Enricos Reisenotizen

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Wo sind Frieda und Carlo?

Wo sind Frieda und Carlo?

Überraschungsausflug in den Nationalpark Thayatal…Eigentlich war ein Ausflug zu den Käsemachern ins Waldviertel geplant. Doch wieder einmal trödelten wir morgens herum, sodass ich – allerdings bereits auf der Autobahn – feststellte: „Jetzt muss ich aber Gas geben, sonst schaffen wir die Führung um 10:00 Uhr nicht und dann können wir bis 13:00 Uhr warten". Meine bessere Hälfte disponierte blitzschnell um, als hätte er auf diese Gelegenheit nur gewartet. Verständlich, hatte unser Haushaltsbudget durch unseren Ausflug in die Steiermark zu Gölles und in die Berghofer Mühle doch schon gelitten, das Steirer Platzl mit seinem Spezialitäten am Langenzersdorfer Markt (jeden Donnerstag) hatten wir auch schon besucht und mit dem Besuch bei den Käsemachern wurde sich das Platzproblem im Kühlschrank sicher ordentlich vergrößern. Außerdem kündigte der Wetterbericht die Verlängerung der Hitzewelle an, und wie sollte man all die Käseköstlichkeiten dann ins Ruhrgebiet transportieren ohne die Kühlkette allzu stark zu unterbrechen?

Im Nationalpark Thayatal.

Flexibilität war angesagt! „Fahren wir doch in diesen Nationalpark mit den Wildkatzen. Der ist doch da auch in der Nähe oder?" war der konstruktive Vorschlag, der mich etwas unvorbereitet traf. Aber in Zeiten von Internet und Navigationssystemen kein Problem. Wir hatten umdisponiert – auf zu Carlo und Frieda.

Diese Wildkatze kann nicht mehr davon laufen – zu sehen im Nationalpark-Haus

Bald waren wir am Nationalparkhaus angekommen und stürmten voll Freude auf die Wildkatzen hinein. Wildkatzenfütterung um 15:30 Uhr, damit hatten wir noch endlos Zeit, es war ja gerade erst 10:00 Uhr und die beiden würden sich doch vielleicht auch vorher den Besuchern schon zeigen. Also nichts wie rein und gefragt.

Nationalpark Thayatal

Wie kleine Kinder wollten wir nur zu den Katzen, und hatten damit keine Augen für das Naturparkhaus, die Ausstellung und die ganze Umgebung. Auf die Frage, ob es denn einen Plan vom Nationalpark gäbe, bekamen wir ein kleines Prospekt ausgehändigt, das vier unterschiedlich lange Routen, darunter auch einen Wildkatzenweg, zeigte und die weitere Erkundigung, wo denn das Wildkatzengehege sei, wurde mit „ Na, da bei uns" beantwortet. Bei uns? Bei uns? Wo ist bei uns?

Nationalpark Thayatal

Frieda und Carlo waren nicht zu sehen und auch kein Gehege. Da auf dem Plan aber der Wildkatzenweg – mit einigen Pfoten – eingezeichnet war, hatte ich sofort den Verdacht, dass dort das Gehege sein müsste, warum sollte man den Weg sonst so bezeichnen und auch noch Pfoten einzeichnen. Sofort machten wir uns auf die Socken und beschlossen den längeren Weg zu nehmen.

Blick zur Thayabrücke

Dreierlei Wege – oder waren es vier? – gab es und obwohl uns die junge Lady, mit sicheren Blick auf unsere Figur und unsere Kondition, den kürzesten empfohlen hatte: „Der Rundweg dauert nur ungefähr eine halbe Stunde" waren wir schon unterwegs zum Wildkatzenweg. Wo nur ist der Einstieg? Ist ja alles sehr gut beschriftet – hieß es. Wir fanden schließlich gleich beim Haus, nahe der Bundesstraße eine Markierung – das musste es dann einfach sein, nichts wie weiter.

Nationalpark Thayatal

Ein bisschen peinlich kam ich mir schon vor. Hätte ich doch bloß wenigstens meine Laufschuhe angezogen, aber nein, ich wanderte mit diesen typischen Leinenschucherl (wenn auch von etirel) durch die Gegend: keine gescheite Sohle, kein Halt. Das was ich immer den – vorwiegend deutschen – Touristen vorwarf: falsche Ausrüstung am falschen Ort.

