Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen.
Schriftgröße: +

Regen in Znaim

Regen in Znaim

Da hat man nun den Wochenend-Ausflug geplant, Kind und Kegel in den Zug oder ins Auto gepackt, den Kindern eine lustige Fahrt mit dem Touristenzug versprochen und dann das: es regnet. Obwohl der Wetterbericht doch eigentlich Sonnenschein angekündigt hatte. Was macht man nun? Bei einigen Städten könnte man schon ein Problem bekommen – in Znaim geht man einfach in den Untergrund oder ins Kloster.

Der Znaimer Untergrund

Die Königsstadt hat eine lange Geschichte, die weit zurückreicht, immerhin gab es bereits hier eine Burgstätte zu Zeiten des Großmährischen Reiches. Wann genau das unterirdische Gängesystem entstanden ist, lässt sich nicht mehr so genau eruieren, war es doch auch lange Zeit in Vergessenheit geraten. Erst in den 1960ern, als plötzlich ein LKW auf der Straße in einem tiefen Loch verschwand, begann man das unterirdische System zu erforschen.

Im schönen Innenhof beginnt die Führung und man steigt in den Untergrund

Inzwischen weiß man, dass die unterirdischen Gänge von Znaim wahrscheinlich an die 37km lang sind und damit zu den größten unterirdischen Systemen in Europa gehören. Wahrscheinlich dienten sie im 14. und 15. Jahrhundert zuerst als Lagerstätten, immerhin war Znaim damals ein wichtiges Handelszentrum und die Bürger reich.

Und es geht hinunter

Jedes Wohnhaus hatte daher seine eigenen Keller, um Waren und Vorräte zu speichern. Luftschächte sorgten für eine konstante Temperatur von 12° und man kann annehmen, dass nicht nur landwirtschaftliche Produkte, sondern auch Bier und Wein hier gelagert wurden. Heute noch kann man diese Luftschächte, aber auch die „Rutschen" auf denen die Waren in die unteren Stockwerke transportiert wurden bei den Führungen durch den Untergrund sehen.

Schächte führen hinauf …

Fast 40 Hektar wurden so unter der Stadt verbaut und dabei halfen auch richtige Bergbauspezialisten aus Iglau und Kuttenberg.

Es ist ein Labyrinth, in dem man sich leicht verirren kann

Aber die Gänge wurden wahrscheinlich bald auch anders genutzt. In den weit verzweigten Gängen versuchte man sich auch vor den immer wieder anrückenden Feinden zu schützen. Wer sich im Gängesystem nicht auskannte war schlicht und einfach verloren.

Nur einer nach dem anderen kam durch …

Etliche Gänge wurde so schmal gebaut, dass man nur einzeln weitergehen konnte – optimal um ein Stockwerk vor Eindringlingen zu verteidigen. Ob es je einen genauen Übersichtsplan gab, ist nicht bekannt. Man glaubt allerdings, dass er – so er je existierte – nur wenigen Angehörigen der jeweiligen Stadtregierung bekannt gewesen sein dürfte. 5 Stockwerke tief ist das Gängesystem, auf dem sich 54 Brunnen befinden, von denen sieben mit Quellwasser gespeist werden. Auch eine Abwasserleitung existiert. Neben den Entlüftungsschächten gibt es auch Feuerstätten und Kamine, die mit den Schornsteinen der Bürgerhäuser verbunden sind. Und einige Gänge führen in die nahe Umgebung, sodass man von hier aus die Versorgung auch bei einer Belagerung der Stadt aufrechterhalten konnte.

Im Untergrund

Noch lange sind nicht alle Teile erforscht, manche sind eingebrochen und wahrscheinlich auch nicht wieder herzustellen.

Auch Schauriges erwartet die Besucher

Besucher können heute mit einer Führung (Audio Guides sind auch in Deutsch erhältlich) ungefähr einen Kilometer des unterirdischen Systems erkunden. Da einige Räume wahrscheinlich auch als Gefängnisse und Folterkammern genutzt wurden, werden Sie auf ihrer Wanderung wahrscheinlich auch leidende Verbrecher, betende Mönche, Zwerge, mumifizierte Gefangene, Särge und Folterinstrumente erleben.

Im Untergrund von Znaim

Wenn es auch sehr gruselig klingt, Sie können ihre Kinder ruhig mitnehmen, es ist nicht ärger als in der Geisterbahn im Wiener Prater. Auch wenn der Seufzer eines Verurteilten oder ein Geisterschrei plötzlich aus der Dunkelheit kommt – gerade das macht ja den Reiz nach dem ersten Schrecken erst so richtig aus.

Gruselig …

Das Kloster Louka und der Wein

Wenn Sie alleine unterwegs sind und noch dazu Weinliebhaber sind, sollten Sie einen Abstecher zum Kloster Louka nicht scheuen. Leider ist das eindrucksvolle Gebäude noch nicht zur Gänze renoviert, aber jener Teil, indem das Weingut Znovín Znojmo „bewohnt", ist bereits hergerichtet.

Das Kloster Louka

Hier erwartet Sie das Besucherzentrum, ein bestens sortiertes Weingeschäft, eine Kunstgalerie und das Museum für Weinbau und Fassbinderei. Selbstverständlich kann man hier auch die ausgezeichneten Tropfen, die hier gekeltert und auch in den großen Kellereien der ehemaligen Prämonstratenser Kloster gelagert werden, verkosten.

Kloster Louka

Eine geführte Tour, die beim Besucherzentrum beginnt, führt in die Art Gallery, die romanische Krypta und das Museum, in mit Stuck verzierte Hallen und in die Weinkeller. Selbstverständlich muss so eine Tour, die auch der Geschichte des Klosters Louka gerecht wird und an Orte führt, die Besucher nicht immer sehen können, mit einer Weinprobe abgeschlossen werden. Außerdem erhält jeder Besucher ein stilvolles Souvenir und auch ihre Kinder (sollten sie doch mitgekommen sein) werden ein kleines Geschenk erhalten.
Mehr darüber erfahren Sie auf der Seite des Weinguts
Mehr über die Geschichte von Znaim und was es sonst noch alles zu sehen gibt, erfahren Sie hier auf askEnrico

Unterirdische Gänge in Znaim
Slepičí trh 2, 669 02 Znojmo
Tel: +4205150221 342
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
w
ww.znojemskabeseda.cz

Bewerte diesen Beitrag:
Tradition trifft Moderne
Stainless 2015 in Brünn

Die beliebtesten Posts...

Die Donau ist seit langem Verkehrsweg, Fischgrund, Lebensraum für viele Lebewesen und seltene Pflanz...
Slowenien ist das Land der Legenden, Sagen und vieler Geschichten, aber auch der alten Handwerkskün...
Sie ist die zweitgrößte Höhle der Welt, mit Recht meistbesucht in Europa und nun gibt’s auch noch Dr...
Am Wochenende war einiges los auf Schloss Asparn. Die Kelten waren zu Besuch im Mamuz, dem Museum fü...
Ok, ich gebe es zu: ich bin ein Sisi-Fan, irgendwie erinnert sie mich immer ein bisschen auch an Pr...
Zum Seitenanfang