Altösterreich revisited - Enricos Reisenotizen - Seite 4

Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken
Altösterreich – Kakanien – ein Großteil Mitteleuropas, ask-enricos bevorzugte Reiseregion, gehörte diesem Kulturraum an. Was gibt es in diesen Ländern, von Tschechien bis Kroatien, noch an kakanischen Spuren zu entdecken? Was lohnt sich, neu zu entdecken? In Altösterreich revisited begeben wir uns auf die Fährtensuche… Als Guides haben wir alte Rei...seführer aus der Monarchie gewählt, die uns manch Altes neu entdecken lassen. Wir beginnen unsere Reisen zwar im Gestern, enden aber im Heute und werfen so einen neuen, faszinierenden Blick auf unser gemeinsames Mitteleuropa.
„Es ist passiert, sagte man dort, wenn andre Leute anderswo glaubten, es sei wunder was geschehen; das war ein eigenartiges, nirgendwo sonst im Deutschen oder einer andren Sprache vorkommendes Wort, in dessen Hauch Tatsachen und Schicksalsschläge so leicht wurden wie Flaumfedern und Gedanken. Ja, es war, trotz vielem was dagegen spricht, Kakanien vielleicht doch ein Land für Genies; und wahrscheinlich ist es daran auch zugrunde gegangen.“ (Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften)
 
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Mein Pressburg

Ein Hendl sein in Siebenbürgen

Eindrücke aus dem Land jenseits des Waldes von Josef Wallner, Fotografien von Norbert Eisner 

Die Versuchung ist groß: Eine Geschichte über Siebenbürgen einzuleiten mit der Verwunderung der Freunde über das Reiseziel („das ist doch in Rumänien?") oder mit der Behauptung, dass Siebenbürgen bis heute herzlich wenig mit Rumänien oder zumindest seinen Klischees zu tun habe.

Ach Siebenbürgen! (Foto © Norbert Eisner)

Ich widerstehe beiden Versuchungen, zumindest in der Einleitung, und Dracula sowieso. Warum wählten Norbert Eisner, der Fotograf, und ich dann Siebenbürgen als Reiseziel für Ostern 2015? Am attraktiven Wetter ist es sicher nicht gelegen, denn Siebenbürgen ist ein Hochland – mehr muss ich wohl nicht sagen. Nein, der Name machte mich neugierig, schon vor langer Zeit. Siebenbürgen – das klingt doch nach Märchenland, mit Burgen, dunklen Wäldern, sanften Hügeln und Städten mit wehrhaften Mauern und schiefen Häusern, aus deren mächtigen Kaminen der Rauch lustig gegen Himmel steigt, oder? Und wissen Sie: Genau so ist es in Siebenbürgen, aber nicht nur, denn Märchen gibt's halt doch nur im Märchen. 

Von Ungarn über Österreich nach Siebenbürgen und retour: Wir spinnen, entspinnen und verheddern uns (ein wenig) in den Fäden der Geschichte 

Unsere Reise nach Siebenbürgen, dem ungarischen Erdély und rumänischen Transilvania oder Ardeal, beginnt in Ungarn. Und das ist kein Widerspruch, denn Siebenbürgen war ein ganzes Jahrtausend lang mit dem ungarischen Reich, Staat oder wie immer die verwaltungs- und herrschaftlichen Konstrukte alter Zeiten nennen mag, verbunden; manchmal enger, manchmal lockerer.

Am Dorf (Foto © Norbert Eisner)

Warum ist Siebenbürgen dann heute rumänisch? Viele Ungarn würde antworten, dass fragten sie sich auch, für sie sei Erdély das ungarische Südtirol. Andere werden diese Polemik überhaupt nicht verstehen. Schließlich seien doch drei Viertel der Siebenbürger Rumänen. Ein Fünftel sind Ungarn; dazu kommen paar Deutschsprachige, nur mehr rund 36.000 (einschließlich jener im Banat) von weit über sieben Millionen Siebenbürgern. Die Vorfahren der deutschsprachigen Siebenbürger wurden im Mittelalter von den ungarischen Königen aus verschiedenen Regionen des deutschen Sprachraums ins Land geholt. Um 1900 lebten noch über eine halbe Million Deutschsprachige in Siebenbürgen (bei über vier Millionen Einwohnern). Sie gründeten die siebenbürgischen Städte und kultivierten weite Teile des Landes. In Siebenbürgen leben auch viele Roma und wenige Ukrainer, Serben, Kroaten und Slowaken. Noch um 1930 war dieses selbst für das alte Mitteleuropa recht bunte Bild noch weit gescheckter. Der nationalistische Irrsinn, der Rassenwahn und seine Folgen ließen Juden und Armenier aus Siebenbürgen fast gänzlich verschwinden und die Zahl der Ungarn und vor allem jene der Deutschsprachigen stark zurückgehen. Angehörige der deutschen Volksgruppe Rumäniens waren, wie viele Deutsche in den Ländern Mittel- und Osteuropas, auch selbst nicht vor der Ansteckung mit Nazi-Gedankengut gefeit. Später ließen die Kommunisten sich die Deutschsprachigen von der BRD abkaufen, für über 200.000 Menschen wurde Kopfgeld bezahlt.

Am großen Ring in Hermannstadt, links das Brukenthalpalais (Foto © Norbert Eisner)

Die letzte große Auswanderungswelle der Deutschen, treffenderweise Exodus genannt, gab es nach 1989. Sie zerstörte die jahrhundertealte Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen wohl endgültig. Ganze Sachsendörfer zogen Richtung Deutschland. Auf den ersten Blick lässt das staunen: Was die Verschleppung zur Zwangsarbeit nach Russland nach dem Zweiten Weltkrieg, die kommunistischen Enteignungen und Repressalien (in Rumänien gab es allerdings keine Vertreibung) und die Freikäufe nicht geschafft hatten, gelang mit der beginnenden Demokratisierung: der Abzug fast einer ganzen autochthonen Volksgruppe. Wer näher hinschaut, versteht es: Die Chance auf ein besseres und vor allem planbares, sicheres Leben in einem Land, in dem man nicht Angehöriger einer Minderheit ist – wer würde sie nicht ergreifen?

Auferstehungsprozession in Kronstadt (Foto © Norbert Eisner)

Macht es einen Unterschied, ob ein Land auf Grund eines freien Entschlusses, auch wenn er aufgrund widriger Lebensumstände zustande gekommen ist wie bei den Siebenbürger Sachsen, verlassen wird oder ob man gehen muss? Ich weiß es nicht. Was bei beiden Gruppen, den Vertriebenen und den freiwillig Gegangenen, auffällt: Viele Menschen scheinen lange Zeit in der Verklärung der alten Heimat ein probates Mittel gefunden zu haben, mit deren Verlust fertig zu werden. Oft hatte man das Gefühl, dass die Gegangenen und die Vertriebenen, zumindest bis es wieder einfacher war, in den Osten zu reisen, in ihrer Erinnerung stecken geblieben waren. In Brünn, Aussig, im Banat oder in Schlesien hätten sie wahrscheinlich nie so traditionsgebunden gelebt und gefühlt wie später in München oder Augsburg, wo es auch keine Möglichkeit gab, die Traditionen weiterzuentwickeln. Das gilt auch für die Klagen der Siebenbürger Sachsen, gleich ob sie in Rumänien geblieben oder gegangen sind, über den Verlust der legendären Gemeinschaft in den Sachsendörfern. Nur, hätte sich die wohl genauso gewandelt, wären alle geblieben. (Und bedenkt man den sozialen Druck, den so eine Dorfgemeinschaft auf die nicht ganz Angepassten erzeugen kann, ist das zumindest nicht nur negativ zu bewerten.)

Ausdruck des Bürgerstolzes: Das Rathaus von Großwardein (Foto © Norbert Eisner)

Eine leidige Folge der nationalistischen Zeit ist, dass wir es uns zur Gewohnheit gemacht haben, einen Staat mit einer Ethnie gleichzusetzen – und uns vielleicht deshalb mit Migranten- und Flüchtlingsströmen noch schwerer tun. (Eine Herausforderung war Zuwanderung wohl immer.) Nicht nur die heutige Zuwanderung ist für viele von uns ungewohnt, sondern auch, dass in einer Region seit Jahrhunderten, gar noch länger, Menschen unterschiedlicher Herkunft und/oder Religion (was das Ganze in Siebenbürgen noch vertrackter macht) leben. Komplizierter wird's noch, wenn die Einwohner eines Staates über Jahrhunderte verschiedenen kulturellen Einflüssen ausgesetzt waren. Siebenbürgen war, und ist es wahrscheinlich noch, Mitteleuropa, im Gegensatz zum Rumänien hinter den Karpaten. Ich bitte Sie, werte Leserschaft, letzten Satz völlig wertfrei zu verstehen. Transsilvanien war schlichtweg anderen Einflüssen ausgesetzt als Moldau oder die Walachei. Das Ungarische, Deutsche, später Deutsch-Evangelische, und Habsburgische dominierten, auch wenn das Doppeladlerisch-Katholische in weiten Gegenden Siebenbürgens weniger als im Rest Altösterreichs zu spüren ist. Die Siebenbürger Sachsen, wie die meisten deutschsprachigen Siebenbürger genannt wurden und werden, gleich woher sie stammten, waren eben Protestanten…

Bröckelnde Jugendstilpracht in Salzburg (Foto © Norbert Eisner)

Die Rumänen mussten sich ihren Platz in der siebenbürgischen Gesellschaft im Lauf der Jahrhunderte erst hart erkämpfen. Sachsen, Ungarn und Szekler, eine ethnische Gruppe, die einen eigenen ungarischen Dialekt spricht, teilten das Land als die in der Entwicklung schon weiter vorangeschrittenen Volksgruppen politisch und wirtschaftlich untereinander auf. Sie waren dabei durchaus selbstbewusst und erstritten sich für die Sicherung und Kultivierung des Landes viele Privilegien und vor allem Selbstverwaltung und Freiheit. Aber wie das halt so ist, die Rechte, die man selbst erkämpft hat, will man anderen Gruppen dann nicht so gerne gewähren. In der Doppelmonarchie spielten die Ungarn, wenn auch weniger erfolgreich als anderswo, ihr nationalistisches Spiel. Trotzdem waren die siebenbürgischen Rumänen, wenn auch die Verbindungen mit dem jungen rumänischen Königreich jenseits der Südkarpaten enger wurden, mitteleuropäisch geprägt.

Der Stundenturm in Schässburg (Foto © Norbert Eisner)

Das alte Österreich-Ungarn war von seinen Volksgruppen her ein ziemlich bunter Haufen, in Glaubensfragen aber überwog das Gelbweiß der Katholiken. Nicht so in Siebenbürgen. Dort war stets auch die Orthodoxie präsent. Als im 17. Jahrhundert das Land für lange Zeit habsburgisch wurde, ergab sich ein Problem: Nicht-Katholiken hatten nicht die gleichen Rechte wie Katholiken. Die Lösung: Man erkennt den Papst an und wird griechisch-katholisch. Und so war Siebenbürgen lange Zeit von den Griechisch-Katholischen geprägt – und den Protestanten. Die Vielfalt an protestantischen Kirchen lässt staunen. Calvinisten, Lutheraner, Evangelisch-Lutherische, Evangelische Kirche AB und Unitarier – sie alle sind in Siebenbürgen vertreten. Vor allem die deutschsprachigen Siebenbürger wurden protestantisch und durften es selbst unter Habsburgs Zepter bleiben. Nachschub erhielten sie, als Maria Theresia störrische, weil nicht wieder katholisch werden wollende Untertanen aus den alpinen Erbländern gen Siebenbürgen verfrachten ließ. Römisch-Katholisch sind in Siebenbürgen vor allem Ungarn und Szekler, sofern sie nicht der unitaristischen Kirche angehören. Alles klar? Dann ist dem Kapitel der komplizierten Religionsverhältnisse in Siebenbürgen nur noch anzufügen, dass in den Nachwende-Jahren mehrere Freikirchen wie die Baptisten in Siebenbürgen recht erfolgreich waren.

Die Bar von Kronstadt … (Foto © Norbert Eisner)

Gleich, welchem Glauben sie angehören, Ungarn, Szekler und Deutschsprachige verbindet eine starke regionale Identität. Das gilt durchaus auch für die Rumänen. Sie betonen gerne, wie anders als sie in Mentalität und Lebensführung seien als ihre Landsleute jenseits der Karpaten. Andererseits gibt es bei den Rumänen auch eine stark ausgeprägte nationalrumänische Identität, was dem Reisenden schon an den überdimensionierten rumänischen Trikoloren, die von den kleinsten Hütten wehen, sehr eindringlich vor Augen geführt wird. Die Konflikte zwischen den Volksgruppen, vor allem zwischen (den auch untereinander zerstrittenen) Ungarn und Rumänen, sind mit der Wende auch nicht verschwunden. Die Deutschsprachigen haben bei den Rumänen ein gutes Image, für ethische Konflikte sind sie schon zu wenige und die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften wie Pflichtbewusstsein, Ehrlichkeit und Fleiß werden von den Rumänen geschätzt, und zwar, wie sich kürzlich gezeigt hat, in einem solchen Ausmaß, dass Deutschsprachige bis zum Amt des rumänischen Staatspräsidenten aufsteigen können.

Die letzten Spuren … (Foto © Norbert Eisner)

Nach außen hin, für uns Touristen, werden diese nicht gerade unkomplizierten Verhältnisse wenig sichtbar – mit einer Ausnahme: dem Bau vieler orthodoxer Kirchen. Für welche Gläubige werden sie errichtet? Nach wie vor geht es um die sichtbare Hoheit über das Land. Wo orthodoxe Kirchen stehen, ist eben Rumänien. (Zu einem echten siebenbürgischen Dorf gehören mindestens drei Kirchen – eine katholische, eine evangelische und eine griechisch-katholische, wie uns ein befreundeter ungarischer Siebenbürger aus Klausenburg lächelnd erklärte.) Konfliktreich gestaltet sich auch das Verhältnis vieler Siebenbürger zur wachsenden Volksgruppe der Roma, deren Hütten oft am Rande der Dörfer errichtet wurden. Konflikte mit den Deutschsprachigen gibt es, wie erwähnt, so gut wie keine mehr. Jetzt kann man die deutsche Geschichte dieses Landstrichs in Ruhe für den Tourismus nützen. Die Kaffeehäuser und Hotels in Schässburg und Hermannstadt tragen deutsche Namen wie „Hotel am Ring", „Gasthof zur alten Post" oder „Café Wien", die Gassen sind zweisprachig ausgeschildert (zwei- oder dreisprachige Ortschilder sind in Siebenbürgen keine Seltenheit), selbst die Hermannstädter Kanaldeckel zieren der rumänische und der deutsche Ortsname. Einheimische, die siebenbürgisches Deutsch gesprochen hätten, aber wir allerdings fast keine mehr getroffen.

Eine Zeitreise … (Foto © Norbert Eisner)

Für die wenigen Verbliebenen gibt es noch deutschsprachige Zeitungen, Buchhandlungen und Radiosender (zumindest kennen wir einen im Banat). Die traditionsreichen Schulen mit deutscher Unterrichtssprache in Hermannstadt, Kronstadt, Schässburg und anderen Orten wie Rosenau sind beliebt. Allerdings ist für die überwältigende Mehrheit der Schüler Deutsch eine Fremdsprache, sie stammen aus rumänischen Familien. Auch die Lehrkräfte mit Deutsch als Muttersprache sind fast vollständig verschwunden. Das Siebenbürgisch-Sächsische, von den Siebenbürgern Siweberjesch Såksesch genannt, ist – laut Wikipedia – eine moselfränkisch geprägte Reliktmundart und dem Luxemburgischen sehr ähnlich. Das ländliche Siebenbürgisch würden wir wahrscheinlich schwer verstehen, das Hermannstädter und Kronstädter Sächsisch schon eher, in beiden Stadtdialekten wurden sogar Erzählungen und Gedichte geschrieben. Durch die deutsche Auswanderung hat sich das in siebenbürgischen Schulen gelehrte und gesprochene Deutsch verändert. Selbstverständlich war das siebenbürgische Deutsch auch von rumänischen und madjarischen Lehnwörtern sowie von vielen Austriazismen durchzogen. Jetzt wird in Rumänien bundesdeutsches Deutsch gelehrt.

Es wird prächtig – Großwardein (Foto © Norbert Eisner)

Deutsche Lehnwörter und Austriazismen haben sich in allen auf dem Gebiet der alten Monarchie gesprochenen Sprachen erhalten, so wie auch das Österreichische bekannterweise ungezählte slawische, jiddische und romanische Einsprengseln hat. In den Gebieten der ehemaligen Monarchie findet sich Österreichisches meiner Beobachtung nach vor allem noch in zwei, für unser Leben nicht unwesentlichen Bereichen, der (handwerklichen) Arbeit und dem Essen, ob´s der grenadirmars auf einer Kronstädter Speisekarte, die šale Kaffee in Pressburg oder der špricar in einer Marburger pušenšank ist.

Fellner und Helmer in Klausenburg (Foto © Norbert Eisner)

Apropos österreichisches und deutsches Deutsch: Die Dominanz der deutschen Medien verändert das in Österreich gesprochene Deutsch gründlich und nachhaltig. Das Österreichische wird sterben, das betrifft nicht nur die (als Exempel schon etwas angefaulten) Paradeiser, sondern Sprachfärbung und Satzbau. (Sind Sie noch gegangen oder gingen Sie bereits?) In den einst mit Österreich verbundenen Ländern Mittel- und Osteuropas hat dieser Prozess schon lang vorher eingesetzt. Zuerst hat der Kommunismus für eine Verdrängung des österreichischen Deutsch aus den Ländern Mittel- und Osteuropas gesorgt. Nach der Vertreibung der Deutschen aus Böhmen und Mähren unterrichteten Lehrer aus Ostdeutschland die tschechische Jugend im Deutschen. Und so wurde aus dem Kasten der Schrank und dem Sessel der Stuhl. Nach der Wende ging dieser Prozess weiter, wirtschaftlich behaupteten wir uns höchst erfolgreich auf den neuen alten Märkten, kulturell, oder umfassender aber unbestimmter gesagt, emotional, wäre meinem Eindruck nach noch Luft nach oben gewesen. (An dieser Stelle sei ein Gruß an meine slowenischen Freunde gestattet. Sie waren schon etwas verwundert, als im Sommer 2014 das Österreich Institut in Laibach seine Pforten schloss.)

Frühling am Szechenyi Platz (Foto © Norbert Eisner)

Sprache verändert sich eben – und das ist nicht aufzuhalten, was bis auf einige Wermutstropfen (siehe oben) ja erfreulich ist. Aber: Wie geht man mit einer Sprache um, die von den Bewohnern eines Landes im Alltag kaum mehr gesprochen wird? Die bewusste Aufrechterhaltung eines auch deutschen Bildes in vielen siebenbürgischen Städten hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Wie museal soll der Alltag in einer Stadt sein? Wie macht man den Anteil einer fast nicht mehr existenten Volksgruppe an der Entwicklung einer Stadt sichtbar? Wird hier die Welt von gestern konserviert? Es ist traurig, eine so lange mit einer Region verbunden gewesene Kultur aus dieser verschwinden zu sehen, aber sie zu einem großen Teil künstlich zu konservieren? Schulen mit deutscher Unterrichtssprache mögen nicht nur aus Gründen der Tradition, sondern auch aus arbeitsmarktpolitischen Überlegungen ihre Berechtigung haben, aber anderes lässt vermuten, dass es mehr aus touristischen Motiven, denn aus Bedarf der Bürger gepflegt wird.

Grabmal in der Hermannstaedter Kathedrale (Foto © Norbert Eisner)

Vielleicht braucht aber nicht nur der Tourismus, sondern auch die Siebenbürger aller Nationalitäten das Sichtbarmachen der ehemaligen Vielfalt – als (neuerdings) geschätztes wesentliches Element ihres Landesbewusstseins. Diese starke regionale Identität – vielen fällt es schwer, sie zu verstehen. Wir sind doch alle Europäer, Weltbürger gar, das andere hat doch einen provinziellen, gar nationalistischen Mief, oder? Kann sein, muss aber nicht. Vielleicht denken wir zu sehr an die uns wohl vertrauten Regionalismen, an polternde Landeshauptleute vor trachtigem Publikum. Wie aber ist es, wenn Menschen zwar die gleiche Hochsprache sprechen, aber ziemlich anders ticken, selbst in unserer globalisierten Welt? Wer von Ihnen schon gemeinsam in einem Projekt mit norddeutschen Partnern gearbeitet hat, weiß wahrscheinlich, was ich meine. (Auch das möge bitte wieder vollkommen wertfrei verstanden werden.) Manchmal noch weit ausgeprägter ist das unterschiedliche Ticken zwischen den transsilvanischen und den anderen Rumänen.

Gut versichert … Schässburg (Foto © Norbert Eisner)

Dass das für die anderen siebenbürgischen Volksgruppen noch mehr gilt, liegt auf der Hand – ebenso, dass dieses Phänomen in vielen Regionen des alten Österreichs zu beobachten ist. Sprechen Sie einmal mit einem Triestiner, wie sehr oder besser gesagt wie wenig er sich dem italienischen Staat verbunden fühlt und welche Reminiszenzen er für Kakanien hegt. Sie werden erstaunt sein. Die Mischung aus Nostalgie, wirtschaftlichem Interesse und tatsächlichem Leidensdruck aufgrund unterschiedlicher Mentalität treibt interessante, aber auch seltsame Blüten. Sie durchwegs als Spinnereien abzutun, haben sie sich nicht verdient. Vielmehr sollten wir auf dem Wohlwollen in den Regionen Gemeinsames aufbauen – im Rahmen der Europäischen Union. Aber dazu fehlen uns in Österreich, trotz vieler Projekte, leider das Herzensinteresse und ein tieferer Bezug zu unserer eigenen Geschichte. Eine schöne Landschaft und erfolgreiche Schifahrer reichen.

Gymnasium in Mühlbach (Foto © Norbert Eisner)

So haben wir auch die Deutschsprachigen in den ehemaligen Ländern der Donaumonarchie vergessen, im Gegensatz zu unseren bundesdeutschen Nachbarn. Warum? Das Argument, dass wir weniger Geld zur Verfügung haben, überzeugt nicht. Es interessiert uns ganz einfach nicht, obwohl uns die Menschen und die Regionen, in denen sie leben, doch weit mehr angehen könnten als die Deutschen.

Haus der Fleischerzunft in Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

Der Ursachen sind viele – und sie liegen auf beiden Seiten, auf der österreichischen und der der Deutschsprachigen in den ehemals österreichisch-ungarischen Gebieten. Letztere, sie bezeichnen sich heute fast durchgängig als Deutsche, was sich für uns aufgrund der anderen Besetzung des Begriffs vielleicht seltsam anhört, orientierten sich bereits in der Monarchie mehr nach dem Deutschen Reich als dem multinationalen Österreich-Ungarn. Das gilt besonders für die Deutschen, die mit anderen Volksgruppen in einem Kronland Österreichs oder einer ungarischen Region zusammenlebten, so auch für die Siebenbürger Sachsen. Noch dazu waren diese evangelisch, in anderen Gebieten, wie der Untersteiermark, liefen die Deutschsprachigen erst im 19. Jahrhundert in Scharen zu den Protestanten über.

Haus Luxemburg am Kleinen Ring in Hermannstadt – eine sehr nette Unterkunft (Foto © Norbert Eisner)

In den übernational denkenden österreichischen Kreisen wurden vor allem die Böhmen-Deutschen, jetzt noch immer mit der von den Nazis bevorzugten Bezeichnung Sudetendeutsche punziert, aufgrund ihrer nicht gerade konstruktiven Politik in der Spätzeit der Monarchie als Totengräber des alten Österreichs gesehen. Umso verwunderlicher war es für viele, dass diese, aus welchen Gründen auch immer, mehrheitlich sehr deutschnational orientierten Menschen im Zuge der Vertreibung 1945 plötzlich ihr altösterreichisches Herz entdeckten. (In Österreich versuchte man sich mit Händen und Füßen, vor allem, aber nicht nur aufgrund der prekären Versorgung mit Lebensmitteln, gegen einen Zuzug dieser Deutschsprachigen zu wehren.)

In der Hermannstädter evangelischen Kathedrale (Foto © Norbert Eisner)

Warum sollte man sich im neuen Österreich daher für diese Deutschen interessieren? Diejenigen, die vertrieben wurden, konnte man politisch (viele Nazis) und wirtschaftlich (kein Platz an den Futtertrögen) nicht brauchen, diejenigen, die bleiben durften, also die Siebenbürger Deutschsprachigen, interessierten die Österreicher noch weniger (man hatte hierzulande auch wirklich andere Sorgen) und außerdem: Das Interesse an der Entwicklung der anderen Ländern der ehemaligen Monarchie und ihren Menschen schwand generell sehr rasch. Zum einen, weil die so engen Bande durch den Kommunismus radikal gekappt worden waren, was sich erschreckend schnell in einem ziemlichen Unwissen über die Regionen Mitteleuropas bemerkbar gemacht hat, zum anderen, weil unser Land in seinem neuen Selbstbild die Fäden zu seiner Vergangenheit nur sehr selektiv wieder aufnahm. Warum das?