Blick auf Burg Hardegg von einen Aussichtspunkt im Nationalpark

Anfang ging es immer schön bergab, bei einem Aussichtspunkt hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die Burg Hardegg, bald waren wir an der Thaya, die Temperaturen waren angenehm kühl, obwohl es wieder ein heißer Sommertag war. Natürlich musste ich auch noch auf die Thayabrücke und ein Foto von der tschechischen Grenze, die eigentlich die meiste Zeit in der Mitte des Flusses beginnt, war auch Pflicht. Toll, dass man nun ohne Schwierigkeiten über eine Grenze spazieren kann, ohne Kontrolle, ohne Pass, mit Rad oder per Pedes – einfach ganz entspannt, während vor nicht allzu langer Zeit hier noch Grenzposten Ausweise kontrollierten und Menschen erschossen wurden, nur weil sie die Grenze überschritten.

Hier ging es noch hinunter …

Entlang der Thaya ging es auf der österreichischer Seite weiter und dann kam das, was ich befürchtet hatte: wer eine Zeitlang einen Berg hinunter wandert, muss ihn auch irgendwann mal wieder hinauf. Konditionsschwache zu denen ich mit leider zählen muss, können da schon kleine Probleme bekommen, aber langsam und stetig wanderten wir weiter.

Ein zutraulicher Schmetterling …

Noch einmal kamen wir in die Nähe des Flusses und während wir den „Einsiedlerfelsen" bewunderten, freundete sich ein kleiner Schmetterling mit mir an. Zutraulich blieb er auf meinem Finger sitzen und wollte sich eigentlich gar nicht von mir trennen, wahrscheinlich wäre er mit mir weiter gewandert, aber ich ließ ihn dann doch auf der Wiese zurück.

An der Thaya beim Einsiedlerfelsen

Doch wo waren Carlo und Frieda? Kein Gehege, keine Wildkatzen… Aber der erste Hinweis auf den Wildkatzenweg, dann konnten die beiden ja nicht weit sein. 

Wir gingen also am Wildkatzenweg entlang. Ein wunderschöner Weg, der wieder zurück zum Nationalparkhaus führt und viele Informationen über die Wildkatzen und ihr Leben bietet. Viele von ihnen – allerdings in Metall – sind auch auf den Bäumen und im Gebüsch versteckt und es ist sicher toll auch mit Kindern diesen Weg entlang zu gehen und zu erkunden, wer den besten Blick für die Wildkatzen hat. Manchmal ist es sogar schwierig sie zu finden, obwohl man die Auflösung und die Beschreibung ihres Verstecks auf der Tafel gelesen hat.

Wildkatzen im Nationalpark?

Doch wo sind Carlo und Frieda? Wir wandern den Weg zurück, kommen aus dem Wald bereits raus, spazieren über das Feld und sehen gegenüber bereits das Nationalparkhaus. Wir wissen zwar jetzt einiges mehr über die Katzen, aber gesehen haben wir sie nicht. Nicht einmal das Gehege. Walter hat genug: er freut sich auf ein kaltes Getränk aus der Kühltasche und will zum Auto. Ich will nochmal ins Nationalparkhaus. Das gibt es doch nicht. Irgendwo müssen Carlo und Frieda doch sein.

Blick in das Wildkatzengehege

Ich stürme um die Mittagszeit ins Nationalparkhaus, das menschenleer ist und schau mich um. Und da plötzlich: Ein Fernseher mit einem Video der Wildkatzen erregt meine Aufmerksamkeit und jetzt sehe ich es! Wenn man durch das Fenster schaut, kann man einen Blick in ein Gehege machen: das Wildkatzengehege. Hier ist es, klar „hier bei uns". Ich schaue durch die Scheiben und versuche etwas zu erkennen: Kein Carlo und keine Frieda zu sehen. Rasch raus und um das Haus herumgestiefelt (und das obwohl ich von unserer forschen Wanderung auch schon ziemlich müde bin) und hier ist es: das größte Wildkatzengehege Österreichs! Liegestühle stehen davor, aber die beiden Wildkatzen sind nicht zu sehen. Kein Wunder, die Sonne brennt herunter, es ist ziemlich heiß und auch wenn das Gehege von Bäumen beschattet wird, würde ich mich als Katze auch irgendwo verkriechen: wie Frieda und Carlo.

Blick in den Nationalpark Thayatal

Also verlasse ich auch den Ort und wir machen uns langsam und müde auf den Weg nach Hause. Aber wartet nur Frieda und Carlo! Ich komme wieder!!!!

Im Nationalpark Thayatal

Mehr über den Nationalpark Thayaauen, die Fauna und Flora, über die Wanderwege und seine Geschichte erfahrt ihr auch auf www.ask-enrico.com 

Besucherzentrum Nationalpark Thayatal
2082 Hardegg
Tel: + 43 2949 70 05
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.np-thayatal.at

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