Retzer Windmühle - Enricos Reisenotizen

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Kämpfen mit Windmühlen?

Kämpfen mit Windmühlen?

Das kann man in Österreich nur mehr in Retz. Dort – ein wenig außerhalb am Kalvarienberg – steht Österreichs einzige voll funktionsfähige Windmühle. Und die ist heute noch in Betrieb.Mit den Windmühlenflügeln hatten wir bei unserem Besuch zwar nicht zu kämpfen, allerdings mit dem Wetter. Auch wenn die Geschichte der Windmühle sehr interessant ist, sie im Regen zu hören, war nicht unbedingt meins. Ich muss gestehen meine Konzentrationsfähigkeit steigerte sich erst wieder im Inneren der Windmühle …

Die Retzer Windmühle

Interessant ist die Führung aber allemal! Beinahe 100 Jahre dauerte der Dornröschenschlaf der Retzer Windmühle und nur der zufällige Besuch eines holländischen Windmühleningenieurs rettete sie und brachte sie ins Leben zurück. Alle wesentlichen Bestandteile, die Flügel, die Zahnräder, wurden abgebaut, nach Holland gebracht, renoviert, ausgebessert oder wenn nichts mehr zu retten war, neu gebaut. Heute erstrahlt sie als Wahrzeichen von Retz wieder im neuen alten Glanz in der Landschaft und ist voll betriebsfähig. Seit 2010 wird wieder Getreide gemahlen und beim Bäcker von Retz oder in der Mühle selbst (beim Brotbacken) kann man dann das Windmühlenbrot erwerben oder selbst machen.

Die Technik

Im Inneren der Mühle kann man dann sehen, dass die Aufgabe, die der holländische Ingenieur vollbracht hat, keine leichte gewesen sein muss: Das Dach mit den Flügeln hat ca 12 Tonnen Gewicht, die Flügelwelle allein wiegt an die 3 Tonnen. Die Mechanik ist auch für Laien einzigartig anzusehen und wenn man bedenkt, dass sie bereits aus dem 19. Jahrhundert stammt, bleibt einem der Mund vor Staunen doch ein bisschen offen stehen.

Im Inneren der Windmühle

Das Dach mit den Windmühlenflügeln ist um 360° drehbar. Dadurch kann man die Flügel immer in den Wind ausrichten.

Er hält die bösen Geister fern und zeigt die Windrichtung an

Der Hund am Dach hält nicht nur böse Geister von der Windmühle fern, sondern zeigt auch woher der Wind weht. Damit sich die Flügel nicht ohne Einverständnis des Müllers drehen, gibt es ein ausgeklügeltes Bremssystem, die Geschwindigkeit der Flügel kann durch das Hinzufügen oder Wegnehmen von „Flügelplatten" auf den Flügeln gesteuert werden.

So kann der Müller die verschiedenen Windstärken regulieren

30 – 40 km/h Windstärken sind zum Mahlen notwendig, damit sich die Flügel mit ca 12-15 Umdrehungen pro Minute drehen. Damit nicht zu viele oder zu wenige Getreidekörner auf die Mühlensteine gelangen, sorgt ein – künstlerisch als Hand ausgeführter – Regler, der sich hin und her bewegt und so die Zufuhr regelt.

Die Hand reguliert die Menge

Eine eigene Vorrichtung – eine Klappe – sorgt dafür, dass eine Glocke ertönt, wenn keine Getreidekörner mehr zum Mahlen vorhanden sind und der Müller für eine Nachfüllung sorgen muss. Ansonsten würden die Mühlsteine aneinander reiben und stumpf werden. Damit er früher auch gleich wusste, welches Getreide nachgefüllt werden musste, hatte jeder Mahlvorgang einen anderen Glockenton.

Blick auf die Mühlsteine

Heute wird in der Mühle nur mehr Vollkornmehl gemahlen. Es ist und bleibt ein Meisterwerk der Technik, allein das mächtige Zahnrad hat einen Durchmesser von 3,20 Meter. Einiges stammt noch aus der alten Mühle – so ist ein mächtiger Stamm an die 270 Jahre alt, ein anderer Teil sogar über 350 Jahre. Wahnsinn!

Das große Zahnrad

Und doch: Wenn der Wind gut passt, kann man auch heute noch ohne Schwierigkeiten in der Stunde 100kg Getreide verarbeiten.