In der Schässburger Unterstadt (Foto © Norbert Eisner)

Es war 1945 und in den folgenden Jahren schlichtweg notwendig, ein neues Österreichverständnis zu entwickeln. Dazu zählte auch die Abgrenzung von allem „Deutschen", ein kleiner Aspekt davon betraf auch die Deutschsprachigen im ehemaligen Österreich-Ungarn. Die Leute hatten schlichtweg alles satt, was mit Deutsch zu tun hatte. Was mit dem Deutschnationalismus in der Monarchie begann, der allerdings neben den diversen slawischen Nationalismen und dem ungarischen existierte, und sich in der Ersten Republik bei vielen, auch, aber nicht nur, aus wirtschaftlichen Gründen, zu einer wahren Sehnsucht nach Zugehörigkeit zum Deutschen Reich steigerte, kulminierte in Teilen der Bevölkerung in der unfassbaren deutschnationalen Begeisterung rund um den Anschluss, ein wahrer Hexensabbat wie Carl Zuckmayer es nannte. Eine gewisse kulturelle Unverträglichkeit, das Besetzen von Posten durch Deutsche aus dem Altreich und vor allem der Verlauf des Zweiten Weltkriegs ließen die Österreicher immer weniger als deutsch und immer mehr österreichisch empfinden.

Jugendstil in der kleinen Banater Stadt Lugosch (Foto © Norbert Eisner)

Nur, was war dieses Österreichische? Eine neue Deutung musste gefunden werden! Ihre Grenzen wurden recht eng gezogen, der räumlichen Größe der Alpenrepublik angepasst. Das freundliche, kleine Land mit friedfertigen Menschen, bald beide neutral, selbstverständlich, schönen Bergen und einer großen Vergangenheit war endgültig geboren. (Schwanger war man damit schon in der Ersten Republik.) Aus der Geschichte pickte man sich eben das heraus, was ins neue Biedermeier passte, also vor allem die Kunst und ein paar babenbergische und habsburgische Versatzstücke, gespickt mit Legenden, wie jenen von der rot-weiß-roten Fahne, dem Gefangenhalten von Richard Löwenherz und der Türkenabwehr – samt Kaffeeimport. (Letztere ist bis heute eine der wenigen historischen Erzählungen, die Österreich mit seinen südöstlichen Nachbarn teilt.)

Kakanische Kaffeehaustradition auch in Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

In Hinblick auf die damalige Weltlage und die delikate Rolle Österreichs – das Land ein Opfer des Nationalsozialismus, viele Menschen aber nicht nur Mitläufer, sondern Nazi-Verbrecher, darunter viele der schlimmsten – war das wahrscheinlich eine sehr gute und richtige Strategie. Es ging schlichtweg darum, Österreich und seinen Menschen eine solide Grundlage fürs Überleben, und zwar halbwegs friedlich miteinander, zu schaffen. Die Aufarbeitung musste, so bitter und ungerecht wir das heute auch empfinden mögen, warten. Der Rückzug aufs Kleine, Älplerisch-Biedere mit dem fast exotisch anmutenden Wasserkopf Wien und dessen gern behaupteter und in Manchem bewiesener Internationalität im Künstlerischen gelang prächtig. Die Provinz eroberte Wien und Österreich und verteidigte ihren Sieg bis The wind of change ab 1989 Stadt und Land nachhaltig durchlüftete.

Karlsburg (Foto © Norbert Eisner)

Eine Beschäftigung mit den Ländern und Menschen der ehemaligen Monarchie, außer in einem sehr engen nostalgischen Kontext à la „Wie Böhmen noch bei Estreich war" (und bitte nicht „als") entsprach nicht dem historisch leider nicht gerade versierten Zeitgeist. Ausnahmen wie die Busekschen Initiativen bestätigten nur das Gesamtbild. Fiel auch nur in einem Halbsatz etwas Gutes über Altösterreich (oder verwendete man gar eine deutsche Ortsbezeichnung), musste es in mindestens drei Schachtelsätzen widerlegt oder zumindest so abgeschwächt werden, dass es nur mehr als Lächerlichkeit stehen blieb. Und schlussendlich wurde dieser Cocktail aus Ignoranz, Unwissenheit und Minderwertigkeitskomplex noch mit einer gehörigen Portion Arroganz gewürzt – wir sind doch weit besser als „wie die Ungarar, Tschechoslowaken, Jugos, Polaken oder gar Rumäna", oder?

Karlsburger Dom (Foto © Norbert Eisner)

Geschätzte Leserschaft, Sie haben es geschafft! Der (wieder einmal) lang geratene historische Ausflug hat sein Ende gefunden. Aber Sie sollten erfahren, wie der Mann tickt, mit wem Sie Ihre virtuelle Reise nach Siebenbürgen unternehmen. Kurz gefasst: Wir haben die meisten unserer Fäden zu den Ländern der Monarchie, und damit zu unseren Nachbarn, verloren, gleich ob sie deutsch- oder anderssprachig sind. Meine (textlichen) und Norbert Eisners (bildlichen) Impressionen von einer Reise nach Siebenbürgen versuchen, den einen oder anderen der gerissenen Fäden neu zu knüpfen.

Von Wien nach Szegedin

Siebenbürgen ist das Ziel und es braucht nur sieben, acht Stunden um von Wien dort hinzukommen – läge am Weg nicht so viel Verlockendes wie zum Beispiel Szegedin, ungarisch Szeged. Warum kommt Ihnen dieser Name nur so bekannt vor? „Komm mit nach Szegedin, solange noch die Rosen blühn…" Nein, das war`s nicht. Franz Antl und sein Szegediner Gulasch – das war`s! Und auch wieder nicht. Die kakanische Speise hat zwar mit Ungarn zu tun, aber nicht mit der Stadt Szegedin, sondern – ja, das ist die Frage, denn der Legenden sind viele. In Siebenbürgen glauben alle Volksgruppen, dass die Speise aus Schweinsfleisch und Kraut auf die Szekler zurückgeht. Deshalb heißt das Gericht dort Szekler Gulasch, Székelygulyás (ungarisch) oder Gulaş secuiesc (rumänisch). Viele Ungarn sind davon überzeugt, dass das Szegediner nach ihrem Dichter Jószef Székely benannt ist. Eine Legende, die auf einen anderen berühmten Ungarn zurückgeht, Károly Gundel (der mit den Palatschinken…).

Szegedin, überraschend beeindruckend (Foto © Norbert Eisner)

Und wie kam Székely zu der Ehre, Namenspatron, wenn nicht gar Erfinder dieses schmackhaften Gerichts zu sein? Es war in Pest (Ofen, ungarisch Buda, und Pest waren damals noch zwei Städte), irgendwann in den 1840er Jahren, in irgendeinem Wirtshaus und es war schon spät, so spät, dass aus der Küche hieß, „nichts geht mehr". Jószef Székely hatte aber noch Appetit, nein richtigen Hunger, was bei Schriftstellern und Journalisten zu vorgerückter Stunde durchaus vorkommen soll. Mit bestimmter Stimme, die auf eine nicht unbeträchtliche Größe des Lochs im Dichtermagen schließen ließ, meinte er zum Kellner: Es müsse doch zumindest etwas Kraut da sein und Gulasch zum Aufwärmen. Dass der neuen Kreation noch ein Löffel Rahm beigegeben wurde, muss bei einem ungarischen Gericht wohl nicht besonders betont werden. Das Szegediner war geboren, bekanntgemacht vom angeblich anwesenden heiß verehrten Sándor Petöfi, Nationaldichter der Magyaren. Eine schöne Geschichte, stimmen dürfte sie wahrscheinlich nicht, aber wen störts?

Szegedin… (Foto © Norbert Eisner)

Das erste, was wir auf unserer Reise lernten war somit: In Szegedin isst niemand Szegediner. Schon eher können Sie in der Stadt mit einer Lobeshymne auf die Pick-Salami punkten, denn die stammt sicher von hier. Aber was ist das alles im Vergleich mit dem Szegediner Paprika? Tauchen Sie ein in die Welt der roten Genüsse und probieren Sie statt dem Nicht-Szegediner Gulasch lieber die lokale Fischsuppe.

Szegedin (Foto © Norbert Eisner)

​In Wien war es grau, ein wenig Grün nur in den Spitzln von Baum und Strauch, in Szegedin war Frühling. Was für ein Licht! Höchst subjektiv, mögen Sie meinen, so ein bissl Frühling kann einen schon täuschen. Mitnichten. Szegedin ist tatsächlich die sonnenreichste Stadt Ungarns. Eine herrliche k.u.k. Stadt mitten im Alföld, der Tiefebene, genauer gesagt der Großen Ungarischen Tiefebene. Puszta also? Na ja, nicht mehr ganz. Puszta heißt Ödnis, Nagy Alföld ist aber in vielen Teilen schon längst zu einem intensiv genutzten Ackerland geworden. (Keine Sorge, in den geschützten Gebieten lässt sich noch genügend Puszta erleben.) Donau und Theiß sind die Flüsse der großen Tiefebene. Szegedin liegt an der Theiß, dort, wo der siebenbürgische Mieresch in diesen mächtigen, träg sich gegen das Banat wälzenden Fluss mündet. Die Stadt und ihr Fluss: 1879 machte eines der gefürchteten Theiß-Hochwässer dem alten Szegedin ein Ende. Wahrscheinlich war das für die Menschen noch schlimmer als das Feuer der Türken ein paar hundert Jahre vorher.

Szegediner-Theater (Foto © Norbert Eisner)

Nicht ganz so lange zurück lag die versuchte ungarische Loslösung vom damals wieder einmal höchst unbeliebten österreichischen Schwager. Szegedin avancierte kurzzeitig gar zur magyarischen Hauptstadt. Wie in jeder ungarischen Stadt, die auf sich hält, gibt es in Szegedin an die Jahre 1848/49 viele Erinnerungen. Als das Wasser kam, war die Beziehung zu Österreich und vor allem zum gemeinsamen Herrscherhaus weit besser. Der ungarische König Ferencz Joszef, also „unser" Franz Josef, eilte nach Szegedin und da es um Ungarn ging, brach die „gute Vorsehung des Landes", die Königin, ihren Reiturlaub in Irland ab und kehrte nach Österreich-Ungarn zurück. Elisabeth, Erzsébet, hat heute noch ihr Denkmal in Szegedin – auch das teilt Szegedin mit jeder ungarischen Stadt, die – Achtung Wiederholung – auf sich hält.

Szegedin: verschwenderische Pracht (Foto © Norbert Eisner)

Eine Wiederholung, zumindest für einen waschechten Kakanier, sind auch die Bezeichnungen für die Straßen. Ja, es gibt auch hier Ringstraßen, ungarisch körut. Viele Abschnitte der Szegediner Ringstraße sind nach Städten benannt, die der Stadt nach dem Hochwasser geholfen haben, von London über Paris bis nach Wien und Budapest.

Die Votivkirche von Szegedin (Foto © Norbert Eisner)

​Das erste Mal auf unserer Reise machten wir Bekanntschaft mit dem ungarischen Jugendstil und Eklektizismus. (Die Ödon Lechner-Kirche in Pressburg, das vor unserer Wiener Haustür liegt, lassen wir einmal außer Acht und Budapest ist eine andere Kategorie.) Was für eine Pracht, was für ein Selbstbewusstsein – und wie viel Chauvinismus! (Nicht von ungefähr waren Ödön Lechner und Otto Wagner nicht gerade die besten Freunde.) Vom Széchenyi-Platz mit dem Rathaus und den prächtigen Grünanlagen über die Kárász-Straße und den Klauzál-Platz mit dem berühmten Café Virág bis zum Domplatz mit der fast schon abnorme Maße annehmenden Votivkirche – Szegedin ist wahrhaftig ein Schaustück. Besser als all das gefällt mir aber die Stefaniegasse, die nach der Frau von Kronprinz Rudolf benannte Stefánia. In meinem Österreich-Ungarn-Baedeker wird sie als Flaniermeile der Stadt genannt, der Corso der feinen Welt am Theißufer. Das nach dem Schriftsteller Ferenc Móra benannte ethnografische Museum, der ehemalige Kulturpalast, erschlägt einen fast in seinem neoklassizistischen Prunk, weit vertrauter ist die Silhouette des Theaters, Fellner und Helmer in Hochform, noch dazu in Schönbrunnergelb. Nicht weit vom Theater, an einem Anger, steht ein Palais, das beinahe die Ausmaße eines Theaters hat. Einst war es ein Hotel für die feine Gesellschaft. Heute hat sich in den ehemaligen Nobelsälen eine recht lässige Brasserie namens „Hungi Vigadó és Sörkert" etabliert. Wir sollten auf unserer Reise noch in vielen solcher Prunkräume sitzen, manche erhalten, manche zu Tode renoviert, manche zur Unkenntlichkeit modernisiert, aber in keinem war die Atmosphäre des Fin de Siècle so selbstverständlich da wie hier, vielleicht weil so Vieles eben nur mehr in Bruchstücken vorhanden ist, der Stuck, die Spiegel, die Möblage. In eine andere Welt tauchen wir auch im Volksgarten ein, in Neu-Szegedin am anderen Theißufer gelegen. Vertrauen Sie mir: Er ist mit Sicherheit einer der schönsten Stadtparks auf dem Gebiet der ehemaligen Monarchie.

Im Banat

Der Abschied von Szegedin fällt schwer, aber Siebenbürgen ruft. Soll es nur, noch müssen wir durchs Banat und das lässt sich nicht nur so einfach durchqueren. Das Banat beginnt hinter Szegedin, mittlerweile eigentlich in Szegedin, denn die Stadt ist gewachsen. Es ist vom Mieresch (Marosch), der Theiß, der Donau und den Südkarpaten begrenzt. So unverrückbar wie die geografischen Grenzen sind die politischen, wie so oft in Mitteleuropa, nicht. Das nach dem Zurückdrängen der Türken von den Habsburgern geschaffene Temeschwarer Banat, ein Grenzland also und immerhin so groß wie Belgien, ist heute auf Ungarn, Serbien und Rumänien aufgeteilt.

Schässburger Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Durchs flache Land, der Heide, geht es unserer ersten Station im Banat zu, Arad, das eigentlich nur halb zum Banat gehört, der andere Teil gehört zum Kreischgebiet, benannt nach dem gleichnamigen Fluss, der auf Ungarisch Körös und auf Rumänisch Criș heißt. Irgendwo in diesem weiten Land verläuft die Grenze zwischen Ungarn und Rumänien. Nachdem letzteres noch nicht Schengen-Mitglied ist, dürfen wir hier noch das in Mitteleuropa sonst fast gänzlich verschwundene Ritual eines Grenzübertritts mit Stau und allem, was sonst dazu gehört, erleben. Nur die rumänischen Grenzbeamten waren ausgesprochen freundlich und verabschiedeten uns mit einem Tschüs.

Kronstädter Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Szegedin bleibt mir hell, gelb und blau in Erinnerung, Arad bestenfalls in Hellgrau, eher überwiegen noch die dunklen Grautöne. Wahrscheinlich ist das ungerecht und es lag am Wetter, das vom Frühling auf nasskalten Spätwinter umgestellt hatte. Vielleicht lag es aber doch auch ein wenig an der Stadt, nicht, weil viele Straßenzüge der Innenstadt noch ziemlich ramponiert sind, da sind wir von unseren Reisen weit Schlimmeres gewohnt, sondern weil Arad eher wenig an Geschichte aufzuweisen hat. (Ein Ungar würde das ganz anders sehen, aber dazu später.) Das älteste erhaltene und nicht veränderte Bauwerk stammt erst aus 1729 und ist nicht einmal ein Haus, sondern nur eine Johannes v. Nepomuk-Statue. Arad war zu dieser Zeit und noch lang nach der Vertreibung der Türken keine wichtige und daher auch keine große Stadt. (Das sollte sich erst im 19. Jahrhundert mit dem enormen Aufschwung, den Ungarn nahm, ändern.)

Kronstädter Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Wichtig war und ist Arad für das ungarische Nationalempfinden, was wiederum viel mit Österreich zu tun hat. Revolution! 1848 verabschiedete sich Mitteleuropa vom Feudalzeitalter und begann in die Moderne aufzubrechen. Bürgerliche Grundrechte und Freiheit für die Wirtschaft, auch wenn sie vorerst nicht dauerhaft erkämpft werden konnten, die Weichen dafür waren auch im österreichischen Kaiserstaat gestellt, allerdings würde der so bunte kakanische Zug kaum siebzig Jahre später entgleisen, auch wegen eines Gewächses, das ebenfalls ab 1848 rasch zu wachsen begann, dem Nationalismus. Die Forderung nach politischer Mitsprache und nationaler Emanzipation, der ungarische Adel sprach im frühen 19. Jahrhundert zu einem guten Teil nicht einmal ungarisch und auch in Budapest bediente man sich der deutschen Umgangssprache, waren auch die Ingredienzien für die ungarische Revolution, wobei die Fronten in diesem komplexen Mitteleuropa nicht so klar sein konnten. Es hieß nicht hier Ungarn, da deutsche Österreicher. So flammte im Oktober 1848 die Revolution in Wien nochmals auf, weil viele Wiener das Abgehen von Regimentern zum Kampf gegen Ungarn verhindern wollten, andererseits standen die der ungarischen Krone zugehörigen Slowaken, Serben und Rumänen mit dem kroatischen Ban (Stellvertreter des Monarchen in Kroatien) Josip Jelačić gegen die ungarische Führung und ihre Unabhängigkeitsbestrebungen von Österreich. Der ungarische Unabhängigkeitskrieg zog sich weit ins Jahr 1849. Franz Josef, der junge Kaiser, konnte ihn nur mit russischer Hilfe gewinnen. Eine besonders bittere Episode spielte sich in Arad ab. Im Herbst 1849 wurden hier 13 Anführer und Militärs der Ungarn hingerichtet. Diesen „Märtyrern von Arad" wurde zuvor noch freies Geleit zugesichert. In Ungarn ist der 6. Oktober bis heute nationaler Gedenktag. Es waren allerdings nicht nur Ungarn, die in Arad getötet wurden, fast die Hälfte war deutscher bzw. deutsch-österreichischer Herkunft. Die österreichischen Militärs stießen angeblich mit Bier auf die Hinrichtung an. Deshalb wurde in Ungarn ab diesem Tag 150 Jahre lang nicht mit Bier angestoßen. Alle mir bekannten Ungarn hielten sich daran. Am Hinrichtungsort erinnert ein Obelisk an die 13 Hingerichteten.

Szekler Hauptstadt Neumarkt (Foto © Norbert Eisner)

Wenige Jahrzehnte nach den Revolutionswirren ging es mit Arad steil aufwärts. Österreich und Ungarn vertrugen sich wieder besser und Arad wurde zu einer rasch wachsenden modernen ungarischen Stadt, deren Bewohner allerdings nicht einmal zur Hälfte ungarischer Nationalität waren. Ein Viertel war deutsch, ein Fünftel rumänisch, der Rest serbisch. (Heute sind 85 % der Arader Rumänen, zehn Prozent Ungarn.) Selbstverständlich erhielt die Stadt mit ihren neuen Gebäuden ein vollkommen ungarisches Gepräge. Das Rathaus mit seinem Turm, ähnlich dem so vieler anderer ungarischer Städte, das Komitatshaus, das Theater, das Haus zum goldenen ABC, die Trajan-Brücke, eine herrliche Jugendstil-Brücke im Stil der Budapester Franz Josefs-Brücke (heute Freiheitsbrücke), gefertigt in der berühmten Banater Eisenwerk von Reschitz(a), und der Kulturpalast als Teil des großen Arader Museumskomplexes – all das ist durchaus beeindruckend, aber der Funke springt nicht über, zu pompös, zu kalt sind die Boulevards. Netter sind die kleinen Straßen der Altstadt, zum Teil sind sie Fußgängerzone. Und auch in Arad gilt: Die Anzahl an sezessionistischen Gebäuden lässt staunen. Kulinarisch bleibt mir aus Arad nicht viel zu berichten, zu kurz war der Aufenthalt, aber ich machte hier Bekanntschaft mit einer Leibspeis der Rumänen, eine Art Brezel, die bei jedem Bäcker in großen Mengen über die Gasse verkauft wird. Nach diesem Gebäck bin ich den nächsten Tagen süchtig geworden.

köstlich… (Foto © Norbert Eisner)

Süchtig könnte man auch auf die nächste Stadt werden, Temeswar. Freundlich und bunt ist sie, die Hauptstadt des Banats. Allein auf Deutsch hat sie drei Namen: Temeswar, Temeschwar oder Temeschburg. Auf Ungarisch heißt sie Temesvár, auf Serbisch Temišvar und auf Rumänisch Timișoara. Sie liegt inmitten eines fruchtbaren Landes voll fetter, schwarzer Erde. Die Stadt hat über 300.000 Einwohner, die überwältigende Mehrheit sind Rumänen, nur mehr wenige Deutschsprachige, Ungarn und Serben leben in ihr. (Noch um 1930 waren die Deutschsprachigen die größte Bevölkerungsgruppe, Temeschwar hatte damals aber nur 100.000 Einwohner.) Die Stadt ist mir seit meiner Kindheit ein Begriff, wenn auch lange Zeit ein sehr abstrakter. Im Gymnasium durfte ich in Raimunds Bauer als Millionär den Magier Ajaxerle spielen. Wenn auch aus einer Schauspielkarriere nichts geworden ist, so kann ich mich noch erinnern, dass dem guten Ajaxerle aus Schwaben bei einem Geisterdiner in Temeswar von seinem Kollegen Bustorius aus Warasdin eine Flasche Wein an den Kopf geworfen worden war. Und so blieb mir der Name Temeswar aus meiner Auftrittsszene im Gedächtnis. Ich bin sicher, weder meine Schulkollegen noch ich wussten damals, wo Temeswar liegt. Der Eiserne Vorhang war Anfang der Achtzigerjahre noch dicht. 1989 hob er sich und Temeswar kam in der Dramaturgie der rumänischen Revolution große Bedeutung zu, ja die Revolution nahm im Dezember 89 in der Stadt am Begakanal sogar ihren Ausgang. Ein paar Monate später wurde mit der „Proklamation von Timișoara" die Grundlage für ein demokratisches rumänisches Staatswesen gelegt.

Abendstimmung in Temeswar (Foto © Norbert Eisner)

Die Entwicklung Temeswars war wie die der anderen Städte im Südosten Europas für lange Zeit von den Auseinandersetzungen Europas mit den Osmanen geprägt. Anfang des 18. Jahrhunderts war die Türkenzeit in Temeswar endgültig zu Ende, die Stadt wurde zu einer österreichischen Festung gemacht und blieb bis zum Ende der Monarchie der lebendige Mittelpunkt des Banats, der in den Jahren Österreich-Ungarns rasanten Aufschwung nahm. So war Temeswar eine der ersten europäischen Städte mit elektrischem Licht. Nach dem Ersten Weltkrieg stritten Rumänien und der südslawische Staat, das spätere Jugoslawien, um die Stadt, bekannterweise hat sich Rumänien durchgesetzt.

Die römisch-katholische Kathedrale in Temeswar (Foto © Norbert Eisner)

​Lebendig und bunt ist Temeswar auch heute noch, wenn aus dem Nationalitätengemisch auch ein ziemlicher Einheitsbrei geworden ist. Die Vielfalt von einst zeigt sich noch in den vielen Kirchen unterschiedlicher Konfessionen. Die schönste ist die römisch-katholische Kathedrale am Domplatz, der heutigen Piața Unirii. Der Platz, er wird derzeit restauriert, ist für mich einer der stimmigsten in Mitteleuropas. Er ist das Zentrum der ehemaligen Festung und in seiner gesamten Komposition ein Kleinod, vor allem am Abend, wenn die Sonne die Kathedrale in jene kräftigen Farben taucht, die es nur östlich der Leitha gibt. Wunderschön ist das Palais des serbisch-orthodoxen Bischofs am Platz, auf dem auch die deutschsprachige Buchhandlung der Stadt zu finden ist.

Temeswar… (Foto © Norbert Eisner)

Die Temeswarer hören es gerne, wenn ihre Stadt Klein-Wien genannt wird (und der rumänische Tourismus wirbt mit diesem Slogan). Tatsächlich, man fühlt sich wohl und zuhause hier. Anscheinend bot die Atmosphäre Temeswars reichlich Anregung, um Menschen zu inspirieren. Ioan Holender, Robert Dornhelm und Francesco Illy sind hier geboren und Nikolaus Lenau, der bekannteste altösterreichische Dichter aus dem Banat stammt nicht weit von hier. Sein Geburtsort wurde 1926 in Lenauheim umbenannt und diesen Namen trägt das Dorf auch auf Rumänisch bis heute. Auch Erwin Ringel kam in Temeswar zu Welt, seine Mutter zog ihre Heimatstadt dem niederösterreichischen Hollabrunn als Geburtsort vor. Ein anderer gebürtiger Temeswarer Donauschwabe ist Tarzandarsteller Johnny Weissmuller.

