen. Doch wenige Tage vor seinem Tod muss auch noch ein Kampf stattgefunden haben, wie eine tiefe Schnittwunde in seiner rechten Hand beweist, die jedoch nicht tödlich war. Ötzi wurde meuchelmörderisch von hinten erschossen! Erst 2001 hatte man bei Röntgenaufnahmen eine Pfeilspitze aus Feuerstein im linken Schulterblatt entdeckt, die in der Schlüsselbeinarterie steckengeblieben war: Ötzi verblutete dadurch innerhalb von Minuten. Eine Schädelverletzung deutet zudem auf einen dramatischen Todeskampf hin.

Dolch, Foto © Südtiroler Archäologiemuseum Bozen

Wo aber blieb der Pfeilschaft? Warum wurde er herausgezogen? Wollte der Mörder unerkannt bleiben? War es ein Stammeskrieg oder ein persönlicher Konflikt? Ein Raubüberfall scheint es auf jeden Fall nicht gewesen zu sein, da nichts von der Ausrüstung, auch nicht das wertvolle Kupferbeil, gestohlen wurde.

Pfeile, Foto © Südtiroler Archäologiemuseum Bozen

Im Mamuz Mistelbach kann man aber nicht nur die Geschichte von Ötzi kennenlernen, sondern auch einen – allerdings für mich enttäuschenden – Blick zu ihm nach Bozen riskieren. Meistens sieht man nur die Besucher des Museums in Bozen, die vor dem Mann aus dem Eis stehen.

Der Blick nach Bozen

Und alle die möchten können dann auch noch vieles angreifen, ausprobieren und erforschen …

Hier kann man Fellmütze und Fellmantel probieren – ein Selbstversuch :-)

Das Mamuz Museum Mistelbach ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Fertigkeiten aus alter Zeit können probiert werden

Weitere Infos über die Ausstellung finden Sie auf www.ask-enrico.com

Vom Ötzi zu Mammut und Co.
Das Ötscher: Reich ist eröffnet.

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