Oper - Enricos Reisenotizen

Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken

Echnaton von Philip Glass an der Oper Dortmund

Das Opernhaus Dortmund überrascht und fasziniert mich immer wieder – diesmal mit einer Oper von Philip Glass und einer wunderschönen Inszenierung.

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Die Hochzeit des Figaro im Konzerthaus

Die Einladung zu einer semiszenischen Aufführung der Oper ins Konzerthaus überraschte, war aber für einen wirklich gelungenen Abend verantwortlich.
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So feiert man in Dortmund die Saison-Eröffnung der Oper

Ein neuer Intendant, ein neuer Stil: Vergangenes Wochenende wurde mit 2 Premieren und einem Fest (nach dem MusiCircus von John Cage) die neue Spielsaison eingeleitet.

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Nach Dortmund der Oper wegen?

Jaaa, und warum denn nicht? Schließlich sind ja Musical-Reisen zu Starlight-Express nach Bochum oder zum König der Löwen auch angesagt …

Ich muss gestehen, ich mag die Oper in Dortmund, wobei in ihren Hallen ja nicht „nur" Oper aufgeführt wird, auch Ballett, Musical und Operette sind hier zu Hause.

Faust (Margarethe) von Charles Gounod (Foto: Theater Dortmund)

Aber nachdem ich hier einmal eine hervorragende Carmen genossen habe, liebe ich dieses Haus. Allein die Architektur des Hauses macht Spaß immer wieder einen Abstecher nach Dortmund zu machen.

Das Theater Dortmund bei Nacht

Es ist ein modernes Haus, von weiten sieht es ein bisschen wie eine Schildkröte aus und von manchen Blickwinkeln erinnert es mich an Fotos von Sidney. Im Inneren dominieren die Farben Orange und Schwarz, manche Gänge sind mit Spiegelwänden ausgestattet und ein Blick in den „Innenhof" zeigt Grün.

Theater Dortmund - die Bar

Der Zuschauerraum wirkt mit den vorgebauten Logen ein bisschen wie der Regierungssaal des Senats in Star Wars, nur dass hier die Logen nicht zu fliegen beginnen.

Im Zuschauerraum im Theater Dortmund

Die neue Opernsaison startete diesmal mit Charles Gounod's Faust (Margarethe). Ein nicht zu oft gespieltes Werk, und zugegebener Maße auch für mich eine Premiere.

Faust (Margarethe) von Charles Gounod (Foto: Theater Dortmund)

Doch schon beim ersten Blick auf das Bühnenbild (Bühne: Magdalena Gut) bin ich von der Aufführung fasziniert und es bleibt so bis zum Schluss. Obwohl sich die Bühne recht einfach gestaltet zeigt, ist es – vor allem durch eine hervorragende Lichtregie – grandios, welche Stimmungen nur durch den Einsatz der Beleuchtung (und teilweise auch durch die Nebelmaschine) erzeugt werden können und wie sich die Bühne vor den Augen der Zuschauer verwandelt. Einfach toll.

Blick in den Orchestergraben

Hervorragend klingen auch die Dortmunder Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Motonori Kabayashi an diesen Abend, die die Gefühlsmelange der Musik von kraft- über gefühlvoll bis zur Verzweiflung richtig in Szene setzen.

Blick in den Orchestergraben

Überragend auch Karl-Heinz Lehner als Méphistophélès. Er kann einfach alles, was der Teufel können muss, um seine Opfer zu umgarnen – selbst wenn er dazu eine Krankenschwester spielen muss, um den alten Faust zu betreuen und ihn auf die „schiefe Bahn" zu ziehen.

Faust (Margarethe) von Charles Gounod (Foto: Theater Dortmund)

Ausgezeichnet auch Eleonore Marguerre als Marguerite – sehr berührend, fast schon schockierend in ihrer Verzweiflung im letzten Akt, großartig in der „Schmuckszene".

Faust (Margarethe) von Charles Gounod (Foto: Theater Dortmund)

Hervorzuheben ist aber auch – neben der gesanglichen Leistung – das schauspielerische Können von David N. Koch als alten Faust: fast möchte man als Zuschauer auf die Bühne laufen, um den alten Mann vor dem Sturz zu bewahren. Ist er doch – in der Regie von John Fulljames immer auf der Bühne präsent, quasi um seinem verjüngtem Ich bei den Taten zuzusehen.

Lucian Krasznec (Doktor Faust), Ileana Mateescu (Siébel), Almerija Delic (Marthe) und Ian Sideden (Wagner) stehen ihren Kollegen in nichts nach.

Eine gelungene Aufführung – die Reise nach Dortmund lohnt sich!