Temeswar (Foto © Norbert Eisner)

An die jüdische Tradition der Stadt erinnert die große Synagoge, sie dient heute als Konzertsaal. Erhalten hat sich das deutschsprachige Theater. Es ist wie das ungarische sogar Staatstheater. Die deutschsprachige Tradition der Stadt wird auch am Nikolaus-Lenau-Lyzeum, dem deutschsprachigen Gymnasium, gepflegt. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind rumänischer Muttersprache, die Unterrichtssprache ist Deutsch. Aus diesem Umstand hat sich am Temeswarer Gymnasium etwas ganz Besonderes entwickelt, das Lenau-Deutsch, mittlerweile Gegenstand diverser Forschungen. Die Schule zählt zwei Nobelpreisträger zu ihren Absolventen. Herta Müller, sie stammt auch einem Banater Dorf, erhielt 2009 den Literaturnobelpreis und Stefan Hell 2014 den für Chemie.

Serbisch-orthodoxer Bischofssitz in Temeswar (Foto © Norbert Eisner)

Das Kontrastprogramm zum stimmungsvollen Domplatz bietet die Piața Victoriei (Siegesplatz). Geschäftig, lauter – hier, zwischen der riesigen rumänisch-orthodoxen Kathedrale aus der Zwischenkriegszeit und dem Nationaltheater – schlägt der Puls der Stadt. (Der Fellner und Helmer-Bau des Franz Josef-Stadttheaters erhielt nach einem Brand in den Zwanzigerjahren eine ungewöhnliche Fassade – neobyzantinisch.) Wie in so vielen ehemals österreichisch-ungarischen Städten Rumäniens darf auch am zentralen Platz Temeswars ein Standbild der kapitolinischen Wölfin als Symbol für ein romanisches Land, nicht fehlen, ein Geschenk der Stadt Rom übrigens. Eingerahmt ist der Platz von vielen Palais. Sie tragen die Namen Dauerbach, Löffler, Merbl, Neuhaus, Weiss und Széchényi. Nicht zu übersehen ist der Lloyd-Palast, was für eine eklektizistische Pracht aus Barock und Jugendstil! Im Erdgeschoß gab es einst das Café Wien (natürlich, ist man versucht zu sagen). Hier beliebte Egon Erwin Kisch zu sitzen. Heute trifft sich in den stylischen Cafés am Platz die Temeswarer Jugend, modebewusst, kommunikativ, selbstsicher – das romanische Element hebt die trübe Stimmung an diesem saukalten Aprilabend und die Jungen strafen (zumindest auf den ersten Blick) die negativen Nachrichten über Temeswar, über Abwanderung und Verfall, Lügen.

Tratsch unter Kollegen (Foto © Norbert Eisner)

Die Innere Stadt (Cetate auf Rumänisch und Belváros auf Ungarisch) ist von einem Gürtel an Grünanlagen umgeben. Die anschließenden Bezirke tragen bis heute Österreichern vertraute Namen wie Josefstadt (Iosefin, Józsefváros) und Elisabethstadt (Elisabetin, Erzsébetváros). Das nächste Mal – und es wird ein nächstes Mal geben, denn mit Temeswar bin ich noch lang nicht fertig – werden diese Bezirke erforscht. Jetzt lockt aber die letzte Station im Banat, Lugosch. Ein letzter Blick in Temeswar wird dem Gebäude der rumänischen Nationalbank geschenkt, einst Zweigstelle der Österreichisch-Ungarischen Bank – und wieder haben wir ein Stück kakanischer Globalisierung entdeckt. Das Gebäude hat frappante Ähnlichkeit mit der Banca d'Italia di Gorizia (Görz), ehemals Zweigstelle der Österreichisch-Ungarischen Bank im Kronland Görz-Gradisca.

Lugosch im Banat (Foto © Norbert Eisner)

Lugosch, rumänisch Lugoj, ungarisch Lugos, kroatisch Lugoš, serbisch-kyrillisch Лугош ist eine typische Stadt des Banats, schon allein deswegen, weil sie ursprünglich aus zwei Städten bestand, dem deutschsprachigen und dem rumänischen Lugosch, beide getrennt durch den Fluss Temesch und verbunden durch eine schöne Eisenbrücke aus 1902, die wie jene in Arad aus Reschitz stammt. Auch Lugosch ist heute zum überwiegenden Teil rumänisch, Deutschsprachige und Ungarn machen gemeinsam noch rund zehn Prozent der Bevölkerung aus. Die Jugendstil-Bauten sind nicht so prächtig wie in Temeswar oder Arad, auch gibt es hier noch viel mehr zu renovieren. Trotzdem oder gerade deshalb ist Lugosch anheimelnd, hat Ecken und Nischen, in die man sich mit einem kleinen Schwarzen zurückziehen und vielleicht ein bisschen sinnieren kann, über einen großen Sohn der Stadt und seine Pläne: Aurel Popovici. Der Politiker und Publizist gehörte zum Kreis Franz Ferdinands legte mit seinen „Die Vereinigten Staaten von Groß-Österreich" ein Werk vor, das vielleicht eine in Manchem brauchbare Grundlage zur Neuordnung der Monarchie gewesen wäre. Diese kleine, seit jeher sehr kunstbeflissene Stadt mit ihren Kirchen, der Synagoge und dem schlanken Turm, dem einzigen Rest der Nikolauskirche, macht mir den Abschied aus dem Banat schwer. Wie wenig ist dieses weite, ein wenig melancholische Land bei uns bekannt und wie viel gäbe es an dieser altösterreichischen Grenze zu entdecken. Eine Reise ins Banat wird jedenfalls fix in den Kalender eingetragen.

Endlich Siebenbürgen

Am Horizont tauchen die Karpaten auf und die Neugier wächst, Siebenbürgen rückt immer näher, aber es braucht Geduld. Stückerlweise gibt es eine Autobahn, die dann wieder abrupt in Nichts endet. Die Straße schlängelt sich den Berg entlang, die Wälder werden dichter, die Vegetation, es ist Anfang April, spärlicher, wir überqueren die Grenze zwischen Temeschwarer und Eisenmarkter Kreis und sind in Siebenbürgen. Und tatsächlich, hier sind sie, die dunklen Wäldern, die sanften Hügel und die schiefen Häuser, aus deren mächtigen Kaminen der Rauch lustig gegen Himmel steigt. Und die ersten Schafherden! Dieses Bild ist nun tatsächlich aus der Zeit gefallen, wie eine plastisch gewordene Illustration aus dem berühmten Kronprinzenwerk sieht es aus, hunderte Schafe mit ihrem Hirten, mit Stab und in Pelz gekleidet und ein Hund, der seine Herde aufgeregt in Zaum hält. Das ist Siebenbürgen, ebenso wie die vielen Ruinen irgendwelcher Fabriken, die armseligen Häuser, die in Keuschen hausenden Roma am Rand verlassener Dörfer; und wie der Bauer, der sein Feld mit einem alter Klepper mühsam pflügt.

Kirchen und Schafe sind die Hauptprotagonisten Siebenbürgens (Foto © Norbert Eisner)

Schäfer in Pelz, Pferdefuhrwerke, mit Ochs oder Pferd pflügende Bauern – was für romantische Impressionen! Sind sie es tatsächlich? Ein Dilemma tut sich auf. Ich bin angetan, begeistert, berührt von diesen Bildern. Dass ich das noch sehen kann, mitten in Europa. Wenige Sekunden später tauchen andere Gedanken auf. Ist es nicht fast ein wenig obszön, das romantisch zu nennen, voyeuristisch gar, diese Szenen zu beobachten, zu fotografieren. Wollte ich auch nur eine Stunde so leben? Andererseits: Wieviel Luxus braucht Zufriedenheit? Ich brauche jedenfalls mehr, als viele in Siebenbürgen haben. Faszinierend ist sie aber, diese Zeitreise. Als Mensch möchte ich in Siebenbürgen nicht leben, wär ich ein Schaf oder ein Hendl, könnt ich mir nichts Besseres wünschen, als in diesem weiten Land zu grasen oder rund um eines der schönen Bauernhäuser meine Körndl zu pecken. Diemrich, rumänisch Deva. Die Stadt am Mieresch (Marosch), rumänisch Mureș, ungarisch Maros lassen wir links liegen. Wir vermuten, es warten noch lohnendere Ziele. Vielleicht ist das ungerecht, aber Siebenbürgen ist so groß! Städte und Gegenden auszuwählen, fällt nicht leicht. Von Diemrich wäre ein Abstecher zur Hunyadiburg in Eisenmarkt, Hunedoara, sicher lohnenswert. Schon von Weitem macht sie einen majestätischen Eindruck, dem Geschlecht der Hunyadi uns seinem wichtigsten Vertreter, Matthias Corvinus, sehr angemessen.

Mühlbach – Ein bisschen wie im Burgenland (Foto © Norbert Eisner)

In einem Reiseblog las ich, dass die Landschaft Westsiebenbürgens bis hinein nach Hermannstadt sehr österreichisch anmutet, ein Eindruck, der auch uns beschleicht. Irgendwie kennt man das. Frappierend wird's in Mühlbach, rumänisch Sebeș. Etlichen Freunde zeigte ich Bilder von der kleinen Stadt und jeder kommentierte es gleich: „Da schaut´s aus wie im Burgenland." Nur, dass nicht alles so geschniegelt ist. Dafür ist nicht alles zugepflastert, die Häuser haben Vorgärten voll blühender Blumen, ein Graben trennt die Straße vom Trottoir, Obstbäume statt fader Thujen ersetzen die Zäune.

Ein guter Platz: Mühlbacher Kirchhof (Foto © Norbert Eisner)

Mühlbach! Vor hundert Jahren hätte sich keiner der hier wohnenden Siebenbürger Sachsen wahrscheinlich vorstellen können, dass in dieser so traditionsreichen Stadt des Königsbodens einmal kaum mehr Deutschsprachige leben würden. Ihre lange Präsenz kann und will die Stadt bis heute nicht verleugnen. Am deutschen evangelischen Gymnasium, recht frisch getüncht, steht in großen Lettern geschrieben „Bildung ist Freiheit". Die Schule ist ein beliebtes Fotomotiv bei den deutschsprachigen Touristen, weit mehr Besucher zieht aber die evangelische Kirche an. Das erste Mal umfängt mich hier eine Stimmung, wie ich sie in Siebenbürger Kirchen noch oft erleben durfte. Die Reduktion auf das Wesentliche, keine katholische barocke Pracht, die wir Österreicher fast unweigerlich erwarten, sondern protestantische Schlichtheit, die aber im Unterschied zu vielen evangelischen Kirchen in Österreich nicht karg oder tot wirkt. Wahrscheinlich liegt es an den alten, kunsthistorisch so reichen Bauten. Protestantische Kirchen gibt es in Siebenbürgen eben doch schon etwas länger als hierzulande, die Gemeinden sind aber in den letzten Jahrzehnten sehr klein geworden, der Mühlbacher Pfarrer betreut noch rund 180 Gläubige.

Die evangelische Kirche von Mühlbach (Foto © Norbert Eisner)

Die Beschreibung der Highlights der Mühlbacher Kirche finden Sie in jedem Siebenbürger Reiseführer, an dieser Stelle kann daher darauf verzichtet werden. Nehmen Sie sich Zeit für das Gotteshaus und genießen sie die Stille im alten Kirchhof mit seinen knorrigen Bäumen. Mehr als ein karges Pilgermahl bietet der „Gasthof zum goldenen Löwen", eines der berühmtesten Gasthäuser Siebenbürgens. Gäste werden hier seit weit mehr als drei Jahrhunderten bewirtet. Wir haben ein typisches Hirtengericht gegessen, typisch deshalb, weil die Zutaten billig sind und der Magen trotzdem angefüllt wird. Es bestand aus Käse und Polenta und schmeckte köstlich. Unser nächstes Reiseziel hätten wir beinahe nicht gefunden. Den Ort Alba Iulia schon, aber nicht seine Attraktion, die ehemalige Festung Karlsburg. An der rumänischen Bezeichnung ist noch der ursprüngliche deutsche Name der Siedlung – Weißenburg (vom ungarischen Fehérvár) – erkennbar. Die Stadt erinnert mich ein wenig ein süditalienische Orte, nicht deren schöne Stadtzentren, sondern die Vororte. Drei Mal umkreisten wir die Innenstadt ohne die Festung zu finden.

Festung Karlsburg (Foto © Norbert Eisner)

Das im Kreis fahren hat sich ausgezahlt, war der erste Gedanke, nachdem wir die Festung gefunden hatten. Was für Dimensionen! 1714 wurde unter der Regierungszeit von Karl VI., daher der Name Karlsburg, mit dem Bau der siebeneckigen Festung, der letzten großen des alten Österreichs, begonnen. Die reiche Geschichte von Weißenburg-Karlsburg erschöpft sich nicht in der Festung, Daker und Römer hinterließen in der Gegend ihre Spuren und später wurde Weißenburg Sitz eines Erzbischofs. Während der Türkenherrschaft entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Zentrum des siebenbürgischen Fürstentums. Weit mehr als für Österreicher und Ungarn hat diese Stadt für Rumänien Bedeutung. Rumänische Volksvertreter sprachen sie hier am 1. Dezember 1918 für die Vereinigung von Siebenbürgen und anderer Gebiete Altungarns mit dem rumänischen Staat aus. Das war die Grundlage für die Schaffung des heutigen Rumäniens, das doppelt so groß ist als der bis zum Ersten Weltkrieg bestehende rumänische Staat. Das rumänische Königspaar wurde 1922 in Karlsburg gekrönt. Heute erinnert daran die riesige orthodoxe Kathedrale am Festungsgelände, die das elegante Schiff des römisch-katholischen Doms, Grabstätte siebenbürgischer und ungarischer Herrscher und architektonisches Kleinod, ein wenig an den Rand drängt. Diese Kirche sollten Sie besuchen und rund um die Festung spazieren. Die Anlage wurde vorbildhaft restauriert, ihr Besuch zählt zu den Höhepunkten unserer Siebenbürgen Reise, allein schon wegen der wunderschönen Blicke in das weite siebenbürgische Land.

Der große Ring in Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

Bekannter und populärer als Karlsburg ist das nächste Ziel, Hermannstadt, rumänisch Sibiu, ungarisch Nagyszeben. Die bunten Häuser, die gebogenen Gasse mit ihren alten Bäumen, die schönen Tore – nach Hermannstadt zu fahren ist eine Zeitreise, aber erfreulicherweise nicht pure Nostalgie. 2007 war Hermannstadt europäische Kulturhauptstadt. Die siebenbürgische Metropole hat die sich damit bietenden Chancen in Stadterneuerung, kulturellem und touristischem Angebot augenscheinlich weit mehr genützt als das untersteirische Marburg, an dem das Kulturhauptstadtjahr 2012 fast spurlos vorübergegangen ist.

Am kleinen Ring in Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

War Marburg einst die Metropole der Deutschsprachigen der slowenischen Steiermark, so kam in Siebenbürgen dieser Rang Hermannstadt zu. Im Gegensatz zur Untersteiermark ist das in Hermannstadt auch noch sichtbar, es leben hier allerdings auch noch immer ein paar autochthone Deutschsprachige mehr als in Marburg. Das (touristische) Hermannstädter Leben spielt sich auf den beiden Ringplätzen, dem großen und dem kleinen, und in den paar Gassen der Oberstadt ab. Das alte gotische Rathaus, das Filekhaus, das Hallerhaus, das herrliche barocke Brukenthalpalais, die fünf Stadttürme, die Lügenbrücke, die Arkaden der alten Zunfthäuser, die romantischen Gasserl hinunter in die Unterstadt, man kommt aus dem Staunen und Schwärmen nicht heraus.

Die orthodoxe Kirche von Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

Die evangelische Kathedrale … man wird fast ein wenig ehrfürchtig. Liegt es an diesem gotischen Raum oder am Karfreitag? Draußen blies uns ein eiskalter Sturm die Hauben vom Kopf und drinnen, vollkommene Stille, hoffentlich kann ich die Erinnerung an diese Stimmung lange bewahren. Von allen Reichtümern dieser Kirche haben mich die in den Wänden eingelassenen Grabmäler des siebenbürgischen Adels am meisten beeindruckt. Sehenswert ist auch die Kathedrale der Orthodoxen. Im Unterschied zu vielen anderen orthodoxen Kirchen des Landes wurde sie schon während der österreichisch-ungarischen Zeit erbaut. Die Kuppel und die reichen Fresken erinnern manche gar in die Hagia Sofia.

Die Türme von Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

Liebhaber der Malerei kommen an einem anderen Gebäude der Stadt nicht vorbei, es ist das schon erwähnte Brukenthal-Palais. Sein Erbauer und Namensgeber war Samuel von Brukenthal, Maria Theresias Siebenbürgischer Gouverneur, ein (weiterer) wahrer Glücksgriff der Monarchin. Die Brukenthalsche Kunstsammlung umfasst über tausend Gemälde verschiedener Epochen und eine Bibliothek mit 280.000 Bänden. Zwischen Hermannstadt und Kronstadt liegt in Freck, rumänisch Avrig) das Brukenthal'sche Sommerschloss mit einem schönen Barockkarten, dem einzigen auf dem Gebiet Rumäniens.

Eine Stadt zum Chillen – dieses Hermannstadt (Foto © Norbert Eisner)

In Hermannstadt hätte ich es noch länger aushalten, vor allem nachdem ich die Unterstadt entdeckt hatte. Dort ist nicht alles so herausgeputzt wie oben, dafür gibt's ein paar nette Cafés und witzige Geschäfte mit allerhand Kramuri. In der Oberstadt sei ein Besuch der Schiller-Buchhandlung empfohlen. Was es über Siebenbürgen (auf Deutsch) zu erlesen gibt, findet sich hier.

Salzburg in Siebenbürgen (Foto © Norbert Eisner)

Weiter geht's nach Salzburg. Nein, unsere Siebenbürgen-Reise ist noch nicht zu Ende. Es gibt auch im Land jenseits des Waldes einen Ort dieses Namens. Was er mit dem Kleinod der Alpen gemeinsam hat, liegt auf der Hand – das Salz. Im siebenbürgischen Salzburg, rumänisch Ocna, badet man sogar darin und das seit über 150 Jahren. Die letzte Salzmine wurde hingegen schon vor langer Zeit geschlossen. Leider kann der Kurort mit einem Wellnessort, wie wir ihn kennen, bei Weitem nicht mithalten, das beeindruckende Jugendstilbad lohnen den Abstecher nach Salzburg aber in jedem Fall, neben einem Salzbad, versteht sich.

Die schwarze Kirche – Das Wahrzeichen Kronstadts (Foto © Norbert Eisner)

Über eine neue Autobahn und eine gar nicht so schlechte Staatsstraße erreichen wir Kronstadt. Beim Surften im Internet bin ich über die Bezeichnung „rumänisches Kitzbühel" für diese größte siebenbürgische Stadt gestoßen. Was die Temperaturen angeht, trägt Braşov diesen Titel zu Recht. Als wir Anfang April in der Stadt ankamen, lag diese unter einer gar nicht so dünnen Schneedecke, die Karpaten in dichte Wolken gehüllt. Die letzten Schifahrer des Tages fixierten ihre Bretter gerade auf den Dächern ihrer Autos. Und das soll ein Frühlingsurlaub sein? Der kam noch, schon ab dem nächsten Morgen. Der Schnee war weg und die Sonne tauchte den halbrunden Marktplatz Kronstadts in ein freundliches Licht.

Kakanische Erinnerungen in Kronstadt (Foto © Norbert Eisner)

Hermannstadt und Kronstadt, nur wenige Fahrstunden voneinander entfernt, sind doch sehr verschieden. Hermannstadt ist beschaulich, an böhmische Städte erinnernd, Kronstadt ist, auch wenn die Altstadt klein ist, lebendiger, bei aller historischer Substanz moderner und vertrauter in dem Sinn, dass wie in unseren Städten sehr gerne „geshoppt" wird. Die Lokalszene ist durchaus abwechslungsreich, vom witzigen Kaffee in einer ehemaligen Apotheke, ausgestattet mit vielen kakanischen Reminiszenzen, bis zum ungarischen Restaurant „Pilvax". Hier haben wir während unserer gesamten Siebenbürgen-Reise am besten gegessen und die berühmte ungarische Gastfreundschaft genossen. Lässige Baratmosphäre bietet die Brasserie „Festival 39" des Hotels „Coroana", einem Haus mit langer Tradition. Beide, Brasserie und Hotel, hätten sich als Drehort für das „Budapest Grand Hotel" bestens geeignet. Nur, dass im Kronstädter Hotel nach wie vor Gäste absteigen. Mit seinen zwei Sternen bietet es ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis und ist die optimale Unterkunft für Reisende mit Vorliebe für etwas schräge Unterkünfte.

Kronstädter Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Am schönsten ist Kronstadt von oben. Dazu braucht man nicht einmal auf den Hausberg, die Hohe Zinne, hinaufwandern (und dabei einem Wolf, Bär, Luchs oder ähnlichem Getier begegnen) oder mit der Seilbahn hinauffahren. Es reicht schon entlang der alten Stadtbefestigung zu spazieren. Es bietet sich ein sehr harmonisches Bild an roten Schindeldächern mit der Schwarzen Kirche, der Kronstädter Hauptattraktion, im Mittelpunkt. Die Kirche ist der größte gotische Bau Rumäniens. Sie ist selbstverständlich nicht schwarz, trägt den Namen aber zur Erinnerung daran, dass sie bei einem Brand Kronstadts, das Feuer wurde von den habsburgischen Truppen gelegt, ganz schwarz gerußt wurde. Das ist allerdings schon mehrere Jahrhunderte her. Die herrlichen Gebetsteppiche, die Orgel mit viertausend Pfeifen und das mächtige gotische Schiff lassen wohl wenige Besucher davon unbeeindruckt die Kirche verlassen. Ein lohnendes Fotomotiv sind die Figuren der Apostel am Kirchenchor. Wie in Hermannstadt befindet sich gegenüber der Kirche das deutsche Gymnasium. In Hermannstadt trägt es den Namen Brukenthals, in Kronstadt den des Reformators Johannes Honterus. Seine Statue steht am Kirchenplatz, der erfreulicherweise nicht gepflastert und so dem ganzen Ensemble einen fast mittelalterlichen Touch gibt.

Kronstädter Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Fast genauso beeindruckend wie die Schwarze Kirche sind die erhalten gebliebenen Befestigungsanlagen, die nach einzelnen Gewerben benannt wurden. Sie waren für die Sicherung des jeweiligen Abschnitts des Befestigungssystems verantwortlich, gescheite siebenbürgisch-sächsische Selbstverwaltung also. Nicht versäumen sollte man die Weberbastei. Verblüfft hat uns, dass alle jüngeren Einheimischen uns nicht zu einem Punkt in der Altstadt, sondern in das neue Einkaufszentrum schicken wollten. Es dürfte derzeit der Hot spot Kronstadts sein. Ein kleines Déjà-vu bereitete uns die griechisch-katholische Kirche am Hauptplatz. Sie kann ihr Wiener Vorbild vom Fleischmarkt nicht verleugnen. Als Zugabe durften wir am Karsamstag eine griechisch-katholische und eine römisch-katholische Auferstehungsprozession betrachten, auch das bleibt mir hoffentlich lange in Erinnerung.

Der Doppeladler am Dracula Schloss (Foto © Norbert Eisner)

Von Kronstadt, dem ungarischen Brassó, ist es nur ein Hüpfer zur Törzburg. Sie ist heute unter ihrem rumänischen Namen Bran als Dracula-Schloss weltberühmt. Ich erspare Ihnen und mir die hinlänglich bekannte Dracula-Story. Sie finden diese in jedem Reiseführer hinlänglich ausgebreitet. Die Törzburg steht an einer strategisch wichtigen Karpatenstraße, fünf Karpatenpässe führen von Kronstadt hinüber nach Altrumänien, und sie war deshalb jahrhundertelang im Besitz des Kronstädter Magistrats. Als es mit ihrer strategischen Bedeutung vorbei war, wollte die Stadt die Burg loswerden. Wie macht man das am elegantesten? Man verschenkt sie. Am besten an den Herrscher und seine Familie. Zuerst, mitten im Ersten Weltkrieg, war ein Habsburger der Glückliche. Der junge Kaiser Karl, als ungarischer König Karol genannt, durfte sich über das pittoreske Gemäuer freuen. Allerdings wurde verabsäumt, den Eigentümerwechsel ins Grundbuch, jene altösterreichische Errungenschaft, die in Nachfolgestaaten der Monarchie bis heute eine ausgesprochen gute Nachred' hat, einzutragen. Nach 1918 war es dann besser, die Schenkung zu vergessen, denn Kronstadt war nun Rumänien und die Habsburger Geschichte. (Die Törzburg betreffend allerdings nicht: Heute ist die Burg tatsächlich in habsburgischem Besitz.)

