Altösterreich revisited - Enricos Reisenotizen - Seite 3

Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken
Altösterreich – Kakanien – ein Großteil Mitteleuropas, ask-enricos bevorzugte Reiseregion, gehörte diesem Kulturraum an. Was gibt es in diesen Ländern, von Tschechien bis Kroatien, noch an kakanischen Spuren zu entdecken? Was lohnt sich, neu zu entdecken? In Altösterreich revisited begeben wir uns auf die Fährtensuche… Als Guides haben wir alte Rei...seführer aus der Monarchie gewählt, die uns manch Altes neu entdecken lassen. Wir beginnen unsere Reisen zwar im Gestern, enden aber im Heute und werfen so einen neuen, faszinierenden Blick auf unser gemeinsames Mitteleuropa.
„Es ist passiert, sagte man dort, wenn andre Leute anderswo glaubten, es sei wunder was geschehen; das war ein eigenartiges, nirgendwo sonst im Deutschen oder einer andren Sprache vorkommendes Wort, in dessen Hauch Tatsachen und Schicksalsschläge so leicht wurden wie Flaumfedern und Gedanken. Ja, es war, trotz vielem was dagegen spricht, Kakanien vielleicht doch ein Land für Genies; und wahrscheinlich ist es daran auch zugrunde gegangen.“ (Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften)
 
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Mein Pressburg

Mein Pressburg - Ein schwieriger Beginn

1989 änderte viel. Sie denken jetzt vor allem an die großen Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa, den Mauerfall und Zusammenbruch der sozialistischen Regimes. Ich denke an meine Matura, das eigene Auto und dieses Gefühl von Freiheit, dass so nie wieder kam.

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Mein Pressburg

So nah und doch so fern

„Fahrst mit der Pressburger?" Warum konnte meine Großmutter nicht einfach fragen, ob ich mit dem Zug von Fischamend nach Wien fahre? Was sollte das mit der Pressburger? (Noch dazu sagte sie Preschburger, mit Betonung auf dem u.) Als Jugendlicher in den 80er Jahren konnte ich mit Pressburg, damals noch Preßburg geschrieben, wenig anfangen. War interessierte mich eine Stadt hinter dem Eisernen Vorhang, auch wenn sie kaum 30 Kilometer von meinem Heimatort entfernt lag?

Der Name Pressburg war in meiner Kindheit und Jugend allerdings noch weit präsenter als heute. Der einfache Grund: Auf den Straßenschildern stand er noch, später blieb nur mehr die Bezeichnung Bratislava übrig. Vielleicht sollte das politisch korrekt sein? In Slowenien und Ungarn sieht man das weit lockerer. Da wird auf den Wegweisern der Ort in der eigenen Landessprache (z.B. Gradec) und dann in der Sprache des Landes, in dem der Ort liegt (also Graz), angegeben. Und das ist gut so, denn es zeigt die Bedeutung des Ortes für das eigene Land – politisch, wirtschaftlich, historisch und emotional.

Erinnerung an die dreisprachige Stadt (Foto © Josef Wallner)
Erinnerung an die dreisprachige Stadt (Foto © Josef Wallner)

Bei Pressburg ist es allerdings ein bisschen komplizierter. Die Stadt gehörte seit Jahrhunderten zum ungarischen Königreich, ja sie war, als Budapest im Besitz der Türken stand und darüber hinaus, das ungarische Zentrum, in dem die Könige gekrönt wurden. Der ungarische Name Pressburgs, den die Stadt bis zum Ende der Monarchie als offiziellen Namen führte, ist Pozsony (das y wird nicht gesprochen). Auf Slowakisch heißt die Stadt Prešporok. Und was ist dann mit Bratislava? Die Slowaken waren, ähnlich wie die Slowenen, eine Volksgruppe, die sich erst spät als Nation begriff. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Entwicklung der eigenen (Schrift)sprache. Und ein kleines Mosaik dabei ist die Erfindung von topografischen Bezeichnungen in der eigenen Sprache. (Man denke nur an das slowenische Maribor.) Vratislava taucht im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf. Die slowakischen Autoren lehnten sich dabei an einen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert an. Dieser ging davon aus, dass die vom mährischen Fürsten Vratislav auf den Fundamenten einer Römersiedlung errichtete Burg Vratislaburgium hieß. Von Vratislaburgium zum Bratislava wäre es also nicht weit. Nur, so einfach ist es auch wieder nicht, denn die Gelehrten waren sich wie so oft nicht einig. Brecisburg, slowakisch Bracislaw oder Brecislaw, kommt ins Spiel, weil man (fälschlicherweise) annahm, dass die Stadt vom böhmischen König Brecislaw (oder Bracislaw) gegründet worden sei. Von Brecislaw war es nicht weit zu Břetislava und schließlich Bratislav, wie die Stadt seit 22. Februar 1919 offiziell hieß. Nur, dass das wegen der Endung av wiederum zu Tschechisch klang. Der Disput war ein kleiner Vorgeschmack auf die tschechisch-slowakischen Reibereien, die folgten. Und so einigte man sich einen Monat später auf Bratislava.

Als der Name Bratislava noch nicht existierte (Foto © Josef Wallner)
Als der Name Bratislava noch nicht existierte (Foto © Josef Wallner)

Heute spielt man in der Stadt ganz gerne wieder mit ihren vielen Namen. Es gibt Cafés und Biere, die Pressburg und Prešporok heißen und der etwas lächerlich wirkende rote Touristenzug, eine Art Liliputbahn für die Straße, heißt Prešporáčik.

Von all dem war noch keine Rede, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern am Hainburger Braunsberg stand, einem unserer klassischen Sonntagsausflugsziele, und hinunter ins Donautal schaute. Meistens blickten wir nur Richtung Westen. „Schau, der Schneeberg, wie deutlich man den sieht", rechts der Kahlenberg und – die biedermeierliche Vedute störend – ÖMV und Flughafen.

Und der Blick gegen Osten? Bemerkenswert, wie Absurdes als selbstverständlich angenommen wird, wenn man es nicht anders kennt. Den Osten gab es schlichtweg nicht. Höchstens waren es noch die da drüben, die Armen, die nicht raus konnten. Aber dass wir einmal hinüber wollten? Keine Rede davon. Nur in der Generation der Großeltern, erwachsen geworden in der Zwischenkriegszeit, gab es noch Anknüpfungspunkte. Die Großmutter kurte selbstverständlich noch in Karlsbad und erzählte von den armen Kindern dort drüben. Vielleicht war es auch als Trost gemeint, für Mitbringsel wie Matrjoschka-Puppen, von uns Kindern einfach Babuschka genannt, die uns nur mäßig begeisterten.

Mit dem Interesse für Geschichte wuchs auch das für die Städte Altösterreichs, die nun in so vielen Ländern liegen. Die Neugier bezog sich auf die Geschichte, wie es Kronstadt, Czernowitz oder Lemberg aussah, interessierte mich eigenartigerweise weniger. Oft wusste ich nicht einmal, in welchem Staat die eine oder andere Stadt lag oder wie sie in der jeweiligen Landessprache hieß.

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Slowenische Steiermark: Durchfahrt verboten!

Keine Sorge, Slowenien sperrt im Sommer nicht seine Autobahnen. Aber jeder Genießer sollte es sich verbieten, am Weg an die Adria nicht in der Štajerska haltzumachen. „Besuchenswert ist das steirische Unterland fast überall…".  

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Goldener Hügel, Drachenschleim und ein glückloser Verschwörer

Ein Herbsttag im untersteirischen Gonobitz-Slov. Konjice

Gonobitz? Der Name sagt Ihnen nichts? Und doch bin ich mir sicher, dass viele von Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, an diesem untersteirischen Städtchen schon vorbeigefahren sind. Und zwar immer dann, wenn Portorož-Portorose, Piran oder Abbazia-Opatija auf Ihrem Reiseplan gestanden sind.

Die Autobahnausfahrt Slov. Konjice liegt knapp vor den beiden einzigen Tunnels zwischen Marburg-Maribor und Cill-Celje. Nicht die Tunnels sind interessant, sondern der Berg, den sie durchqueren. Es ist der Weitensteiner Zug – und der wäre nach 1918 fast zur Grenze zwischen österreichischer und slowenischer Steiermark geworden. In diesem Fall wäre Gonobitz heute der österreichische Grenzort zu Slowenien – und somit hierzulande weit präsenter als es Slovenske Konjice ist.

Gonobitz-Slov. Konjice (Foto © Josef Wallner)

Konj heißt auf Slowenisch Pferd. Und so verwundert es nicht, dass das Wappentier von Konjice ein weißes Pferd ist. Es handelt sich aber nicht um einen Lipizzaner, denn die sind eineinhalb Stunden von Gonobitz entfernt, in Lipizza-Lipica auf dem Karst zu Hause. Gonobitz war nur eine wichtige Station auf dem Weg von Wien nach Triest, an der die Pferde umgespannt wurden. Eine ziemlich profane Geschichte also. Mystischer ist da schon die Sage über den Bach, der die Gonobitzer Altstadt durchfließt. Sein Wasser soll der Schleim eines Lindwurms sein. Warum das so ist, überliefert Hans von der Sann in der Sage vom Gonobitzer Lindwurm…

Das Dranntal mit dem Wotsch (Foto © Josef Wallner)

„Südlich vom Markte Gonobitz, im steirischen Unterlande, erhebt sich der Gonobitzberg, welcher im Innern hohl sein soll. Vor langer Zeit nun füllten den Berg unterirdische Gewässer, in denen ein abscheuliches Untier, ein Lindwurm, sein Spiel trieb. Dieser brach zuweilen aus dem Berge hervor und richtete dann jedesmal unter den Menschen und dem Viehe große Verheerungen an. Um sich diesen gefährlichen Feind vom Leibe zu halten, beschlossen die Bewohner des Marktes, dem Lindwurm alljährlich sechs weißgekleidete, bekränzte Jungfrauen zu überlassen, außerdem sollte auch noch der Pfarrer zu Gonobitz täglich vor dem Hochaltare in der Pfarrkirche eine heilige Messe lesen. 

Eines Tages nun verschob der Pfarrherr die hl. Messe. Alsbald hörte man ein furchtbares Tosen und Krachen, welches aus dem Innern des Gonobitzberges zu kommen schien, und bald darauf entströmten diesem große Wassermengen, welche nicht nur den Markt, sondern das ganze obere Drautal unter Wasser setzten; Häuser fielen ein, Bäume wurden entwurzelt und fortgerissen, Menschen und Tiere standen in größter Lebensgefahr. Der Lindwurm war ausgebrochen, weil man das Gelöbnis nicht gehalten, und nun befahl der Pfarrer, ein Pferd herbeizuschaffen, um zur Kirche reiten zu können. Mit vieler Mühe wurde ein solches vor ihn gebracht, worauf er dann das Tier bestieg und in die Kirche ritt. Aber auch hier stand das Wasser schon so hoch, daß es ihm unmöglich schien, die hl. Messe stehend lesen zu können, weshalb er es auf dem Pferde sitzend tat. 

Nachdem der Priester den Gottesdienst beendet hatte, verliefen sich die Gewässer; aber auch der Lindwurm verschwand und wurde seither nicht mehr gesehen. Noch sieht man vom Markte aus einen Felsen, welcher durch eiserne Doppelhaken zusammengehalten sein und den Eingang zu dem einst vom Lindwurm bewohnten und mit unterirdischen Gewässern gefüllten Innern des Gonobitzberges bilden soll."

Wie gesagt, auch wenn den Drachen keiner mehr je zu Gesicht bekommen hat, da sein dürfte er noch und sein Sabber rinnt als Bacherl durch das hübsche Gonobitz.

Das Green mitten im Grünen (Foto © Josef Wallner)

Sie glauben nicht an Lindwürmer? Dann kann ich Ihnen eine andere Geschichte aus Gonobitz bieten, die mehr Wahrheitsgehalt aufweist, aus Sicht ihres Hauptprotagonisten müsste man sagen, leider: Hoch oberhalb von Gonobitz, ober dem Friedhofe und der St.-Anna-Kapelle mit ihren alten Grabdenkmälern, erheben sich die Ruinen der Gonobitzer Burg mit ihrem markanten weißen Turm. Ihr prominentester Besitzer war Erasmus Graf von Tattenbauch. Im Winter des Jahres 1671 wurde er in Graz hingerichtet. Der untersteirische Historiker Rudolf Gustav Puff hat seine letzte Stunde geschildert: „Am 1. Dezember 1671 blieben die Stadt¬tore in Graz um eine Stunde länger geschlossen, die ganze Garnison zu Fuß und zu Pferde nebst der Stadtguardia marschierte auf. Das Schafott war im Hofe des Rathauses aufgeschlagen. Tattenbach betrat es ruhig und ergeben, früh um 8 Uhr am Arme des Jesuitenpaters Seitz. Der schöne, eitle, noch nicht siebenunddreißig Jahre alte Mann war blaß, gebeugt, ergraut und runzelig geworden. Mit Dank vernahm er die Gnade, daß ihm das Abhauen der rechten Hand erlassen sei. Knieend, nicht sitzend, wie es ihm erlaubt worden, empfing er die drei Todesstreiche. Als sein Kopf fiel, wurden alle Glocken der Stadt geläutet." Bei einer Verschwörung, in diesem Fall eine ungarisch-kroatische mit untersteirischer Beteiligung, verstanden die Habsburger keinen Spaß. Mit dem Tod des Grafen begann auch der Niedergang der Gonobitzer Burg, die eine der größten und vornehmsten der Steiermark war.

Das Dranntal mit dem Wotsch (Foto © Josef Wallner)

An die dunklen Stunden des Verschwörers erinnert in Gonobitz nichts mehr, genauso wenig wie an die Belagerung durch die Ungarn, die Türkenstürme und die verheerenden Brände. Gonobitz ist schlichtweg eine reizende untersteirische Weinstadt, was mit der Auszeichnung als schönster slowenischer Ausflugsort auch schwarz auf weiß belegt ist. Der Vorteil eines Besuches von Gonobitz ist, dass es – mit zwei Ausnahmen – nichts gibt, was Sie unbedingt sehen müssen. Lassen Sie sich einfach durch die paar Gasserl des Städtchens treiben. Vielleicht interessiert Sie die Ortsvinothek, vielleicht das ehemalige Windisch-Graetz-Schloss Trebitsch-Trebnik mit dem Naturkosmetik-Shop, das Feuerwehrmuseum, die alte Mühle oder doch die St. Georgkirche, die bei meinen Besuchen, was bei untersteirischen Kirchen selten vorkommt, sogar offen war.