Die Geschichte

Die erste Mühle hier wurde bereits 1772 gebaut und war eine sogenannte Bockwindmühle. Das bedeutete, dass das Mühlgebäude mit den Flügeln auf einem Holzbock saß und so das ganze Gebäude in den Wind gedreht werden konnte. Damit wurde sichergestellt, dass der Müller bei entsprechendem Wind immer mahlen konnte, egal aus welcher Richtung dieser auch blies. 1833 übernimmt die Familie Bergmann die Mühle und kommt bald darauf, dass sie zu klein für ihre Bedürfnisse ist. So wird die alte Mühle abgerissen und zwischen 1850 und 1853 die neue, heute noch zu bewundernde Windmühle, errichtet. Neue Technik zieht ein: heute wird nur mehr das Dach mit den Windmühlenflügeln um 360° gedreht und nicht mehr das ganze Gebäude. 1924 wird auch sie still gelegt und fällt in ihren Dornröschenschlaf.

Die Jahrhundert alte Technik

Eine zweite Windmühle, die ebenfalls am Kalvarienberg stand, wird um 1900 vom Blitz getroffen, brennt ab und wird nicht mehr aufgebaut, da schon damals abzusehen ist, dass Windmühlen mit den neuen Techniken des Getreide mahlens nicht mehr mithalten können.

Die Technik der Windmühle

Auch heute noch ist die Mühle im Privatbesitz der Familie Bergmann, die sie jedoch für die touristische Nutzung an die Stadtgemeinde Retz verpachtet hat.

Die Führung

Während einer Führung rund um die Mühle und im Inneren erfährt man auch noch manch anderes Interessantes über die Mühle, denn Müller und sein Handwerk. Oder wissen Sie woher das Sprichwort kommt: „Ein leerer Sack, der steht nicht gut" ?

Ein leerer Sack, der steht nicht gut…

Sie sehen Originalwerkzeuge von einst, die für die Holzarbeiten eingesetzt wurden, erfahren einiges über den Bau der Mühle und warum es zwei Ein- bzw. Ausgangstore gibt, aber auch über die unterschiedlichen Getreidesorten, über Schädlinge und über die Arbeit des Müllers in früheren Zeiten.

Er weiß alles über die Windmühle …

Die Backstube

​Gruppen, aber auch einmal im Monat für Individualbesucher, können in der Backstube auch selbst Brot backen. Schließlich möchte man ja auch wissen, wie das gemahlene Getreide weiterverarbeitet werden kann.

Sie weiß alles übers Brot backen und das Getreide

Auch die kleinen Besucher sind hier immer voller Begeisterung dabei und backen ihre Blumen, Brezeln oder Strietzeln aus Weizenvollkornteig. Dabei kann man auch das eine oder andere über frühere Zeiten lernen: z.B. wie die Feuerflecken entstanden, warum das frisch gebackene Brot erst am nächsten Tag angeschnitten wurde und wie so ein Getreidekorn eigentlich im Inneren aussieht.

Süßes schätzen vor allem die kleinen Besucher

Wir hatten bei unserem Besuch Glück: für uns wurde gebacken. Wunderbares Nussbrot, Feuerflecke und Süßes wartete bereits auf uns. Alles köstlich! Hätten wir doch vorher nicht gerade was gegessen, es war eine Schande, dass wir nicht mehr kosten konnten – wo ich doch Nussbrot, aber auch die Feuerflecke sooooo mag. Toll.

Die Weinverkostung

Glücklicherweise betreibt die Familie Bergmann auch ein Weingut und so können die Erwachsenen ihre Führungen auch mit einer Weinverkostung abschließen, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

Eine schöne Auswahl an guten Weinen

Selbstverständlich kann man den verkosteten Wein auch gleich käuflich erwerben und ich bin mir sicher dass der DAC oder der eine oder andere Rote und Weiße bei Liebhabern des Rebensaftes gleich mit in ihren Taschen verschwinden wird.

Der Windmühlenheurige

Modern mit Tradition – der Windmühlenheurige

Allein schon um den Panoramablick genießen zu können, sollte man hier auf ein Achterl oder zwei vorbeischauen. Hier kann man sich nach der Führung erholen und den Ausflug in Ruhe ausklingen lassen und einfach genießen. Ein wunderschöner Platz, den man einmal besucht haben sollte.

Die tolle Aussicht auf das Retzer Land

Retzer Windmühle und Windmühlheuriger mit Panoramablick
2070 Retz, Kalvarienberg
Tel: +43 29 42 27 00
Mobil: +43 664 73 86 68 75
Weitere Informationen und Öffnungszeiten der Windmühle und des Heurigen unter www.windmuehle.at.

Am Kalvarienberg

Informationen und Anmeldungen erhalten Sie auch im
Tourismusbüro Retz
2070 Retz, Hauptplatz 30
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.retz.at

Die Retzer Windmühle

Auf askEnrico können Sie mehr über Retz und die verschiedenen Veranstaltungen in der Umgebung erfahren.

Der Besuch fand auf Einladung der Tourismuszentrale Südmähren und des Tourismusverbandes Weinviertel statt.

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