Die Törzburg (Foto © Norbert Eisner)

Was für ein Glück für die Stadtverwaltung, dass Rumänien eine Monarchie war und so schenkte man die Burg der sehr tatkräftigen rumänischen Königin Maria, einer Enkelin der englischen Königin Viktoria. (Diese Königin war eine wahre Romanfigur – und sie hat es ihrer schrecklich netten Schwiegerfamilie und ihrem schwächelnden Gatten so richtig gezeigt – mit unehelichen Kindern und einem fabelhaften politischen Instinkt.) Nach rumänischem Recht hätte Marias Mann, König Ferdinand, der Schenkung zustimmen müssen, denn in Altrumänien konnten Frauen ohne Zustimmung ihres Mannes keinen Grundbesitz erwerben. Im als ach so rückständig verfemten Österreich-Ungarn war das nicht so und Königin Maria meinte scherzhaft, sie brauche die Zustimmung ihres Gatten nicht, denn die Törzburg liege in Siebenbürgen und damit auf altungarischem Gebiet, wo eine andere Rechtsprechung gelte. Die Königin liebte ihr Schloss und ließ ihr Herz dort bestatten.

Rosenau (Foto © Norbert Eisner)

Die Liebe der Königin kann ich nicht ganz teilen. Aus der Ferne gesehen ist die Törzburg tatsächlich die ideale Kulisse für Gruselfilme oder historische Schinken, sie schaut einfach fantastisch aus. Beim Durchschreiten der Gemächer wurde mir auch gruselig zumute, allerdings aus einem anderen Grund. Was für eine grässliche Einrichtung! In die finsteren Kammerln hat das rumänische Königshaus schwere, dunkle Möbel gestellt. Man will nur raus, kann aber nicht, denn in der Masse an japanischen, amerikanischen und englischen Touristen ist kein Weiterkommen. Eine absolute Nicht-Sehenswürdigkeit, allein die Standln mit Dracula-Devotionalien rund um die Törzburg lehren einen das Fürchten. Fahren Sie vorbei, machen Sie ein paar Bilder, sie werden dafür viele Likes bekommen, und besuchen Sie dann ein paar Dörfer des wunderschönen Burzenlandes, einem der schönsten Teile Siebenbürgens. Ein eindrucksvoller Blick ins Burzenland bietet sich von der Burg Rosenau. Auch diese Anlage sieht von weitem am besten aus. Rosenau, rumänisch Râșnov, war kein feudaler Adelssitz, sondern eine Bauernburg. Hier suchte die Bevölkerung Schutz vor den diversen Angreifern. Der Rundgang durch das Burgareal mit seinen Häuschen, in denen diverse Souvenirs feilgeboten werden und man seine Künste im Bogenschießen erproben kann, ist nett, aber mehr Kür denn Teil des siebenbürgischen Pflichtprogramms. Einen kurzen Spaziergang lohnt der Ort Rosenau. Sie werden schöne Bauernhäuser der Siebenbürger Sachsen und Rumänen entdecken.

Schässburger Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Zum Pflichtprogramm zählt in jedem Fall unser nächstes Ziel, Schässburg, rumänisch Sighișoara, ungarisch Segesvár. Die Fahrt von Kronstadt nach Schässburg zählt zu meinen schönsten Erinnerungen an die Siebenbürgen-Reise. Was für ein Land! Diese buckelige Landschaft mit den in den Mulden gelegenen Dörfern, von denen oft nur das Kirchturmspitzl zu erheischen ist, die Kirchenburgen, sie wären eine eigene Siebenbürgen-Reise wert, und die Dörfer, oft zu einem großen Teil verlassen, aber noch lässt ihre Atmosphäre etwas vom jahrhundertelangen Mit- oder Nebeneinanderleben von Deutschsprachigen, Rumänen, Ungarn und Szeklern erahnen. All diese Eindrücke, gleichsam ein komprimiertes Bild Siebenbürgens, hinterließ der Ort Keisd, rumänisch Saschiz, ungarisch Szászkézd, auf mich.

Schässburger Impressionen (Foto © Norbert Eisner)

Schässburg (Sighișoara, Segesvár). Möchten Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin einen Heiratsantrag machen, tun Sie das in Schässburg. Dort erhalten Sie bestimmt keinen Korb, zu schön ist diese Stadt, dass sich irgendjemand ihrer romantischen Stimmung entziehen könnte. Der Stundenturm, das Hirschenhaus, die Schülertreppe hinauf zur deutschen Schule, die Bergkirche und der daneben liegende Friedhof mit wunderschönen Grabmälern aus längst vergangenen Zeiten, Schässburg ist eine Märchenstadt. Wem das ganze Ensemble nach ein paar Spaziergängen zu pittoresk, zu eng wird, sollte in die Unterstadt absteigen, die ist mit ihren Gründerzeithäusern auch sehr schön ist, aber ein wenig mehr vom wahren Schässburger Leben erahnen lässt. Gut gegessen haben wir dort im gemütlichen „Gasthof zur alten Post". Von Schässburg lohnt sich in jedem Fall ein Abstecher nach Birthälm (Biertan), rund 25 Kilometer von der Stadt entfernt. Die Kirchenburg des Ortes ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Schässburger Hirschenhaus (Foto © Norbert Eisner)

Nach dem idyllischen Schässburg und vielen Kirchenburgen brauchen wir etwas Durchlüftung, Lärm und Leben. In Klausenburg, rumänisch , Cluj-Napoca, ungarisch Kolozsvár, sind wir jetzt genau richtig. Eine gute Einstimmung auf die lebhafte Studentenstadt war schon Neumarkt, rumänisch Târgu Mureș, ungarisch Marosvásárhely, die Hauptstadt der Szekler. (Mittlerweile sind auch hier, wenn auch knapp, die Rumänen größte Bevölkerungsgruppe.) Sie bietet nicht viele Highlights, diese sind dafür aber pompös, allen voran der Kulturpalast im ungarischen Sezessionsstil und die Synagoge.

Stadtpark in Klausenburg (Foto © Norbert Eisner)

Es gibt Orte, da steigt man aus dem Auto oder vom Zug auf den Perron und weiß, hier fühlt man sich wohl. Mir ging es so in Klausenburg, im Stadtpark. Schon die Allee durch den Park, der Teich und das sanierte ehemalige Casino, jetzt Teil der technischen Uni, einfach nett. Je näher wir dem Zentrum kommen, umso lauter wird's. Aber der Lärm tut hier nicht weh, es ist geschäftig aber nicht hektisch. Viele Junge sind unterwegs, sie kommen aus den Hörsälen der ehemaligen Franz-Josefs-Universität, der heutigen technischen Universität, und streben wie wir dem Hauptplatz zu. Die Klausenburger Universitäten haben einen guten Ruf und locken Studenten aus vielen Ländern der Erde in das Land, was bei uns nicht sehr bekannt ist. Die Mauer zum ehemaligen Ostblock gibt es selbst in den Köpfen derjenigen noch, die in den Zeiten des Kalten Krieges noch nicht einmal auf der Welt waren.

Wiener Kaffeehaustradition auch in Klausenburg (Foto © Norbert Eisner)

Temeswar nennt man Klein-Wien, noch passender wäre dieser Beiname für Klausenburg, Klein-Budapest würde genauso entsprechen. Im Unterschied zu den anderen siebenbürgischen Städten haben wir das Gefühl hier tatsächlich in einer Stadt zu sein. Die übrigen Siebenbürger Städte sind nach heutigen Maßstäben eben Provinz – und sie strahlen das auch aus. Gemütlich, beschaulich, lebenswert, aber nach ein paar Tagen vielleicht auch ein wenig eng. Nach einer Woche, die mit der Besichtigung ungezählter Kirchen, Burgen, gotischer Häuser, Renaissance-, Barock- und Jugendstilpalästen ausgefüllt war, tut es gut, einfach nur durch die Stadt zu schlendern – im Bewusstsein, zwar sich sicher die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu verpassen, aber eben nichts Weltbewegendes. Aber selbstverständlich lohnen die Michaelskirche, das barocke Bánffy-Palais, die Schneiderbastei, die Urania, viele andere Kirchen, der kakanische Bahnhof (von außen), selbstverständlich das Fellner-Helmer-Theater und vieles mehr einen Besuch oder zumindest einen Blick. Sehr guten Cappuccino gibt's im „Olivo Caffe", das erfreulicherweise auch ein Restaurant ist, das Attribut „chillig" trifft die Atmosphäre dieses Lokals am besten. Wer es gern klassisch-wienerisch hat, wird sich wahrscheinlich in der „Klausenburg Cafe-Konditorei" wohl fühlen.

Ein überraschendes Ende

Das wars mit Siebenbürgen. Die Heimreise sollte schneller von statten gehen als die Hinfahrt. So planten wir es. Eine Stadt machte uns aber einen Strich durch die Rechnung – Großwardein. Die altösterreichische Festung, Oradea auf Rumänisch und Nagyvárad auf Ungarisch überraschte mich vollkommen. Auf die Schönheiten Siebenbürgens war ich vorbereitet, aber das? Jetzt rächt sich, dass ich in diesem Text schon so viele Superlative verbraten habe, eindeutig eine falsche Dramaturgie, denn was bleibt jetzt noch für Großwardein? Vielleicht ein schlichter Satz: Diese Stadt ist wunderschön. Die einst fast ausschließlich von Ungarn bewohnte Metropole des Kreischgebietes ist ein Jugendstiljuwel. Auch wenn viele der Paläste (noch) nicht saniert sind, verpassen sie diese Stadt nicht!

Debreczin, das calvinistische Rom (Foto © Norbert Eisner)

Der Kreis schließt sich. Was in Szegedin mit einer vergeblichen kulinarischen Suche begann, endet mit einer solchen in Debreczin (ung. Debrecen). Auch die Debreziner kommen nicht aus Debreczin! Ergo aßen wir dort auch keine. Mir stand der Sinn ohnehin eher nach Süßem. Dieses Bedürfnis konnte ich in Debreczin vollauf befriedigen, gilt die Konditorei im prächtigen Jugendstilgebäude (sehenswert der Bartok-Saal) des Hotels „Aranybika", goldener Stier, doch als eine der besten Ungarns. Die kleine Debrecziner Innenstadt ist bestens saniert, meine ungarischen Freunde meinen, weil der Bürgermeister „ein Freund von Viktor" sei. Egal, das calvinistische Rom, wie die Stadt in meinem alten Österreich-Ungarn-Baedeker genannt wird, ist ein würdiger Abschluss unserer Altungarn-Reise. Viel Zeit zur Besichtigung blieb allerdings nicht mehr. Sie sollten in jedem Fall das Debrecziner Wahrzeichen, die riesige reformierte Kirche, auf ihren Besuchsplan setzen. Interessant sind auch die Uni und das Déri Museum. Debreczin werde ich mehr noch näher anschauen, auf einer neuen Reise durch das weite ungarische Land.  

Mag. Josef Wallner

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Josef Wallner und Norbert Eisner sind der Stille auf der Spur

Dort, wo drei Staaten zusammentreffen, ein Dreiländereck bilden, gibt es üblicherweise Gedenksteine, Fahnen und eine jährliche Grenzlandwanderung. All das finden Sie auch im Dreiländereck von Österreich – Ungarn und Slowenien. Deswegen zieht es uns aber nicht in diesen Landstrich.

Buntes Mitteleuropa (Foto © Josef Wallner)

Es ist der besondere Zauber, der über diesem Land liegt. Ein wenig erinnert es uns an Nangijala, das Land mit dem Heckrosental, in dem Astrid Lindgrens Brüder Löwenherz ihre Kämpfe bestehen. Der Zauber entfaltet sich besonders im ungarischen und slowenischen Teil, wo die Straßen bei Weitem nicht so breit und gut sind wie auf der österreichischen Seite und die Häuser nicht so modern, dafür aber gemütlich sind. Es ist noch viel vom Alten da, was sich über die Jahrhunderte als gut nützlich erwiesen hat: die Vorgärten bei den pannonischen Häusern, so reich an Blumen, dass jeder Impressionist seine Freude hätte, die eleganten ungarischen Fassaden, die sortenreichen Hausgärten und die vor Kraft nur so strotzenden Bäume am Straßenrand. Für jene, die Reichtum nur an materiellem Lebensstandard messen, ist es ein armes Land. Reich ist es, wenn man die Vielfalt der Natur betrachtet – die Streuobstwiesen, die alten Weingärten, die knorrigen Bäume, durch deren schon welk werdende Blätter der heiße Sommerwind weht.

Beschwerliches Leben (Foto © Josef Wallner)

Zurück in Österreich haben wir nicht selten das Gefühl, als ob ein dünner grauer Schleier das Land überzogen habe. Die Rasen sind akkurat gemäht, statt kreuz und quer stehender Obstbäumen reiht sich eine säuberlich geschnittene Tujenhecke an die nächste. Die Häuser mit ihren großen einflächigen Fenstern wirken verschlossen, wie kleine Trutzburgen, daran ändert auch die Behübschung mit den unvermeidlichen Balkonprinz nichts. Das jahrzehntelange Primat des Autos ist an den breiten Dorfstraßen nicht zu übersehen. Bunte Vorgärten findet man selten, dafür ein breites Asphaltband als Gehsteig.

Viele Sprachen führen zur Kirche (Foto © Josef Wallner)

Trotzdem sehnt man sich auf der slowenischen und der ungarischen Seite nach dem österreichischen Standard. Verständlich, denn, wie gesagt, es ist ein armes Land. Jobs gibt es kaum und das Leben am Land kann sehr dumpf und schwer sein, es erzeugt nicht wenig Anpassungsdruck. Als Wochenendgäste fühlen wir uns frei, aber hier leben? Vielleicht sehen es viele ähnlich, zumindest in Ungarn, denn der Zipfel rund um (Ober- und Unter)-Zemming (Szölnök auf Ungarisch, Senik in Slowenisch) ist als Weekend-Sitz sehr beliebt. Wo sonst in Pannonien gibt es so herrliche Wälder? (Vom Schwammerlreichtum gar nicht zu reden.)

Foto © Josef Wallner

Nicht wenige Budapester Bobos haben sich hier ein Domizil geschaffen, vom klischeegerechten Aussteiger, der sein Glück nun hinter der Töpferscheibe sucht, bis zum gutverdienenden Banker mit Powerfrau, Kindern und großem Hund an seiner Seite. Leer stehende Gehöfte gibt es genug – zum Spottpreis und Gemeindeabgaben existieren de facto nicht.(Es gibt auch fast keine kommunalen Leistungen.) Wer von Montag bis Freitag im lauten Budapest ist, erlebt hier das Kontrastprogramm. Es ist einfach still. Ein gemächlicher sonntäglicher Landregen (wieso hört und fühlt sich Regen an einem Sonntag anders an als unter der Woche?) gilt hier fast schon eine Ruhestörung.

Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Unterzemming (Foto © Norbert Eisner)

Es gab auch Zeiten, da ging es hier nicht so ruhig zu; zum Beispiel nach dem Ersten Weltkrieg, als die Völker Österreich-Ungarns sich ihren Anteil an der Konkursmasse des alten Reiches sichern wollten. Zuvor gehörte das ganze Gebiet, das Burgenland, das slowenische Übermurgebiet und die jetzt noch ungarische Region rund um St. Gotthard zum Königreich Ungarn. Die Friedensverträge von Trianon und St. Germain reduzierten das riesige Ungarn mit der Slowakei, Siebenbürgen, Kroatien und Slawonien, dem Banat, Fiume (Rijeka) und dem ungarischen Litorale (Küstenland) auf den recht kleinen ungarischen Zentralraum mit dem Wasserkopf Budapest. Das ziemlich rücksichtslose Streben der Magyaren aus ihrem Vielvölkerstaat einen ungarischen Nationalstaat zu machen, war damit zu Ende. (Die Ungarn sahen ihr radikales Nationalisierungsprogramm als durchaus erfolgreich an.) Die mangelnde Reflexion der Geschichte führt dazu, dass viele Ungarn bis heute noch Phantomschmerzen über den Verlust des ungarischen Großreichs fühlen. Die vielen Großungarn-Pickerl auf magyarischen Autos zeugen davon.

Kriegerdenkmal in Unterzemming mit deutscher Inschrift, nur der Ort wurde ungarisch bezeichnet

Die neue Grenze zwischen Österreich, dem ein großer Teil Deutsch-Westungarns zugesprochen wurde (als Burgenland neu erfunden), Ungarn und Slowenien war gar nicht einfach zu ziehen. In so manchem Ort wechselten hier nach dem Ersten Weltkrieg die Herren sechs Mal. Drei Grenzkommissionen, die ungarisch-österreichische, die südslawisch-österreichische und die ungarisch-südslawische befassten sich damit und legten bis 1922 den Verlauf der Grenze und den Dreiländergrenzpunkt exakt fest. Dass in diesem bunten Völkerfleckerlteppich Mitteleuropa die Ethnien nicht exakt den neuen Nationalstaaten zuordenbar waren, liegt auf der Hand. Und so gibt es bis heute eine slowenische und deutschsprachige Minderheit in Ungarn, so wie eine ungarische in Slowenien. Im Burgenland gibt es eine ungarische Minderheit und auch in der Steiermark haben es die Slowenen erreicht, als Minderheit anerkannt zu werden. (Das Dreiländereck betrifft es zwar nicht, aber andere Regionen Sloweniens: Die Anerkennung einer deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien als autochthone Gruppe mit denselben Rechten, wie sie Italiener und Ungarn genießen, ist in Slowenien politisch einfach nicht durchsetzbar.)

Das Szeklertor (Foto © Thomas Roesler)

Der kühle Weinkeller lädt auch an heißen Tagen in rustikalem Ambiente zu einer Verkostung der Hausmarken von Wein und Obstler ein. Preis auf Anfrage.

Nachdem uns Mischkulanzen wie diese immer interessieren, freuen wir uns über die dreisprachigen Ortstafeln und Straßenschilder im ungarischen Unterzemming besonders.

Anreise

(Ziel: Oberzemming|Felsöszölnök|Gornji Zenik in Ungarn)

Von Wien: A2 – Sebersdorf/Bad Waltersdorf – Fürstenfeld – Richtung Heiligenkreuz – Rudersdorf – Felsöszölnök
Von Graz: A2 – Ilz/Fürstenfeld – Fürstenfeld – Heiligenkreuz – Felsöszölnök

Foto © Josef Wallner

Anschauen

​In allen drei Ländern gibt es Naturparks (in Ungarn Nationalpark), kleine Städte und durchaus imposante Schlösser zu besuchen. Die folgenden Links zu den Dreiländer-Natur/Nationalparks Raab-Örség-Goričko bieten alle notwendigen Informationen
www.naturparkraab.at (österreichische Seite)
www.park-goricko.org (slowenische Seite)
onp.nemzetipark.gov.hu (ungarische Seite)

Übernachten

Am Hof der Roeslers (Foto © Thomas Roesler)

In Oberzemming, am Johannisberg, befindet sich ein ganz besonderer Ort. Es ist das Gehöft von Thomas Rösler und Lidija Vindiš-Roesler. Folgen Sie ab der Ortsmitte immer dem Wegweiser „Ordo Sankt Wigberti" und nach einigen Minuten kommen Sie zum Hof mit dem schönen, aus Siebenbürgen stammenden Szekler-Tor. (Was es mit der Bezeichnung „Ordo Sankt Wigberti" auf sich hat, sei an dieser Stelle nicht verraten. Lassen Sie sich die spannende Geschichte vom Hausherrn erzählen.) Der aus Deutschland stammende Unternehmer und Schriftsteller und die aus dem untersteirischen Pettau (Ptuj) kommende slowenische Historikerin leben in Graz. In Oberzemming haben Sie ein kleines Paradies geschaffen, das erfreulicherweise auch Gäste aufnimmt.

Inspiriert zum Kochen: Die Küche von St. Wigberti (Foto © Thomas Roesler)

Es gibt mehrere Gästezimmer. Sie wurden mit viel Liebe zum Detail und Kunstverstand mit alten Materialien ausgestattet. Die im traditionellen Stil erhaltene, hundert Jahre alte Küche ist ideal für Selbstversorger. Der restaurierte Sporherd mit zwei Backschüben, Brotbackofen und großer Herdfläche inspiriert zum Kochen regionaler Spezialitäten. Diese genießt man dann am besten auf der mit Weinreben überrankten Terrasse. Der Blick schweift über die Hügelketten und die Streuobst-Wiesen hinunter zum Wald, wo sich nicht selten die Rehe ein Stelldichein geben.

Mit der Liebe zum Detail – St. Wigberti (Foto © Thomas Roesler)

Der kühle Weinkeller lädt auch an heißen Tagen in rustikalem Ambiente zu einer Verkostung der Hausmarken von Wein und Obstler ein.
Preis: auf Anfrage.

St. Wigberti - Weinkeller (Foto © Thomas Roesler)

Ordo Sankt Wigberti
9985 Felsöszölnok, Alsójánoshegyi út
Tel.: +43 664 374 00 69
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Lesetipp
Ingrid Pilz. Unterwegs im Dreiländereck Ungarn – Österreich – Slowenien mit Tourenführer,
Styria 2006, ISBN 3-222-13192-9

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Zwischen Italien und Slowenien

Josef Wallner und Norbert Eisner unterwegs im Görzer Land …

liegt doch kein anderes Land? Auf Ihrer Karten-app am Smartphone werden sie auch keines finden. Und doch gibt es dieses Land. Es ist die ehemaligen Grafschaft Görz und Gradisca. Sie finden hier das Beste von Slowenien und Italien mit einem Schuss Altösterreich als Schlagobershauberl.

Das altösterreichische Görz

Dieses Land Görz und Gradisca gibt es seit 1918 nicht mehr. Heute ist sein Gebiet auf zwei Staaten, Italien und Slowenien, aufgeteilt. Kriege, verschiedene politische Systeme und ethnische Konflikte haben aber eines bis zum heutigen Tag nicht geschafft: das einzigartige Gemisch des alten Görz gänzlich zum Verschwinden zu bringen. Und mittlerweile werden die im Verhältnis zur gesamten Görzer Geschichte jungen Grenzen immer weniger sicht- und auch spürbar. Wir werden sie in diesem Beitrag nur erwähnen, wenn es unbedingt notwendig ist. Denn wir halten uns an das, was der alte Bruno aus dem Eckner Land, dem Collio, bei einem Glas Rebula unter dem großen Nussbaum sagte: „Es ist unser Land, gleich ob wir Slowenen, Friulaner oder Italiener sind."

Festung von Gradisca (Foto © Norbert Eisner)

Und noch etwas haben die Konflikte des letzten Jahrhunderts nicht geschafft: Die Vielfalt und Schönheit des Landes zu zerstören. Noch immer gilt, was Baron Czoernig, hoher altösterreichischer Beamter und einer der ersten Fans des Görzer Landes schrieb: „Eine Strecke von achtzig Kilometer trennt das in Schneefeldern und Schaumstürzen schimmernde Hochthal, in welchem die hellen Wässer der Koritnica mit dem Isonzo zusammenrinnen, von den Lagunen des Golfes von Triest…"

Grado: Strandtürl mit Doppeladler (Foto © Norbert Eisner)

Die Grafschaft Görz und Gradisca reichte vom Triglav bis nach Grado, ein in die Länge gezogenes, kleines Land, das die Schönheiten alpiner und mediterraner Landschaft wie durch ein Brennglas vergrößert zeigt. Czoernig nannte das Land gar „eine Musterkarte von Europa". Das Görzer Land besteht im Wesentlichen aus einem Tal und dessen Nebentälern. Dieses Tal wird von der Soča, italienisch Isonzo, deutsch selten Isnitz genannt, durchflossen. Der Fluss mit seiner einzigartig smaragdgrünen Farbe entspringt im Triglavgebiet und mündet zwischen Monfalcone und Grado in die Adria.

Im Tal des Isonzo (Foto © Norbert Eisner)

Wer nur die Stadt Görz, das im Osten an das Isonzotal anschließende Karstplateau und die Lagune von Grado kennt, würde es nicht vermuten: Görz ist ein Gebirgsland. Auf drei Seiten ist es von Bergen und Hügeln umschlossen, nur im Südwesten öffnet es sich zur friulanischen Ebene. Im Nordwesten fallen die Gipfel von Kanin und Rombon zum Predil|Predel ab. Dieser Pass ist der Zugang vom altkärntnerischen (heute italienischen) Kanaltal in das Land Görz. Östlich von ihm ragt der Mangart fast 2.700 Meter in die Höhe. Er wird vom Triglav, dem König der Julischen Alpen, noch um rund 150 Meter übertroffen.