Untersteiermark pur.... (Foto © Josef Wallner)

Sind Sie an der gemeinsamen Geschichte von deutsch- und slowenischsprachigen Steirern interessiert? Dann entdecken Sie in Gonobitz vielleicht noch so Manches, das an die Zeit des Herzogtums Steiermark erinnert, als Gonobitz laut dem Reisehandbuch Steiermark von 1914 als kleine deutsche Sprachinsel in der slowenischen Steiermark galt: „Gonobitz. Stattlicher Markt, deutsche Sprachinsel liegt zwischen den südlichen Ausläufern des Bacher und dem Gonobitzer Berge an der Drann. Gasthöfe: Goldener Hirsch, Kasinoverein Sonne, Schwarzer Adler, Stadt Wien. Waldreiche Umgebung mit schönen Spaziergängen, Jagd und Fischerei, Tennis. Die Industrie ist wenig entwickelt. Umso bedeutender ist der Weinbau der Umgebung, besonders in den Gemeinden Skalitz [Škalce], Lipoglau [Lipoglav], Heiligen-Geist [Sv. Duh] und Verholle [Vrhole], wo der berühmte rote Vinarjer in hervorragender Güte gedeiht…"

Völkerverbindende Speisekarte (Foto © Josef Wallner)

Das Gasthaus Stadt Wien habe ich nicht mehr gefunden, Weinberge aber umso mehr. Einer davon, der goldene Hügel oder Zlati grič, ist die erste Attraktion, die Sie in Gonobitz nicht versäumen dürfen. Er liegt in Skalitz-Škalce genau gegenüber der Gonobitzer Altstadt. Was für eine Lage: das anmutige Weinschlössl der Herren von Gonobitz auf dem Kamm des goldenen Hügels, in Blauweiß gehalten, umgeben von Tausenden Weinstöcken. So oft war ich schon dort und doch berührt mich dieser Anblick jedes Mal aufs Neue. Und das Beste ist: Sie können das Weinschlössl mieten. Es gehört zum Unternehmen Zlati grič. Dieses ist ein kleines untersteirisches Imperium mit dem Weingut (70 Hektar), dem Golfplatz und dem Gasthaus auf dem goldenen Hügel, eines meiner Lieblingswirtshäuser in der Untersteiermark. Für mich ist es Tradition dort bei einem Glas Sivi Pinot, dem Grauburgunder, meine Reisen in den Süden ausklingen zu lassen. Der Blick schweift über Gonobitz mit seinem spitzen Kirchturm, dahinter der weiße Turm der Burg, aus dem dunklen Grün des Gonobitzer Berges (Gora) aufragend; hinter mir die südlichen Abhänge des Bachern, in viel helleres Grün als die dunkle Gora getaucht, denn der Wein zieht sich weit den Gebirgsstock hinauf. Durchbrochen wird das grüne Bild vom Grau und Weiß der vielen Kapellen und Kirchhtürme, die das so typische untersteirische Landschaftsbild komplettieren.

Am goldenen Hügel von Skalitz (Foto © Josef Wallner)

Weiter oben am Bachern ändert sich die Szenerie. Der Süden weicht dem Norden, das Weinland geht in Wiesen und die Wälder des Pohorje über, jenes breiten Granitstocks, der die nördliche Untersteiermark von den südlichen Landesteilen trennt. Der Bachern ist kein spektakulärer Gebirgszug mit schroffen Gipfeln und wilden Zacken, sondern ein behäbiger Klotz, der sich von Unterdrauburg-Dravograd bis Marburg-Maribor und von dort hinunter nach Gonobitz zieht. Der Tourismus hat Teile des Bachern längst in Beschlag genommen, vor allem auch den Gonobitzer Schwagberg, slowenisch Rogla, auf dem viele Slowenen das erste Mal auf Schiern standen. Für mich ist der Schwagberg Ausgangspunkt für Wanderungen am Plateau des Bachern, vor allem das Moor und die St. Lorenzener Seen haben es mir angetan. Bin ich nicht gerade noch am goldenen Hügel in der Sonne gesessen? Und jetzt, wenig später, fröstelt es mich, wenn ich auf einem schmalen Holzpfad durch eine mit Latschen bewachsene Moorlandschaft tripple, die ich ungschaut ein paar Tausend Kilometer weiter nördlich verorten würde.

Moorlandschaft am Bachern (Foto © Josef Wallner)

Möchten Sie die Moorlandschaft in aller Ruhe genießen, sollten Sie den Schwagberg und seine Umgebung unter der Woche besuchen. Am Wochenende bietet sich stattdessen ein Besuch von Seitz-Žiče an, der ältesten Kartause im alten Österreich. Warum wurde in diesem abgelegenen Winkel der Steiermark dieses große Kloster errichtet? Eine steirische Sagensammlung klärt auf: „Markgraf Ottokar V. von Steier jagte einst in der Umgebung von Gonobitz. Eine weiße Hirschkuh lockte den Fürsten von seinem Gefolge ab und immer tiefer in die unwegsamen Wälder. Plötzlich verschwand das seltene Wild. Der Markgraf suchte einen Ausweg, aber er war schon zu sehr ermüdet und verfiel in einen tiefen Schlummer. Im Traume erschien ihm der hl. Johannes der Täufer im weißen Kleide und ermahnte ihn, hier an dieser Stelle im Walde ein Kloster zu gründen, dessen Mönche weiße Gewänder trügen. Auf die Frage, wo er solche Brüder finden könne, verwies ihn der Heilige an die Bruderschaft der großen Kartause im Delphinate bei Grenoble. Bald darauf wurde der Markgraf durch den Lärm seiner ihn suchenden Jagdgenossen aus dem Schlafe aufgeweckt, und ein von den Hunden verfolgter Hase (slowenisch zajec) suchte bei Ottokar Schutz, indem er sich in dessen Schoß flüchtete. Als darauf … hier in dem ungefähr zwei Stunden südwestlich von Gonobitz gelegenen stillen Waldtale von dem frommen Markgrafen ein Karthäuserkloster gegründet wurde …"

Kartause Seitz (Foto © Josef Wallner)

In der Zeit der Reformation ging es mit der Kartause bergab, die Rekatholisierung des Landes brachte die Mönche zurück, bis Josef II. das Kloster aufhob. Schließlich brachte man im 19. Jahrhundert die Überreste Ottokars von Steiermark aus der verfallenen gotischen Kirche in das Stift Rein. Im neuen Slowenien wurden Teile der Kartause restauriert. Seitz wurde zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Ausstellung in einem der wieder hergestellten Trakte ist interessant und recht gut gemacht. Das Besondere an Seitz ist aber das eigentümliche Zusammenwirken von Natur und Architektur.  „Die Gotik des Waldes wetteifert mit der von Menschen erdachten…"  Diesem Befund aus 1914 lässt sich nichts hinzufügen.

Die Gotik des Waldes wetteifert mit der von Menschen erdachten (Foto © Josef Wallner)

In den Ruinen des Klosters „hat die Welt ein Ende" schrieb vor vielen Jahrzehnten ein untersteirischer Schriftsteller. Am Ende ist die Welt erfreulicherweise noch nicht und so können Sie sich neben dem Kloster im ältesten Gasthaus Sloweniens, dem Gastuž, stärken und auf der netten Holzterrasse die Atmosphäre des St. Johannestals genießen. Die Kartäuser hatten sich wahrhaft einen guten Platz ausgesucht. Am Weg zurück nach Gonobitz sollten Sie einen Blick auf die romanisch-gotische Kirche in Maria Spitalitsch (Špitalič) werfen.

Links

http://www.zlati-gric.si/
Weingut, Gasthaus, Apartment, Golfplatz 

http://www.penzion-kracun.si/en/food/gostilna-gastuz/
ältestes Gasthaus der Untersteiermark, einige Kilometer davon entfernt lässt es sich in der Pension Kračun (mit Wellnessbereich) sehr angenehm übernachten. Zum Angebot gehört auch eine Hochzeitsagentur, die Ihre Trauung z.B. in der Kartause arrangiert.

Euch hat der Artikel gefallen? Mehr davon findet ihr in den Büchern von Josef Wallner:

Reisen in der Untersteiermark|Štajerska
Unbekanntes Slowenien. Reisen auf Altösterreichs Spuren in Krain und Laibach.

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Kleiner Berg ganz groß

Eine Herbstwanderung auf den Donatiberg

Unser Land hat wahrlich genug an Bergen und Hügeln zu bieten, von sanft bis schroff und von rund bis spitz. Warum sollten Sie trotzdem ein Stück über unsere südliche Landesgrenze fahren und einen nicht einmal 900 Meter hohen Berg besteigen? Weil Sie von den Gipfeln des Donatibergs vielleicht halb Mitteleuropa überblicken und ein wenig über den Dingen stehen können, was in Zeiten wie diesen Hirn und Seele nur gut tun kann.

Auf zu Rudis Hütte (Foto © Norbert Eisner)

Und wieder einmal passieren wir die österreichisch-slowenisch steirische Grenze bei Spielfeld. Durch das schmale Zirknitz- und das breite Pössnitztal mit dem langgezogenen Viadukt der Südbahn geht's an Marburg-Maribor vorbei. Die Hauptstadt der slowenischen Steiermark wird im Norden eingerahmt von den Ausläufern der Windischen Büheln, überzogen mit golden schimmernden Weinstöcken, die sich Kalvarien- und Pyramidenberg hinaufziehen. Ein Herbstbild, wie es prächtiger nicht sein könnte. „Ach ja! Wären wir wo anders, in Frankreich oder Italien, in Ägypten oder Amerika, unsere südsteirischen Herbste Tage wären längst eine Weltberühmtheit und Tausende von Fremden würden sich an der fast mit jedem Tage sich verändernden Pracht ihrer Farben und an ihrer sonnigen Milde erfreuen." So schwärmte eine südsteirische Schriftstellerin schon anno 1916. Wobei, notabene, mit südsteirisch die damalige Untersteiermark, die heutige slowenische Steiermark, gemeint war. Unsere Südsteiermark zählt historisch zur Mittelsteiermark. Die beste Zeit für einen Besuch der Untersteiermark ist somit der Herbst, der, um wieder eine literarische Anleihe zu nehmen, „nirgends so schön ist, wie im steirischen Unterland, dessen geheimen Offenbarungen man lauschen muß beim Zirpen der Grillen, bei den sanften Liedern des Klopotez. Goldgelb glänzt der Wein in den Gläsern, appetitlicher Duft entsteigt den dampfenden Kastanien…" Gut, dass sich daran nichts geändert hat.

Der Donati von Rohitsch – Sauerbrunn gesehen (Foto © Norbert Eisner)

Der steirische Wein verdankte einst seinen Ruf übrigens nicht den heute so bekannten Lagen, sondern jenen in der Untersteiermark. Die besten Weinlagen des alten Herzogtums Steiermark-Štajerska gilt es nun wieder zu entdecken. Sie reichen in den Windischen Büheln-Slovenske gorice von der österreichischen Grenze bis hinunter nach Luttenberg-Ljutomer und Jerusalem-Jeruzalem und flankieren in der Kolos-Haloze das Drautal südlich von Pettau-Ptuj bis an die kroatische Grenze. Auf der steirischen Seite des Save- und Sottlatals haben die Böden rund um Wisell-Bizeljsko und die Abhänge des Schremitschbergs-Sremič hohes Potenzial, ebenso wie jene des Bachern-Pohorje von Windisch-Feistritz-Slov. Bistrica bis Gonobitz-Slov. Konjice. 

Kurz nach Marburg verlassen wir die slowenische A1 und auf der A4 geht's in Richtung Pettau-Ptuj. Von nun an können wir schon das Ziel unseres Sonntagsausflugs ins Visier nehmen. Es ist der breite Rücken des Donatibergs, der Donačka gora. Ehrlich gesagt, spektakulär wirkt der Berg von hier aus betrachtet noch nicht. Aber wir bleiben gespannt. Schließlich gibt es in unseren alten Reiseführern, die wie stets auf unseren Mitteleuropareisen die Begleiter sind, wahre Elogien auf den Donati. Er sei der „Glanzpunkt in der Landschaft" und die „Rigi der Kurgäste Rohitsch-Sauerbrunns". (Der berühmte Berg weiblichen Geschlechts am Vierwaldstätter See stand bei den frühen Touristikern als Synonym für alpine Herrlichkeit hoch im Kurs.) Für uns schaut er vorerst dem Schöckel gleich. Westlich vom Donati erhebt sich der Wotsch-Boč, einem ebenso beliebten Wanderziel wie der Donatiberg, der mit einer botanischen Rarität aufwartet: Hier ist der einzige Ort in Mitteleuropa, an dem die lila blühende Osterblume wächst. Man findet sie unterhalb der Wotsch-Hütte (es gibt eine Hinweistafel).

Das prächtige Kurhaus von Rohitsch Sauerbrunn (Foto © Josef Wallner)

Über das Draufeld geht es Pettau-Ptuj zu. Die älteste steirische Stadt hat, auch wenn's abgedroschen klingt, italienisches Flair und lohnt, verbunden mit einer Tour in die untersteirischen Weinberge oder das kroatische Zagorien-Zagorje, in jedem Fall einen Wochenendtrip. Bei der Ausfahrt Hajdina (deutsch Haidin) verlassen wir die Autobahn in Richtung Ptujska gora (Maria Neustift). Die Landschaft des Draufeldes als spektakulär zu bezeichnen, wäre kühn. Sie erinnert eher an die Gegend rund um Fürstenfeld. Zu entdecken gibt es trotzdem etwas, denn in Haidin befindet sich eine der ersten Mithras-Kultstätten aus dem zweiten Jahrhundert n.Chr. Die Ausgrabungen zeigen von der gewissen Bedeutung, die Poetovio, das römische Pettau, hatte. Immerhin wurde in der damals 40.000 Einwohner zählenden Stadt Vespasian zum Kaiser ausgerufen. Aber das gehört zu Pettau und das ist wieder eine andere ask-enrico-Geschichte. 