Theater Dortmund
441 37 Dortmund, Theaterkarree 1-3
Tel: +43 231 50 25 547, Ticket-Hotline: +43 231 50 27222
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.theaterdo.de

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Der Freischütz in Gars

Wohl besser kann die Burgruine Gars kaum zu einer Oper passen als zum Freischütz von Carl Maria von Weber. So verzichtete man diesmal komplett auf einen zusätzlichen Bühnenaufbau – die Burgruine war Bühne genug…

Bühne, Orchester und Zuschauerraum

Oper auf der Burgruine Gars ist für mich immer wieder ein Erlebnis. Bereits in der Vergangenheit überraschte die Intendanz mit gelungenen Aufführungen, interessanten Inszenierungen und hoher Qualität. Nun, im 25. Jahr gab es so etwas wie einen Neuanfang. In den 1980ern wurde die Burgruine Gars von Porf. Karel Drgac entdeckt und mit den Open Air Festspielen wach geküsst. Er und die Oper-n-Air GmbH waren für den erfolgreichen Auf- und Ausbau der Opernaufführungen unter freiem Himmel verantwortlich. Schon im letzten Jahr konnte man erleben, dass sich Änderungen breit machten: Das „Burgrestaurant" wurde – zu unserem Bedauern – geschlossen, eine Catering-Firma übernahm die Bewirtung der Festspielgäste – zugleich wurden sogenannte VIP-Pakete angeboten. Wobei man dieser großes Lob aussprechen muss: Sowohl das Wildschweinragout als auch die Grammeltascherln waren hervorragend. Auch die Mohnzutzler bleiben uns in guter Erinnerung. Der „Chefin" sei hiermit noch einmal besonders gedankt: Da wir schon sehr früh auf der burg ankamen, sich unsere Furcht vor Regen bei Anblick der dunklen Wolken vergrößerte, der „überschirmte" VIP-Bereich jedoch ausreserviert war, gab sie ihr ok für die Übersiedlung eines Tisches unter die Tribüne. So konnten wir beruhigt und zufrieden unser Essen genießen und uns auf den Beginn der Vorstellung freuen.

Die Open-Air Fans bei ihrem Spezialtisch am blauen Teppich

Heuer konnte man auch an den unterschiedlichen Webadressen erkennen, dass hier eine Ära zu Ende ging, anscheinend nicht ganz konfliktfrei. So gibt es auf der „alten" Seite nur noch einen kleinen Überblick über die früheren Produktionen und auf der neuen Website der Opernfestspiele fehlt der Hinweis auf Vergangenes ganz. Schade. 

Doch nun endlich zum Musikalischen.

Der neue Intendant und Dirigent Dr. Johannes Wildner (Foto © Oper Burg Gars)

Johannes Wildner ist nicht nur neuer Intendant, (wenngleich der Freischütz noch von seinem Vorgänger ausgewählt wurde) sondern hat auch die musikalische Leitung inne. Auch am letzten Tag der Aufführungsserie merkte man noch seine Begeisterung für die neue Aufgabe. Überrascht hat es allerdings schon, dass er vor dem berühmten Jägerchor vom Dirigentenpult auf die „Bühne" herab eilte und sich beim Publikum für das Kommen bedankte. Noch überraschender war es allerdings, dass er die Besucher zum Mitsingen aufforderte und auch gleich den Refrain einstudierte. Das wird man noch üben müssen – die Mitwirkung der Zuhörerschaft muss noch als dürftig bezeichnet werden.

Vor der Vorstellung

Am Dirigat gab es nichts auszusetzen. Schwungvoll wurde das Orchester – auch neu: Die Klangvereinigung Wien – jeder Anforderung gerecht. Das Bühnenbild harmonierte wunderbar mit der Ruine der Burg, einige „moderne" Einfälle wie die „Yogaübungen" des Eremiten oder der „Friseursessel" widersetzten sich zwar meinen Interpretationsversuchen, wobei ich zweiteren noch als Hochzeitsvorbereitung ansehen kann, aber man kann ja ohne weiteres einmal einen anderen Weg gehen.

Gesanglich und schauspielerisch ausgezeichnet – Der Chor der Oper Burg Gars

Hervorragend der Chor der Oper der Burg Gars, auch was seine schauspielerische Darstellung betraf.

Agathe und Ännchen

Wunderbar Yasushi Hirano als Eremit, hervorragend Selcuk Cara als Caspar und Claudia Goebl als Ännchen. Alle drei beeindrucken auch durch ihre Ausdruckskraft und ihr Schauspiel. Michael Bedjai als Max und Bettina Jensen als Agathe hatten einige wunderbare Momente und überzeugten mit solider Gesangesleistung. Sehr gefallen haben mir auch die Brautjungfern beim Binden des „Jungfernkranz".

Die Freikugeln werden gegossen

Große schwarze Wolken zogen am Beginn der Oper über die Burgruine, aber außer ein paar Tropfen, die unter Publikum und Darsteller schon einen kleinen Schrecken verbreiteten, blieb es dann doch trocken. 

Alles in allem: ein gelungener Abend, eine schöne Aufführung und wir sind schon gespannt auf das nächste Jahr.


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