Die von k.u.k. Soldaten errichtete Kirche von Javorca bei Tolmein

Flitsch (Bovec|Plezzo, Karfreit (Kobarid|Caporetto), Tolmein (Tolmin|Tolmino) und das schon südlich anmutende Kana (Canale) sind die Hauptorte des oberen Görzer Landes. Bis heute sind in ihrem Umland die Spuren der zwölf Isonzoschlachten des Ersten Weltkriegs erkennbar. Verwachsene Schützengräben, Kapellen und zahlreiche Soldatenfriedhöfe zeugen vom drei Jahre währenden gegenseitigen Abschlachten von italienischen und österreichisch-ungarischen Soldaten. 

Heute ist Flitsch Zentrum des Wassersports an der Soča, in Karfreit wird mit Museum und Lehrpfad an den Ersten Weltkrieg erinnert und Tolmein ist ein regionaler Verkehrs¬knotenpunkt mit einem Zuckerhut als Wahrzeichen. (Zugegeben – er ist nicht so imposant wie der von Rio.) Von hier führt der Weg in das Tal der Idriza (Idrijca) und nach Kirchheim (Cerkno|Circhina), einem Wintersportzentrum.

In den Görzer Alpen (Foto © Norbert Eisner)

Nur wenige Kilometer von Tolmein entfernt liegt an der Soča St. Luzia (Most na Soči). Der Ort verströmt bis heute den Hauch einer altösterreichischen Sommerfrische. Weltbekannt ist er für seine prähistorischen Funde. St. Luzia liegt an der Wocheinerbahn. Diese legendäre Bahnlinie war Teil des Eisenbahnnetzes, das Triest mit den nördlichen Industriegebieten der Monarchie und dem Deutschen Reich verband. Von St. Luzia weg führt sie durch das Idrizatal und das Bačatal hinauf in die Oberkrain.

Im Hinterland von Kanal, am linken Ufer des Isonzo, liegen die Hochebenen des St. Veitsberges (Šentviška Gora) und von Bainsizza (Banjšice Svetega). Es sind ganz eigentümliche Landschaften, fast skandinavisch anmutend. Sie finden ihre Fortsetzung im Ternowaner Wald (Trnovski gozd|Sela di Tarnova). Diesen ehemaligen kaiserlichen Wald nannte schon der bekannte Krainer Naturwissenschaftler Fran Erjavec „eine wahre Perle des Küstenlandes".

Im Isonzotal spüren wir von Kilometer zu Kilometer den Süden mehr. Das Grün der Almen wird bei Kanal abgelöst von dem des Feigenbaums und Duftjasmins. Mit der Landschaft ändert sich auch die Architektur. Das Alpenländische weicht der Eleganz küstenländischer Fassaden.

Brücken von Solkan (Solcano) Foto © Norbert Eisner

Bei Solkan (Salcano) bahnt sich der Isonzo seinen Weg zwischen dem Sabotin(o) und dem Heiligen Berg, der Sveta gora der Slowenen oder dem Monte Santo der Italiener, in die Görzer Ebene.. Der Name Sabotin stammt der Legende nach vom slawischen samotnik, der Einsame. Denn der Sabotin ist durch den Isonzo von seinem Kollegen, dem Heiligen Berg, getrennt. 

Der Ort Solkan ist durch seine steinerne Eisenbahnbrücke, eine Glanzleistung altösterreichischer Ingenieurskunst, bekannt geworden. Heute, nachdem Italien und das damalige Jugoslawien vor rund 40 Jahren die nach dem Krieg hier gezogene Grenze endgültig akzeptiert haben, verbindet auch eine Straßenbrücke die beiden Ufer des sich tief ins Tal eingrabenden Flusses.

Das italienische Görz (Foto © Norbert Eisner)

Die Berge und Hügel ziehen sich zurück und vor uns liegt das Zentrum des Landes, die Stadt Görz, italienisch Gorizia, slowenisch Gorica und furlanisch Gurize mit ihrer Erweiterung in der slowenischen Neustadt Nova Gorica. Einst wurde Görz Nizza Österreichs genannt. Auf den ersten Blick verlieben sich heute die Wenigsten in diese Stadt. Wer aber ein wenig Geduld hat, dem offenbart die Spröde ihre Reize und statt einer oberflächlichen Liebelei kann sich eine innige Beziehung, vielleicht sogar Liebe entwickeln.

Elegantes Görz (Foto © Norbert Eisner)

Im Nordwesten grenzt Görz an das Weinland In den Ecken. Die Italiener nennen es Collio, die Slowenen Brda. Im Westen der Stadt liegt die friulanische Ebene, im Osten das Wippachtal und im Süden der Karst.

Das Eckner Land - Collio - Brda (Foto © Norbert Eisner)

„Der Coglio ist das wahre Weinland der gefürsteten Grafschaft", wusste schon der Herr Baron Czoernig. Coglio, heute Collio oder Brda, einst Berdo: Damals waren das nur zwei Namen für ein- und dasselbe Gebiet. Heute liegt der Collio in Italien und die Brda in Slowenien. Sie unterscheiden sich in Vielem. Der Collio ist herausgeputzt, die Brda ist (noch) wild. Weinstöcke und Kirchen, dazwischen ein paar Pfirsich- und Kirschbäume und neuerdings immer mehr Zypressen – an der Brda kann man sich nicht satt sehen – und hören: Abend für Abend geben ihre Kirchenglocken ein Konzert. Collio und Brda reichen hinüber bis Cormòns|Krmín, dem Weinstädtchen am Rand der friulanischen Ebene. Nahe Brazzano (Bračan) trennte einst der Judrio (Idrija) Österreich von Italien.

Wippach (Foto © Norbert Eisner)

Das breite Wippachtal mit seinen Weinterrassen, Obstplantagen und den alten befestigten Dörfern führt hinauf in die Innerkrain. Mit Görz ist es über das Rosenthal, einst der siebente Himmel von Görz genannt, verbunden. Die Grafschaft Görz reichte im Wippachtal bis an den Hubelbach (Hubelj) bei Haidenschaft (Ajdovščina|Aidussina). Dieses Tal trug im alten Österreich den Beinamen Garten Eden.

Groß Sable im Wippachtal (Foto © Norbert Eisner)

Im Norden begrenzen der Ternowaner Wald und der zum Birnbaumer Wald (Hrušica) gehörende Nanos, einst Wächter des Küstenlands genannt, das Wippachtal. Im Süden wird es vom Karst abgeschlossen. Auf dem Karst liegt St. Daniel (Štanjel|San Daniele del Carso). Der Ort mit seiner fast orientalisch anmutenden Kirchturmhaube hat sich zu einem Touristenmagnet entwickelt. Er ist schon mehr Kulisse denn lebendiges Dorf. Die Ortschaft davor hat ein weit weniger bekanntes Wahrzeichen der alten Grafschaft Görz aufzuweisen, die Burg Reifenberg (Rihemberk|Rifembergo). Sie ist einer der romantischsten Plätze im Görzer Land.

Im Karst (Foto © Norbert Eisner)

Der triste Eindruck, den die Steinwüste des Karsts einst auf viele mit der Südbahn nach Triest Reisenden gemacht hat, ist durch die noch zu Österreichs Zeiten vorangetriebene Wiederaufforstung weggewischt worden. Geblieben sind die Dolinen, die Steinmauern, die rote Erde und das Licht des Karstwinters, klar und sehnsuchtsvoll. Die Schönheit der Dörfer des Karsts mit ihren engen Gassen, den steinernen Dächern und Portalen mit ihren Steinzeichen ist eine herbe. Wer sie einmal empfunden hat, bei einem Glas Teran und einer Karster Jause, den lässt der Karst nicht mehr los. Dem kann jeder mondäne Badeort, jede Wellness-Oase oder jeder durchgestylte Weinort gestohlen bleiben. Vielleicht liegt es an dieser eigenartigen Luftströmung dort oben, kaum merkbar und doch eigenartig anregend. Oben der Wind und unten das Wasser – Flüsse tauchen mit voller Kraft aus Felsspalten auf und verschwinden wieder in diesen. Faszinierend sind die Grotten von St. Kanzian (Škocjan|San Canziano). Sie werden sich dort an den alten Film „Reise zum Mittelpunkt der Erde" erinnern. Schreitet man auf der schmalen Brücke über den Canyon der Reka hält man unvermittelt Ausschau nach dem bösen Grafen, dem blonden Naivling und der Gans Gertrud.

Görzer Kastell Görzer Kastell (Foto © Norbert Eisner)

Nach Görz fließt der Isonzo vorbei an Sagrado (Zagraj), von dessen Schloss Castelvecchio man einen traumhaften Blick auf die Alpen genießt, nach Gradisca (Gradišče). Die Reste der Festung schauen noch recht martialisch aus. Sie sollen jetzt verkauft werden. In der späten österreichischen Zeit saßen hier bevorzugt italienische Irredentisten ein. Einen weit angenehmeren Eindruck macht die andere österreichische Hinterlassenschaft – das Theater und die drei großen Kaffeehäuser. 

Noch tiefer südwestlich in der friulanischen Ebene, der Bassa friulana, liegt Cervignano (Červinjan), das furlanische Çarvignan, einstiger Grenzort Österreichs zu Italien. Von dort führt die Straße geradewegs nach Aquileia (Oglej) und Grado (Gradež) zu den berühmten Kulturstätten und an dem Strand, der nach wie vor sehr in ist. Umso ruhiger ist es in anderen Orten des von den Görzern bis heute so genannten Friuli austriaco: Aiello del Friuli, furlanisch Daèl, glänzt mit prachtvollen friulanischen Adelssitzen, Villa Vicentina mit dem Schloss Ciardi. Hier residierte einst Napoleons Schwester Elisa.

Aiello Friuli austriaco (Foto © Norbert Eisner)

Östlich vom Naturschutzgebiet des Isonzodeltas, bei Monfalcone (Tržič), beginnt der Karstbogen mit seinen alten Dörfern auf dem Bergrücken und den einst berühmten, später vielleicht ein wenig berüchtigten Seebädern Duino (Devin) und Sistiana (Sesljan). Diese sind bemüht, an ihre alten Glanzzeiten wieder anzuschließen. Ein Meilenstein dazu ist das im alten Steinbruch von Nabresina errichtete Feriendorf mit Marina, Sistiana Piccola genannt. Die Häuser erinnern zwar ein wenig an die Architektur eines Outletcenters, aber die Strandbar ist großartig.

Das Schloss von Duino (Foto © Norbert Eisner)

Hinter Nabresina (Aurisina|Nabrežina), wo die Südbahn ansetzt, ihren Bogen hinunter nach Triest zu ziehen, endete die Grafschaft Görz und die reichsunmittelbare Stadt Triest mit ihrem Gebiet begann. Daran erinnern bis heute die zwei steinernen Säulen, die Colonne di Francesco I., mit der Lanze des heiligen Sergius, dem Wappenbild der Stadt Triest. 

So vielfältig wie das Land waren und sind seine Bewohner. Denn die Görzer Region liegt „zwischen den drei großen europäischen Völkergruppen, der romanischen im Westen, der deutschen im Norden und der slavischen im Osten; sie ist zugleich der Knotenpunkt, an welchem sich diese drei berühren".

Lipizza: Zu Österreichs Zeiten gehörte das Gestüt zur reichsunmittelbaren Stadt neben Istrien und Görz Teil des Küstenlandes (Foto © Norbert Eisner)

Die Angehörigen der verschiedenen Ethnien mischten sich erfreulicherweise auch gehörig durcheinander. Mancher Görzer änderte gar seine nationale Zugehörigkeit, wie Baron Czoernig weiß: „Daß viele Namen mit der Nationalität ihrer Träger nicht im Einklang stehen oder daß Kinder unter dem Druck der sie umgebenden Verhältnisse sich zu einer anderen Nationalität bekennen lernen, als es bei ihren Eltern der Fall war, kommt in sprachlich gemischten Ländern genugsam vor; daß aber von unter ganz gleichen Lebensbedingungen aufgewachsenen und erzogenen Brüdern beispielsweise der eine italienisch empfindet, der andere slavisch fühlt, dürfte schwerlich an anderen Orten angetroffen werden."

Mitteleuropäisches Görz (Foto © Norbert Eisner)

Das ist zugegebenermaßen bemerkenswert, ebenso wie die Vielfalt an Sprachen und Dialekten, die in dem kleinen Land gesprochen wurden und erfreulicherweise noch immer werden.

Unsere Görzer Lieblinge

Nicht die üblichen Verdächtigen aus Collio und Karst wollen wir Ihnen empfehlen, sondern einige Wirtshäuser, Heurigen, Bauernhöfe und Weinbauern, die wir in unser Herz geschlossen haben.

St. Veit im Wippachtal (Foto © Norbert Eisner)

Wippachtal

Gostilna Podfarovž
5271 Vipava, Ulica Ivana ščeka 2
Tel.: +386 402 320 90
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.podfarovz.si

Gehobene regionale Küche an den Quellen der Wippach genießen – der perfekte Einstieg ins Görzer Land. VinotekaVipava 5271 Vipava, Glavni trg 1 Tel.: +386 5 368 70 41 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.vipavska-dolina.si Ein guter Platz, um die Weine des Wippachtals zu verkosten. Danach schwirrt man in die Dörfer zu den Weinbauern aus.

Biljana Brda (Foto © Norbert Eisner)

Stadt Görz

Garten des Palazzo Lantieri in Görz (Foto © Norbert Eisner)

Il Giardino Dei Vizi (Lollo)
34170 Gorizia, Piazza S. Antonio 12
Tel. +39 348 103 71 08 

Die Görzer Mittags- und Abendbar. Unerreicht.

Alla Delizia
34170 Gorizia, Piazza Cavour 11
Tel.: +390 481 53 55 96 

Einmal muss man am Samstagvormittag dort gewesen sein: gekochter Schinken in Brotteig mit Kren und ein Glas Tocai (pardon – Friulano) ist die klassische Bestellung. Lassen Sie sich vom griesgrämigen Gschau der Wirtin nicht die Vorfreude auf den Schinken verderben. 

Gasthaus Valdirose
34170 Gorizia, Via Giustiniani 66
Tel.: +39 33 98 39 71 83
Email:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.trattoriavaldirose.it

Nah an der Casa Rossa und dem Beginn des Rosentals gelegen bietet der Padron unverfälschte Görzer Küche. Selbstverständlich hängt der Kaiser an der Wand – wie in fast jedem Görzer Wirtshaus.

Palazzo Lantieri (Foto © Norbert Eisner)

In den Ecken (Collio – Brda)

Winzer empfehlen wir Ihnen in dieser Region nicht. Verlassen Sie sich auf Ihren guten Riecher und probieren Sie, probieren Sie, probieren Sie… 

Gasthaus Korsič
34170 San Floriano del Collio, Località Sovenza 7
Tel.: +39 0481 88 42 48
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.korsic.it

Verfeinerte Görzer Küche in einem wunderschönen Garten genießen – das ist der Korsič. 

Weingut Štekar 1672 (mit Übernachtung)
5211 Kojsko, Snežatno 31/a
Tel. +386 41 444 766
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.kmetijastekar.si 

Zugegeben, bei unseren Freunden Tamara und Janko sind wir ein wenig befangen. Aber glauben Sie uns, es ist einer der schönsten Plätze „In den Ecken". Probieren Sie die biodynamischen – orangen – Weine. Sie werden auf den Geschmack kommen, bei Tamaras Küche, den Fruchtsäften und den Mehlspeisen von Oma Anica sowieso. 

Hotel San Martin
5211 Kojsko, Šmartno 11
Tel.: +386 4 172 4 7 94
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www.sanmartin.si 

Stylishes Hotel in der alten Schule des Dorfes. Vesna, die Chefin, hat hier einen guten Platz geschaffen. Der Blick ist famos, Küche und Keller bieten hohe Qualität zu ausgesprochen fairen Preisen. Das gilt auch für die Hotelpreise. 

Hotel Dvor
5212 Dobrovo v Brdih, Kozana71
Tel. +386 59 97 48 68
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www.dvor.si

Ein neuer Platz im Eckner Land – und was für einer! Aus einem alten Gut haben die aus der Oberkrain stammenden Wirtsleut eine der schönsten Locations der Brda gemacht. Sehr individuell und hochwertig ausgestattete Zimmer, ein Garten mit Pool und nicht zuletzt das Olivenöl der Hausherrin machen aus dem Dvor ein kleines Paradies. Schauen Sie sich das an. 

Borgo San Daniele Cormòns (Bed & Breakfast)
34071 Cormons, Via S. Daniele 38
Tel.: +390 481 605 52
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www.borgosandaniele.it 

Ausgesprochen stilsicher. 

La Casa Griunit (Appartements)
34070 Capriva del Friuli, Via Mazzini 22
Tel.: +390 481 80 99 63 

Nette Appartements am Bauernhof.

Was für eine Farbe ... (Foto © Norbert Eisner)

Oberes Isonzotal, Ternowaner Wald

Gasthaus Žogica
5000 Nova Gorica, Soška 52
Tel.: +386 5 300 52 40
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www.zogica.si 

Beliebtes Wirtshaus und Pizzeria am Fluss. 

Gasthaus Metka
5274 Črni Vrh 78
Tel.: +386 5 377 70 15
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www.gostilnametka.com 

Ein Wirtshaus wie damals. Wie schön ist es doch, im Sommer im Garten zu sitzen. Wenn der Wind von Birnbaumer Wald und Javornik herunter weht…

Rosengarten von Kostanjevica Castagnavizza (Foto © Norbert Eisner)

Karst

Weingut Pri Kamnarjevih
6223 Komen, Volčji Grad 40
Tel.: +386 5 766 82 45 

Der Banker mit Biowein. 

Mali raj pod kostanji (Appartements)
6222 Štanjel, Kobdilj,
Tel.: +386 5 769 02 06
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www.marapoko.com

Schönes Quartier mit Meerwasserpool. Die Hausherrin kommt aus Deutschland. Ums Eck ist der Gutshof der Fabiani (Max Fabiani hat u.a. die Wiener Urania erbaut – die Geschichte der Fabiani ist eine eigene altösterreichische ask-enrico-Story wert…) 

Gasthaus Ukmar
6221 Dutovlje 61
Tel.: +386 5 764 21 23 

Eines der Karstwirtshäuser, die wir lieben. 

Weingut Šuc
6221 Dutovlje 92
Tel.: +386 5 764 20 66 

Unseren Lieblingsteranlikör gibt's hier. Am besten sie probieren ihn unter dem mächtigen Kakibaum. 

Agriturismo Škerlj (mit Übernachtung)
6221 Dutovlje, Tomaj 53 a,
Tel.: +386 5 764 06 73
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www.tk-skerlj.si

Nett. Gute, unkomplizierte Küche. 

Gasthof Muha
6219 Lokev 138
Tel.: +386 5 767 00 55 

Ein Fuhrmannsgasthaus mit großer Tradition. Gemütlich und gut. 

Restaurant Ruj
6221 Dutovlje, Dol pri Vogljah 16
Tel.: +386 5 734 17 20 

Sehr gut. Lassen Sie sich beraten und von den Genüssen des Karstes verführen. 

Agriturismo Bibc (mit Übernachtung)
34151 Trieste , Località Santa Croce 262,
Tel.: +390 40 22 07 22
www.bibc.it

Mittlerweile eine Institution (und nicht nur, weil Alessandro in den Veit Heinichen-Krimis vorkommt). Für Samstagabend und Sonntagmittag sollten Sie reservieren, sonst schnappt ihnen eine Triestiner Großfamilie noch den letzten Tisch weg. Trinken Sie Glera, essen Sie Fisch und als Nachspeis eine Karster Cremeschnitte und dann machen Sie einen Verdauungsspaziergang vom Karst hinunter an die Triestiner Küste. 

Gasthaus Štirna (mit Übernachtung)
5291 Miren, Opatje selo 42
Tel: +386 53 98 55 90
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www.gostilna-stirna.si 

Mitten in einem herrlichen Görzer Karstdorf. Hinter der rauen Schale des stämmigen Jungwirts verbirgt sich ein weicher Kern. Die Kücher überragt übliches Gasthausniveau. 

Bauernhof Sidonja Radetic (Heuriger, Käse etc.)
34013 Duino Aurisina, Medeazza 10
Tel.: +390 40 20 89 87
www.radetic.wpeople.it

Unser Lieblingsheuriger im Küstenland. Leider hat er nur im Juli offen. Dafür gibt's in Herbst und Winter am Wochenende klassische Görzer Bauernküche, von Gnocci mit Gulasch bis zum unvermeidlichen Apfelstrudel. Im Sommer probieren Sie das fantastische Jogurt, die Pfirsiche in Wein und den herrlichen Topfenstrudel mit Pfirsichen. Schwimmen im Meer und nach zehn Minuten beim Heurigen sitzen – Mitteleuropa at its best. 

Gasthaus da Miljo
34070 Doberdò des Lago, Devetachi 2
Tel.: +390 481 782 50
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.facebook.com/TrattoriaGostilnaMiljo

Das Wirtshaus liegt im Vallone, slowenisch Dolina, die Karstsenke, welche Görz mit dem Golf von Triest verbindet. Von außen gibt Roberts Gasthaus nicht viel her. Aber lassen Sie sich nicht täuschen. Der aus Gran Canaria zurückgekehrte Gastronom wird Ihnen ein ausgezeichnetes Menü zaubern. Selbstverständlich grüßt auch hier der Kaiser von der Wand. 

Lesetipp

Josef Wallner, Norbert Eisner Geliebtes Görz. Von den Alpen zur Adria. Eine Reise durch das altösterreichische Küstenland.
Verlag Berger, Horn 2013
https://www.verlag-berger.at/der-verlag-berger/presse/geliebtes-goerz.html

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And the winner is … Bad Töplitz

Wie aus einem Bad der Auersperg die vielleicht schönste Therme Sloweniens wurde. Eine Erfolgsstory Nach den beiden untersteirischen Thermen Tüffer (Laško) und Römerbad (Rimske Toplice) zieht es uns dieses Mal noch ein Stück weiter in den Süden und zwar in die Unterkrain (Dolenjska) nach Bad Töplitz, slowenisch Dolenjske Toplice (Unterkrainer Töplitz).

Wunderschön - die Krainer Gurk (Foto © Norbert Eisner)

Dass im Namen der Therme das Wort Töplitz steckt, ist schon ein gutes Zeichen, wie einer unserer vergilbten Reiseführer weiß: „Wo wir diesem oder einem ähnlich klingenden Namen, Teplitz, Toplice, Tiflis u.s.w., begegnen, haben wir warme Quellen zu suchen." Ein Bad in einer solchen kann nie schaden – schon gar nicht, wenn die heilende Wirkung der Quellen seit Jahrhunderten, genau gesagt seit 1228, bekannt ist. Der erste Badegast war angeblich der Hund eines Mesners. Das Tier hatte sich verletzt und war so klug, seine Wunden mit dem warmen Wasser einer Lacke, der Thermalquelle, zu benetzen. Im Lauf der Jahrhunderte wurde aus Töplitz, mit seinem Fürsten-, Carls- und Josephsbad einst das „krainische Gastein" genannt, der wichtigste Kurort des habsburgischen Landes Krain. (Krain umfasst einen großen Teil des heutigen Sloweniens. Als einheitliches Verwaltungsgebiet existiert es nicht mehr. Die einzelnen Landesteile haben im heutigen Slowenien aber sehr wohl noch Bedeutung und die Identifikation von Oberkrainern, Unterkrainern, Innerkrainern und Weißkrainern mit ihrer Region ist sehr hoch.)

Wellnesshotel Balnea (Foto © Norbert Eisner)

Großen Aufschwung erlebte Töplitz im achtzehnten Jahrhundert zu Zeiten von Fürst Heinrich Josef Johann v. Auersperg. Er ließ Straßen in den Kurort anlegen, das Badehaus, heute Hotel Vital, erbauen und „das Innere nach dem zeitgemässen Geschmacke und Comfort prächtig und bequem einrichten". Das war 1776. Schon ein paar Jahre früher bewilligte ein allerhöchstes Hofdekret die Einhebung einer Badegebühr und der Fürst befahl, „es solle ein Badwaschel und eine Badwaschlin gesucht werden, welche ein annehmliches Bestandgeld mit der Posten-Tax jährlich abzureichen und die Badgäste zu bedienen im Stande wären".