Geschichtsträchtig ist auch der Boden von Kidričevo, benannt nach Boris Kidrič. Dieser war, 1912 in Wien als Sohn eines Literaturkritikers geboren, einer der wichtigsten Partisanenführer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er erster Präsident der slowenischen Regionalregierung. Seine Denkmäler stehen heute noch in Laibach und Marburg, trotz so mancher daran geäußerter Kritik. (Das heutige Slowenien trägt noch immer schwer an den Kämpfen, blutig oder ideologisch, in der Kriegs- und Nachkriegszeit.) Den deutschsprachigen Untersteirern war der Partisanenführer jedenfalls schlecht gesonnen. Im Juni 1945 forderte er: „Aus den nördlichen Gebieten müssen die Reste des Deutschtums verschwinden. Es ist unzulässig, daß diese Reste noch auf slowenischer und jugoslawischer Erde spazieren gehen. Diese Leute, die mithalfen unser Volk zu versklaven, diese Leute dürfen nicht mehr hier bleiben."

Donati im Nebel (Foto © Norbert Eisner)

Früher hieß Kidričevo nach einem hiesigen Dorf Sterntal-Strnišče. Hier hielt in der weiten Ebene einst das k.u.k. Militär seine Schießübungen ab und noch immer existiert ein österreichisch-ungarischer Militärfriedhof. Im Ersten Weltkrieg wurden in den Baracken Kriegsgefangene interniert, später Flüchtlinge aus dem Küstenland, die von der nahen Isonzofront evakuiert worden waren. Der Name des Ortes stammt nicht von einem Stern, sondern von Stör, was so viel wie Schafsbock bedeutet. In Sterntal befand sich eines der Lager, in das Tausende Deutschsprachige 1945 verschleppt worden waren. Zuvor war hier allerdings von den Nazis ein „Sonderdienstpflichtigenlager" für „nichteindeutschungsfähige" Slowenen errichtet worden. Was sich nach Kriegsende in Sterntal abspielte, war eines jener Verbrechen, die das alte Mitteleuropa 1945 endgültig zerstörten: „Als wir nach Sterntal kamen, war alles voll allerliebster kleiner Kinder, dann wurde es stiller und stiller, und die Kinder, die früher lustig auf der Straße umhergesprungen waren, konnten nicht mehr laufen, nicht mehr sitzen, nicht mehr gehen. Sie kamen uns vor wie Blumen, die man nicht mehr gießt und die alle ihre Blätter und Blüten hängen lassen. Schließlich wurden die armen Kinder umhergetragen und hatten ihr kurzes, frisches, blühendes Leben bald ausgehaucht…", schrieb Helena Gräfin Fünfkirchen, nachdem sie dem Lager, nach der vom Internationalen Roten Kreuz erzwungenen Schließung, entkommen war. 

Bei der Fahrt durch die Ebene, Maria Theresia wollte hier wie am niederösterreichischen Steinfeld einen Kieferwald pflanzen, sieht man schon von weitem den barocken Turm von Maria Neustift in die Höhe ragen. Der Versuchung einen Abstecher zu dieser Kirche, die landläufig als schönste der Untersteiermark gilt, zu unternehmen, widerstehen wir nicht. Viele Geschichten ranken sich um die Kirche von Ptujska gora, so soll Maria die Kirche in eine dunkle Wolke gehüllt haben, um sie vor einem Angriff der Türken zu schützen. Nun, die Türken ließen sich davon offensichtlich nicht abhalten, wie an so manch verstümmelter Statue zu erkennen ist. (Hexen- und Türkengeschichten sind wahrscheinlich die beliebtesten Stories in der alten Untersteiermark gewesen.)

Es war einmal … (Foto © Norbert Eisner)

Heute besuchen rund sechzigtausend Menschen jährlich Maria Neustift, das in der Monarchie als zweitwichtigster Wallfahrtsort der Steiermark nach Mariazell galt. Prunkstück der Kirche ist die Schutzmantelmadonna, die seit den Zeiten der Gegenreformation als Hochaltar dient. Zuvor war sie über dem Kirchenportal angebracht. Unter ihrem Mantel finden sich zweiundachtzig Figuren und Porträts historischer Persönlichkeiten und von Mitgliedern des Minoritenordens, der bis zum heutigen Tag die Pfarre betreut. Neben der Schutzmantelmadonna sticht in der Südapsis eine grandiose Steimetzarbeit ins Auge, der Baldachinaltar Friedrich II. von Cilli. Auch die übrige Ausstattung bietet Kunstliebhabern interessante gotische und barocke Malereien, Schnitzereien und Steinmetzarbeiten. Die Steinmetze haben sich mit ihren „Unterschriften" auf allen ihren Stücken verewigt. Über tausend dieser Steinmetzzeichen werden gezählt. Rund um die Kirche bietet sich ein typisch altösterreichisches Bild. Pfarrhof, Kirchenwirt (heute eher ein Café) und die Heiligen Florian und Johann Nepomuk, die die schöne Barocktreppe zur Kirche hinauf flankieren. 

Von Maria Neustift geht es nach Monsberg-Majšperk mit dem Schloss Hammer-Hamre im Ortsteil Breg. Das Schlössl war einmal eine Hammerschmiede im Besitz der Pettauer Minoriten, später wurde es barockisiert. Über dem Ort thronte einst die Burg Monsberg, auf der Paolo Santonino, der Reiseschriftsteller des 15. Jahrhunderts, zu Gast war. Eigentlich wäre uns jetzt mehr nach einem der lukullischen Genüsse zumute, wie sie Santonino auf seiner Reise von Italien nach Mitteleuropa genossen hat, als auf einen Berg zu steigen. Aber zu spät, wir sind in Stoperzen-Stoperce angelangt, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung. Schon fast am Ende des Ortes weist uns das Schild Donačka gora im Ortsteil Kupčinji vrh den richtigen Weg zum Parkplatz. Einer Versuchung widerstehen wir dieses Mal: auf dem Bauernhof Golob einzukehren und uns dort mit untersteirischen Köstlichkeiten den Bauch vollzuschlagen.

Fast am Ziel (Foto © Josef Wallner)

Apropos untersteirisch. Jetzt, am Fuß des Donati, stellt er sich wieder ein, dieser untersteirische Zauber, der das Land zwischen Windischen Büheln und Save für uns so anziehend macht. Was macht ihn aus? Die Üppigkeit seiner Früchte, die vielen Schattierungen von Grün in seinen Wäldern, die Streuobstwiesen, die alte bäuerliche Architektur, oft heruntergekommen, oft verschandelt, aber trotzdem stimmig, das weniger ordentliche, aber vielleicht natürlichere Bild, welches das Land bietet? Wahrscheinlich ist es alles das zusammen und noch etwas Anderes, schwer Fassbares, das hier in der Luft liegt. In eben dieser befindet sich, geht es nach unseren slowenischen Freunden, ein gewisser Anteil an Alkohol, deshalb liege in der Untersteiermark der Promille-Grenzwert für Autofahrer über 0,5. Man muss nicht immer die Probe aufs Exempel machen, denken wir uns, obwohl die Bäuerin, zu deren Grund der Parkplatz für die Besteiger des Donati gehört, gleich nachdem wir eingeparkt hatten, mit einer Schnapsflasche gekommen war. Wir sollten uns doch stärken, vor dem Aufstieg… 

Auf Empfehlung unserer mit uns wandernden slowenischen Freunde wählten wir eine recht gemütliche Tour. (Andere Tourenvorschläge finden sich – auch auf Deutsch – zur Genüge im Internet, einige sind am Ende des Artikels verlinkt.) Die Gehzeit beträgt kaum mehr als drei Stunden, aber selbstverständlich planen wir mehr Zeit ein, schließlich gibt's auch eine Hütte am Donati. Diese erreichen wir schon nach einer halben Stunde Aufstieg durch einen schattigen Graben. Sie heißt Rudijev dom, also Rudis Haus, und steht auf einer schönen Wiese unterhalb der Donati-Steilhänge. Die richtige Stärkung verschieben wir auf später, nachdem wir den Gipfel erklommen haben, und begnügen uns jetzt mit einem Laško und einem Špricar. Jetzt, wo wir den drei Spitzen des Donati schon nah sind, dreht sich das Gespräch natürlich um diesen eigenartigen Berg. Für die Slowenen ist er einer ihrer Berge, auf dem die Hexen hausen. Wir blättern in unseren alten Reiseführern und lesen, was die österreichischen Reiseschriftsteller vor hundert und mehr Jahren über den Donatiberg schrieben: „Da an des Berges Spitze stets ein kühles Lüftchen weht, wird man gut tun, sich dagegen mit einem passenden Kleidungsstück zu versehen. Proviant mitzunehmen, dürfte kaum schaden." Okay, das haben wir schon einmal verabsäumt, aber wir stärken uns ja auf der Hütte.

Kleiner Berg, ganz groß (Foto © Josef Wallner)

Wir lesen weiter: „Der Berg ist auch geologisch und botanisch interessant; hier begegnen sich alpine und Mittelmeer-Flora. Da man am Fuße viele Römerfunde machte, u.a. Reste einer Straße gegen die Donatikirche zu, vermutete man früher, daß am Gipfel ein Tempel des unbesiegbaren Sonnengottes Mithras gestanden war; als dessen Nach¬folger eine Kirche des hl. Donatus gebaut worden sei; doch ist oben weder für das eine noch für das andere Bauwerk Platz. Im 15. und 16. Jahrhundert war oben eine Kreidfeuerstation gegen die Türken". Heute geht man davon aus, dass eine erste Kirche 1740 vom Blitz zerstört wurde. Ein Nachfolgebau wurde ebenfalls Opfer eines Gewitters. Angeblich hat der Blitz die Glocke den Berg hinuntergeschleudert, an jene Stelle, wo heute die Donati-Kirche steht. In der befindet sich auch die Donatusstatue aus der zerstörten Kirche. (Bei der kleinen Donatikirche kommen wir nicht vorbei. Man passiert sie, wenn man den Berg von St. Georgen-Jurij, über Schiltern-Žetale zu erreichen, besteigt.) 

„Merkwürdig verschieden ist der Anblick, den der Berg dem Beschauer von Sauerbrunn [Rogaška Slatina], von Rohitsch [Rogatec], von Pragerhof [Pragersko], von Pettau [Ptuj] und von Sauritsch [Zavrč] aus bietet: bald ist es ein Horn, bald ein langgestreckter Zug, dann wieder ein Pyramidenstumpf oder ein schöner Kegel." Wie wahr, und das ist eine der USP, auf die zweite kommen wir noch zu sprechen, dieses Berges. Man glaubt es kaum, dass ein- und derselbe Berg so verschieden aussehen kann.

Uros im gelben Shirt und seine Helfer (Foto © Norbert Eisner)

So, auf geht's, auf die Gipfel des Donati! Er hat deren drei. Unser erstes Ziel ist die östliche Spitze. Zuerst läuft der Weg auf weichem Waldboden nur langsam ansteigend dahin. Wir können uns kaum sattsehen und diesen Baumriesen, allesamt Buchen. Ist das der berühmte Urwald des Donatibergs, in dem seit 150 Jahren nicht mehr geschlägert wird? Nein, sagen unsere Begleiter, durch den kommen wir erst bei unserem Abstieg. Der Weg beginnt nun stark zu steigen. Irgendwie muss man schließlich auf diese paar Hundert Höhenmeter kommen, die den Sattel von den fast 900 Meter hohen Gipfeln trennen. 

An sich wär das trotzdem ein Sonntagsspaziergang, wenn nicht knapp unterhalb des östlichen Gipfels der Felsen so schroff wäre, dass wir uns ein kurzes Stück an einem Drahtzeil hochziehen müssen, und wir nicht Uroš Vidovic getroffen hätten. Der quirlige Vierziger, ehemals Geografieprofessor am Pettauer Gymnasium, ist Sloweniens Alpenvereinsvertreter bei der Europäischen Union, ein sehr guter Job, wie er uns verschmitzt lächelnd versichert. In gutnachbarschaftlicher Zusammenarbeit vertritt er des Öfteren auch den österreichischen Alpenverein in Brüssel. An den Wochenenden hat er in seiner untersteirischen Heimat aber noch anderes, Handfestes, zu tun. Gemeinsam mit seinem Vater setzt er in mühsamer Kleinarbeit die alten Wege auf den Donatiberg wieder instand. Dafür ist eine Menge an Werkzeug notwendig. Hacken, Schaufeln, Krampen und vieles mehr. All das muss auf den Berg. Uroš packt die Gelegenheit beim Schopf und teilt uns, ganz Lehrer – und noch dazu ist eine ehemalige seiner Schülerinnen, unsere Freundin Lidija, in unserer Wandergruppe – zum Tragen all dieser nützlichen Dinge ein. Und so kommen wir noch richtig ins Schwitzen.

Gedenktafel für Dr. Frölich (Foto © Josef Wallner)

Der bekannteste Pfad auf den Berg ist der Frölichweg, auch er wurde von Vater und Sohn Vidovic schon bestens saniert. Diesen in schmalen Schlangenwindungen verlaufenden Steig auf den Berg ließ der Kurarzt aus Rohitsch-Sauerbrunn-Rogaška Slatina E. H. Frölich anlegen. Er ließ im Jahr 1853 auch eine Eremitage am Gipfel des Berges bauen, die aber bald verfiel. Im Jahre 1884 wurde deshalb von der Sektion Rohitsch-Sauerbrunn des Österreichischen Touristenklubs eine Hütte errichtet, die auch schon lange wieder verschwunden ist. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Frölich eine Gedenktafel unter dem Gipfel gewidmet, die aber, wie in einem Reiseführer aus k.u.k Zeiten vorwurfsvoll angemerkt wird, „in frevelhafte Weise zertrümmert und entfernt wurde." Heute hält eine Gedenktafel in slowenischer Sprache, angebracht an einer der mächtigen Buchen, das Andenken an den umtriebigen Kurarzt hoch. Wir werden ihr beim Abstieg über den Frölichweg die nötige Referenz erweisen, jetzt gilt es einmal, die Gipfel zu erklimmen. Zuerst wird, wie schon gesagt, der östliche bezwungen, er ist wilder und gefällt uns daher besser, dann sein westliches Gegenüber. Es trägt das Wahrzeichen des Berges, ein großes Steinkreuz mit der Aufschrift „Up Edini", „einzige Hoffnung". Es wurde 1943 errichtet, später von den Kommunisten gesprengt und 1992 wieder aufgestellt. Die am Boden liegen gelassenen Trümmer des ersten Kreuzes dienen zur Mahnung. 

Von den Gipfeln, gleich ob vom östlichen, mittleren oder westlichen, sollten wir nun das genießen, was unser Hauptmotiv für diese Sonntagstour gewesen war: eine der weitesten Aussichten Mitteleuropas. Nun, es war ein wenig diesig, nebelig gar, im Westen wolkenverhangen. Kurz und gut, mit der Sicht stand es nicht zum Besten. Waren wir enttäuscht? Höchstens ein bisschen, denn der Aufstieg in lustiger Runde, das interessante Gespräch mit Uroš, der wundervolle Urwald und nicht zuletzt die Vorfreude auf die slowenische Bauernküche im Rudijev dom, entschädigten uns weidlich für den fehlenden Fernblick.

Der Zauberwald (Foto © Josef Wallner)

Aber was haben wir eigentlich verpasst? Wir lesen wieder in einem der alten Reiseführer nach: (Zugegebenermaßen, Sie brauchen nun ein wenig Muße und Konzentration, können aber gerne schnell nach unten scrollen.) „Am Berge angekommen, fühlt man sich tief gefesselt, mächtig überwunden, von so viel zauberischer Naturpracht. Stille steht die schönste Naturlandkarte von sechs Kronländern unserer großen Heimat vor dem Auge ausgebreitet…" Mancher Reiseführer legt hier sogar noch das eine oder andere Kron- (bzw. Reichs-)land drauf: Der Donati biete „Aussicht über Steiermark, Kärnten, Krain, Kroatien, Bosnien, Ungarn, [Ober- und Nieder-]Oesterreich und Salzburg." Jedenfalls tauchen vor unserem Auge Gebirge und Täler auf, deren Namen den meisten Österreichern nicht mehr geläufig sind, obwohl sie nur wenig von unserer Grenze entfernt liegen: „Wenden wir uns zunächst dem Westen zu, wo vor allem der mächtige Bachergebirgszug [Pohorje] auffällt. Neben den vielen Ansiedelungen zählt man längs des ganzen Bergstockes bei 50 Kirchen, viele Schlösser, Ruinen und tiefer unten zahllose Rebenpflanzungen, von welchen rühmlichst hervorzuheben sind: die Ruster, Pickerer, Radiseller und Rittersberger Weingärten. Gegen die Ebene zu bemerkt man: Schloß Windenau [Betnava], die Frauheimer Kirche, auch Gut und Ruine gleichen Namens [Fram], die weit sich hinziehenden Weingärten bei Windisch-Feistritz [Slovenska Bistrica] und an deren unterem Saume das Städtchen Windisch-Feistritz mit der in altitalienischem Stile erbauten Burg. 

Von hier westlich erscheinen die Vinarier bei Gonobitz [Slov. Konjice], die Berge: Aulica, Kozjak, Rabensberg [Otemna], das Weitensteiner Tal [Vitanjska dolina], das Schalltal [Šaleška dolina], in dessen Hintergrunde uns der 1695 Meter hohe Ursulaberg [Urslja Gora] bei Windischgraz [Slovenj Gradec] entgegensieht. Aus der Umgebung des Kurortes Neuhaus [Dobrna] zeigt sich uns die Schlangenburg [Kačji grad]. Knapp hinter dem Ursulaberge türmt sich der hohe Petzenberg in Kärnten auf. Bei sehr günstigem Wetter, meist nur in heiteren Wintertagen, sieht hinter dem Petzen der Ankogel hervor. Malerisch, wie von keinem anderen Punkte, erscheinen die herrlichen Sanntaler Alpen [Savinjske Alpe]. Zuweilen ist auch die höchste Spitze der Julischen Alpen, der Terglou (Triglav) neben den Sanntaler Alpen links zu erspähen.

Der Zauberberg (Foto © Norbert Eisner)

Vor den Sanntaler Alpen [Savinjske Alpe] liegt das von der wundertätigen Sann [Savinja] durch-flossene Sanntal [Savinja Dolina], geschmückt mit einer großen Zahl von Kirchen, Gehöften, Schlössern, kultiviertem Land und Waldgruppen. Dasselbe begrenzt gegen Nord der Drau-Savezug, gegen Süd die Cillier Berge. Hinter dem Sanntale erhebt sich links die Sklza planina und rechts die etwas entfernteren Praßberger Alpen [Golte] Auf dem 731 Meter hohen Ölberge [Gora Oljka], rechts im Sanntale, ragt eine imposant gelegene, zweitürmige Wallfahrtskirche in die Lüfte; unter ihr das Schloß Schöneck [Šenek], darauf die Ruinen von Sanegg [Žovnek], des Stammschlosses der mächtigen Grafen von Cilli. Mitten im Tale liegt St. Peter [Šempeter], rechts das Schloß Neukloster [Novi klošter] und hinter diesem die ehemalige Malteser-Kommende Heilenstein [Polzela]. Unter St. Peter, gegen Cilli [Celje], bemerkt man Sachsenfeld [Žalec], an der Straße weiter herab das Schloß Neu-Cilli [Nova Celje], rechts von diesem Salloch [Zalog]. Noch näher herangerückt befinden sich einige Kirchen, sie gehören zu Cilli, welches man vom nicht sehen kann, wohl aber die ober der Stadt gelegene Ruine Ober-Cilli [Celjski Grad]. 

Von diesen Ruinen herwärts ragt uns das zerfallene Reichenegg [Rifnik] im Anderburgtale, der Wallfahrtsort St. Marein [Šmarje] mit der Rochuskirche und Schloß Erlachstein [Jelše], die Ritter-feste Süssenberg [Sladka Gora] und Kostreinitz [Kostrivnica], die Kirchen Rodein [Rodne], Drei¬faltig-keit [Sv. Trojica], der Janinaberg, Triestinerkogel [Tržaški hrib], der Bergrücken des Wotsch [Boč] und Plesivec, die Pfarrkirche St. Florian am Wotsch [Sv. Florijan ob Boču] und, ganz nahe an den Donati¬berg gerückt, Maria Loretto [Sv. Marija pri Šmarju].

Der Zauberberg (Foto © Josef Wallner)

Können Sie noch schauen? Gut, dann weiter:

Südlich reihen sich an die Cillier Berge die Tüfferer und Trifailer Berge an; in deren Nähe erhebt sich der Kumberg [Kum] bei Steinbrück [Zidani most], etwas tiefer erscheinen einige Anhöhen von Gottschee [Kočevje]. Herwärts werden die Montpreiser, Drachenburger, Wiseller und Klanjecer Berge sichtbarer, welche sich schon an die Agramer Berge anschließen. In der Richtung gegen den Kumberg liegt der stark eingesattelte Kozje bei Römerbad [Rimske Toplice]. Vor den Montpreiser und Drachenburger Bergen liegen: Süssenheim [Žusmo] mit zwei Kirchen, Babenberg [Babna Gora] mit zwei Kirchen und die Rudencaberge; mehr herwärts Windisch-Landsberg [Podčetrtek], St. Urban, St. Emma, St. Peter in Kroatien mit S. Ivan und Kis Tabor. Vor den Wiseller Bergen bemerkt man den Königsberg [Kunšperk], St. Peter bei Königsberg [Bistrica ob Sotli] mit dem ‚heiligen Berg' [Sv. Gora], den Veternik bei Drachenburg [Kozje], Groß-Tabor, Vinagora, die Pregradaer Berge, Maria taborska und in unmittelbarer Nähe Rohitsch [Rogatec] mit dessen Ruine und Schloß Stermol [Strmec]. Gegen die Klanjecer Berge liegt: der Kaiserberg [Kraljev vrh] in der Nähe des Königsbergs [Sv. Gora], aber schon in Kroatien, vor uns die Pfarrkirche St. Rochus, Lupinjak und Kostelj. Bei Rann [Brežice] über der Save wird das Schloß Mokric [Mokrice] in Unterkrain [Dolenjska] sichtbar. Ganz hinten begrenzt das Uskokengebirge [Gorjanci/Žumberak] den Süden. Verfolgt man die Landschaft gegen Ost, kommen südöstlich die Agramer Berge in den Gesichtskreis, vor welchen sich das mit Kirchen und Edelhöfen gezierte Zagorien [Zagorje] zeigt. Bei Agram [Zagreb] tritt der Bärenberg [Medvednica] mit dem Oroslavjetale hervor, kraljevi vrh und Maria bistra erscheinen in demselben. Östlich von der Burg Kaiserberg [Cesargradu] sieht man St. Magdalena [Kapela] bei Krapina-Töplitz [Krapinske Toplice], hinten das Hügelland von Zagorien, mehr herwärts, einen Teil des Pregradaer Tales [Pregradska dolina].

Der Zauberwald (Foto © Josef Wallner)

Einmal geht's noch:

Östlich von uns erscheinen die Krapinaer Berge, das Ivancicagebirge, der Hl. Dreikönigsberg [Komin], Warasdin [Varaždin] mit einigen kleinen Kirchen, das Kaiser Constantinbad bei Warasdin [Varaždinske Toplice], Csakaturn [Čakovec], der Plattensee [Balaton], Polstrau [Središče], Friedau [Ormož], die Luttenberger Berge mit Jerusalem, die Warasdiner Ebene, Meretintzen [Muretinci], Ankenstein [Borl], das Macelgebirge [Macelj] und die nahen Nivicaberge. Gegen Nordost erscheinen die Csakaturner Berge, hinter welchen die Kanizsaner Berge liegen. Vor dem Murtale bemerkt man die Radkersburger Höhen mit dem Kapellenberge [Kapelski vrh], näher das Schloß Negau [Negova], die Kirchen hl. Dreikönig [Sveti Trije Kralji], Dreifaltigkeit [Sv. Trojica], St. Antoni, St. Andrä [Sveti Andraž], St. Thomas [Sveti Tomaž], Polonschak, St. Urban, das Schloß Dornau [Dornava], neben dem die Stadt Pettau [Ptuj] liegt.

Am Ziel (Foto © Norbert Eisner)

Zwischen Pettau und dem Donatiberge sind: St. Lorenzen [Lovrenc], Maria Neustift [Ptujska Gora], Lichtenegg [Podlehnik], Dreifaltigkeit und Johannesberg [Janški vrh] mit einer Kirche. Mehr gegen Nord erscheinen die Gleichenberger Kogel mit dem Schlosse Gleichenberg, die Kirchen Hoch-straden, Schloß Guttenhag [Hrastovec] und Riegersburg, St. Barbara, St. Martin. Weiter gegen Nord der Kulmberg bei Weiz mit dem anschließenden Rabenwald. Die äußerste Grenze bildet der Hochschwab, der Schneeberg und das gegen Ungarn ziehende Wechselgebirge. Vor diesen türmen sich auf: die Brucker- und Fischbacher Alpen, der Schöckel und Plabutsch bei Graz. Unter Graz erscheint der Wildonerberg mit den Sausaler Höhen, der Wöllingberg mit Maria-Schnee [Maria Snežna], Windisch-Büheln [Slov. Gorice], Hl. Kreuz [Sv. Križ], St. Urban und die Stadt Marburg [Maribor]. Gegen Ost von Marburg wird man des Schlapfenberges [Mellingberg/Meljski hrib] an-sichtig, an den sich Frauenberg [Gorca] und St. Peter [Šempeter] anreihen. An den Bacher [Pohorje] gelehnt ist das Schloß Hausambacher [Pohorski dvor], die Pfarrkirche Schleinitz [Slivnica] und Schloß Kranichsfeld [Rače]; schon etwas westlich hin Unter¬pulsgau [Spodnja Polskava] und Pragerhof [Pragersko]. Zwischen diese und den Donatiberg schiebt sich die Kolos [Haloze] und ganz in der Nähe unseres Beobachtungspunktes liegt die Pfarrkirche Stopertzen [Stoperce], am Fuße des Donatiberges selbst und streng gegen Norden gelegen, das Kirchlein Nadole [Nadolle]." 

So, Sie haben es geschafft. Gratuliere. Haben Sie alle Berge, Hügel, Seen, Kirchen und Schlösser entdeckt? Nein? Seien Sie nicht enttäuscht. Unsere slowenischen Freunde haben schon vor dem Aufstieg leise, vielleicht etwas mitleidig gelächelt, als wir ihnen von der zu erwartenden Aussicht vorschwärmten. Die alten Reiseschriftsteller dürften über sehr, sehr gute Augen verfügt haben oder die Luft war annodazumal viel klarer. Wer weiß. Jedenfalls geschwindelt, geschwindelt haben sie sicher nicht… 

Und so steigen wir vollkommen befriedigt über den Frölich-Weg durch den herrlichen Buchenwald zur Hütte ab. Dort erwarten uns Sterz, Apfelstrudel und der bei einer slowenischen Wanderung unvermeidliche Schnaps. Nach dem letzten Stück unserer Wanderung sind wir schon wieder hungrig und so geht's noch nach Rohitsch-Sauerbrunn-Rogaška Slatina, einst das steirische Karlsbad genannt. Im alten säulengeschmückten Kurhaus, am Giebel der ehemals landeseigenen Kuranstalt prangt noch immer der steirische Panter, gibt's eine herrliche Gibanica. Wär es nicht schon so spät, sollten wir, um unseren Kalorienhaushalt wieder in die Balance zu bringen, nochmals auf den Donatiberg oder zumindest den nahen Triestiner Kogel-Tržaški hrib marschieren, aber so ziehen wir es vor, durch den unverkennbar altösterreichischen Ort zu spazieren und die eine oder andere kakanische Reminiszenz zu entdecken. Aber das ist schon wieder eine andere ask-enrico-Geschichte.

Rohitsch Sauerbrunn, die Reste vergangener Pracht (Foto © Josef Wallner)

Andere Tourenvorschläge:

Euch hat der Artikel gefallen? Mehr davon findet ihr in den Büchern von Josef Wallner:

Reisen in der Untersteiermark|Štajerska
Unbekanntes Slowenien. Reisen auf Altösterreichs Spuren in Krain und Laibach.