Café im Wellnesshotel (Foto © Norbert Eisner)

Zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war es um das Bad schlechter bestellt. Darüber wunderte sich der k.k. Oberfeldarzt Hochmayer, dessen Urteil vielleicht durch seine lange Tätigkeit als Militär-Badearzt in Töplitz beeinflusst war: „Wenn man dieses, in einer der anmuthigsten Gegenden Unterkrain`s liegende schöne, wunderbar heilsame Mineralbad besucht, und die unangenehme Entdeckung macht, daß von Jahr zu Jahr weniger Badegäste daselbst ihre Wiedergenesung suchen, so kann man sich der schmerzlichen Ueberzeugung nicht erwehren, daß die Modesucht unserer Zeit ihren verderblichen Einfluß ausübe." Gut, dass sich die Mode wieder gewandelt hat! Aus strengen Kuranstalten mit Badewascheln wurden Wohlfühloasen für Geist und Körper. Kaum anderswo ist diese Verwandlung besser gelungen als in Bad Töplitz. Das beste Hotel am Platz heißt Balnea****s. Die Zimmer sind groß und ihre Einrichtung sehr gelungen. Das ganze Hoteldesign ist stimmig. Das Thermenhotel passt ausgesprochen gut in die waldreiche Unterkrainer Landschaft. Sobald wir den ersten Schritt auf den großzügigen Balkon gesetzt und die gute Luft, um es einmal altmodisch zu sagen, eingeatmet haben, wissen wir: Hierher kommen wir öfters!

Wellnesscenter Bad Töplitz (Foto © Norbert Eisner)

Ein „Ah" oder „Oh" kommt fast jedem Gast über die Lippen, wenn er die Kronleuchter im Speisesaal des Auerspergschen Kurhauses (Hotel Kristal), eines im „toscanischen Style" erbauten Gebäudes, sieht. Der prächtige Saal wurde mit dem neuen Restaurant harmonisch verbunden. Zu Frühstück und Abendessen wird eine gediegene Auswahl geboten. Mehr als eine Sünde wert sind die Faschingskrapfen, im Slowenischen heißen sie krofi. Ihr Duft, das kräftige Gelb des Teiges und der ehrliche Geschmack erinnern uns an die Genüsse der Kindheit, als die Omas jeden Fasching Ähnliches zauberten. Probieren sollte man in jedem Fall die empfohlenen slowenischen Weine, viele davon stammen von Winzern aus Unter- und Weißkrain, die man untertags besuchen kann. Denn zum Baden bleibt (am Wochenende) bis spät am Abend Zeit. Dann wird im Spa-Bereich der Therme das Licht gedämmt und Kerzerl sorgen für romantische Stimmung. (Die ganze Palette an Gesundheits- und Wellnessangeboten finden Sie unter http://www.terme-krka.com/de/de/destinationen/dolenjske-toplice/)

Kurhotel und Wellnesshotel (Foto © Norbert Eisner)

Der Wellness- und Badbereich, durch einen gläsernen Gang durch den Kurpark mit dem Hotel verlinkt, genügt in jedem Fall auch den Ansprüchen verwöhnter Gäste. Das Publikum der Therme stammt aus ganz Mitteleuropa. Besonders regen Zuspruch findet Bad Töplitz bei den Italienern. Zur Abwechslung vom Wellnessen kaufen diese gerne samstags am kleinen Bauernmarkt am Sokolov trg hinter dem alten Kurhaus ein.

Verbindungsgang vom Hotel in die Therme (Foto © Norbert Eisner)

Uns hat es auch der Ort Bad Töplitz mit seinen schönen Höfen, dem romantischen St. Anna-Kirchlein und den riesigen Wäldern ringsum angetan. Wer dorthin nicht herumstreifen will, sollte zumindest eine Viertelstunde für den Kurpark reservieren. Dieser entstand unter der Leitung des Badeverwalters Paul Zhuber gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. So kann sich Bad Töplitz heute eines Parks mit angeblich über hundert verschiedenen Baum- und Sträucherarten rühmen. Schon anno 1908 wurde er als „neuer, geschmackvoll angelegter Park, dessen Verlängerung der mit tausendjährigen Bäumen besetzte alte Park bildet", beschrieben.

Der Töplitzer Kurpark (Foto © Norbert Eisner)

Die angeblich tausendjährigen Bäume im Park jenseits der Straße nach Rudolfswert (Novo mesto) haben wir nicht mehr gefunden – es kannte sie auch niemand. Da hat früher Touristiker wohl etwas übertrieben. Die vorhandene Vegetation ist als Kulisse beim Spazieren, Laufen oder Wandern jedenfalls prächtig genug. Zu Ehren der ehemaligen Besitzer des Bades wurde vor wenigen Jahren der botanische Pfad des Grafen Auersperg|Auerspergova botanična pot angelegt. (Die Auersperg hatten das Bad mehrere Jahrhunderte besessen.) Der Weg startet beim Thermalwasserbrunnen am Kurplatz. Gemeinde und Kurzentrum sind bemüht, den Gästen Bad Töplitz mit weiteren Angeboten, wie einem Kräuterpfad oder dem archäologischen Weg noch attraktiver zu machen. Wir können dem Urteil von Peter v. Radics, nur zuzustimmen, wenn er vor weit mehr als hundert Jahren schreibt: „Kühn ist die Concurrenz mit allen ähnlichen Thermen als Siegerin die fürstliche Therme!"

Die Krupp – Krupa – einer der vielen Unterkrainer Flüsse (Foto © Norbert Eisner)

Anreise

Die schnellste Anreise empfiehlt Ihnen Ihr Navi. Wir empfehlen Ihnen die schönste.
A1 bis Cilli (Celje Center) – Tüffer (Laško) – Steinbrück (Zidani most) – Lichtenwald (Sevnica) – weiter Variante 1 oder 2 


Variante 1: Nassenfuß (Mokronog) – Rudolfswert (Novo mesto) – Bad Töplitz (Dol. Toplice) 

Variante 2: Reichenburg (Brestanica) – Gurkfeld (Krško) – Landstrass (Kostanjevica na Krki) – Rudolfswert (Novo mesto) – Bad Töplitz (Dol. Toplice)

Schloss Wördl im Gurktal (Foto © Norbert Eisner)

Ausflüge

Am Weg
Cilli (Celje)
Nettes untersteirisches Städtchen 

Tüffer (Laško) und Römerbad (Rimske Toplice)
Immer sehr reizvollen Sanntal gelegen, bekannte Thermen 

Schloss Oberlichtenwald (Grad Sevnica) 
Liegt hoch über dem Savetal auf einem rebenbepflanzten Hügel, nettes Kaffee, sehenswert ist auch der Lutherkeller Schloss Reichenburg (Grad Rajhenburg) Vorbildlich restauriert, einst produzierten hier Trappistenmönche die beste steirische Schokolade 

Landstrass (Kostanjevnica na Krki) 
Kleines Unterkrainer Städtchen, das vor allem durch seine romantische Lage in der Gurk und das nahe Kloster punktet

Schloss Oberlichtenwald im untersteirischen Savetal (Foto © Norbert Eisner)

Rund um Bad Töplitz

Rudolfswert (Novo mesto)
Die Hauptstadt der Unterkrain, auf einer Halbinsel hoch über der Gurk (Krka) gelegen, nettes kleines Zentrum mit dem einen oder anderen pittoresken Haus 

Schloss Wördl (Otočec)
Liegt inmitten der Gurk (Krka) und ist somit sicher das am schönsten gelegene Schloss Sloweniens. Im 5-Stern-Hotel lässt es sich stilvoll übernachten. Zumindest für einen Kaffee sollte man im Schloss jedenfalls kurz vorbeischauen.

Wördler Schlossführer (Foto © Norbert Eisner)

Gottschee (Kočevsko)
Die Gottschee, zu einem großen Teil einst von deutschsprachigen Krainern bewohnt, ist eine eigene ask-enrico-Geschichte wert. Der riesige dunkle Hornwald (Kočevski rog) und die verlassenen Orte, eine Erinnerung an die wechselvolle Geschichte der Region, prägen sich wohl jedem Besucher im Gedächtnis ein. Die Stadt Gottschee (Kočevje) braucht nicht unbedingt am Besuchsprogramm stehen… 

Baza 20
Das zwanzigste Basislager der slowenischen Partisanen. Die Baza 20 wurde von den Deutschen nie entdeckt. Sie ist das in dieser Größe einzige noch erhaltene Camp von Anti-Nazikämpfern in Europa. 

Das Gurktal (Krška dolina)

Die Kruppquelle (Foto © Norbert Eisner)

Die nüchternen Fakten zu diesem Fluss sind, dass er der bedeutendste der Unterkrain ist und der einzige in Slowenien, in dessen Flussbett sich Tuffstein bildet. Er hat seinen natürlichen Lauf weitgehend beibehalten, was der Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt zugute kommt und ihn zu einem der fischreichsten Gewässer Sloweniens macht. All das sagt aber nichts über die Romantik dieses Flusses und seines Tals aus. Die alten Wassermühlen und Sägen, die hölzernen Brücken, die Heuharfen und die steilen Weinberge – in das Gurktal haben wir uns verliebt. Auch wenn wir das, wofür der Fluss einst berühmt war, nicht mehr auf den Teller bekamen – die „in alle Welt wandernden riesigen Gurker Krebse".

Schloss Seisenberg im Gurktal (Foto © Norbert Eisner)

Flussaufwärts von Bad Töplitz liegen die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Schlösser von Ainödt (Soteska) mit dem Teufelsturm und Seisenberg (Žužemberk). Einige nette Badeplätze und Paddelstrecken locken im Sommer Einheimische und Gäste an den Fluss. Flussabwärts sei der Besuch des Städtchens Landstrass (Kostanjevica) und der Kartause Pletriach (Pleterje) empfohlen

Flussidyll (Foto © Norbert Eisner)

Was wir noch empfehlen…

Schlafen im Weingarten. Wer Thermenhotels nicht so gerne mag, dem sei die Miete eines Weingarthauses (zidanica) empfohlen.
http://www.zidanice.si/de/

Hofgut Novak. Einer der besten Plätze in der Unterkrain – zum Übernachten, Essen und Trinken. Miriam und Boris Novak sind perfekte Gastgeber. Egal, ob man Fliegenfischen, einen Krainer Kochkurs besuchen oder die besten orangen (biodynamischen) Weine Sloweniens probieren möchte, bei den Novaks ist man gut aufgehoben. Und dass Boris auch künstlerisch sehr begabt ist, lässt schon der erste Blick in die Gaststube erahnen. Viele der alten Stücke wurden vom Hausherrn restauriert. Die Gästezimmer sind großzügig und individuell eingerichtet und ausgesprochen gemütlich. Das Essen ist schlichtweg fantastisch - Haubenküche zu äußerst moderaten Preisen.

Die gemütliche Gaststube der Novaks (Foto © Norbert Eisner)

Adressen

Am Weg

Gasthaus Zlati grič (mit Übernachtung und Golfplatz)
3210 Slovenske Konjice, Škalce 80
Tel.: +386 3 758 03 50
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www.zlati-gric.si
Ein untersteirisches Wirtshaus wie aus dem Bilderbuch. Der beste Zweck, um am Weg nach Krain in Gonobitz|Sl. Konjice haltzumachen. Tipp: Das idyllisch gelegene Weinschlössl auf dem Hügel von Skalitz ist zu mieten. 

Gasthaus Francl
3000 Celje, Zagrad 77
Tel.: +386 3 492 64 60
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Der Kellner Franzl aus Cilli gründete einst dieses Wirtshaus. Sehr gute Küche. Ein kurzes Stück Weg hinter der Gostilna bietet sich ein fantastischer Blick auf die Cillier Burg. 

Restavracija Pavus Grad Tabor Laško
3270 Laško, Cesta na Svetino 23
Tel.: +386 3 62 00 723
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www.pavus.si
Restaurant im schönen Ambiente der Burg von Tüffer. Genügend Zeit einplanen, es wird ein wenig zelebriert… 

Weinkeller Mastnak
8290 Sevnica, Orešje
Tel.: +386 3 16 73 502
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www.vinamastnak.com
Den Sekt probieren. 

Weingut Kunej
8280 Brestanica, Cesta prvih borcev 40
Tel.: +386 7 49 73 330
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www.kunej.com
Spitzenwinzer im steirischen Savetal zwischen Steinbrück (Zidani most) und Rann (Brežice).

Schloss Oberlichtenwald (Foto © Norbert Eisner)

Bad Töplitz und Umgebung, Gurktal, Weißkrain

Therme Bad Töplitz „Terme Dolenjske Toplice"
8350 Dolenjske Toplice, Zdraviliški trg 7
Tel.: +386 7 39 19 400
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.terme-krka.si
Unsere slowenische Lieblingstherme. Sehr gemütlich, ausgezeichnete Verbindung des alten Auerspergschen Kurbades mit einer stylishen Wellnessanlage. Einfach entspannend. Tipp: Zur Faschingszeit kommen – die Krapfen|krofi sind unschlagbar! 

Hofgut Novak
8361 Dvor, Sadinja vas pri Dvoru 7
Tel.: +386 7 30 87 430
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www.novakdoma.eu
Der beste Platz in der Unterkrain. 

Schlosshotel Wördl „Hotel Grad Otočec"
8222 Otočec ob Krki, Grajska cesta 2
Tel.: +386 7 38 48 900
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.terme-krka.si
Fünf-Sterne-Hotel, einmalige Lage inmitten der Gurk. Man kann hier auch nur einen Kaffee trinken. Die Therme Bad Töplitz und das Schlosshotel sind im Eigentum einen slowenischen Pharmakonzerns.

Schlossrestaurant in Wördl (Foto © Norbert Eisner)

Weingarthaus Škatlar und Marjaževa domačija
8222 Otočec, Paha 3
Tel.: +386 4 18 8 0813
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www.matjazeva-domacija.si
Urlaub im Weingarthaus oder Weinverkostung am alten Bauernhof. Pflichttermin bei einer Reise durch die Unterkrain. 

Bauernhof Šeruga (mit Übernachtung)
8222 Otočec, Sela pri Ratežu 15
Tel.: +386 7 33 46 900
Email:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.seruga.si
Nette Lage, schöne Zimmer und gutes Essen – somit empfehlenswert. Unser Tipp: Buchen Sie den Getreidespeicher! 

Winzer Jožef Prus
8330 Metlika, Krmačina 6
Telefon: + 386 7 30 59 098
Email:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.vinaprus.si
Die Fahrt von Bad Töplitz zum Prus lohnt sich aus zwei Gründen:
1. Die guten Wein, die nette Familie und der interessante Keller.
2. Die Weißkrain (Bela Krajina) mit ihren Weinbergen, den weiten Wiesen und Birkenwäldern lohnt den Abstecher in jedem Fall. 

Kmečki hram
8311 Kostanjevica na Krki, Oražnova ulica 11
Tel.: +386 7 49 87 078
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.gkh.si
Ein krainisches Gasthaus im pittoresken Landstrass (Kostanjevica).

Oberlichtenwald (Foto © Norbert Eisner)

Literaturtipp

Mehr zu Bad Töplitz und zu den Ausflugstipps im Buch Unbekanntes Slowenien. Reisen auf Altösterreichs Spuren in Krain und Laibach (Josef Wallner, Norbert Eisner. zoppelberg Verlag 2012)

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Chillen in Cilli

Von der österreichischen Steiermark kommend beginnt unser Ausflug in das untere Sanntal in Cilli, slowenisch Celje (Autobahnabfahrt Celje Center). Vorbei an der üblichen Vorstadtarchitektur mit Einkaufszentren und Autohäusern geht es in das kleine Zentrum der Stadt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der deutsche Name „Zilli" und nicht „Tschilli" ausgesprochen wird, wie wir es schon öfters hörten. Vor hundert Jahren wäre das kaum passiert, nicht weil das beliebte Gewürz in mitteleuropäischen Haushalten eher unbekannt war, sondern weil Cilli einer jener Brennpunkte des Kampfes der österreichischen Nationalitäten war, der auch in der überregionalen Presse Erwähnung fand. Die Auseinandersetzung um die Unterrichtssprache in der Unterstufe des hiesigen Gymnasiums brachte (vordergründig) sogar eine österreichische Regierung zu Fall.

Die Burg Obercilli (Foto © Norbert Eisner)

Heute ist Cilli eine nettes steirisches Städtchen – und eine eigene „ask-enrico"-Geschichte wert. Das Attribut steirisch ist keine altösterreichische nostalgische Anmaßung. Die untersteirischen Slowenen fühlen und bezeichnen sich selbstverständlich auch als Steirer, Štajerci. Sie haben eine ebenso ausgeprägte Landesidentität wie die österreichischen. Und die Skepsis der Untersteirer gegenüber Laibach kann mit den Vorbehalten der österreichischen Provinz gegen Wien durchaus mithalten. 

Die Altstadt von Cilli liegt rechts der Straße, dem eleganten Bahnhof der Südbahnlinie Wien – Triest gegenüber. Dieser kann ebensowenig wie die Post seine k.u.k. Herkunft verleugnen. Vertrautes, wohin man blickt – bis auf eines: das ehemalige Deutsche Haus, heute Celjski dom. Die erste Assoziation ist hier Disneyland und nicht Altösterreich. In der aufgeladenen nationalen Stimmung der Vorkriegszeit sahen die deutschsprachigen Cillier das freilich anders: „Vor uns steht das Kleinod der Cillier, das mit einem stattlichen Turm geschmückte Deutsche Haus, ein bewundernswerter Prachtbau mit vornehm eingerichteten Gesellschafts- und Fremdenzimmern und einer guten Gastwirtschaft. Kein Deutscher, der nach Cilli kommt, darf es versäumen, das Deutsche Haus aufzusuchen." 

Heute darf man das getrost tun. Das Gegenstück zum Deutschen Haus, das ehemalige Slowenische Volkshaus und jetzige Rathaus, steht am Trg Celjskih knezov, also am Platz der Grafen von Cilli. Es macht in seinem Neorenaissance-Gepräge einen weit freundlicheren Eindruck und dort gibt es auch ein nettes stylisches Kaffeehaus. Serviert wird, wie wohl vor hundert Jahren auch, Meinl-Kaffee. Die netten Cafés sind in der letzten Zeit in Cilli nur so aus dem Boden geschossen. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Gassen und Plätze der Altstadt saniert wurden. Es ist chillig oder, konservativer ausgedrückt, gemütlich und anheimelnd, einen Kaffee (italienischer Güte) oder einen Špricar in der Herrengasse (Gosposka ulica) oder am Hauptplatz (Glavni trg) zu trinken.

Wunderschöne Landschaft (Foto © Norbert Eisner)

Anheimelnd ist auch die Umgebung der Stadt an Sann (Savinja), Wogleina (Voglajna) und Dornbach (Koprivnica). Die Burg Obercilli (Celjski grad), der Josefiberg mit seiner doppeltürmigen Kirche, die malerische Kapuzinerkirche und die Nikolaikirche am anderen Sannufer, der Stadtpark, dessen Wege sich bis auf den Steirerkogel ziehen – in der Stadt ließe es sich durchaus länger aushalten. Bis die „ask-enrico"-Geschichte über Cilli erscheint, sei Besuchern der Stadt das Buch „Reisen in der Untersteiermark. Geschichte. Routen. Gastlichkeit" empfohlen (zoppelberg Verlag 2011). 

Apropos Gastlichkeit: In Cilli isst man beim Francl. Das gutbürgerliche untersteirische Gasthaus befindet sich am linken Ufer der Sann im Ortsteil Schlossberg (Zagrad). Der Namensgeber war vor über hundert Jahren Kellner in einem der Cillier Cafés und wurde in guter altösterreichischer Tradition „Franzl" gerufen. Als er sich mit seinem Wirtshaus selbstständig machte, hat er seinen Rufnamen auf das neue Lokal übertragen. Sein Gasthaus wurde ein voller Erfolg. Man ging gerne zum „bekannten Gasthause Franzl in dessen schattigen Garten bei freundlicher, aufmerksamer Bedienung sichs wohl ruhen läßt." Manches ändert sich zum Glück nie. Nach dem Essen bietet sich ein kleiner Verdauungsspaziergang an, der nur wenige Hundert Meter hinter dem Gasthaus mit einem wunderbaren Blick auf die Burg der Cillier Grafen belohnt wird. Die Burg hat zwar bei Weitem nicht die Ausmaße der Zipser Burg in der Nordslowakei macht auf uns aber einen ähnlich mystischen Eindruck, so wie die Berge rund um die Stadt: „In Cilli hatten die Berge Gesichter gehabt; bei einem sah man ganz deutlich Stirn, Nase und Lippen und ein felsen­graues Auge…" Wir sind sicher, Sie entdecken diesen Berg. 

Im Sommer können Sie auch einen Sprung in die warme Sann wagen. Die schöne alte Badeanlage gibt es zwar nicht mehr, aber dafür herrscht im Kreis der Cillier Studenten am Ufer der Sann eine lockere Atmosphäre. Das Bad im Fluss war eine Empfehlung aus einem unserer alten Reiseführer. Flussbäder in der Sann wurden dort „wegen des starken Wellenschlags" empfohlen. Schließlich sei ihre „roborierende Wirkung" mit einem Bade im Meer vergleichbar. Wir verzichten darauf, google zu bemühen und nach der Bedeutung einer roborierenden Wirkung zu suchen. Stattdessen folgen wir weiter den Anweisungen unserer Reisebegleiter. Auf diese scheint, wie wir feststellen konnten, Verlass zu sein. Wir verlassen Cilli, wegen seiner Sannquellen das „fließende Gastein" genannt, und sind gespannt, was uns nun erwartet: „Kein Fremder, der nach Cilli kommt, sollte es versäumen, eine Fahrt nach dem Badeorte Tüffer zu unternehmen."

Tüffer (Laško): Das kaiserliche Bad

Auf geht's nach Tüffer! Wir fahren durch das untere Sanntal. Die Sann kennen in Österreich nur mehr Wenige, vielleicht mit Ausnahme der Grazer. Die allegorische Gestalt des Flusses ist eine der vier Bronzeflussfiguren des Erzherzog Johann-Brunnens am Grazer Hauptplatz. Der weibliche Reliefkopf zeigt das Attribut der Sann – das Heilbäderwesen. Das Sanntal möchten wir Reisenden wärmstens empfehlen oder mehr noch, dringend ans Herz legen. Vom hochalpinen Ursprung des Flusses in den an bizarren Formen so reichen Sanntaler Alpen über die mit Hopfen bepflanzte Ebene rund um Sachsenfeld (Žalec) bis zur Mündung in die Save bei Steinbrück (Zidani most) – das Sanntal ist eines der abwechslungsreichsten und schönsten Flusstäler der Alpen. Das gilt besonders für den unteren Teil des Tals, wie schon der aus München stammende Reiseschriftsteller Heinrich Noë wusste: „Von Cilli bis zur Save ist eine Fülle landschaftlicher Schönheit. Mit Recht preist der nüchterne Bädeker diese Strecke als den Glanzpunkt der ganzen Eisenbahnfahrt von Wien nach Triest – eine Fahrt, mit der sich doch so wenige Reisen auf anderen Schienenwegen vergleichen lassen."

Steinbrück bis Markt Tüffer und Umgebung aus der Vogelschau

Auch dem letzten Satz können wir nur voll und ganz zustimmen und möchten dem eine weitere Empfehlung anschließen: Fahren Sie mit der Südbahn! Auch wenn die direkte Verbindung Wien – Triest gekappt wurde, bis Laibach oder weiter hinauf in den Karst liegt eine wunderschöne Fahrt vor Ihnen – und Sie haben aufgrund der Reisedauer (sechs Stunden Wien – Laibach) genügend Muße, diese auch zu genießen. Die Therme in Tüffer (Laško) bietet übrigens Urlaubspakete inklusive der Bahnfahrt Wien – Tüffer an. 

Wir haben uns dieses Mal aber für das Cabrio entschieden. Die Straße führt parallel zur Südbahn durch das Tal der Sann. Streuobstwiesen, Heuharfen, Kirchen oder Kapellen auf den Hügeln, der grüne Fluss – man kann sich kaum idyllischer auf den nahen Süden einstimmen. Die Idylle wird getrübt, wenn man sich ein wenig in die Geschichte des Landstrichs vertieft. Die eine Geschichte ist mehr im Reich der Sagen angesiedelt. Sie handelt von einem Mädchen, das sich von einem markanten Felsen zwischen Cilli und Tremmersfeld (Tremerje) in den Tod gestürzt haben soll. Wenig überraschend wird der Berg als Jungfernsprung bezeichnet. Die Sage „erzählt eine ähnliche Begebenheit, wie wir sie von Gösting und Pettau in Steiermark und von Osterwitz in Kärnten kennen." Die Moral von der Geschicht ist überall die gleiche: Das Mädchen wählt den Freitod, um der Dummheit der Männer oder deren tugendlosen Absichten zu entkommen. 

Die andere Geschichte ist real und eine jener tragischen Begebenheiten, die am Ende der nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschsprachigen und Slawen in der Untersteiermark steht. In der idyllischen Hügellandschaft der Koschnitz (Košnica), rechts der Straße zwischen Laisberg (Lisce), Chumberg (Hom) und Slomnik gelegen, fanden 1945 viele deutsche Untersteierer ihr grausames Ende. Aber nicht nur Deutschsprachige wurden hier von den OZNA-Einheiten, dem jugoslawischen Geheimdienst, ermordet. Zu den Opfern des Nachkriegsterrors in Slowenien zählten auch viele dem neuen Regime kritisch gegenüber eingestellte Slowenen und solche, die als potenzielle Gegner der Kommunisten galten wie vermögende slowenische Untersteirer und Krainer.

Foto © Norbert Eisner

Dem Terror der Tito-Leute war jener des NS-Regimes vorausgegangen, das seit 1941 in der Untersteiermark herrschte. Es begann mit der Verhaftung und Deportation von slowenischen Unternehmern, Politikern, Angehörigen der Intelligenz und Priestern. Zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung zur Deut­schen Wehrmacht oder gar die Deportation in Konzentrationslager folgten, ebenso die Über­nahme slowenischer Unternehmen und die Vernichtung von Kulturgut. Beamten- und Lehrerposten wurden mit Österreichern und Deutschen besetzt. Die nächsten, die ihre Heimat verlassen mussten, wohnten vor allem zwischen Rann (Brežice), Gurkfeld (Krško) und Lichtenwald (Sevnica) im untersteirisch-unterkrainischen Grenzgebiet. Sie, 36000 an der Zahl, hatten ihre Höfe vor allem für die über elftausend deutschen Gottscheer aus der Krain zu verlassen, die wiederum auf Geheiß Hitlers und Mussolinis nach sechshundert Jahren ihre Heimat verlieren sollten. Die Slowenen aus Rann wurden hauptsächlich in Lager ins Deutsche Reich deportiert. Dieses Schicksal traf auch viele Slowenen aus dem österreichischen Kärnten. Auch sie wurden in Viehwaggons in Lager abtransportiert. Dort wurden sogar Kinder bei medizinischen Experimenten getötet. Von diesen Opfern der Nazis wird in Österreich bis heute kaum gesprochen. 

Die Mehrheit der untersteirischen und krainischen Slowenen durfte in ihrer Heimat bleiben und erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft auf Widerruf. Damit verbunden war die Mitgliedschaft in einer NS-Vorfeldorganisation (Steirischer Heimatbund bzw. Kärntner Volksbund). Diese Slowenen wurden ab 1942 auch zur Wehr­macht und zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Die noch Auszusiedelnden wiederum wurden zu einem Arbeitsjahr in untersteirischen Lagern verpflichtet. Diese Gruppe fiel außerdem unter die Bestimmungen der Nürnberger Rassegesetze, was ein Verbot der Verehelichung mit Deutschen, des außerehelichen Verkehrs mit diesen selbst das Kinderkriegen einschloss. Mit dem Erstarken des Partisanenkampfes setzte sich dann eine Spirale der Gewalt in Gang, deren Opfer viele slowenische Zivilisten wurden, die von den Deutschen als Geiseln erschossen wurden. 

Schluss mit den dunklen Geschichten. Wir lesen lieber nach, was unsere Reiseführer über das Sanntal und seine grünen Wälder noch zu berichten haben. (Der Ausdruck ist keinem Hochglanzprospekt entliehen. Kaum eine andere Landschaft kann mit so vielen Grüntönen aufwarten wie die Untersteiermark.) „Diese Wälder nun, die Bäche, die Berge, die schmalen Seitentäler, aus welchen je nach den Tageszeiten verschiedene Luftströmungen sich gegen das Haupttal senken, und die südliche Lage zu gleicher Zeit stellen eine Landschaft und ein Klima zusammen, welches man für die Sommerszeit als geradezu ideal wird bezeichnen müssen." Gut, dass unser Auto kein Verdeck hat, so dass wir diese verschiedenen Luftströmungen so richtig genießen können. Wir verspüren Lust, das Auto zu verlassen und über die Wiesen hinauf in die Berge des Sanntales zu wandern, zum Beispiel nach St. Hermagoras (Sv. Mohor, Ort Šmohor). Drei mächtige Linden, der Baum der Slawen, umstehen das Kirchlein – Untersteiermark pur.

Ohne diesen Abstecher ist Tüffer von Cilli aus in nicht viel mehr als zehn Minuten zu erreichen. Wir haben den Eindruck, der Ort am rechten Sannufer musste sich seinen Platz zwischen Fluss und Bergen fast erkämpfen. Der deutsche Namen des Marktes ist auch aus dem Slawischen abgeleitet und bedeutet enges Tal. Das slowenische Laško weist ihn als Lateinerort, also als von den Römern besiedelt, aus. „Tüffer, so reich an römischen Erinnerungen, ist nun durchaus slavische Ortschaft, natürlich mit der durchaus vorherrschenden deutschen Sprache und Sitte in den höheren Ständen. Nur die Festtage und das Volksleben zeigen, daß man sich im Herzen des steirischen Slovenen-Landes befindet." Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bekannte sich ein Teil der Einwohner Tüffers als deutschsprachig bzw. der deutschen Nationalität zugehörig. (Auf das weite definitorische Feld von Umgangssprache, Muttersprache Nationalität etc. kann an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.) Die Beherrschung der deutschen Sprache war in der Monarchie, vor allem in den gemischtsprachigen Erbländern, Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg. Über mehrere Generationen wurden so häufig aus slowenischsprachigen Landbewohnern deutschsprachige Städter, die sich meist nicht nur zur deutschen Umgangssprache, sondern auch zur deutschen Nationalität bekannten. 

Im Lauf des 19. Jahrhunderts kam dieser Prozess zwar nicht zum Erliegen, der Druck zur Assimilierung stieg sogar, vor allem auch in Kärnten, viele Slowenen schlugen aber einen anderen Weg ein. Das Selbstbild der kleinen Volksgruppe hatte sich mit dem europaweiten Wandel der ökonomischen und politischen Verhältnisse und der damit einhergehenden besseren Bildung und der fortschreitenden Entwicklung der slowenischen Sprache und Kultur stark verändert. Sie forderten berechtigterweise die Gleichberechtigung mit ihren deutschsprachigen Landsleuten. Vor dem Gesetz waren alle Bürger Österreichs gleichgestellt. Diskriminierung von Volksgruppen gab es aber trotzdem in vielen Bereichen. Es ging u.a. um die Frage, welche Sprache bei Gericht gesprochen oder in welcher Unterrichtssprache an (höheren) Schulen gelehrt wurde oder wie ein faires, die verschiedenen Volksgruppen eines Kronlandes gleich repräsentierendes Wahlrecht umgesetzt werden könne. (Durch die Einteilung der Wahlkreise oder ein die deutschsprachige Bevölkerung eines Kronlandes begünstigende Wahlordnung für Landtage konnten andere Volksgruppen relativ leicht benachteiligt werden.) 

Bei vielen Deutschsprachigen stießen die Wünsche der Slawen auf Unverständnis. Was jahrhundertelang Geltung hatte, sollte nun auf einmal anders sein? Den Slowenen, der Begriff begann sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts zu etablieren, sprach man eine hinreichende kulturelle Entwicklung ab. Wie könne zum Beispiel mehr in Slowenisch unterrichtet werden, wenn es nicht einmal Schulbücher in slowenischer Sprache gebe etc.? Bei vielen Deutschsprachigen spielten in der Ablehnung der slowenischen Forderungen sicher tief wurzelnde Ressentiments gegenüber den Slawen, den Wendischen, eine Rolle. (Vorurteile und Agitation gab es selbstverständlich auch auf der anderen Seite.) 

Zunehmend schwang aber auch Angst mit, durchaus nachvollziehbare Angst, die Heimat langfristig in einem neuen südslawischen Reich aufgehen zu sehen. Die deutschsprachigen Untersteirer, im Verständnis ihrer Zeit bezeichneten sie sich selbstverständlich als Deutsche, saßen in ihren kleinen Städten wie Marburg, Cilli und Pettau wie in Wagenburgen und achteten wie die Haftelmacher darauf, dass nur ja nicht ein Quäntchen deutschen Einflusses an die Slawen verloren ginge. (Wobei die slowenische Seite mit verschiedenen Aktionen dieser Angst durchaus immer wieder neue Nahrung gab oder es von den Deutschen zumindest so gesehen wurde.) 

Vor allem die sich so bedrängt fühlenden Deutschen schlugen sie wild um sich, damals wenigstens mehr nur mit Worten als den Fäusten. Noch heute wird einem übel beim Lesen von Artikeln der Marburger Zeitung. Welche Exit-Strategie hatten diese deutschen Untersteirer? Mit ihrem Verhalten erreichten sie in ein paar Jahrzehnten genau das, was sie verhindern wollten – die Eingliederung der Untersteiermark in einem südslawischen Staat. Dieser hatte aus den Fehlern der Deutschsprachigen allerdings überhaupt nichts gelernt und so schlug das Pendel in die andere Richtung aus. Eine von vielen vertanen Chancen in Mitteleuropa. 

Vernünftige Leute gab es auch im alten Österreich. Sie saßen immer weniger in den Parteien und den Verwaltungen der Kronländer als in der damals schon höchst kritisch gesehenen Hochbürokratie des Gesamtstaates. (Der josefinische Beamte gehörte damals schon der guten alten Zeit an.) Trotzdem: Das feine Austarieren der nationalen Ansprüche, hinter denen oft wirtschaftliche Interessen standen, perfektionierten einige Sektionschefs, Minister und Statthalter zu einer hohen Kunst, der vielleicht manch karikierendes Element anhaftete, die aber das Funktionieren des Gesamtstaates halbwegs sicherte. Ein wahrhaft plakatives Beispiel dafür ist die Nicht-Benennung des Götzer Staatsbahnhofs. 1906 wurde mit der Wocheinerbahn die neben der Südbahn zweite Verbindung zwischen dem österreichischen Zentralraum und dem Hafen von Triest geschaffen. Die Stadt Görz erhielt mit einem eleganten Jugendstilbau den vielleicht schönsten Bahnhof an der neuen Strecke. Nur konnten sich Italiener und Slowenen nicht auf die Benennung des Bahnhofes einigen. War es auf den Ansichtskarten durchaus üblich, die Stadt mit Görz – Gorizia – Gorica zu benennen, beim Bahnhof war das unmöglich. Und so blieb das Stationsgebäude namenlos – eine wahrhaft österreichische Lösung, oder?

Sonnenuntergang (Foto © Norbert Eisner)

Wir schmunzeln heute über Geschichten wie diese, die alle diesen zugrunde liegende Auseinandersetzung zwischen Zentralismus und Föderalismus ist uns nicht ganz unbekannt, oder? Damals trat das Moment hinzu, dass es mehr als zehn Nationen, auf durchaus verschiedener Entwicklungsstufe, waren, die um ihren Anteil am Staate rangen. Und oft sahen sie leider eben nur ihren Anteil und verloren das Ganze aus den Augen. Vieles, was damals von den Nationen als Fortschritt gefeiert wurde, mag heute anders beurteilt werden. Wir blicken nach Laibach, Hauptstadt von Krain. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war die Umgangssprache in der Stadt, insbesondere in den bürgerlichen Kreisen und im Adel, deutsch. (Das Gleiche galt auch für Budapest.) Mit der Entwicklung des slowenischen Nationalbewusstseins änderte sich das zugunsten von Slowenisch. Anastasius Grün, der dem Krainer Adelsgeschlecht der Auersperg entstammte, schrieb dazu: „Die deutsche Sprache wird hier noch eine gewisse vorübergehende Zeit Bedeutung haben. Dann wird sie diese Funktion verlieren. Und es wird nicht tragischer sein, als der Tod eines Greises." Der Wandel der lingua franca hatte sich selbstverständlich nicht nur in Politik, Verwaltung und Schule widerzuspiegeln, sondern auch in Dingen wie der zweifachen Benennung (deutsch und slowenisch) der Straßenschilder. Dass die Belange der Toponosmatik (Ortsnamenkunde) keine Nebensächlichkeit sind, wissen wir spätestens seit dem unsäglichen Kärntner Ortstafelkonflikt. Ein paar Jahrzehnte waren die Laibacher Straßenschilder zweisprachig. Die deutsche Bezeichnung wurde dabei immer kleiner, bis sie kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts ganz verschwand. Ein Zeichen für die nationale Emanzipation der Slowenen? Heute kann man es anders sehen. Zweisprachigkeit nimmt niemanden etwas weg, sondern gibt jedem etwas dazu. (Außerdem gab es in Laibach bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine deutschsprachige Minderheit.) In den offiziellen Ortsverzeichnissen der österreichischen Reichshälfte wie dem von der k.k. statischen Zentralkommission in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts herausgegebenen Gemeindelexikon wurde Laibach selbstverständlich auch mit seinem slowenischen Namen angeführt. Das galt auch für die kleinen Orte Krains und der Untersteiermark. Im Küstenland gab es nicht selten drei offizielle Namen. Und selbst das umkämpfte Marburg taucht im Gemeindelexikon schon zusätzlich mit Maribor auf. Daher ist es Unsinn, vom „früheren Laibach und heutigen Ljubljana" zu sprechen. Und es widerspricht daher auch nicht der Politika correctness für slowenische, tschechische, ungarische, slowakische etc. Orte die deutschen Namen zu verwenden. Den Tschechen, Slowaken, Ungarn und Slowenen würde es auch nicht einfallen, Wien statt Vídeň, Viedeň, Bécs und Dunaj zu sagen. 

Das Gefühl, zusammen zu gehören, Österreicher zu sein, war in breiten Bevölkerungskreisen Cisleithaniens nicht sehr ausgeprägt. Man war Steirer, Kärntner oder Mährer, später immer mehr Deutscher, Slowene oder Tscheche. Es war mehr ein Neben- als ein Miteinander, das aber gar nicht so schlecht funktionierte. Mochten sich die Hitzköpfe in Reichsrat, Landtagen und Gemeindestuben auch beflegeln, die Herren deutschen Lehrer und slowenischen Pfarrer sowie die Turner in ihren slawischen und deutschen Vereinen auch noch so echauffieren – die Geschäfte liefen gut und geheiratet wurde kreuz und quer. Zu welcher Nationalität sich dann die Kinder aus solchen Verbindungen bekannten, war wieder eine andere Geschichte und manchmal eine durchaus bunte. So konnte sich im Küstenland der eine Bruder als nationalbewusster Slowene und der andere als heißblütiger Italiener präsentieren. Und so sehr mancher Südslawe und viele Italiener sich nach der Zugehörigkeit zu Nationalstaaten sehnten, als die Erfüllung dieses Ziels verwirklicht war, bemerkten nicht Wenige, dass Nationalität nicht das Einzige ist, was Menschen verbindet. Der den Kakaniern anhaftende gemeinsame Stallgeruch, in Jahrhunderten durch gemeinsame Verwaltung, Rechtsprechung und Schulbildung unter dem Dach eines katholischen Reiches erworben, hielt lange und in so manchem, Gutem wie nicht wenig Ambivalentem, bis heute. 

Genug des ernsten historischen Exkurses. An so einem schönen Sommertag wenden wir uns lieber dem Kurleben von einst und jetzt in Laško zu. „Tüffer, welches genau auf der nämlichen Breite liegt, wie der obere Teil des Lago maggiore und des Comer-Sees, nimmt am Glanze des südlichen Sommerhimmels teil. Es mag uns jene Zeit vergegenwärtigen, in welcher Italien noch vom Schatten breitwipfeliger Wälder bedeckt und von Quellen durchrauscht war. So, wie sich die Ufer der Sann in diesen Waldbergen jetzt gestalten, so hat die klassische Erde ausgeschaut, als sie von den geschichtlichen Menschen noch nicht verwüstet war und als noch Halbgötter in ihren Wäldern und Najaden in ihren Wassern hausten. Dies ist ein Stück Erde, auf welchem sich ein Mann wie Grillparzer, dessen Sinnen in derartigen Umgebungen verweilte, heimisch fühlen mußte. Er besuchte das Tal in jedem Jahre."

Das Kaiser Franz Josef Bad auf einer alten Aufnahme

Wie es zu Zeiten dieses hohen Besuchs hier wirklich ausgesehen hat, wissen wir nicht, genauso wie die Landschaft Italiens in grauer Vorzeit auf uns gewirkt hätte. Wir begnügen uns mit dem reizenden Eindruck, den das Tal rund um Tüffer heute macht, auch wenn wir es nicht so blumig auszudrücken vermögen wie unser Reisebegleiter: „Es ist hier eine Vermengung von Sommerfrische und Heiterkeit des Südens, wie man sie vielleicht noch auf mancher der Hochflächen in Südtirol, nirgends aber mehr mit der herrlichen Mitgift einer der Erde heiß entspringenden Heilquelle finden kann." 

Bevor wir diese aufsuchen, blicken wir uns ein wenig im Ort um. Tüffer steht, höchst unüblich für die Untersteiermark, nicht für Wein, sondern Bier. Das Laško mit dem Zlatorog, dem sagenumwobenen Gamsbock mit goldenen Hörnern, als Markenzeichen ziert das Reklameschild fast jedes slowenischen Gasthauses. Die Geschichte von Tüffer und seinem Bier begann 1825, als Franz Geyer in einer kleinen Lebzelterei das erste Tüfferer Steinbier braute. An der Brauerei war später auch die Wiener Creditanstalt beteiligt. 1886 begann Simon Kukec, ein Thermalbier herzustellen, für das er nationale und internationale Preise errang. Wer das Etikett eines Laško unter die Lupe nimmt (wortwörtlich zu verstehen), kann noch die Prämierung auf einer untersteirischen Regionalausstellung entdecken. Das Bier aus Tüffer wurde über Triest bis nach Indien exportiert. Das Unternehmen durchlebte allerdings auch einige Krisen, die bis zu seiner zeitweiligen Stilllegung führten. Heute werden in der riesigen Brauerei in einer Sekunde zehn Flaschen oder Dosen Bier abgefüllt. Der örtliche Tourismusverband bietet Führungen durch die Brauerei an. An Technik und Gerstensaft weniger Interessierten sei ein Besuch des kleinen Ortsmuseums empfohlen. Ein prächtiger Leierkasten spielt Wiener Walzer und alte Fotografien und Ansichtskarten machen den Alltag in einem kakanischen Kurort lebendig. Die Ansichten reizen zu einem Vergleich zwischen dem Gestern und Heute. Beim Kurpark zieht das Heute den Kürzeren. Laut unserem Führer wurde er im Ersten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen, als verwundete österreichisch-ungarische Soldaten im Kurhaus untergebracht waren.

Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg waren eine gute Zeit für Tüffer. Grund dafür waren die Anbindung an die Südbahn und der damit lukrativ gewordene Bau einer Kuranstalt. „Schon Erzherzog Johann, dem nichts entging, was seinem lieben Steirerlande Nutzen bringen könnte, wurde auf sie aufmerksam und dachte an die Gründung eines Bades." Die Umsetzung ließ allerdings noch auf sich warten: „Da die Quellen jedoch knapp am Flußufer aus dem Schotter hervorsprudelten, solche auch im Flußbette und am linken Ufer der Sann sich überall zeigten, so fürchtete man, bei der Fassung der Quellen auf unübersteigbare Hindernisse zu stoßen und die Verwirklichung der Idee des Erzherzogs blieb ein der Zukunft vorbehaltener frommer Wunsch." Armer Johann. Wie oft wird er bei seinen vielen Reformvorhaben wohl auf Hindernisse gestoßen sein. Das geht doch nicht. Das können wir nicht. Ganz unmöglich, kaiserliche Hoheit. 

Aber mit dem Bau der Südbahn änderte sich viel im untersteirischen Land. Ohne Kalamitäten ging es auch dabei nicht ab. Schon kurz nachdem der erste Zug bis Laibach brauste, zerbröselten die Pfeiler einer der Brücken über die Sann. Man hatte, trotz vieler Warnungen, völlig ungeeignetes Material aus dem Steinbruch oberhalb des Bahnhofs von Tüffer verwendet. Der Neubau der Brücke wurde von Leopold Rödl, „eine genial angelegte Natur", geleitet. Nach dem Bau der Eisenbahnbrücke widmete der Ingenieur sich dem Bad. Man grub und bohrte und fand schließlich den Ursprung der Hauptquellen knapp am Flussufer, ungefähr fünf Meter unter dem Niveau der Sann im Kalkgestein. Am 1. Mai 1854 fand die viel besuchte Eröffnung des Bades statt, ein „glänzendes Volksfest" inklusive. Erzherzog Johann spielte insoweit eine Rolle, als das Bad nach seinem Großneffen, dem damals noch blutjungen Kaiser Franz Josef benannt wurde. 

Tüffer macht heute Werbung damit, dass der Kaiser hier einen mondänen Sommersitz gehabt hätte, was nicht stimmt. Er fehlte auch bei der Eröffnung des Bades. Franz, wie er von den wenigen genannt wurde, die ihn duzen durften, verbrachte Anfang Mai die nicht ganz gelungenen Flitterwochen mit seiner Sisi in Schloss Laxenburg. Vielleicht hätte er lieber nach Tüffer fahren sollen, der Anblick bei Ausstieg aus dem Zug hätte ihn wahrscheinlich sehr gefreut: „Schon vor der Einfahrt in die Station bemerken wir linkerseits ein hohes, aus Stein erbautes massives Eingangstor mit der Inschrift: Kaiser Franz Joseph-Bad." 

So richtig auskosten konnte Leopold Rödl seinen Erfolg nicht, denn für den notwendigen weiteren Ausbau des Bades fehlte ihm das Geld. Verschiedene Besitzer folgten dem wackeren Ingenieur. So richtig bergauf ging es mit Tüffer aber erst, als 1882 Theodor Gunkel das Bad erwarb. Dem erfahrenen Touristiker Gunkel gehörte unter anderem auch das Südbahnhotel in Görz. Tüffer wurde unter seiner Führung ein Badeort, der „mit Fug und Recht unter den ersten Bädern der österreichischen Monarchie erwähnt zu werden verdient."

Nun sind wir schon neugierig auf das Bad, das „mit seiner Akratotherme von 38,5 Grad gleiche Wirkungen auslöst wie Gastein, Pfäffers, Teplitz".Ob man da bei den Graden ein wenig geschummelt hat? Heute wird die Wassertemperatur mit 32 – 34 Grad Celsius angegeben. Uns ist das gleich, wir kommen gerne ins Zdravilišče Laško, wie das Franz-Josef-Bad Tüffer heute heißt. Das nette Außenbecken verleitet auf einer Reise durch die Untersteiermark zu einem kurzen Sprung ins Nass – und das Heraussteigen macht besonders Freude: „Eine wohlige Luft empfängt denjenigen, der aus einem heißen Bade herauskommt, angenehmer – ich möchte den Ausdruck gebrauchen, rücksichtsvoller – als der rauhe Hauch der Bergwinde oder der fröstelnde Regentag nordischer Gegenden." Wo kommen Sie sonst in den Genuss einer rücksichtsvollen Luft? Also, auf nach Tüffer! 

Wie der Name schon vermuten lässt, zdravljenje heißt auf Slowenisch Kur, liegt der Schwerpunkt im Zdravilišče Laško auf der Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit, besonders von Wirbelsäule und Gelenken. Familien und Wellnessfreunden sei daher eher das Laško Thermal Spa neben dem Franz-Josef-Bad empfohlen. Die große und gut besuchte Anlage mit ihrer markanten Glaskuppel wartet mit allem auf, was den Erwartungen von Thermenliebhabern entspricht, von einer Wasserfläche mit mehr 2.000 m2 über eine Erlebniswelt für Kinder, ein großes Saunacenter bis zu Ayurveda-Behandlungen und Thai-Massagen. Also nichts Neues, ist man versucht zu sagen. Der Unterschied zu österreichisch-steirischen Thermen ist die landschaftlich meist reizvollere Lage der untersteirischen. So liegt die Therme Tüffer ganz nah am Ufer der grünen Sann, wo bei der Mündung des Retschitzbachs (Potok Rečica) Kaiserquelle, Franzens- und Josefsquelle entspringen. Sie galten als wasser­reichsten des Herzogtums Steiermark.

Die grüne Untersteiermark (Foto © Norbert Eisner)

Radwege entlang des Flusses und viele erneuerte Wanderwege bieten Möglichkeiten zu einer gesunden Freizeitgestaltung abseits von Baden und Saunieren. Besonders reizvoll ist ein Aufstieg auf den spitzen Humberg, dem Wahrzeichen von Tüffer. Vom Gipfel genießt man eine wunderbare Aussicht über die Untersteiermark mit dem Bachern (Pohorje) bis hinüber nach Kärnten zur Koralpe. Der Hum zeichnet sich auch durch eine außerordentlich reiche Flora aus. Hier wachsen Wein, Edelkastanien und Alpenrosen und der seltene Seidelbast. Laut unseren alten Reiseführern gibt es auch ein „Heiliges Brünnlein" am Fuße des Berges. Vielleicht entdecken Sie es noch. 