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Dober tek, Slowenien

Jammern Sie auf Ihrem Weg nach Kroatien nicht über die slowenische Vignette. Sie kaufen damit auch die Lizenz zum Genießen in einem der herrlichen untersteirischen oder krainischen Wirtshäuser. Mahlzeit oder Dober tek wie man auf Slowenisch sagt.

Die Untersteiermark (Foto © Norbert Eisner)

Kurz vor Spielfeld. Das längliche Schild, das den Namen Steiermark in vielen Sprachen nennt, dreht uns den Rücken zu. Ein breiter Querstrich über Steiermark, Štajerska, Styria usw. zeigt an, dass wir in Kürze die Steiermark verlassen. Ein kleiner Fauxpas, über den ich mich jedes Mal ein bisschen wundere. (Nicht wundern, sondern ärgern kann ich mich über die neuen Wegweiser auf der Pyhrnautobahn. Sie nennen die erste slowenische Stadt nur mehr in Slowenisch, Maribor. Auf den alten Wegweisern wird mit „Maribor/Marburg" noch die Zweisprachigkeit gepflogen, wie übrigens in Slowenien auch, wo alle österreichischen Städte, also zum Beispiel Graz, mit ihrem slowenischen und ihrem deutschen Namen genannt werden, wobei der slowenische an erster Stelle steht, Gradec/Graz eben. Will man bei uns politisch besonders korrekt sein? Wenn ja, hat man etwas falsch verstanden. Die Nennung in mehreren Sprachen nimmt niemanden etwas weg, im Gegenteil, sie bereichert.)

Das älteste Gasthaus Sloweniens bei der Kartause Seitz (Foto © Norbert Eisner)

Zurück zur schönen multilingualen Steiermark-Tafel: Die Steiermark endet doch nicht bei Spielfeld, sie geht weiter bis an die Save! Nur wird aus der österreichischen die slowenische Steiermark, Štajerska eben. Für mich ist sie der der schönste Teil der Steiermark, aber das ist eine andere Geschichte.

Da kommt die Suppe noch im Topf auf den Tisch (Foto © Norbert Eisner)

So wundert oder ärgert sich jeder über etwas anderes. Ich weiß, mein Ärger ist absolutes Minderheitenprogramm, im Gegensatz zu dem über die slowenische Vignette, die spätestens jetzt gekauft werden muss. (Die Slowenen machen uns das leicht, wir brauchen nicht einmal aus dem Auto aussteigen.) Wobei: Der Ärger hat sich über die Jahre schon in ein typisch österreichisches Gesudere verwandelt. Man schimpft, raunzt und motschkert in dem guten, weil vertrauten Gefühl, es ohnehin nicht ändern zu können. Liebe Istrien- und Dalmatien-Reisende: Schenken Sie sich auch das Gesudere! Betrachten Sie den Kauf der slowenischen Wochen- oder Monatsvignette als, wenn auch nicht kleinen, Obolus für eine Fahrt, die Sie zu einer kulinarischen Genussreise machen können. Die folgenden Adressen mögen Sie nach bestem Wissen und Gewissen dabei unterstützen.

Der Jahringhof noch vor der Restaurierung (Foto © Norbert Eisner)

Zwischen Spielfeld-Špilje und Marburg-Maribor

Weingut Dveri Pax
Polički vrh 1, 2221 Jarenina
Tel.: +386 2 644 00 82
Web: www.dveri-pax.com

Das untersteirische Weingut der Admonter Benediktiner sei exemplarisch für die vielen hervorragenden slowenischen Weingüter genannt. Am Jahringhof können Sie sich in wunderbarem Ambiente bei einem fruchtigen Weißen oder gehaltvollen Roten auf Ihren Urlaub einstimmen (und am Rückweg einen Karton Wein abholen oder schicken lassen).

Slap im Wippachtal (Foto © Josef Wallner)

Tipp: Die Untersteiermark liefert wie das Küstenland (Brda, Wippachtal, Karst, Istrien), das Übermurgebiet, die Unter- und die Weißkrain fantastische Weine. Bis die ask-enrico-Geschichte zu slowenischen Weinen erscheint, finden Sie ausgewählte biodynamische Weine unter https://www.orange-wine.net/, weitere empfehlenswerte slowenische Weingüter auf http://www.slowenien-weine.de/weinland/weingueter 

Touristischer Bauernhof Koren(mit Übernachtung)
Šober 23, 2354 Brestanica
Tel.: +386 2 265 606 91

Bei den Koren (Foto © Norbert Eisner)

Schöner Hof in Heiligenkreuz hoch ober Marburg, untersteirischer Familienbetrieb, Hausmannskost, sehr gemütlich. Ohne Navi mag es allerdings eine Herausforderung sein, den Koren zu finden, Küche gibt es nur am Wochenende. 

Restaurant Denk 
Zg.Kungota 11 A, 2201 Zg.Kungota
Tel.: + 386 2 65 63 551
Web: www.hisadenk.si

Gregor Vračko kocht köstlich, das wissen Slowenien-Reisende seit Langem. Vor rund einem Jahr wurde das Ambiente des Restaurants in Ober St. Kunigund-Zg. Kungota der Qualität der Küche angepasst. Mein Tipp: Schauen Sie sich das an und genießen Sie, genießen Sie, genießen Sie. 

Gasthaus Šiker (mit Übernachtung) 
Močna 7, 2231 Lenart
Tel.: +386 2 720 69 21
Web: www.siker.si 

Gutes untersteirisches Wirtshaus mit langer Tradition, zwischen Pössnitz-Pesnica und St. Leonhar-Lenart in Mutschen-Močna gelegen. Ein Klassiker ist die Charlotte. Sehr nette Appartments an einem kleinen See.

Im Jahringtal (Foto © Norbert Eisner)

Marburg-Maribor

Restaurant Mak
Osojnikova ulica 20, 2000 Maribor
Tel.: +386 2 620 0 58
Web: www.restavracija-mak.si

Das Marburger Spitzenrestaurant von David Vračko, Bruder von Gregor, dem Chef im Restaurant Denk.

Von Marburg-Maribor über Pettau-Ptuj nach Dalmatien

Pension Šilak
Dravska Ulica 13, 2250 Ptuj
Tel.: +386 2 787 74 47
Web: www.rooms-silak.com

Nette Pension in der Pettauer Draugasse.

In der Untersteiermark (Foto © Norbert Eisner)

Gasthaus Ribič
Dravska ulica 9, 2250 Ptuj
Tel.: +386 2 74 90 635
Web: www.gostilna-ribic.si

Zugegeben, kein Geheimtipp, aber jedes Mal einen Besuch wert, der Ribič (Fischer). Vor uns die Drau, hinter uns die Silhouette der ältesten steirischen Stadt, Pettau-Ptuj. 

Hotel Mitra
Prešernova 6, 2250 Ptuj
Tel.: +386 2 787 74 55
Web: www.hotel-mitra.si 

Ein Haus mit großer Tradition. Das Hotel stand bis 1945 im Eigentum der Familie Osterberger. Zu deren Besitz gehörten auch zahlreiche Weingärten in den besten Lagen der Kolos-Haloze, dem berühmten Weinland am anderen Ufer der Drau Ihren Wein exportierten die Osterberger bis nach Südamerika. Heute erinnert die gleichnamige Vinothek des Hotels an diese bekannte Pettauer Familie. Das Café mit eigener Rösterei im Hotel heißt Kipertz, nach dem hier im achtzehnten Jahrhundert ansässigen Kaffeesieder Josef Kipertz. Die Pettauer Kaffeeröstertradition wird heute von Columbo Caffe www.columbocaffe.si/ fortgeführt. 

Buschenschank Pungračič (mit Übernachtung)
Drenovec 7, 2283 Zavrč
Tel.: +386 0 2 761 06 41
Web: www.turizem-pungracic.si

Abendstimmung in der Kolos, im Hintergrund der Donatiberg (Foto © Norbert Eisner)

Nach Pettau endet auf dem Weg hinauf ins Matzelgebirge-Macelj die Autobahn und an einem Sommerwochenende können sich die paar Kilometer hinüber ins kroatische Zagorien-Zagorje schon ziehen. Warum nicht in der Kolos-Haloze übernachten? Die Kolos lieferte einst die besten Weine der Steiermark und heute wachsen auf den pittoresken Hügeln hinter der Drau die Trauben für so manch edlen Tropfen. Beim Pungračič können diese entweder in der wunderbaren alten Stube oder im stylishen neuen Verkostungsraum probiert werden, bevor man sich dann stilgemäß die Tuchent über den Kopf zieht.

Die Kolos im Herbst (Foto © Josef Wallner)

Von Marburg-Maribor über Laibach-Ljubljana nach Istrien

GBauernhof Štern (mit Übernachtung)
Planina 9, 2313 Fram
Tel.: +386 2 601 54 00
Web: www.kovacnik.com 

Am Wochenende gibt es untersteirische Bauernküche auf sehr hohem Niveau. Das lohnt den Abstecher ins schöne Frauheim-Fram. 

Gasthaus Zlati grič (mit Übernachtung und Golfplatz)
Škalce 80, 3210 Slovenske Konjice
Tel.: +386 3 758 03 50
Web: www.zlati-gric.si

Schöner kann ein Wirtshaus nicht liegen wie das am goldenen Hügel in Gonobitz-Sl. Konjice. Und das Beste ist: Die Küche steht der Lage um nichts nach. Tipp: Das idyllisch gelegene Weinschlössl ist zu mieten.

In der Untersteiermark (Foto © Norbert Eisner)

Gasthaus Francl
Zagrad 77, 3000 Celje
Tel.: +386 3 492 64 60
Web: www.gostilnafrancl.si 

Der Cillier Kellner Franzl gründete einst dieses Wirtshaus. Heute wird hier vielleicht die beste untersteirische Wirtshausküche geboten. Ein kurzes Stück hinter dem Wirtshaus bietet sich ein fantastischer Blick auf die Cillier Burg. Den Kaffee nach dem Essen sollte man in der frisch sanierten Altstadt von Cilli-Celje nehmen. Mehr zu Cilli in http://enricosreisenotizen.eu/chillen-in-cilli/

Pavus Grad
Tabor Laško 3270 Laško, Burg Tabor
Tel: +386 3 620 07 23
Web: www.pavus.si 

Ein Abstecher in untere Sanntal, der sich lohnt. Hoch über Tüffer- Laško lässt es sich wunderbar genießen.

In der Untersteiermark (Foto © Norbert Eisner)

Therme Römerbad: Rimske terme
3272 Rimske Toplice, Toplice 10
Tel: +386 3 574 20 00
Web: www.rimske-terme.si 

Noch ein kurzes Stück nach Tüffer gelegen. Für mich ist Römerbad die schönste Therme Sloweniens. Und das Beste ist: Auf der Durchreise kann man auf der Terrasse auch nur einen Kaffee trinken. Kann Rasten schöner sein? Mehr zu Römerbad: http://enricosreisenotizen.eu/roemerbad-rimske-toplice-neuer-glanz-im-alten-promibad/

Gasthaus Slovan-Filač
Vransko 54, 3305 Vransko
Tel.: +386 3 572 54 30
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Kurz vor der alten steirisch-krainischen Landesgrenze vor dem Trojana-Trojanepass liegt das idyllische Dorf Franz-Vransko direkt an der Autobahn. Der Slovan ist ein einfaches Wirtshaus, in dem die Bauarbeiter schon um zehn Uhr vormittags ein Schnitzel essen. Und wo die essen, ist es bekanntlich gut und günstig.

Majerija im Wippachtal (Foto © Josef Wallner)

Gasthof Pri Narobetu
Mengeška 37, 1236 Trzin
Tel.: +386 1 564 20 89 

Eines der hundertjährigen slowenischen Gasthäuser. Stehenbleiben zahlt sich aus, auch wenn Tersain-Trzin nicht der prickelndste oberkrainische Ort ist. 

Laibach-Ljubljana
Viele gastronomische Tipps in http://enricosreisenotizen.eu/ein-like-fuer-laibach/
Gostilna Podfarovž
Ulica Ivana ščeka 2, 5271 Vipava
Tel.: +386 402 320 90
Web: www.podfarovz.si 

Zugegeben, dieser Wirt liegt nicht am direkten Weg nach Istrien. Aber den kleinen Abstecher nach Wippach-Vipava ist er wert.

Wippach (Foto © Norbert Eisner)

Restaurant Majerija
Slap 18, 5271 Vipava
Tel.: +386 5 368 50 10
Web: www.majerija.si

Und wenn Sie schon im Wippachtal sind, schauen Sie auch hier vorbei: So schön. So gut. Am Wochenende sollte man reservieren, denn die Laibacher, Görzer und Triestiner lieben das Lokal. 

Restaurant Pri
Lojzetu Dvorec Zemono, 5271 Vipava
Tel.: +386 5 368 70 07
Web: www.zemono.si

Mein letzter Tipp für das obere Wippachtal: Wer ausgezeichnetes Essen schätzt, kommt an diesem Lokal im ehemaligen Jagdschloss Semona der Lanthieri nicht vorbei. 

Gasthaus Malovec (mit Übernachtung)
Kraška cesta 30, 6215 Divača
Tel.: +386 5 763 33 33
Web: www.hotel-malovec.si

Zlati gric – der goldene Hügel von Skalitz im Winter (Foto © Norbert Eisner)

Domačija Pr´ Vncki (Bed & Breakfast)
Matavun 10, 6215 Divača
Tel.: +386 5 763 30 73 
Schönes, altes Haus 

Gostilna Mahorčič
Rodik 51, 6240 Kozina
Tel.: +386 5 68 00 400
Web: www.gostilnamahorcic.wordpress.com 

Gasthof Muha
6219 Lokev 138
Tel.: +386 5 767 00 55 

Gemütlich und gut. Und wenn man hier schon stehen bleibt, kann man gleich Lipizza-Lipica und die Grotten von St. Kanzian-Škocjan besuchen.