Wer es lieber gemütlich hat, findet im alten Markt Tüffer ein hinreichendes gastronomisches Angebot. Das Leben spielt sich am halbkreisförmigen Aškerc-Platz ab. Anton Aškerc war ein katholischer Priester und slowenischer Dichter aus dem benachbarten Römer­bad (Rimske Toplice). Die Sehenswürdigkeiten Tüffers liegen diesem Platz sehr nahe, wie das Stadtschloss der Grafen Vetter von der Lilien mit seinem prächtigen Arkadenhof. Heute ist es das Rathaus von Tüffer. Einen Blick lohnt auch das Schloss der Weichselberger, in dem derzeit die städtische Bibliothek untergebracht ist. Im Kislingerhaus befand sich einst der Weinkeller des Marktes, jetzt wird hier im Museum die bereits erwähnte Ausstellung zur Geschichte von Tüffer gezeigt. Türkeneinfälle, die unvermeidbaren Brand­katastrophen und das goldene Zeitalter des Ortes nach dem Bau der Südbahn und der Gründung der Brauerei werden ebenso dokumentiert wie Fossilienfunde aus den nahen Kohlebergwerken. Diese rückten 2009 wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit als nahe Tüffer ein Massengrab mit hunderten oder gar tausenden Leichen gefunden wurde – Opfer verschiedener Nationalität jenes Terrors, der in den Monaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Untersteiermark wütete und den Nazi-Terror nahtlos abgelöst hatte. 

Die romanische Martinskirche ist die Stadtpfarrkirche von Tüffer. Sie weist stolze neun Barockaltäre und vierzig Heiligenbilder auf. Mehrere Legenden ranken sich um den Bau, in deren Mittelpunkt stehen wieder einmal die Templer. „Auch an der Kirche zum heil. Martin nennt die Sage den Kopf mit der herabhängenden Zunge und dem Einschnitte über die Stirne mit dem Sterne im Wappen ober dem Weihbrunnenkessel ein Denkmal der Templer." 

Sehr alt ist der Pfarrhof. Seine ältesten Bauteile stammen aus dem zwölften Jahrhundert. Als Besonderheit sind zwei nebeneinander liegende Tore, von denen eines romanisch und das andere gotisch ist, zu verzeichnen. Hinter den vermauerten Türen soll der Legende nach der Kapitelsaal der Templer gewesen sein. Sicher ist hingegen, dass in den Dreißigerjahren des siebzehnten Jahrhunderts der Priester und Autor des ersten in slowenischer Sprache gedruckten Buches, Primož Trubar, in diesem Pfarrhaus wohnte. 

Von Schloss Tabor oberhalb von Tüffer, lange im Besitz der Grafen von Cilli, genießen wir einen wunderschönen Blick auf das Sanntal. Das Schloss war jahrhundertelang Ruine und wurde von der Brauerei wieder instand gesetzt. Jetzt beherbergt es das sehr gelobte Restaurant Pavus Grad Tabor Laško

Viele Untersteirer und Gäste aus anderen slowenischen Regionen besuchen Tüffer gerne im Juli zum Bier- und Blumenfest. Freunde alten Brauchtums sei eher der Georgitag empfohlen. Am 23. April vertreibt die Tüfferer Jugend den Winter mit dem Grünen Georg. Der Brauch wurde bereits im Band Steiermark des Kronprinzen­werks beschrieben: (Die von Kronprinz Rudolf initiierte und bis zu seinem Freitod maßgeblich mitgestaltete 24-bändige landeskundliche Enzyklopädie Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild ist noch heute eine wahre Fundgrube für alle an altösterreichischen Regionen Interessierten.) „Der eigentliche Frühlingspatron ist der heilige Georg. An seinem Feste wird das Weidevieh mit frischen Kränzen geschmückt und zieht der ‚grüne Georg' (zeleni Juri) herum. Ein Bursche wird nämlich mit grünen Buchenzweigen oder Blumen umwunden und zieht in Begleitung von einigen Musikanten im Dorfe herum; vor jedem Hause tanzt er und schwingt seinen blumen und bänder­geschmückten Stock, während die Begleiter singen und um Eier und Schmalz bitten. Vor diesem Tage haben die Schlangen kein Gift". Das mit den Schlangen konnten wir bislang nicht verifizieren; auf unseren Wanderungen rund um Tüffer haben wir erfreulicherweise bislang keine Bekanntschaft mit diesem Reptil gemacht. 

Von einem anderen Brauch wissen unsere alten Reiseführer zu berichten: „Nichts herrlicher als eine Pfingstnacht in Tüffer, wenn Schuß an Schuß von allen Bergen donnert, alle Glocken der nachbarlichen Kirchen zur seltsamen Harmonie triancen (Zusammenklang von drei Glocken, mit dem Hammer angeschlagen, eine echt notionelle Production)." Da in Slowenien auf fast jedem Hügel oder Berg eine Kirche oder zumindest eine Kapelle steht – die Behauptung, dass jeder Slowene seine eigene Kirche habe, ist unserer Einschätzung nach nur leicht übertrieben – muss das tatsächlich ein notioneller, sprich nenneswerter, Lärm gewesen sein. 

Aufgrund der bemerkenswerten Zahl an Kirchen auf den slowenischen Bergen, ist auch das Ziel unserer Wanderungen meist eine solche. Selbst bei der Auswahl dieser Wanderungen ist auf unsere alten Reiseführer Verlass: Wir finden die „köstliche Über­schau des Thales" bei St. Christoph, wo die älteste Orgel Sloweniens gespielt wird und bewundern die pittoreske Lage von Maria Graz, slowenisch Marija Gradec. Graz oder Gradec bedeutet im Slawischen kleine Burg, womit wir nun auch die Herkunft des Namens der steirischen Landeshauptstadt geklärt hätten. Hinter der spätgotischen Kirche steht der Grazhof, ein Schlössl, das jetzt als Wirtshaus und Pension in Verwendung steht.

Die St. Antonskirche in Ober-Retschitz (Foto © Norbert Eisner)

Eine Kirche geht noch? Dann empfehlen wir den Besuch der St. Antonskirche in Ober-Retschitz (Zgornja Rečica). Der im Stile Jože Plečniks errichtete Bau ist Anton Martin Slomšek geweiht. Der Bischof von Lavant ist der einzige slowenische Selige. Während seines Episkopats wurde der Bischofssitz vom kärntnerischen Lavant in das untersteirische Marburg verlegt. Das geschah in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein paar Jahrzehnte später, 1939, errichtete Janez Valentinčič die Kirche in Ober-Retschitz. Dass der Architekt eng mit Jože Plečnik zusammengearbeitet hat, ist bei der Antoniuskirche schon an Plečniks bevorzugtem Baustoff Beton erkennbar. In Erinnerung bleiben uns besonders die mit Betonkuppeln gedeckten Balkone des Kirchturms. Dem aus Laibach stammenden Otto Wagner-Schüler Plečnik begegnen wir auf unseren slowenischen Reisen sehr oft, nicht nur in der Hauptstadt, der er unter anderem mit den Marktkolonaden, der Drei-Wege-Brücke oder dem Bügeleisenhaus ihr heutiges Gesicht gegeben hat. Wiener Architekturfreunde brauchen allerdings nicht nach Laibach reisen, um eines von Plečniks Werken zu bewundern. Ihnen sei vor allem ein Besuch der Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring ans Herz gelegt. 

Kirchen und mitteleuropäische Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts haben jetzt einmal Pause, denn unsere Route folgt der Südbahn in den nächsten Kurort mit großer Tradition, Römerbad (Rimske Toplice): „In einem reizenden Thale der südlichen Steiermark, an der Eisenbahnlinie Wien-Triest, zwischen Tüffer und Steinbrück, liegt am rechten Ufer der Sann das von der Natur so begünstigte Römerbad, dessen Termen unter allen steirischen Warmbädern unstreitig den ersten Rang einnehmen." 

Adressen

Gasthaus Francl
3000 Celje, Zagrad 77
Tel: +386 3 492 64 60
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Therme Markt Tüffer:
Hotel Thermana Park Laško
3270 Laško, Zdraviliška cesta 6
Tel: +386 3 734 51 00
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.thermana.si

Hotel Zdravilišče Laško
3270 Laško, Zdraviliška cesta 4
Tel: +386 3 734 51 00
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.thermana.si 

Pavus Grad Tabor Laško 
3270 Laško, Burg Tabor
Tel: +386 3 620 07 23
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.pavus.si

Literatur

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Römerbad (Rimske Toplice): Neuer Glanz im alten Promibad

Der Name Römerbad ist keine Erfindung cleverer Touristiker der Belle Époque. Denn dass die Römer hier schon badeten, belegen Votivsteine für heilbringende Nymphen, Münzen und muldenförmige Wasserbehälter. Im dreizehnten Jahrhundert taucht das Bad in einer Urkunde erstmals auf. 1497 ließ Kaiser Maximilian I. Neubauten errichten, im Jahr der ersten Wiener Türkenbelagerung (1529) zerstörten die Osmanen auch das bescheidene Römerbad und zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts wurde die Töplitz, wie das Bad damals genannt wurde, durch einen Grafen Wildenstein weiter aus­gebaut. So richtig bergauf ging es mit Römerbad, nach vielen Besitzerwechseln, aber erst ab 1840. Das hatte das Bad dem Triestiner Großhändler Gustav Adolf Uhlich zu verdanken. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Therme von den Uhlichs zu einem allseits bekannten Kurort ausgebaut, auch dank einer guten Marketingstrategie. Aus dem alten Römerbad Töplitz beim kleinen Ort St. Margarethen (Šmarjeta) wurde der Curort Römerbad, das steirische Gastein. Hört sich doch gleich besser an

Rimske Terme (Foto © Norbert Eisner)

Die Promidichte in Römerbad war beachtlich. Die deutsche Kaiserin Augusta, Karoline Murat, eine Schwester Napoleons, und Franz Grillparzer gebrauchten hier die Kur. Den hohen Gästen kann zur ihrer Wahl nur gratuliert werden. Unsere Reisebegleiter, ob in rotem, gelbem oder grünem Leinen gebunden, geizen bei der Beschreibung von Römerbad nicht mit Komplimenten. Beginnen wir mit dem Klima: „Das Klima ist mild und stärkend, die Luft rein, der Himmel heiter, anhaltender Regen selten, und Nachtfröste treten nur in der sehr vorgerückten Herbstzeit ein." Fahren wir mit den Quellen fort: Die von den Römern gebrauchten Quellen entspringen aus dem Dolomit am Fuß des Senoschegg (Senožete). Für die Kurgäste wurden später nur zwei Quellen gefasst, die alte Römerquelle und die Amalienquelle, benannt nach der Frau von Gustav Uhlich. Die eine ist 36 Grad, die andere 38 Grad warm. Und was sprudelt(e) aus der Erde? „Der Geschmack des Thermalwassers hat etwas Pikantes, Bitterliches und durchaus nicht das Ekelhafte und Widerliche erwärmten Wassers. Dem Gefühl nach ist es ungemein weich, seifenartig; echte Perlen laufen in demselben etwas gelblich an." Also Damen – aufgepasst!

Schon lange geschlossen – der Gasthof zur Post in Römerbad

Aber wir möchten ja nicht unsere Perlen baden, sondern etwas für die Gesundheit in Römerbad tun: „Sehr viel Analogie durch Temperatur und Kohlensäure-Gehalt hat dieses Wasser mit den Thermen von Gastein, da es auflösend, besänftigend und gelind-stärkend wirkt. Special wirkt es günstig bei Gicht, Lungenknoten, Stockungen im Lymph- und Drüsensystem, fehlerhafter Bildung des Blutes, chronischen Uebeln der Verdauungsorgane, Haut- und Scrophelkrankheiten, allgemeiner und örtlicher Schwäche, langsamer Reconvalescenz, Nervenleiden, Hysterie, Hypochondrie, Flechten, Rheumatismen, Rhachitis und Hämorrhoidalbeschwerden."  

Wir wagen nun gar nicht zu fragen, gegen welche Krankheit der Gebrauch einer Römerbader Kur nicht hilft und hoffen nur, dass das Wasser nicht zu auflösend wirkt, wir wollen schließlich noch weiter durch die Untersteiermark reisen.

Das Sophienschloss und die neue Therme (Foto © Norbert Eisner)

Wir nähern uns endlich der Therme (diese bitte nicht mit dem auf der linken Straßenseite gelegenen Aquapark verwechseln). „Der Reisende kommt zwischen dem Säuseln schlanker Pappeln, dem Murmeln der Springbrunnen, im labenden Dufte üppiger Blumenbeete zu den stattlichen Wohn- und Badegebäude empor." Wenn Sie die richtige Auffahrt (die zweite, Richtung Sofijn Dvor) nehmen, werden Sie dieser Beschreibung durchaus zustimmen können.(Nur mit den üppigen Blumenbeeten haperts ein wenig.) Die USP von Römerbad ist nicht das Wasser, sondern sein fantastischer Park. Viele der prominenten Gäste hinterließen hier ihre Spuren. Sie pflanzten über vierzig exotische Bäume als Dank für die erfolgreiche medizinische Behandlung. Es gab einen Amalien­hügel, die Gustavhöhe mit dem Parapluie, die Grillparzer Ruhe, den Babettensitz, das Graf Gleispach-Belvedere, später nach Kaiserin Charlotte von Mexiko benannt. Gegen den Wahnsinn, dem die angeheiratete Habsburgerin aus Belgien gegen Ende ihres mexikanischen Abenteuers verfiel, hätte auch das Römerbader Wasser nichts ausrichten können. Ein Blumen- und Wasserparterregarten, ein Terrassenhügel und das Pro­menadenplateau mit einem Pavillon für die Kur-Musik rundeten die Anlage ab. Die Sehenswürdigkeit des Parks war und ist (sonst ist viel verschwunden) die 30 Hektar große Waldwiese mit den drei Mammutbäumen. Rund um diese führte die Viktoria-Promenade, benannt nach der damaligen deutschen Kron­prinzessin Viktoria, Tochter der gleichnamigen englischen Königin und ungeliebte Mutter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Die Promenade ist heute Teil des russischen Weges (Ruska steza), der im Ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen angelegt werden musste. Heute erinnert an Römerbad ein Gedenkstein daran.

Gelungenes Design… (Foto © Norbert Eisner)

Die Uhlichs investierten auch viel in den Umbau der Therme. Der elegante Bau des Sophienschlosses (Sofijn dvor) begeisterte die Gäste: „Es übertrifft durch seine herrliche, freie Lage, sowie die reizende Aussicht nach allen Seiten hin, alle anderen Gebäude des Curortes." Sie können das heute noch nachprüfen (am besten vom Aussichtsturm des Sophienschlosses). Das restaurierte Sophienschloss ist Teil der Rimske Terme. Es wurde durch einen sehr gelungenen Neubau mit dem alten Badehaus verbunden. Man findet selten eine Hotelanlage, wo die bestehende Substanz mit zeitgemäßer Architektur so glücklich verbunden wurde. Und auch das Branding im römischen Stil ist nicht kitschig, sondern stimmig. Das Thermalbad im Innenbereich begeistert uns durch die Eleganz des grauen Steins und den Liegemöglichkeiten in Nischen. Hier gibt es keine grässlichen Plastikliegen. Das Außenbecken besticht durch seine gelungene Integration in die an Grünschattierungen so reiche Landschaft. Diese Therme hat Stil.

Das alte Badehaus wurde in die neue Anlage integriert (Foto © Norbert Eisner)

Rund um das Bad verlockt der alte Park mit seinen kanadischen Hemlocktannen, japanischen Hibalebensbäumen, Zypressen oder kalifornischen Zedern zur Spurensuche nach kakanischen Relikten. Gibt es das Belvedere noch? Wo ruhte sich Grillparzer aus? Leichter zu finden ist der russische Weg. Er wurde instandgesetzt und ist ein beliebter Spazierweg. In den Wald hinter der Therme führt eine mit Löwen geschmückte Brücke in den Mayerhofer-Park (heute Vladimirjev park) zur gleichnamigen Villa. Hermann Mayerhofer war viele Jahre der Badearzt von Römerbad. Das alte, quietschende Tor zum Park, der seine gewesene Pracht noch erahnen lässt, die Reste der Balustrade, die Baumriesen und der weiche Waldboden – ein bisschen fühlen wir uns wie in Rebecca, wenn die Protagonistin im Traum nach Manderley zurückkehrt.

Die berühmten Mammutbäume (Foto © Norbert Eisner)

Den Uhlichs war es nicht vergönnt, das Römerbad zu halten. Im Zweiten Weltkrieg richtete sich die deutsche Wehrmacht in der Therme ein und nach dem Krieg übernahm schon recht bald die jugoslawische Armee Römerbad – und blieb ein paar Jahrzehnte. Die Uhlichs mussten gehen. Die Berge rund um die Therme eignen sich bestens für nicht übermäßig herausfordernde Wanderungen. Beliebt ist der Aškerc-Weg, der ungefähr entlang des ehemaligen Römerwegs verläuft. Er ist nach dem untersteirischen Balladen- und Romanzendichter Anton Aškerc benannt und führt auch zu seinem Geburtshaus. Der Hof mit Wirtschaftsgebäude, Dörrkammer und kleinem Museum ist nett, die Lage herrlich – und sehr guten Käse gibt es auch zu verkosten, bei den Nachfahren des Dichters. Pflanzenfreunden sei eine Wanderung auf den Kopitnik empfohlen, wo sich die alpine und die mediterrane Pflanzenwelt begegnet. Am Weg von St. Margarethen auf den Berg liegt die Lourdes-Kirche. In ihren Altar wurden Steine aus der Höhle von Lourdes eingebaut. Das Wasser der Quelle neben der Kirche vollbringt wahrscheinlich keine Wunder, wie die Pilger einst glaubten. Zu verschmähen ist es aber dennoch nicht, immerhin füllt es die Brauerei von Tüffer als Tafelwasser Oda ab.

Das Sanntal rund um das Römerbad (Foto © Norbert Eisner)

Ein längerer Ausflug führt ins hochromantische Graschnitztal, vom namensgebenden Graschnitzbach (Gračnica) durchflossen. Die Kraft des Wassers wurde von vielen Mühlen genutzt, ein paar Mühlräder zeugen noch davon. Wir können uns kaum vorstellen, dass im engen Tal einst eine Glasfabrik ansässig war. Das Glas auch dem Graschnitztal war hoch begehrt. Bis Padua wurden die geschliffenen und geschnittenen mit Figuren und Landschaften illustrierten Gläser verkauft. Sehr mühsam war der Transport der Fenstertafeln. „Die Ausfuhr ist nach allen Seiten sehr beschwerlich und mit großen Unkosten verbunden, die Fabrikstransporte erfordern immer 12 bis 14 Pferde." Lang ist´s her. Noch weiter zurück liegen Aufstieg und Niedergang der Kartause Gairach (Jurklošter), die die meisten Besucher in das pittoreske Tal lockt. Wir blättern wir in einem der alten Bücher: „Gairach soll seinen Namen von den vielen Geiern haben." Na, da sind wir gespannt, erst recht, wenn wir weiter lesen: „Die gleißenden Kalkfelsen, die üppigen Laubwälder ringsum, alles erinnert an die Schluchten der Apenninen, und damit die Täuschung vollkommen werde, fehlt es dem stillen Thalgraben weder an großen Vipern, noch an zahlreichen Scorpionen. Der Bach rauscht trüb und mürrisch neben der engen aber trefflichen Straße fort. Herrische Felsen bestimmen seine Richtung, kleine Brücken springen als beherrschende Jochbogen über ihn. Endlich hinter der letzten Felsenenge erweitert sich der Ausblick, und man hat, quer das Thale durschneidend, Gairach vor sich. Das Herrschaftsgebäude, die Kirche daran, mit dem alten achteckigen Schiferthürmchen von rein gothischer Bauart, die tiefe Stille, das einsame Thal, Alles stimmt feierlich-melancholisch ernst."

Die Autoren bei der Arbeit in Römerbad (Foto © Norbert Eisner)

Letzteres stimmt. Das mit den Geiern, Schlangen und Skorpionen können wir nicht bestätigen. Die Ursprünge der Kartause gehen in das zwölfte Jahrhundert zurück. Sie durchlebte ein paar Höhen und viele Tiefen, zu letzteren zählte sicher die Plünderung durch die Türken. Andere Schwierigkeiten dürften von den Klosterbrüdern selbst verschuldet gewesen sein. Wegen „Verschwendung und Unordnung" ließen die Habsburger strenge Untersuchungen durchführen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts übernahmen die Jesuiten die Kartause. Bekannterweise war es rund zwei Jahrhunderte später mit der Orden vorerst vorbei und die Kartause wurde geschlossen, was einen unserer Reisechronisten zur lapidaren Feststellung veranlasste: „Die Kartause scheint schon von allem Anfange den Keim der Auflösung in sich getragen zu haben.

Der Bau eines Schlosses schien mehr dem Zeitgeist zu entsprechen. Rund 140 Jahre später war es auch mit dem Schloss wieder vorbei. Partisanen steckten es im Zweiten Weltkrieg in Brand. Was erhalten blieb, Kirche und Wehrturm, lohnt aber den Besuch von Gairach. Die Kirche hat ein auffallend schönes Portal. Freunden tragischer Liebesgeschichten sei noch folgende Begebenheit erzählt. In der Kirche von Gairach könnte Veronika von Dessenitz, die steirische Agnes Bernauer, begraben sein. Ihre Geschichte beginnt auf der Burg Friedrichstein in der Krainer Gottschee. Diese wurde von Friedrich von Cilli rund um das Jahr 1420 erbaut. Dem gar nicht mehr so jungen Cillier diente Friedrichstein als Liebesnest. Seine Zuneigung gehörte Veronika von Desenic oder Dessenitz (Deseniška in Slowenisch), für deren Herkunft es verschiedene Vermutungen gibt. Friedrichs erste Frau Elisabeth aus dem kroatischen Geschlecht der Frangopanen war wenige Jahre zuvor gestorben. Mancher Zeitgenosse vermutete, dass sie durch die Hand Friedrichs den Tod fand. Der wollte seine neue Liebe Veronika heiraten und tat dies später auch. Das wiederum passte seinem Vater Herrmann nicht. Der Stand der Braut war ihm angeblich zu minder und um Heiratserlaubnis wurde er vom Sohn auch nicht gebeten. 

Der junge Friedrich wurde von seinem Verwandten, dem ungarischen König Sigismund, der ganz auf der Linie des Vaters lag, vorgeladen. Der König lieferte den Cillier dessen Vater aus, der ihn auf der Burg von Cilli festsetzte. Das Liebesnest Friedrichstein ließ Hermann von Cilli zerstören. (Friedrich ließ es später wieder aufbauen.)

Veronika floh und gelangte bis ins Pettauer Feld in der Untersteiermark. Dort wurde sie von Hermann erwischt. Er ließ die hübsche Frau nicht gleich umbringen. Der Rechtsweg sollte beschritten werden. Veronika wurde als Zauberin angeklagt. Sie hätte nicht nur Friedrich mit ihren Zauberkünsten dazu gebracht, ihn zu heiraten, sondern auch Schwiegervater Hermann mit Gift umbringen wollen. Allein das Gericht machte Graf Herrmann einen Strich durch die Rechnung: Veronika wurde mangels Beweisen frei gesprochen. Frei ging sie aber nicht. Der Altgraf ließ sie in die Burg Osterwitz (Ojstrica) im Sanntal bringen. Dort wollte man sie verhungern lassen. Schlussendlich entschied man sich für ein rasches Ende und ertränkte sie. 

Die tragische Geschichte, in der es mehr um Ungehorsam als um Liebe geht, inspirierte viele Schriftsteller. Sogar eine slowenische Oper gibt es zu dem Geschehen. Der Krainer Friedrich von Gagern und die Untersteirerin Anna Wambrechtsamer verarbeiteten die Geschichte in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts in ihren Büchern. Wambrechtsamer setzte sich für eine Verständigung zwischen den beiden Volksgruppen ihrer Heimat ein. Ihr Buch Heut Grafen von Cilli und nimmermehr erlebte in seiner slowenischen Übersetzung Danes grofje celjski in nikdar več viele Neuauflagen. Die Schriftstellerin hat zur Veronika-Geschichte auch die Werke zweier slowenischer Dramatiker ins Deutsche übersetzt.

Das ehemalige Schlösschen Weixelstein (Foto © Norbert Eisner)

Einen letzten Ausflug wollen wir von Römerbad aus noch unternehmen. Was schlägt uns der Reiseführer vor? „Beliebter Ausflug nach dem durch seltene Koniferen aus­gezeichneten Park des über der Save gelegenen Schlösschens Weixelstein [Novi Dvor]". Dieses Mal werden wir enttäuscht. Denn den Weg nach Weixelstein werden heute die Wenigsten freiwillig gehen. Es ist eine Jugenderziehungsanstalt. (Die Koniferen sind aber wirklich prächtig.

Adressen

Therme Römerbad: Rimske terme
3272 Rimske Toplice, Toplice 10
Tel: +386 3 574 20 00
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.rimske-terme.si 

Literatur

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