In der Kolos (Foto © Norbert Eisner)

Lektüre für Ihre Reise durch Slowenien

Josef Wallner (Text). Norbert Eisner (Bilder): Reisen in der Untersteiermark. Geschichte. Routen. Gastlichkeit", zoppelberg Verlag

Josef Wallner (Text). Norbert Eisner (Bilder): Unbekanntes Slowenien. Reisen auf Altösterreichs Spuren in Krain und Laibach, zoppelberg Verlag

Josef Wallner (Text). Norbert Eisner (Bilder): Geliebtes Görz. Von den Alpen zur Adria. Eine Reise durch das altösterreichische Küstenland, https://www.verlag-berger.at/der-verlag-berger/presse/geliebtes-goerz.html

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Einmal hinter die Karawanken schauen

Warum uns der Songcontest nach Slowenien lockte 

Von Josef Wallner (Text) und Norbert Eisner (Fotos) 
ESC-Woche in Wien. Die ganze Stadt ist in Partystimmung. In einer der vielen ORF-Shows sollen Prominente lustige Statements zu den teilnehmenden Ländern abgeben. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie, ob echt oder gespielt ist gleichgültig, gelingt das nur Birgit Sarata bravourös. Die anderen glänzen mit hinlänglich bekanntem österreichischen Kabarettistenschmäh (gähn) oder blankem Unwissen, vor allem wenn es, was für eine Überraschung, um unsere Nachbarn, nicht die Deutschen, Italiener und Schweizer, sondern die anderen, geht. Schon klar: Die Sendung soll so funktionieren, Nichtwissen, ein bissl ironisch gebracht, bringt Sympathie und Schulfernsehen braucht in dieser fantastischen Woche, so viele Wiener mit einem Lächeln im Gesicht, werde ich wahrscheinlich mein ganzes Leben nicht mehr sehen, wirklich niemand.

Die andere Seite der Karawanken … (Foto © Norbert Eisner)

Aber wundern darf man sich schon ein wenig, wenn ein Ö3-Moderator meint, zu Slowenien falle ihm nichts ein gar nix. Immerhin, seine Kollegin aus dem TV-Nachmittagsprogramm berichtet von einer Insel in einem See, die es dort gäbe, und die Bled hieße. Schnitt. Und was jetzt kam, liebe Leserinnen und Leser, wissen sie bestimmt, wetten? Richtig, ein paar Bled-Schmähs. Also Witze, deren langer Bart jeden Hipster neidig werden lässt. Aber sie bringen uns, Norbert Eisner und mich, auf die Idee, für ask-enrico wieder einmal hinter die Karawanken, nach Veldes, wie Bled auf Deutsch heißt, so umgehen wir gleich die Witzfalle, zu schauen.

Endlich am Ziel (Foto © Norbert Eisner)

Veldes liegt in Krain. Krain? Ja, das Land, aus dem die Würstel und diese spezielle Volksmusik kommen. Einst hieß es: „Vermöge seiner eigenartigen landschaftlichen Reize nimmt das Kronland Krain unter den österreichischen Provinzen eine hervorragende Stellung ein." Österreich in dieser Form gibt es nicht mehr und Krain, das slowenische Zentralland, kennen die Slowenen nur mehr in seinen Teilen Ober-, Unter- und Innerkrain – Gorenjska, Dolenjska und Notranjska. Dazu kommt noch die Weißkrain oder Bela Krajina. Sowieso müsste Krain eigentlich Grün heißen, eine grüne Oase in der Mitte Europas, ein Land wie aus dem Bilderbuch. (Nein, wir bekommen kein Honorar von der slowenischen Tourismuswerbung, aber mit ein bisschen selektiver Wahrnehmung, entdecken Sie links etwas Schiaches, dann schauen Sie eben nach rechts, werden sie unserer Krain-Begeisterung sicher etwas abgewinnen können.)

Fotomotiv Nr.1 am Wocheiner See (Foto © Norbert Eisner)

Die Oberkrain ist ein Gebirgsland, begrenzt von den Julischen Alpen (Juliske Alpe), den Karawanken (Karavanke) und den Steiner Alpen (Kamniške Alpe). Überragt wird die Oberkrain vom Triglav, dem Dreihaupt, Symbol Sloweniens, in dessen Höhen der sagenumwobene Gamsbock mit goldenen Hörnern, Zlatorog, herrscht. Das Triglav-Gebiet ist Sloweniens einziger Nationalpark. Stattliche Bauerndörfer, bezaubernde kleine Städte wie Stein (Kamnik), Radmannsdorf (Radovljica) und Bischoflack (Škofja Loka) und unzählige Heuhar(p)fen, das ist die Oberkrain. Sie ist der Teil Krains, der am frühesten für den Tourismus erschlossen worden ist.

k.k. Tourismuswerbung

Tourismuswerbung stets die „Perle Krains" gepriesen. Die frühen Tourismusmanager waren mit ihren Plänen für Veldes höchst erfolgreich, vielleicht mehr, als so Manchem lieb war, denn bald wurde konstatierte: „Veldes ist ein sehr beliebter Sommerfrische- und Badeort und in der Saison meist überfüllt." „Nicht nur von Laibach, sondern auch von Villach, ja selbst von Klagenfurt aus werden Vergnügungszüge dorthin veranstaltet, und es dürfte unter denjenigen Leuten, welche in den beiden Nachbarländern Kärnten und Krain überhaupt Ausflüge machen, kaum Jemand geben, der nicht an irgend einem schönen Sommer- oder Herbsttage einmal sich eine Fahrkarte nach Veldes gelöst hätte". Heute kommen die Touristenscharen nicht nur aus Kärnten und Krain, sondern aus der ganzen Welt.

Das erste Standardwerk zu Veldes

„O Thal der Zauber, voll Grösse, voll Anmuth", dichtete Anastasius Grün. Das Panorama von Veldes bezaubert seit Jahrhunderten die Reisenden. Aber was macht seinen besonderen Reiz aus? In einem der alten Reiseführer, unverzichtbare Begleiter auf unseren Reisen durch Kakanien finden wir eine plausible Erklärung: „Ich habe auf manchen Fahrten die meisten der Alpenseen Österreichs, der Schweiz und Oberitaliens kennen gelernt, aber nach all dem früher Geschauten machte doch der See von Veldes auf mich einen mächtigen Eindruck. Es ist nicht die Größe, die imponiert, denn der See misst kaum 147 ha., es ist auch nicht die Erhabenheit seiner Umgebung – darin könnte er mit dem Königssee und mit vielen anderen nicht wetteifern, auch nicht der Liebreiz seiner Ufer allein – hierin übertrifft ihn beispielsweise der Traunsee; es ist die eigenthümliche Mischung von allem diesen, Erhabenen und Freundlichen, von Natur und Kunst, die den Beschauer unwillkürlich fesselt…" Also, wie so oft, die Mischung macht's.

Gemächlich über den See gleiten (Foto © Norbert Eisner)

Die Schönheit von Veldes hat stets auch die Künstler inspiriert. Schließlich hat nach einem unserer Begleiter hier „die Natur die Rolle des Malers übernommen und in der That ein Meisterwerk geschaffen". France Prešeren, der slowenische Nationaldichter, widmet in seinem Epos „Die Taufe an der Saviza" Veldes die folgenden Zeilen: 

„Die Insel, ragend aus der Wellen Runde,
Jetzt fromm geweiht als Wallfahrtsort Marien,
Sieh, Riesengletscher steh`n im Hintergrunde
Von schönen Feldern, die nach vorne ziehen;
Da gibt Schloss Veldes dir zur Linken Kunde,
Rechts siehst du Hügel hinter Hügel fliehen,
Land Krain hat keinen schönern Ort zu weisen,
Wie hier als Bild des Edens ihn zu preisen."

Wie aus der Zeit gefallen: der Veldeser Bahnhof der Wocheiner Bahn (Foto © Norbert Eisner)

Um die Euphorie der frühen Veldes-Touristen nachzuempfinden, beginnen wir unseren Besuch beim Bahnhof der Wocheinerbahn, hoch über dem Ort gelegen. In Veldes kommt man heute noch gerne mit dem Zug an. Das Gebäude ist nach wie vor original kaiserlich-königlich, nur ein Bahnhofsvorstand mit Schnurrbart und schmucker Uniform fehlt. Dafür gibt es ein nettes kleines Museum, wie an mehreren Stationen dieser legendären Bahnlinie. Ganz in der Nähe des Bahnhofs lässt es sich im Hotel Triglav, das wieder in schönster altösterreichischer Sommerfrische-Architektur erstrahlt, mit Stil einkehren. (Schade, dass beim Renovieren auf den Bau einer halbwegs großen Terrasse verzichtet wurde – und das bei dem Panorma.)

Abendstimmung am Veldeser See (Foto © Norbert Eisner)

Mit Veldes, auch im deutschsprachigen Raum fast nur mehr unter seinem slowenischen Namen Bled bekannt, verbinden Touristen vier Sehenswürdigkeiten: See, Insel samt Kirche, Burg und Triglav. Blicken wir kurz auf letzteren, bei dessen Anblick die Reiseschriftsteller stets zur Höchstform aufliefen. Einer ihrer bekanntesten, Heinrich Noé, schwärmte: „Der Triglav, im Vordergrund der Veldeser See, ist ein Landschaftsbild, das in den Alpen kaum wieder vorkommt. Der Triglav, von hier aus betrachtet, gehört zum Veldeser See, sowie der Dachstein zum Gosau-See." Mit dem König der Julischen Alpen werden allerdings mehr Mythen verbunden als mit seinem nördlichen Kollegen. Vielleicht liegt es an seinen drei Häuptern. Auch im polnischen Stettin wurde vor der Christianisierung von den Slawen einst ein Dreihaupt (Triglav) verehrt, allerdings war das kein Berg, sondern ein Pferd mit drei goldenen Köpfen.

St. Martin und Burg Veldes (Foto © Norbert Eisner)

Unser nächster Weg in Veldes führt uns auf die Burg. Sie stand für Jahrhunderte im Besitz des Südtiroler Bistums Brixen. In der Türkenzeit loderten hier jene Leuchtfeuer, die die Bevölkerung vor den Osmanen warnten. Für böse Auseinandersetzungen brauchte es im alten Europa nicht stets einen Feind von außen, in den Zeiten von Reformation und Gegenreformation schaffte man das auch selbst. Für nachfolgende Generationen gar nicht mehr vorstellbar, waren damals große Teile des österreichischen Adels, auch in Krain, angeprotestantelt. Und die Veldeser Burg wurde anwechselnd von den Leuten des katholischen Bischofs und jenen der evangelischen Landesstände besetzt.

Gar nicht schlecht …

Mitte des 19. Jahrhunderts gaben die Brixner Veldes an den Gewerken Victor Ruard ab, ein Mann mit Geschäftssinn, der die touristische Verwertbarkeit des Anwesens rasch erkannte. Er „hat eine Reihe von Gläsern mit verschiedenen Farben angebracht, durch die man die Reize des Ausblickes bald in mildem Dunkelblau, bald in schimmerndem Goldgelb, bald in glühendem Rot genießen kann. Stehen wir aber an einem schönen Abend vor Sonnenuntergang da oben, dann bietet uns die Natur ein farbenreiches Schauspiel, vor dem alle künstlichen Mittel erblassen müssen." Den Zweiten Weltkrieg überstand die Burg gut, im Gegensatz zu so vielen anderen prächtigen Anwesen Krains. 1947 aber brannte es. Der jugoslawische Staat beeilte sich mit der Restaurierung, schließlich war Veldes eine Hauptdestination des südslawischen Tourismus.

Erregte Aufmerksamkeit – die Sonnenkur

Vor einigen Jahren wurde das Burgmuseum neu gestaltet. Die Ausstellung über Burg und Stadt ist gelungen. Konkurrieren muss das Museum mit den Fotomotiven, die sich draußen bieten. Die brachten schon unsere alten Reisechronisten ins Schwärmen: „Der grasbewachsene Vorhof mit seinen alten Nussbäumen und den Mauern, die wilder Wein und Epheu umranken, erinnert an das verzauberte Schloss, wie es das Märchen vom Dornröschen schildert." Bei dem Touristenstrom, der sich heute an Wochenenden durch das Schlosstor wälzt, hätte Dornröschen keinen Schlaf gefunden. Aber auf dem großen Areal verteilen sich dann die nicht zu überhörenden Italiener und die Masse an fotografierenden Japanern ganz gut. Die besten Fotomotive bieten sich ohnehin außerhalb der Burg, von den Felsen oberhalb des Weges, der hinunter auf die Bahnhofsstraße führt.

Herren Lichtbadestation

Viele Touristen treffen wir auch unten im Ort. Trotzdem ist Veldes, neudeutsch ausgedrückt, chillig. Rund um den See lässt es sich wunderbar spazieren, radeln, skateboarden oder unter dem Schatten knorriger Bäume dahindösen.

Was wäre Veldes ohne Pletten … (Foto © Norbert Eisner)

Auf einer Plette gleiten wir zur nächsten Sehenswürdigkeit von Veldes, der Insel mit der Wallfahrtskirche Maria im See (samt Wunschglocke im überraschenderweise frei stehenden Kirchturm). Der Ort wird jedes Jahr von Tausenden Wallfahrern besucht. Über die Jahrhunderte sind die Gaben der vielen Pilger zu einem Schatz angewachsen. Der interessierte zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts auch die napoleonischen Besatzer: „Die Bevölkerung der Gegend gerieth darüber in die größte Erbitterung. Während die Männer alle Barken auf die Seite schafften, versammelten sich die Weiber um die Beamten und Gendarmen, die mit der Wegnahme des Schatzes betraut waren. Eine energische Frau, die Badeinhaberin von Schalkendorf [Želeče] Ursula Terjan, fiel sogar dem Pferde des Forstmeisters in die Zügel, so dass die Trense brach. Überrascht und erbittert schoss der Angefallene seine Pistole ab, glücklicherweise ohne die Bäuerin zu verletzten. Auf das Schießen und das ununterbrochene Sturmläuten der Glocke auf der Insel kamen auch die Männer herbei und nöthigten die ‚bewaffnete Macht' zum Rückzuge. Den Bewohnern blieb ihr Kirchengut erhalten, dafür verpflichteten sie sich, eine Entschädigungssumme an die Franzosen zu bezahlen."

Endlich fast geschafft! Bei diesem Wetter! (Foto © Norbert Eisner)

Der Schatz wurde später in die Pfarrkirche gebracht. Die versuchte Entwendung des Schatzes ist nicht die einzige mit dem Seekirchlein verbundene Geschichte. Die Fantasie von Einheimischen und Gästen regt seit alter Zeit die uralte Wunschglocke an. Viele Gedichte, in Deutsch und Slowenisch, wurden ihr, die noch heute alle paar Minuten zum Läuten gebracht wird, gewidmet. Eine schöne Witwe mit Namen Polixena hatte der Kirche einst eine Glocke gestiftet. Bei der Fahrt über den See versank die Glocke allerdings samt der Bootsbesatzung. Zieht heute niemand am Glockenstrang, was eher selten vorkommt, soll der aufmerksame Besucher Glockenläuten aus der Tiefe des Veldeser Sees (Blejsko jezero) vernehmen können. Auch wer nicht ein so feines Gehör hat, wird die kleine Insel mit ihren alten Bäumen und den neunundneunzig Steinstufen, „es ist eine Treppe, wie sie in den (gedruckten) Träumen norddeutscher Romantiker an Schlössern des Landes Italien hin gebaut sind", lieben. Romantikern, nicht nur den norddeutschen, sei allerdings der Inselbesuch für den frühen Morgen oder wenn es schon dämmert geraten, denn zu anderer Tagszeit reicht selbst hohe Imaginationskraft nicht aus, um in romantische Stimmung zu geraten, eher braucht es hohe Konzentration, um einen der vielen Besucher nicht auf die Zehen zu steigen. Aber so ist das halt an einer touristischen Topdestination. Gehört es an einer solchen auch dazu, die Leute auszunehmen? Ein bisschen wahrscheinlich schon, wir sind ja alle nur Menschen. Aber wissen möchte man es halt nicht unbedingt. Darum höre ich meinen slowenischen Freunden gar nicht mehr zu, wenn sie erzählen, wie man in Veldes über österreichische Touristen und das mit ihnen verbundene Ausnehmpotenzial (auch) spricht.

Bitte lächeln (Foto © Norbert Eisner)

Die Gemeinde Veldes besteht aus mehreren alten Orten, die heute mehr oder weniger miteinander verwachsen sind. Es sind dies unter anderem das unter der Burg liegende eigentliche Veldes (Bled oder Grad, das heißt Burg), Schalkendorf (Želeče) und Seebach (Mlino), was auf Deutsch Mühle bedeutet. Von Veldes nach Seebach führt die Seeringstraße, jetzt Cesta Svobode (Freiheitsstraße) auf Slowenisch. Den Reiz der ehemaligen Dörfer macht aus, dass sich neben schönen alten Villen der ursprüngliche Dorfcharakter mit fast bis an den See reichenden Bauernhöfen und kleinen Bürgerhäusern erhalten hat. Das gilt auch für die ein wenig abseits liegenden Ortschaften wie Auritz (Zagorica).

In der Wochein (Foto © Norbert Eisner)

Über Auritz wanderte einer unserer Reiseschriftsteller in erwartungsvoller Vorfreude Veldes zu: „Das Dorf bereitet auf das Veldeser Idyll vor. Seine Bäume sind mit Früchten beladen, so, daß die Äste gestützt werden, überall grünt es von Gärten und Rasen, über denen der Schatten von Eichen und Nußbäumen liegt. In geringer Entfernung aber heben anspruchsvollere Dinge an. Pappelreihen verkünden adeligen Landsitz, ein Schloß, einen Badeort oder Aehnliches. Jetzt blaut der See durch die Pappeln. Es gleißen Springbrunnen. Wir gehen durch Hecken und Blumen-Anlagen, Trauerweiden neigen sich über schön lackirte Bäume, in Hotels klirren die Eßgeräthe, wir sind in Veldes."

Der alte Weiberzahn-Hausberg von Kupljenik (Foto © Norbert Eisner)

Das Kuren hat in Veldes lange Tradition. Erstaunlicherweise erfreuten die Gaben der Natur nicht alle. So schreibt der bekannteste Chronist des alten Krains, Johann Weikhart von Valvasor, „dass zu seiner Zeit ein geiziger Verwalter des Schlosses Veldes, den es verdross, dass er öfters bekannte Badebesucher zu Tische laden oder mit Forellen vom See versehen musste, absichtlich die Quelle ruinieren wollte. Er ließ das Seewasser durch einen Graben in das Warmbad hineinleiten. Zum Glück wurde die Quelle später wieder abgegraben."

Hier sind die Wiesen noch bunt (Foto © Norbert Eisner)

Richtig in Schwung kam der Veldeser Tourismus ein paar Jahrhunderte später, mit der Anbindung des Ortes an die Rudolfsbahn (Tarvis – Laibach) und später an die Wocheinerbahn, der zweiten Bahnverbindung neben der Südbahn aus dem österreichischen Zentralraum nach Triest. 1903 wurde Veldes zum schönsten Kurort der Monarchie gekürt. Veldes war jetzt eine Marke und es brauchte in der Werbung keine vergleichenden Attribute wie „krainisches Gräfenberg" mehr. (Gräfenberg, Jesenik, war ein bekannter Kurort in Österreichisch-Schlesien, heute Tschechien.) Die Gäste stiegen im Hotel Mallner, später in Park Hotel umbenannt, im Luisenbad und im Hotel Petran in Seebach (Mlino) ab. In letzterem nahm schon Metternich während des Laibacher Kongresses 1821 Aufenthalt. Damals hieß es noch „Zum Erzherzog Sigismund".

Hier logierte schon Metternich (Foto © Josef Wallner)

Eine Besonderheit des Veldeser Kurbetriebs waren die Sonnen- und Luftbäder des Herrn Doktor Rikli aus der Schweiz. Arnold Rikli besaß eine Rotfärberei im kärntnerischen Seeboden. Nachdem er sich eine Vergiftung zugezogen hatte, kam er auf Empfehlung seiner Freunde an den Veldeser See. Klima und Heilquellen förderten seine Genesung und Rikli wurde zum größten Fan von Veldes. Er baute die Naturheilanstalt Mallnerbrunn, an der er den Spruch anbringen ließ: „Wasser tut`s freilich, doch höher steht die Luft, am höchsten das Licht."

Im Urata-Vrata-Tal (Foto © Norbert Eisner)

Dahinter stand das Konzept der von Rikli in den 1860er Jahren entwickelten „atmosphärischen Kur". In deren Mittelpunkt stand der Gebrauch von Lichtluftbädern, Sonnenbädern und Wasser. Das Gros der Besucher von Veldes konnte dieser Kur allerdings nichts abgewinnen: „Wenn das Wasserbad, das mit Kneten und Abreiben unter verschiedenen Temperaturgraden appliciert wird, vorüber ist, marschieren die kräftigeren Patienten stundenlang in denkbar einfachster Ausrüstung mit bloßen Füßen, offener Brust und unbedecktem Haupte nach den Bergen. Dazu genießen sie möglichst reizlose vegetarianische Kost." Sehr vorausblickend, dieser Herr Rikli, nur würde her heute vermutlich auf vegane Kost setzen.

Lufthütte

Viel lieber stieg man da schon in das über zwanzig Grad warme Wasser des Luisenbades, einem Natron-Eisen-Säuerling. Eine zweite Quelle wies einen hohen Schwefelgehalt auf. Die Villa Luise verfügte über eine große Terrasse und eine schöne hölzerne Badeanstalt. Beim Betrachten alter Fotos vermeinten wir noch diese Geruchsmischung Sommerfrische aus Seewasser, morschem Holz und Gras riechen zu können.

Der Erfinder …

Die Luftkur wurde trotzdem zum Markenzeichen des Ortes. Im Buch „Österreich-Ungarn´s Bäder, Brunnen und Curorte" wird aus Veldes berichtet: „Mallnerbrunn ist die Gründungsstätte der atmosphärischen Cur und einstweilen Unicum nicht nur in Oesterreich, sondern auf dem ganzen Erdenrund. Diese Heilmethode wird einstens grosses Aufsehen erregen und allgemeine Nachahmung finden!"

Oberkrainer Hof (Foto © Norbert Eisner)

Die Riklische Anstalt Mallnerbrunn lag zwischen dem Luisenbad und dem Hotel Mallner. Letzteres war eines jener Hotels im Semmering-Stil, die man im alten Österreich von der Hohen Tatra bis nach Abbazia (Opatija) fand. Vielleicht empfanden die intellektuellen Bürger Österreich-Ungarns das als faden Einheitsbrei, als kleine österreichische Globalisierung. Mir gefallen diese Versatzstücke des mitteleuropäischen Reiches. Das Mallner oder Parkhotel wurde in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts durch einen Neubau ersetzt. Wehmut darüber gab es keine, weil das Hotel mit seinen Fachwerkselementen nicht in „slowenischem Stil" errichtet gewesen sei. Ich aber würde nicht wehmütig werden, wenn der momentane Kasten des Parkhotels, von dem grässlichen Einkaufszentrum mitten im Ort ganz zu schweigen, das in seinem Reiz in etwa der sich so fabelhaft ins Ortsbild Badgasteins einfügenden Parkgarage entspricht, verschwände. Dieses Hotel ruiniert die ganze Kulisse des Veldeser Sees, da nützt auch kein links oder rechts schauen.

Oberkrain pur

Auch die schöne Promenade und die Badehäuser vor dem Luisenbad sucht man vergeblich. Dieses heißt heute Grand Hotel Toplice. Überall dort, wo im slawischen Raum die Bezeichnung Toplice oder Teplice, eingedeutscht Töplitz und Teplitz, verwendet wird, gibt es warme Quellen. Das vor rund achtzig Jahre an Stelle des ersten Luisenbades erbaute Hotel liegt an der rechten Straßenseite am Weg in die Wochein (Bohinj). Seine attraktive Seite ist dem See zugewandt. (Und hier gibt's auch eine nette Terrasse.) Das Wellnesszentrum Studio Luisa mit dem Thermalschwimmbad erinnert an die alten Zeiten des Luisenbades, so wie viele alte Ansichten und Dokumente, die im Hotel ausgestellt sind, eine Fundgrube für Liebhaber Kakaniens.

Postkarte halt (Foto © Norbert Eisner)

Die Lufthütten des Doktor Rikli haben wir also vergeblich gesucht, mehr Glück hatten wir mit dem altösterreichischen Kurpark. Er liegt direkt am See, wunderbar, auch wenn er einst wohl noch weit prächtiger war. Heute wird als seine Sehenswürdigkeiten ein eher bescheidener Musikpavillon vermarktet. Das schöne Kurhaus wurde ein Opfer der Zeit. Wir kehren in der nahen Vila Prešeren ein, einer schönen weißen Sommervilla aus dem neunzehnten Jahrhundert. Zum Kaffee wird selbstverständlich die berühmte Veldeser Cremeschnitte, die blejska kremšnita, angeboten. Die hat keine kaiserlich-königliche Vergangenheit im engeren Sinn, da Ištvan Lukačević sie erst in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts kreiert hat. Der Konditormeister und sein Grundrezept stammten allerdings aus einer österreichisch-ungarischen Gegend, der Vojvodina. (Ehrlich gesagt schmeckt mir eine andere Cremeschnitte weit besser, es ist die von Samobor, einem reizenden Städtchen, das nahe an der kroatischen Hauptstadt Agram – Zagreb liegt.)

Die Stefanskirche in Kupljenik (Foto © Norbert Eisner)

Die Vila Prešeren ist Teil eines kleinen Veldeser Gastronomie-Imperiums, zu dem auch die berühmte Vila Bled gehört. Über ihren Vorgängerbau wurde einst poetisch geschrieben, er sei „ein glücklicher Gedanke geschickt in die herrliche Natur geworfen". Der von den Windisch-Graetz im neunzehnten Jahrhundert errichtete Bau wurde damals Schloss Seebach genannt. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts stand es im Besitz von Otto Fürst zu Windisch-Graetz. Er war der erste Ehemann der Tochter von Kronprinz Rudolf, Elisabeth. Die Ehe der Kaiserenkelin mit dem Ulanenoffizier verlief ausgesprochen stürmisch und endete nach vielen Skandalen und einem Sorgerechtsstreit samt Polizeieinsatz vor dem Scheidungsrichter. Zu Beginn ihrer Ehe, die auf Initiative der sehr durchsetzungsfähigen Erzherzogin zustande kam, hing der Himmel natürlich voller Geigen. Davon profitierte auch Veldes. Denn das hohe Paar verbrachte hier einen Teil seiner Flitterwochen. Und überall dort, wo Prominente absteigen, folgen zuerst ein Rattenschwanz an Medienleuten und dann das Volk. Das war im alten Österreich nicht anders wie heute.

So schön … (Foto © Norbert Eisner)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Schloss Seebach von der serbischen und nunmehrigen südslawischen Königsfamilie zum Sommersitz um- und ausgebaut. Das Schloss war ein Lieblingsaufenthalt der jungen südslawischen Königin Maria. Sie liebte Seebach, nun nach einer Schlacht des Ersten Weltkriegs Suvobor genannt, auch deshalb, weil sie mit dem hiesigen Personal Deutsch sprechen konnte. Die Königin stammte aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen, das seit dem neunzehnten Jahrhundert in Rumänien regierte. Als sie ihr erstes Kind erwartete, musste sie allerdings die Oberkrain verlassen. Der erhoffte Thronfolger sollte in der Hauptstadt Belgrad das Licht der Welt erblicken. Ihr dritter Sohn Andreas durfte schon in Veldes geboren werden. Die junge Königsfamilie machte den Ort zu einem Treffpunkt des internationalen Adels.

Die Wocheiner Save (Foto © Norbert Eisner)

Damit war es zu Beginn der Vierzigerjahre vorbei. Jetzt kam SS-Chef Heinrich Himmler. Der einem Germanenwahn verfallene Verbrecher plante die Errichtung eines Wotan-Tempels auf der Marieninsel. Dazu ist es glücklicherweise nicht mehr gekommen.

Unter Beobachtung (Foto © Norbert Eisner)

Nach dem Krieg wurde in Veldes wieder gebaut. Den Neubau des 1938 vom jugoslawischen Prinzregenten Paul teilweise abgerissenen Schlosses ließ Tito von seinem Architekten Vinko Glanz vollenden. Das Anwesen wurde zu Titos Refugium in den Bergen. Hier empfing er Staatsgäste wie Indira Gandhi und den japanischen Kaiser Akihito. Auch Diktatoren wie Jean-Bédel Bokassa und Kim Il-Sung wurden von Tito hier willkommen geheißen. In den Zeiten des jugoslawischen Kommunisten spielte Energieeffizienz natürlich keine Rolle, später, als aus der Residenz die Vila Bled, ein Vier-Stern-Haus, geworden war, schon. Das Haus ist schlichtweg nicht „zum Derheizen", um es auf Österreichisch zu sagen. Eine Zeitlang war es geschlossen, letzten Sommer konnten wir wieder einen Nachmittagskaffee auf der fantastischen Terrasse genießen, nein, lassen wir es besser mit einem Trinken bewenden. Für reinen Genuss ist die Atmosphäre des Anwesens zu ambivalent. Man möchte hier einmal gründlich lüften. Nein, es stinkt nicht, aber diese vielen Tito-Devotionalien, sein Schreibtisch, die anderen Möbel, das ist nichts für mich, auch wenn der Bau nicht uninteressant ist, ganz abgesehen von der perfekten Lage.

Auf Titos Terrasse

Architektonisch um nichts weniger interessant als die Vila Bled sind die kleinen Villen rund um den See. Die meisten sind sehr gut in Schuss gehalten. Die eine oder andere ist heute allerdings nicht Sommerresidenz, sondern Supermarkt. In Veldes haben Architekturgrößen wie Jože Plečnik oder Max Fabiani gebaut. Es fehlte aber schon zu Zeiten der Monarchie nicht an kritischen Tönen zu der hiesigen Villenkolonie: „Hier ist die Wiener Villegiatur auf halb slawischem Boden." Die Villenbesitzer kamen aus Laibach und vielen anderen Teilen der Monarchie. 

Nahe der Vila Bled führt ein Weg zum Pavillon Belvedere, Titos Teehaus. Heute ist es ein beliebter Aussichtspunkt mit Sommercafé, wo auch gerne geheiratet wird. Das Gebäude und seine Einrichtung erinnern noch sehr an die Tito-Zeit. Die ursprünglichen Pläne gehen allerdings in die Zeit des ersten Jugoslawiens zurück, auf Jože Plečnik. Der Pavillon sollte Teil einer neuen Villa für die jugoslawische Königsfamilie werden. Der Blick zur Insel ist von nirgendwo schöner als von hier. Ein Stück links vom Pavillon liegt die größte Badebucht am See. Wer den Klang vieler heller Kinderstimmen und den unverwechselbaren Duft der diversen Sonnenschutzprodukte nicht unbedingt zur Erholung braucht, sollte lieber ein Ruderboot chartern als hier nach einem lauschigen Plätzchen Ausschau halten.

Was für ein Landschaftsmobiliar (Foto © Norbert Eisner)

Besonders schön sind die Vila Ana in Veldes und in Seebach die im Besitz eines (naheliegenderweise) erfolgreichen slowenischen Unternehmers stehende weiß getünchte Villa oberhalb der Straße, die selbst am Comer See gute Figur machte. In ihrer Nähe schaut die Vila Ajda, ein Kaffee, Restaurant und Hotel, auf den See. Letzten Sommer war unser Lieblingsplatz die Villa Istra, eine altösterreichische Villa mit zwei lauschigen Veranden. Bekocht hat uns dort Miha Dolinar, einer der besten jungen slowenischen Köche. Leider ist er mittlerweile nach London abgedampft und die Küche in der Villa Istra bleibt kalt. (Übernachten und einen Kaffee trinken kann man hier aber noch.)

Genussreise dank Iza Dolinar

Von der Terrasse lässt sich gut das Treiben von Einheimischen und Touristen auf dem See beobachten. Erstere erregten zu Zeiten der Monarchie die noblen Damen und sicher auch manchen Herrn, denn „die Bewohner von Veldes und Umgebung sind hochwüchsig und stark, ihre Gesichtsfarbe ist meist frisch, oft blühend." Vielleicht schätzten sie andere Eigenschaften der Dorfbewohner noch mehr? „Das Volk ist mit guten Geistanlagen begabt. Die Sprache ist vorherrschend die slowenische, aber es wird auch viel deutsch gesprochen. Manche sprechen wegen ihres Verkehrs mit Triest und Italien auch italienisch. Übrigens ist die slowenische Sprache unter allen slawischen Sprachen eine der wohlklingendsten."

Weit ruhiger der Wocheiner See (Foto © Norbert Eisner)

Die frühen Touristiker machten sich auch in Veldes ein Ereignis zunutze, das der Zufall erfreulicherweise in die Sommersaison fallen ließ – Kaisers Geburtstag: „Zu den Sehenswürdigkeiten, welche Veldes den Fremden gewährt, gehört in erster Linie auch die Seebeleuchtung. Welche alljährlich am 18. August, zu Kaisers Geburtstag, ein glänzendes Zeugnis der patriotischen Gesinnung bietet, als feenhaftes Schauspiel aber geradezu durch den magischen Widerschein von tausenden von Lichtern einzig und unerreicht darsteht." In Ischl und andernorts in der ehemaligen Monarchie wird dieses Datum jetzt wieder als folkloristisches, Gäste bringendes Fest begangen. In Veldes wird wegen der weniger guten Nachred´ der Habsburger in Slowenien wohl für immer davon Abstand genommen werden. Der Kaiser stieg auf seiner Krain-Reise anlässlich der sechshundertjährigen Zugehörigkeit Krains zu den habsburgischen Erbländern am 16. Juli 1883 im Hotel Mallner ab, woran bis zum Ende der Monarchie eine Gedenktafel erinnerte.

Durchs Burgfenster (Foto © Norbert Eisner)

Selbst dieser Besuch ging nicht ohne nationale Kalamitäten von statten. Gerhard J. Hickel schreibt dazu in seinem Buch Zur Kur im alten Österreich: „Bei der Begrüßung durch den Bürgermeister in slowenischer Sprache soll sich dieser nicht an die vom kaiserlichen Zeremonienmeister gemachten Vorgaben gehalten haben. Außer Protokoll wurden laut Chronik auch der Pfarrer und der Lehrer aktiv. Sie organisierten einen slowenischen Chor und gaben dem Herrscher ein Ständchen – sicherheitshalber verschwanden sie blitzartig nach dem letzten Ton."

Zu k.k. Zeiten ein beliebtes Motiv: Brücke der Wocheiner Bahn und Rothweinfall (Foto © Norbert Eisner)

Die Streitereien von Deutschsprachigen und Slowenen gingen in den folgenden Jahren weiter. Als im Jahr 1900 ein Veldes-Reiseführer in Deutsch, Slowenisch und Tschechisch publiziert werden sollte, kam es wegen darin nicht berücksichtigter Stützpunkte des Slowenischen Alpen-Vereins zu massiven Beschwerden der Slowenen. Diejenigen des Deutschen und Österreichischen Alpen-Vereins waren nämlich alle verzeichnet worden. 

All das ist glücklicherweise lange her. Heute sagt der Bürgermeister von Veldes, Janez Fajfar, in einem Interview mit dem österreichischen Magazin cercle-diplomatique zum Verhältnis zwischen Österreichern und Krainern: „Uns trennen zwar Berge, aber im Herzen sind wir doch irgendwie auch aus der wechselvollen Geschichte heraus eine Einheit."

Ein Hauch Melancholie (Foto © Norbert Eisner)

Wir lernen den Herrn Bürgermeister auch persönlich kennen. Eine gemeinsame Bekannte nennt ihn eine wandelnde Enzyklopädie. Sie hat Recht. Er erzählt uns Interessantes über seinen Amtssitz. Das heutige Rathaus galt einst als schönste Villa von Veldes. (Seine Lage ist tatsächlich bezaubernd, vor allem der Blick von der Terrasse hinüber zu Maria im See.) Die Villa wurde von der bekannten Triestiner Kaufmannsfamilie Rittmeyer erbaut. Darin erinnert an der parkseitigen Außenmauer noch eine Steintafel mit einem jüdischen Segensspruch. Viele Jahrzehnte später, die Rittmeyer hatten die Villa schon lange verlassen, wurde Veldes zum letzten Refugium österreichischer Juden. Hitlers Schergen saßen schon in Wien, hier in Veldes war bis 1941 noch Ruhe. Viele Juden aus der zur Ostmark degradierten österreichischen Republik verbrachten in Veldes einige sichere Jahre in der noch sehr von Altösterreich geprägten Atmosphäre einer Sommerfrische.

Zwar nicht der Zlatorog, aber auch fesch (Foto © Norbert Eisner)

Unter ihnen waren auch die Angehörigen des aus Prag stammenden Rechtsgelehrten Hans Kelsen. Als maßgeblicher Autor der österreichischen Bundesverfassung von 1920 ist er in Österreich auch Nicht-Juristen noch ein Begriff. In den Dreißigerjahren vertrieben die Nazis Kelsen von seinem deutschen Lehrstuhl. Über Genf kam er in die USA, wo er weiter lehrte und 1973 starb. Seine Mutter, Auguste Kelsen, überlebte den Naziterror in der Oberkrain. Sie wurde von slowenischen Freunden geschützt und starb 1950 in Veldes. Ihr Grab geriet in der kommunistischen Zeit in Vergessenheit. Janez Fajfar ließ das keine Ruhe. Er spürte die Grabstätte, trotz vernichtetem Totenbuch, auf und sorgte für ihre Restaurierung und die Anbringung einer Gedenktafel. Die Republik Österreich ehrte ihn dafür mit einer hohen Auszeichnung. Mit Janez Fajfar dem Vielsprachigen, dessen Familie vor vielen hundert Jahren aus Sexten in Südtirol in die Oberkrain kam, ließe es sich noch stundelang tratschen. Er macht die wechselvolle Geschichte von Veldes lebendig. Der Friedhof der kleinen Stadt ist nicht nur wegen des Kelsen-Grabes einen Besuch wert, seine schöne Anlage (oder welches Attribut wählt man für einen Friedhof?) hat mich überrascht.

In der Rothweinklamm

Auch in der Umgebung von Veldes gibt es viel, was es lohnt, besucht, erwandert oder erklommen zu werden. Beliebte Ziele sind die Rothweinklamm (Vintgar), die Triglavtäler, Kerma-, Vrata- und Kottal, sie werden mir unvergesslich bleiben, das Pokljukaplateau und die Wochein. „Keine Partie aber ist in den Touristen-Überlieferungen so unzertrennlich mit dem Besuch von Veldes verbunden, als ein Ausflug zum Ursprunge des südlichen Savearmes in die Wochein." So steht's zumindest in einem unserer alten Reiseführer. Und heute? Die Wochein (Bohinj) ist ein selten gewordenes Idyll. An ihrem von Uferbauten verschonten See lässt es sich ganze Tage wunderbar vertrödeln. Aber das ist eine andere (ask-enrico-)Geschichte.

Der Wocheiner See (Foto © Josef Wallner)

Dieses Mal gilt es nur noch einen Besuch zu absolvieren, nicht aus Pflicht, sondern mit viel Freude. Er gilt unseren Freunden Iza und Lojze Dolinar-Krainer in Kupljenik, wenige Kilometer nach Veldes am Beginn des Wocheinertals gelegen. Alte Obstbäume umstehen das Anwesen. Nach Oberkrainer Überlieferung hat Maria Theresia verfügt, dass jeder oberkrainische Bauer fünf Obstbäume pflanzen müsse und seither habe es in der Oberkrain keinen Hunger mehr gegeben. Das ist eine jener seltenen Geschichten, wo die meisten Krainer noch heute dem alten Österreich etwas Gutes abgewinnen können.

Frühling am Hof der Dolinars

Lojze und Iza Dolinar-Krainer sind ursprünglich keine Bauern gewesen. Irgendwann haben sie sich dazu entschlossen, eine Bio-Landwirtschaft zu führen. Er, Psychologieprofessor am internationalen Gymnasium in Krainburg (Kranj), kümmert sich um die Schafe und Ziegen, die Heu- und Holzarbeit. Sie führt resolut die Pension mit allem, was dazugehört, vom Hausgarten bis zur Küche. Der Bauernhof ist kein Streichelzoo, die Tiere liefern Käse und Fleisch, aber es erstaunte uns sehr, wie nah Mensch und Tier miteinander verbunden sein können und wie sie miteinander kommunizieren. 

Iza Krainer stammt aus einer bunten Familie. Ihre Vorfahren kommen aus Graz. Der Bau der Eisenbahn hat einen Ahnen nach Krain verschlagen, wo das steirische Blut noch einen italienischen Spritzer erhielt. Über all das lässt es sich auf der Terrasse gemütlich plaudern, während die Hunde des Dorfes ein Wettrennen veranstalten. Aber selbst die kläffen hier nicht. Beginnt die Sonne hinter den Bergen zu verschwinden, legt sich der Trubel in Veldes. Es kehrt jene Stimmung ein, die Besucher hier schon vor hundert Jahren empfunden haben: „Es wird Abend. Die über die Kalkschroffen überhängenden Wolken zittern jetzt kupferig widergespiegelt im See. Die sonst so bleichen Grate werden rot und die Spitze des Triglav feurig. Kirchenglocken hallen auf den See hinaus und die Flut wallt leise." Manches ändert sich zum Glück nie.

Ein Vorgeschmack auf die nächste Oberkrain-Reise: das schöne Städtchen Radmannsdorf (Foto © Norbert Eisner)

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Josef Wallner (Text), Norbert Eisner (Bilder): Unbekanntes Slowenien. Reisen auf Altösterreichs Spuren in Krain und Laibach (zoppelberg Verlag 2012).
Josef Wallner (Text), Norbert Eisner (Bilder): Reisen in der Untersteiermark|Štajerska (zoppelberg Verlag 2011)
Josef Wallner, Norbert Eisner Geliebtes Görz. Von den Alpen zur Adria. Eine Reise durch das altösterreichische Küstenland. Verlag Berger, Horn 2013 https://www.verlag-berger.at/der-verlag-berger/presse/geliebtes-goerz.html

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